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CDs/LPs

Perfekt nachempfunden

SiCranstounOldSchoolCDCoverDer Engländer Si Cranstoun hat sich der Vintage-Musik verschrieben, sein Engagement mit seiner Band in Old-Time-Diskotheken der Themse-Stadt hat ihn den rechten Groove finden lassen, und sein aktuelles Album Old School zeigt, was die Band kann und vor allem auch, was Si Cranstoun selbst kann, dessen Gesang herausragend die Stimmung von Rock’n’Roll-Unterhaltungsmusik der 1950er Jahre nachempfindet. Beeinflusst von seinen Vorbildern klingt er wie Jackie Wilson oder Sam Cooke, also mit mehr Soul in der Musik als die Rock’n’Roll Revues von Elvis-Impersonatoren. Seine Musik baut auf die Kerninstrumente Gitarre, Bass, und Schlagzeug mit nur seltenem Einsatz von Bläsern, Piano oder Background-Sängern und die Band hat das erforderliche Feeling: gemächlich und geniesserisch werden die Titel zelebriert – grosses Kino und eine Scheibe, die nicht nur bei der Ü50-Party für Furore sorgen dürfte. Die Musik ist ebenso gut dem Original nachempfunden wie das CD-Cover. Vintage  ohne Kompromisse wird hier geboten.

Der eigene Weg

DevonAllmanRideOrDieCDCover«Rock-Gitarrist, aus Texas, Alter Mitte vierzig, mit Band und einiger Erfahrung, sucht seinen Platz im Rampenlicht.» Was wie eine x-beliebige Kontaktanzeige daherkommen könnte, ist keine ganz normale «Bewerbung» um Ruhm und Ehre – denn der fragliche Mann trägt den Nachnamen erlauchter Angehöriger des Blues-Rock-Adels in den USA: Allman. Was Devon Allman, dem 1972 geborenen Sohn von Gregg Allman und Shelley Kay Jefts, aber höchstens genetische Vorteile brachte, denn die Eltern trennten sich und Devon wuchs in Texas als normales Vorstadtkind auf und lernte seinen Vater erst als Teenager kennen. Devon Allman war Mitglied der Bands Honeytribe und Royal Southern Brotherhood, und nach dem Erstling Ragged & Dirty mit der Devon Allman Band liegt nun mit Ride or Die schon das dritte Album vor. Zu hören ist Rock mit Anspruch, sorgfältig arrangiert und vorzüglich abgemischt (Kompliment an Ruf Records), kaum etwas daran ist Blues, die Musik ist eher als Country-Rock oder Southern Rock.

Beth Harts Altersrente

BethHartFireontheFloorCDCoverDie amerikanische Sängerin Beth Hart hat eine Stimme wie geschaffen für den Blues. Auf ihrem neuen Album Fire on the Floor, produziert von Oliver Leiber in den «Ollywood Studios» in der Filmmetropole bei Los Angeles setzt sie diese Stimme ein für schmalzige Balladen und Popmusik im Wortsinn. So «populär» diese Songs auch werden dürften – denn Radiostationen spielen solche Musik weltweit gerne zwischen Staumeldungen und überflüssigen Aufrufen zur Interaktivität — für Bluesfans ist das Album eine grosse Enttäuschung. Wer Blues mag, wird bei zwei oder drei Titeln ansatzweise auf die Rechnung kommen, der Rest des Albums ist mit hitparadenkonformem Pop angefüllt, bei dem zwar noch immer Harts Stimme obenaus schwingt, der aber mit dem Genre, um das wir uns auf dieser Website am liebsten kümmern, kaum mehr Ähnlichkeit aufweist.

Durchs Jahr mit Zed Mitchell

ZedMitchellBandOnStageZed Mitchell hat lange auf seine Chance gewartet, und allmählich wird es Zeit für ihn, als Sideman und Studiogitarrist aus dem Schatten grosser Namen zu treten und sich um die eigenen Veröffentlichungen und den eigenen Namen zu kümmern. Der bereits seit 1970 als Profimusiker spielende Mitchell geniesst seit einem Hit namens Shoshana von 1974 einen gewissen Erfolg, und Insidern ist er als glänzender Gitarrist bekannt. Der im ehemaligen Jugoslawien aufgewachsene Mitchell hat sich in Deutschland etabliert und er hat seine Tourneen als Support-Act absolviert (u.a. Für Deep Purple und Focus), aber nun sucht er Ruhm und Erfolg unter seinem eigenem Namen. Wie das Leben   spielt: mittlerweile ist sein Sohn Ted seine Begleitung auf der Bühne, und der kahlköpfige Gitarrenpatriarch ist der unbestrittene Bandleader, der auch vorgibt, wie die Musik zu sein hat: in höchstem Mass radiotauglicher Pop-Rock mit sahnigen Gitarrensounds, süffiger Begleitung und Songtexten, die vor Klischees nur so strotzen. An der Musikalischen Qualität gibt es nicht das Geringste auszusetzen, die Kreativität und Innovation bleibt vielleicht etwas auf der Strecke, aber Mitchell ist eine unbestreitbare Macht als Gitarrist mit dem Händchen für Bluesrock-Power-Balladen.

Groovy und beschwingt

NicoBrina25HoursCDCover25 hours, 8 Days a Week, so heisst Nico Brinas 13. Album. Nun wissen wir endlich, wie der Bieler Pianist, Sänger und Komponist es schafft, neben seiner prall gefüllten Tour-Agenda, in schöner Regelmässigkeit ein neues Album zu veröffentlichen: Mit einem 25 Stunden Tag. Mit jeder neue CD hat sich der Tastenzauberer bisher ein Stück weiterentwickelt. Das ist auch auf diesem Album zu hören. Musikalisch ausgewogen spannt er den Bogen vom groovigen Boogie bis zur romantischen Ballade. Und es ist sein bisher persönlichstes Album. Am 4. November 2016 ist die CD Taufe im Playoff Thun.

Jung oder Alt — das Genie bleibt

AllenToussaintaltAmericanTunesCDCoverDer erste Todestag des Komponisten, Arrangeurs, Songschreiber, Produzenten und Pianisten Allen Toussaint (1938–2015) jährt sich am 10. November (hier unser Nachruf) und bluesnews.ch hat die Publikation seines posthumen Albums American Tunes zum Anlass genommen, dieses Spätwerk mit Toussaints früher Schaffensperiode zu vergleichen, als er von 1972 bis 1978 mehrere Alben für «Warner» herausgebracht hat. Diese Aufnahmen sind 2003 erschienen auf dem Doppelalbum The Complete Warner Recordings. Der Unterschied zwischen dem jungen Arrangeur und Produzenten in seinen Dreissigern, und dem Elder Statesman des New Orleans Pianos, den er als gesetzter Herr gab, ist stilistisch offensichtlich, nicht aber, was die Virtuosität und das legendäre Rhythmusgefühl des Bandleaders angeht. Die Warner-Titel sind eine Wundertüte, aber darin finden sich Trouvaillen von rarer Schönheit. Gemeinsam mit den Covers auf American Tunes demonstrieren die beiden Alben die Vielseitigkeit dieses Mannes, den man als «Cole Porter von New Orleans» bezeichnet hat.

Kürzlich angehört

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