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Der Schamane

Buddy Guy spielt an jedem Konzert, was sein Herz ihm an diesem Abend vorgibt, deshalb sind Konzerte des Louisiana-Bluesman aus Chicago immer sehr speziell. Am Abend, da die DVD aufgenommen wurde, war er augenscheinlich gut drauf und er spielte ein tolles Konzert, bei dem er sich um eine tolle Show bemüht und dabei nichts auslässt. Das Konzert ist eine gute Stunde grossartige Unterhaltung mit einem hervorragenden Headliner und einer tollen Band im Rücken. Da es so wenige Konzertmitschnitte von Buddy Guy gibt, stellt diese DVD eine gute Gelegenheit dar, den Bluesman in Hochform kennen zu lernen oder wieder zu treffen.

Buddy Guy ist noch immer der Alte: trotz seinen inzwischen 75 Lebensjahren ist dieser Mann kein bisschen ruhig: er tigert wie eh und je auf der Bühne herum, scherzt mit dem Publikum, spielt Soli einhändig oder hinter dem Rücken, bzw. mit den Zähnen. Er verschenkt Plektren während des Konzerts und hat insgesamt viel Spass auf der Bühne. Das Alter ist ihm höchstens in Liedtexten anzumerken. In Mustang Sallyheisst es inzwischen «I Bought You a vintage Mustang», wo es einst anstelle von «vintage» «brandnew» hiess. Der Mann ist bewundernswert fit auf der Bühne und das hat auch mit seiner Musik zu tun. Es ist offensichtlich im Konzert, wie sehr dies ein Jungbrunnen für ihn ist, wie er es geniesst, mit dem Publikum seine Scherzchen zu treiben.

Das gezeigte Konzert ist alles andere als aktuell: Am 28. Juni 2008 im Rahmen des «Jazz World Stage» trat Buddy Guy in Glastonbury, England auf (später am Abend folgte Amy Winehouse) und die BBC hat eine einstündige DVD dieses Konzerts erst jetzt publiziert. Die DVD ist miserabel gemacht, was das Technische angeht: nur eine Tonspur, keine sonstigen Luxuseinstellungen wie Kamerawinkel oder auch nur ein vernünftiges Booklet drin. Es gibt noch eine andere Version der DVD, mit einem Auftritt von John Mayer, diese mag besser ausgestattet sein, aber die der Redaktion vorliegende Fassung hatte nichts zu bieten. Immerhin muss man sagen, dass im Gegensatz zu anderen DVDs, die hier schon besprochen wurden wenigstens keine Songs verstückelt und verstümmelt sind, eine Unsitte, über die man sich schon bei früheren Videos des Meisters ärgern musste: Die Interview-Schnipsel auf The Real Deal sind eine Zumutung. Hier keine übereifrigen Cutter, man lässt dem Konzert seinen Raum.

Buddy Guy übernimmt selbstredend Gesang und die Leadgitarre, der Puls kommt vom stets gut hörbaren Duo Orlando Wright am Bass und Tim Austin amSchlagzeug. Als Melodieinstrumente hat er Ric Hall an einer Gitarre, die entfernt wie jene des Meisters selbst klingt und der einige Soli übernehmen darf und schliesslich Marty Sammon an den Keyboards. Der Mann ist wirklich ein hervorragender Pianist, der seine Tasten stets im Griff hat. Er spielt einige tolle Soli und seine Begleitung auf Got my mojo working ist getreulich dem Vorbild Pinetop Perkins nachgespielt. Im Gegensatz zu vielen anderen Auftritten Guys wie am «Crossroads Guitar Festival» von Eric Clapton oder im Film Shine a Light mit den Rolling Stones spielt er hier mit eigener Band und das ist bei jemandem, der so impulsiv ist wie Buddy Guy wichtig: die Band geht auf jeden Aspekt seiner Performance routiniert ein. Dies wiederum gibt ihm die Freiheit, sich um seinen Flirt mit dem Publikum zu kümmern.

Was die Songauswahl angeht, so geht es durch das gesamte Schaffen, eröffnet wird mit Little By Little als Klassiker, es folgt Mustang Sally und Peggy Lees Fever. Alles Titel, die er seit Jahrzehnten spielt, aber eben nur einmal an diesem speziellen Abend. Seiner ebenfalls seit längerem praktizierten Gewohnheit, den Gitarrenstil von Kollegen nachzumachen, frönt er hier erneut: John Lee Hookers Boom Boom ist hier mehr als nur der Signature-Lick, er führt das Stück tatsächlich auf. Dann folgt Strange Brew, mit welchem er Clapton nachmacht und deutlich persifliert. Der minimalistische Gitarrenton von Just One Night wird hier am Anfang des Cream-Titels zelebriert. Kein Wunder, hält jemand im Publikum ein Spruchband auf mit den Worten: «Buddy Guy is God».

Mit den drei langsameren Titeln Slippin’ in, Feels like the rain und Skin Deep von der damals neu veröffentlichten gleichnamigen CD legt er eine sanfte und sehr gefühlvolle Episode ein, und während diesen titeln versucht er wirklich das Publikum zu erreichen. Er ist der Magier, der Schamane, der die an diesem Abend anwesenden Engländer in die andere Welt führen will, indem er zwischen den Welten des Gefühls und dem konkreten Auftritt hin und her wandelt. Skin Deep insbesondere ist ein Titel, bei dem man eigentlich Feuerzeuge anzünden müsste, so zart und weich kommt die Ballade gegen Rassismus hier daher.

Zum Schluss folgen Knaller wie Got my mojo working oder Drowning on dry Land sowie ein Medley mit Voodoo Chile und Sunshine of your Love, die er anspielt, um die Stimmung nochmal hochzureissen. Drowning… ist ein neuer Titel, der bisher erst auf Bootlegs verfügbar war. Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Titel von Mannfred Mann's Earth Band, ist dieser Titel durch Roy Buchanan bekannt (auf dem 20. Geburtstagssampler von Alligator Records). Insgesamt ist dies ein toller und energetischer Auftritt, der dem Publikum wie auch Guy selbst viel Freude bereitete und ansteckend wirkt, auch am heimatlichen Bildschirm.

Zum Schluss noch ein Tipp: Hier der Link zu einer Seite mit sämtlichen Liedtexten von Buddy Guy, die mir neulich über den weg lief: http://www.whosdatedwho.com/tpx_48154/buddy-guy/songs

Buddy Guy at Glastonbury DVD
 
Buddy Guy: Gesang, Leadgitarre
Orlando Wright: Bass
Tim Austin: Schlagzeug
Ric Hall: Gitarre
Marty Sammon: Keyboards

 Little by little (5:56)
Mustang Sally (7:41)
(you give me) Fever (5:57)
Damn right I’ve got the blues (6:13)
Boom Boom (2:15)
Strange Brew (3:28)
Slippin’ in (5:44)
Feels like the rain (3:06)
Skin Deep (6:56)
Got my mojo working (4:07)
Drowning on dry land (4:23)
Medley: Voodoo Chile, Sunshine of Your Love, On a Saturday night (7:22)

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