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Bluesaholics Back In Blue 2010

Grosser Sound

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Es ist eine Zeit für Jubiläen: Nicht nur die Street Parade wird 20. 2011 erreicht auch die 1991 gegründete Schweizer Blues «Supergroup» Bluesaholics die magische Zahl. Die Jubiläums-CD Back in Blue, die erste Veröffentlichung seit 2005 ist eine Feier ihrer Musik, aber auch Beweis ihrer Vielseitigkeit anlässlich ihrer «Volljährigkeit»: Blues und mehr als Blues bieten die 13 Titel, darunter Rocksongs, Balladen und sogar Reggaeklänge, und zur grossen Freude auch etwas Ungewöhnliches: ein Dialekt-Blues und eine Dialekt-Adaption von CCRs Have You Ever Seen the Rain. Ein tolles Album einer Band, die zeigt, wie abwechslungsreich druckvoller Blues sein kann.

Der Eröffnungstitel Fortune Blues ist ein Shuffle mit eingängigem Riff  feinster Machart. Die Horn Section nimmt den Druck der Gitarrenriffs auf, dieser wird zurückgeworfen und treibt das Lied vorwärts. Talk Dirty setzt auf Background-Gesang. Die Gitarre erinnert an Chuck Berry, aber der Song ist eine eingängige Rocknummer.

Dann folgt die grosse Überraschung des Albums: Läblose Gägestand: Bluesaholics wagen sich hiermit an einen Mundart-Blues! Läblose Gägestand ist ein Liebeslied, der Sänger beklagt die Interessenlosigkeit seiner «Liebsten», die ihn schlecht behandelt, also ein typisches Bluesthema gut aufgearbeitet. Sänger «Zobi» Zobrist berichtet dann, was er alles sein möchte oder nicht im Leben seiner Liebsten, aber auf jedenfalls will er nicht nur totes Material, eben ein lebloser Gegenstand, sein. Philosophisch betrachtet entsteht dabei der Widerspruch, dass sich «Zobi» Zobrist im Song dagegen verwehrt, ein lebloser Gegenstand zu sein, er allerdings gleichzeitig am liebsten ihr Nachttischlämpchen wäre (weil sie ihn dann jeden Abend anmacht).

Not Like This ist ein rotziger Slide-Blues mit einer tollen Isabelle Loosli am Mikro. Benno Riss‘ wunderbare Harmonika heult dazu im Hintergrund. Verhalten begonnen geht der Song in der Hälfte ziemlich ab. Der ganze Titel liegt irgendwo zwischen Bonnie Raitt und ZZ Top. Recall klingt auch etwas nach den Bartrockern aus Texas, viel Druck, Power und stets an den rechten Stellen. Ein toller Song.

Nun sind ja Bluesaholics eine Band mit elf Mitgliedern und einer gut bestückten Horn Section. Bei den ersten Titeln der CD (mit Ausnahme des Eröffnungsstücks) war ein Teil der Band unterbeschäftigt. Das ändert mit Until You Save Me, wo Keyboards und Bläser wieder deutlicher mitmischen können. Isabelle Loosli stellt in diesem erneut eher dem Rock zuzurechnenden Titel ihregesangstechnische Vielseitigkeit unter Beweis. Anything You Do nimmt mit lustigem Text für sich ein, dazu ein fetziger Groove. Hier ist insbesondere die Rhythm Section im Zusammenspiel mit der Rhythmusgitarre gefragt, damit der komplexe Rhythmus fetzig bleibt, aber 20 Jahre Erfahrung werden hier deutlich. Als achter Song folgt Rägeboge. Dies ist eine Dialektfassung des CCR-Klassikers Have You Ever Seen The Rain. Der Stimme nach scheint hier nicht Zobrist zu singen, die Stimme ist heller und der Song klingt so richtig nach Schweizer Sommerhit. Hämu Plüss empfindet mit seinem Gitarrensolo John Fogertys Stil gut nach. So wird aus einem Oldie wieder ein neuer Titel, den sich Blueaholics hier aneignen.

The Reason bringt dann einen Stimmungswechsel, Arpeggien auf der Gitarre, Isabelles Stimme hier flehend ist dies teils Slow Blues teils Rock-Ballade. Anything you Say ist dann der lange erwartete Showcase für die Bläser, die das Stück nicht nur bestimmt und zieldienlich anreichern, sondern der Song bringt zudem ein wunderbares Trompetensolo. Textlich angelehnt an Jimmy Reeds Baby What You Want Me to Do ist dies ein Song, der erneut die musikalische Wandelbarkeit unter Beweis stellt.

Just A Fool ist dann wieder Gitarre. Der Eröffnungsriff spielt auf Layla an. Auch im Solo ist Claptons Einfluss wahrnehmbar. Ein idealer Song für Cabrio-Fahrer, die Just a Foolaus den Boxen dröhnen lassen können, aber auch für Liebhaber gepflegter Rockmusik ohne solch ein Fahrzeug ist dies ein schöner Titel. Spider bringt erneut alle Kräfte der Band zusammen: Harmonika, Gitarrenriff und Bläser, das Schlagzeug gut wahrnehmbar. Der Schlusssong Why Don't We Try ist ein Reggae-Blues, indem es musikalisch ein Reggae ist, aber vom Text her klar Blues. Schöner Abschluss einer rundum gelungenen Veröffentlichung.

Das Konzept der Band Bluesaholics, mit Vielseitigkeit zu punkten, geht mal wieder vollkommen auf: Die Band — vor 20 Jahren hervorgegangen aus der Fusion von Bluescompany und der Hagelwätter Blues Band — bietet auf Back in Blue drei unterschiedlichen Singstimmen, die musikalische Bandbreite spannt sich von Rockballade bis Texas Bluesrock und sie bietet immer wieder neue Aspekte der Musik. Durchgehend treu bleibt sich Band mit ihrem selbstauferlegten Streben nach Qualität. So bleibt nur zu hoffen, dass die nächsten 20 Jahre weiterhin erfolgreich sein können, und wer ein Konzert der Jubiläumstournee miterleben kann, wird sicherlich nicht enttäuscht werden.

Für alle anderen: Das Album ist für Fr. 30.- im Internetshop der Band zu erstehen. Das ist sicher nicht billig, aber man kriegt eine Scheibe voller Qualität. Und damit man die Katze nicht im Sack kaufen muss, kann man hier von jedem Titel Hörproben anhören.

Bluesaholics – Back In Blue 2010
1 Fortune Blues
2 Talk Dirty
3 Läblose Gägestand
4 Not like This
5 Recall
6 Until You Save Me
7 Anything You Do
8 Rägeboge
9 The Reason
10 Anything You Say
11 Just A Fool
12 Spider
13 Why Don't We Try