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Der Dritte Streich

CharlesBradleyChangesCDCoverDer 68jährige amerikanische Soul- oder R&B-Sänger Charles Bradley war diesen Sommer bereits in Luzern zu hören, und im November kommt er erneut in die Schweiz und spielt im X-Tra in Zürich. Für Bradley sind internationale Auftritte und weltweiter Ruhm ein neues Phänomen, noch vor einem Jahrzehnt kannte man ihn nicht. Sein Album No Time for Dreaming von 2011 bedeutete seinen Durchbruch, und in dieses Jahr fällt auch sein Auftritt am «Jazznojazz» und damit sein Debut in der Schweiz. Der Soulsänger setzt dabei alle Tricks seiner Vorgänger gekonnt ein, und seine Musik klingt denn auch wie eine Synthese aus Bobby «Blue» Bland, Joe Cocker und James Brown. Mit dem «Godfather of Soul» teilt Charles Bradley auch die Stimmlage. Von Bland, bzw. Cocker stammt der seelentiefe Schrei, der Bradley den etwas gesuchten Spitznamen «The Screaming Eagle of Soul» eingebracht hat. Die Dritte CD Changes liegt nun vor mit 11 neuen Titeln, darunter ein wunderbares Cover. Er nimmt sich für seinen Titelsong eines Black Sabbath-Titels an und brilliert.

Die Biographie von Charles Bradley liest sich wie leider allzu viele Biographien von Schwarzen Künstlern, die heute zwischen 60 und 75 Jahre alt sind: Sie sind belastet mit jeder Menge Schwierigkeiten: da gibt es viele Frustrationen, Rückschläge und Neuanfänge, für die es immer wieder Kraft braucht. Bradley zählt zur Generation derer, die für den Amerikanischen Vietnam-Krieg (1965–1975) eingezogen wurden, und wenn er auch nicht selbst Dienst leisten musste, so ist doch seine Band mehrfach vom Einberufungsbefehl betroffen gewesen. Bei ihm gab es zudem die Tragödie, dass sein Neffe seinen Bruder erschossen hat. Ein Leben mit vielen Entwurzlungen, bis der in Gainesville, Florida geborene Sänger in Brooklyn heimisch wurde – zum zweiten Mal.

Nun, im Herbst seiner Karriere startet durch und erreicht den verdienten Erfolg: Charles Bradley verfügt über die perfekte Soul-R&B-Stimme, mit Schmerz und gezeichnet vom Leben, verzerren die Stimmbänder grad richtig, wenn der Sänger entsprechend artikuliert. Es gibt die grossen Stars in diesem Genre wie eben Joe Cocker oder Bobby, aber es gibt auch unzählige grossartige Sänger, die höchstens lokale Berühmtheit erlangen oder als Backgroundsänger Jahre fristen. «Mighty» Sam Mcclain, Arnold McCuller oder jetzt eben, Charles Bradley. Seit dieser 2011 angefangen hat, mit Gabriel Roth von «Daptone Records» und mit Gitarrist und Songwriter Thomas Brenneck zusammenzuarbeiten, ist er auf der Erfolgsstrasse, nach No Time For Dreaming (2011), auf der er auch die oben angesprochene innerfamiliäre Gewalt anspricht und Victim of Love (2013) folgte in diesem Jahr Changes.

Die elf Titel sind gleichbleibend in Stil und Intensität: meist langsamer Soul, ohne «funky» zu werden. Dies ist langsame Schmuse-Musik mit Bläsersätzen, klassischer Soul-Sound, beinahe etwas Retro. Sein Gesang und die langsamen, intensiv gesungenen und zurückhaltend instrumentierten Titel gehen unter die Haut, das ist schöne Musik. Es ist kein Blues im harmonischen Sinn, aber was die emotionale Intensität der Titel angeht, entsteht gleichwohl ein Blues-Feeling.

Die 11 Titel beinhalten das Cover von Changes, eines Titel von Black Sabbath (auf Children of the Grave von 1976). Bradley entstaubt den Titel bedächtig und es ist schon bei Sabbath eine sanfte Ballade. Etwas sonderbar erscheint –  insbesondere wenn man Bradley Biographie berücksichtigt – der erste Titel God Bless America, eine süssliche Liebeserklärung an das Land, die für europäische Ohren etwas übertrieben wirkt. Mit Good to Be Back Home geht es gleich im selben Stil weiter. Aber man muss die Texte ja nicht hören.

Die weiteren Titel sind radiotaugliche ansprechende Soul-Titel, und es bleibt zu hoffen, dass Charles Bradley weiterhin in regelmässigem Abstand schöne Soul-Musik singt mit seiner immer wieder an James Brown erinnernden Intensität. Und am 20. November kann man sich im Zürcher «X-TRA» von den Qualitäten des Mannes live überzeugen.

Charles Bradley Changes (2015)
Charles Bradley Gesang
William Schalda Keyboards
Frederick Deboe, Saxophon
William Aukstik Trompete
Benny Trokan Gitarre, Gesang
Vincent Chiarito Bass
Carlos Sanchez Schlagzeug, Gesang
 
1. God Bless America 1:31
2. Good to Be Back Home 3:01
3. Nobody but You 3:58
4. Ain't Gonna Give It Up 3:53
5. Changes 5:43
6. Ain't It a Sin 3:49
7. Things We Do for Love 3:28
8. Crazy for Your Love 4:19
9. You Think I Don't Know (But I Know) 3:53
10. Change for the World 3:33
11. Slow Love 3:38

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