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Diggin‘ The Blues heisst das Studioalbum, das seit Mitte Dezember 2014 erhältlich ist. Diggin‘ The Blues heisst die Band und genauso lautet auch das Motto der Gruppe um René Lutz: . . .eine Blues Band zu haben, die in alten Vinyldokumenten gräbt und die verschiedensten Bluessongs von vorgestern bis heute auf eine ganz eigene Weise selber interpretiert. Diesen Anspruch erfüllt die Band mit allen zwölf Songs auch auf ihrer vierten CD. Diggin‘ The Blues ist jedoch weder eine Revival- noch eine Tribute Band. Die Zusammensetzung der Songliste folgt daher keiner zeitlichen oder stilistischen Kategorie und beschränkt sich schon gar nicht auf eine Band, deren Titel nachgespielt werden. Vielmehr wurden einfach Titel ausgesucht, die der Gruppe gefallen. Darunter auch Songs aus dem «Great American Songbook», wie Come Rain Or Come Shine und Baby It’s Cold Outside und traditionelle Klassiker wie St. James Infirmary. Wir haben uns angehört, was sie ausgegraben haben und befassen uns ein wenig mit der Geschichte der Songs.

Das Cover im Stil des bekannten Denkmals von Arlington zeigt die Band vor einer über die Jahre verblichenen und völlig vom Wind zerfledderten US Flagge, am Rande einer Grube, in den Händen die Grabwerkzeuge. René Lutz hält stolz und staunend den gefundenen Schatz, eine strahlende Harp in die Höhe und alle starren voller Ehrfurcht darauf. Das Album wurde in nur zwei Tagen eingespielt. Neben der Band sind als Gäste die Sängerinnen Lilly Martin und Jay Nicehill, sowie der Saxophonist Ernst Wirz zu hören.

Das Album beginnt mit Bigger Wheel, einem Titel von Stephen Bruton, der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Kris Kristofferson bekannt geworden ist.  Der Song ist mit Bläsersatz und Harpeinsatz arrangiert und ein toller Opener. Der folgende Titel,  Help The Poor stammt aus der Feder von Charles Singleton, der so prächtige Hits wie Spanish Eyes oder Stranger In The Night geschrieben hat, deren Melodien allerdings auf Bert Kämpfert und Herbert Rehbein zurückgehen, von Singleton (und Eddie Snyder) stammt der Text. Bekannt sind Cover von Eric Clapton («Riding With The King») und Robben Ford. Diggin‘ The Blues orientiert sich eher an der Clapton/King Version mit deutlichem Latin Einfluss, als an die rockigere Variante Robben Fords und reichert sie mit Saxophon und Hammondklängen an.

Von T-Bone Walker wurde der T-Bone Shuffle ausgesucht, nicht dessen Gassenhauer Stormy Monday. Der Song wurde ziemlich umgekrempelt. Das typische Eröffnungsriff ist verschwunden, dafür wurde dem Song mit Bläsersatz und Pianosprenkeln, sowie einem Harpsolo mehr Körper gegeben. Ein gut gelungenes Arrangement.Ein Klassiker ist St. James Infirmary. Der Song wird von uns allen mit New Orleans in Zusammenhang gebracht, obwohl er eigentlich auf ein englisches Volkslied zurückgeht. Er wurde unzählige Male gecovert und in allen möglichen Stilarten gespielt. Es gibt wenige Songs, die in so vielen Varianten von so vielen Künstlern interpretiert worden sind.  Diggin‘ The Blues fügt dieser Liste eine weitere, frische und attraktive Version hinzu. Das Lied wird meistens in der Variante vorgetragen, bei welcher der Sänger nicht Big Joe McKennedys Geschichte erzählt, sondern seine eigene und auch Diggin‘ The Blues hat sich für diese Form entschieden. Der Text wurde etwas verändert. Aus der Zeile «So sweet, so cool, so fair» wird zum Beispiel «So sweet, so cool, so far away» und auch der Wunsch nach der Ausrichtung seiner eigenen Beerdigung ist weit weniger ausführlich. Dadurch tritt der Verlust der Geliebten mehr in den Vordergrund. Auch die Melodie wurde leicht modifiziert.  

Bad Things ist der Titelsong der TV Vampirserie «True Blood», der von Jace Everett geschrieben wurde und es in die englische Hitparade schaffte. Etwas langsamer als das Original wirkt der Song mit dem schrägen Barrelhouse Piano und René Lutz‘ Gesang einen Tick verruchter, als Everetts Interpretation, was den Inhalt des Songs wunderbar unterstreicht. Harold Arlen und John Mercer haben viele Hits geschrieben, erwähnt seien Stormy Weather, Old Black Magic und I’ve Got The World On A String. Von diesem kreativen Duo stammt auch Come Rain Or Come Shine, der sechste Titel des Albums. Kantiger, als die bekannten weichgespülten Versionen von Ray Charles, Etta James, Dinah Washington oder Frank Sinatra, wird aus dem Schmusesong eine erfrischende Variante ohne Zuckerguss, ohne dass der romantische Charakter verloren geht.

 

Es gibt Songs, von welchen sich eine spezielle Interpretation so sehr im Gehör festgesetzt hat, dass sie für immer der Massstab jedes Covers bleibt. Dazu gehört Fats Wallers Hello Josephine. Der Song ist das Resultat einer Zusammenarbeit zwischen Fats Domino und Dave Bartholomew. Letzterer hat auch Kracher wie Lawdy Miss Dawdy oder My Ding-A-Ling geschrieben. Das vorliegende Cover zeugt von viel Respekt vor Fats Wallers Version, traut sich aber trotzdem an den Song und motzt ihn instrumental auf. Das Resultat ist eine Variante mit mehr New Orleans Feeling. Sehr gut gelungen. Come Rain Or Come Shine stammt aus der Feder des Songwriter Duos Harold Arlen/John Mercer, die für Welthits wie Stormy Weather, Old Black Magic, oder auch I’ve Got The World on a String verantwortlich sind. Baby It’s Cold Outside, eines der köstlichsten Verführungsspiele der Musikgeschichte, stammt vom deutschstämmigen New Yorker Komponisten Frank Loesser und gewann 1950 sogar einen Oskar. Es geht um ein Paar, das sich gegenseitig mit faulen Ausreden zum Bleiben überreden, beziehungsweise von der Notwendigkeit des nach-Hause-Gehens überzeugen will. Ein herrlich augenzwinkerndes Duett mit Lilly Martin, das keinen Vergleich mit den bekannten zeitnahen Einspielungen scheuen muss.

No Time, No More ist der einzige Titel aus der eigenen Küche. Der schwungvolle Song stammt von Drummer Marcel Rüegg. Hey Pocky Way von Joseph Modeliste und Arthur L. Neville war für The Meters und die Neville Brothers ein grosser Erfolg. Deren funky Version ist kaum zu überbieten, aber diese hier ist auch nicht von schlechten Eltern. Dasselbe gilt auch für den nächsten Song. Help Me wurde von Willie Dixon und Sonny Boy Williamson II nach Motiven des Hits Green Onions (Booker T. and the MGs) geschrieben. Williamson war ohne Zweifel ein Ausnahmetalent, für viele ist er bis heute der beste Harpspieler überhaupt. Seine Version lebt daher von seinem Harpspiel. Die Diggin' Version ist fetter  arrangiert.

Das letzte Stück der Ausgrabungen förderte eine Moritat zu Tage. Stagger Lee ist die schauerliche Geschichte über einen Streit zweier Männer. Stagger Lee, der eigentlich Lee Shelton hiess und Kutscher und Zuhälter war, erschoss Billy Lyons, am Heiligen Abend 1895. Beim Streit ging es um einen 5 Dollar Stetson Hut. Es ging jedoch wohl kaum um den Wert der Kopfbedeckung. Vielmehr war dieser Hut damals ein Symbol für Männlichkeit und es war Schwarzen nicht erlaubt, ihn zu tragen, weil erwachsene, männliche Schwarze nicht als Männer, sondern als «Boys» angesehen wurden. Insofern betrachteten die Weissen Stagger Lee als Inbegriff des bösen schwarzen Mörders, während er für die Schwarzen auch als ein Symbol des Widerstands angesehen wurde. Der Song, inzwischen ein Volkslied,  wurde durch eine Vielzahl von Musikern interpretiert, wobei diverse Textvarianten entstanden sind. Die vorliegende Textversion ist mir nicht bekannt. Das spielt aber keine Rolle, denn letzten Endes wird einfach die Geschichte auf unterschiedliche Weise erzählt. Musikalisch läuft die Band für diesen letzten Titel des Albums zu Hochform auf und liefert eine begeisternde Version dieses Songs ab.

Zusammen gefasst: eine sehr schöne Scheibe mit Cover von unvergänglichen Klassikern, die mit dem nötigen Respekt eigenwillig und modern interpretiert und toll umgesetzt wurden. Durch die rasant kurze Einspielzeit wirkt das Album frisch und kohärent. Hoffentlich werden die Grabungsarbeiten nicht eingestellt.

Diggin‘ The Blues (2014), Sony Music



René Edmond Lutz, Gesang, Harmonika
Sleepy Eddie James, Gitarre
Reiny Schnyder, Piano/Hammond
Marco Leali, Gitarre
Aschy Beyeler, Saxophone
Bentley Heldner, Trompete
Marcel «Cello» Rüegg, Schlagzeug
H.P. Brack, Bassgitarre/Stehbass

Lilly Martin, Gesang (Track 8)
Jay Nicehill, Gesang (Tracks 1 und 10)
Ernst Wirz, Altsaxophon (Track 8  und 12)
 

1. Bigger Wheel 4:28
2. Help The Poor 4:25
3. T-Bone Shuffle 3:51
4. St. James Infirmary 4:51
5. Bad Things 2:50
6. Come Rain Or Come Shine 4:26
7. Hello Josephine 2:59
8. Baby It's Cold Outside Feat. Lili Martin 3:52
9. No Time No More 3:41
10. Hey Pocky Way 4:42
11. Help Me 4:33
12. Stagger Lee 4:10

 

 
 

Kommentare   

#2 Catherine 2015-03-21 13:06
Eine groovige CD, starker Sound, sexy Stimme! Hat mich in einer Krise erreicht und wieder auf die Spur gebracht. Aufbauend und antreibend. Sehr vielseitig, bei jedem Hören entdecke ich neue, spannende Facetten und auch heitere, witzige Aspekte. Keep diggin` ;-)
Dem Administrator melden
#1 Celine T. 2015-02-14 23:54
Eine supertolle. CD
Ich hoer sie immer und immer wieder.
Danke diggin the blues
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