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Die Brücke über den Atlantik

Tausendsassa Joe Bonamassa hat eine neue Form der Publikation ausgetestet und seine Fans mal wieder mit einem Album beglückt. Neben seinen Tourneen und Publikationen mit seiner regulären Band hat sich der umtriebige Gitarrist dieses Mal auf einen einmaligen Gig eingelassen. Für dieses Konzert hat sich Joe Bonamassa eigens eine Band zusammen gestellt, die erstklassig bestückt ist und die Bonamassas Konzentration auf Chicaco-Blues erstklassig begleiten kann. Denn wie der Titel des Programms Muddy Wolf At Red Rocks andeutet, waren es am 31. August vornehmlich die Hits der beiden Chicago-Bluesmen «Muddy» und «The Wolf», die in den Nachthimmel der Rocky Mountains verklangen.  Dieses Konzert ist nun als Audio oder Audio-Video-Aufnahme über die bekannten Medienkanäle verfügbar und somit nun auch für alle zu hören und zu sehen, die nicht zu den 9000 Anwesenden zählten, die am 31. August 2014 im Red Rocks Amphitheater in Denver, Colorado waren und dieses Konzert live erlebten. Joe Bonamassa zeigt eine neue Seite von sich, ohne das bisherige Erfolgsrezept hinter sich zu lassen. Mit dem Wohltätigkeitskonzert nahm Joe Bonamassa 40'000 US$ für seine Stiftung «Keeping the Blues alive» ein.

Thematisch konzentrierte sich Bonamassa für dieses einmalige Konzert mehrheitlich auf Chicago-Blues. So erweist er den beiden Grössen des Chicago-Blues McKinley Morganfield (1913–1983) alias Muddy Waters und Chester Burnett (1910-1976)alias The Howlin' Wolf Referenz. Beide waren die grossen Hit-Lieferanten der 1950er Jahre für «Chess-Records» und gleichzeitig die beiden grössten Bandleader im Blues, in deren Bands viele der grossen Namen des Blues mitspielten und damit die Grundlage für ihre eigene Karriere legten: Little Walter, Otis Spann, Jimmy Rogers, Pinetop Perkins, Junior Wells, Buddy Guy, Bob Margolin, James Cotton, Willie «Big Eyes» Smith spielten alle mit Muddy Waters, zu den Mitgliedern von Howlin' Wolfs Band zählten neben Hubert Sumlin, Jimmy Rogers und erneut Buddy Guy auch weniger bekannte Namen wie Willie Johnson, Jody Williams, Lee Cooper, L.D. McGhee, Otis «Big Smokey» Smothers, «Little Smokey» Smothers und Freddie Robinson. «Muddy» und «Wolf» Beide führten zahlreiche der Titel auf, die Willie Dixon für sie geschrieben und arrangiert hatte und auf denen er häufig als Bassist zu hören ist.

 

Für Joe Bonamassa steht hier aber nicht im Vordergrund, die Musik der Vorbilder historisch korrekt aufzuführen. Er versucht auf dieser Aufnahme somit nur in Ansätzen eine Rekonstruktion des klassischen Sounds. Sein Verständnis des Blues leitet sich bekanntlich weniger direkt von den amerikanischen Vorbildern ab als von den englischen Musiker von Cream bis Rolling Stones und deren Rezeption des Blues. Auf diesem Album strebt Bonamassa eine Art Synthese aus verhaltenem Chicago-Sound und den Gitarrensoli der «British Invasion» an. Zu diesem Zweck hat er sich eine grosse Band auf die Bühne geholt, mit dreiköpfiger Horn-Sektion und Harmonika-Spieler. Hier spielt stärker ein Ensemble als man dies sonst von Bonamassa gewohnt ist, und das tut seiner Musik durchaus gut, denn es fügt eine weitere Ebene hinzu. Die Leute sind alles Veteranen, die in unterschiedlichen Settings zu spielen gewohnt sind und in der Tat klingt die Band als ob die seit Jahren zusammen spielten. Wirklich bewundernswert.

Neben Joe Bonamassa spielen Michael Rhodes am Bass und Anton Fig am Schlagzeug, beides spielten jahrelang in Bands von US-Fernsehshows. Rhythmusgitarrist ist Kirk Fletcher, der in Basel oder Bellinzona auch schon als Headliner zu hören war, und der ein feiner Blues-Gitarrist ist. Für die Tasten hat sich Bonamassa Reese Wynans geholt, der auf den späteren Alben von Stevie Ray Vaughan Pianist und Keyboarder war. Die Bläser bestehen aus Lee Thornburg Trompete und Arrangements, Ron Dziubla Saxophon und Nick Lane Posaune. Die für den Chicago-Sound unabdingbare Harmonika spieltMike Henderson.

Trotz neuer Band und neuem Material ist dies kein völlig neuer Joe Bonamassa. Allerdings zwingt ihn das Liedgut der Vorbilder, sich den Titeln verhaltener und mit mehr Vorsicht zu nähern. Die Lead-Gitarre kriegt auch mal eine Pause und das lässt ihm mehr Raum für seinen Gesang, der nicht immer überzeugt, hier aber stark und überzeugend klingt. Die instrumentale Pyrotechnik als Gitarrist, für die er bekannt ist und geliebt wird, ist natürlich immer wieder zu hören, aber in jedem Titel ist das eine bewusste Steigerung und ein neuer Spannungsbogen, was die CD sehr abwechslungsreich macht. Die ersten acht Titel wie Tiger in Your Tank oder My Home is In The Delta orientieren sich an Muddy Waters. Danach folgen sieben Titel von Howlin' Wolf oder in dessen Stil. Die Zugaben werden dann mit Bonamassas eigenem Material bestritten, hier spielt er mit Krachern wie John Henry oder Sloe Gin seine Titel für das Publikum.

Bonamassas Versuch, beide Seiten zusammen zu bringen, den Chicago-Blues und die Englische Bluesrock-Fassung, wird deutlich im Titel Double Trouble. Dieser erstreckt sich über 7:30 Minuten, und die ersten drei Minuten ist nur Wynans Piano als Begleitung zum Gesang zu hören, ehe der Chef dann von 3:05 bis 3:27 mit einer einzigen Feedback-Note einsteigt. Ab da ist der Titel für die zweite Hälfte überdeutlich Eric Clapton auf Just One Night. Aber da Bonamassa beide Seiten nebeneinanderstellt, gibt es eben diesen Spannungsbogen, eine Steigerung, in der dann auch die letzten 2 Minuten mit seinem völlig atemlosen Solo mehr Sinn ergeben.

Dasselbe Muster ist auf Evil (Is Going On) zu hören oder auf dem Slow Blues  My Home is in the Delta, das er mit Slide spielt. Muddy Waters hätte niemals ein solches Gitarrensolo gespielt, aber Bonamassa wird trotzdem dem Vorbild gerecht, eben auf seine Art. Das Album kostet lediglich 15 Euro für das Musik Doppelalbum, dasselbe nochmal für die DVD oder blu-ray-Disk, der Download der Musik kostet gerade einmal 9,99. Für so wenig Geld erhält man diese Liebeserklärung an seine Vorbilder und ein Doppelalbum randvoll mit guter Musik.   

Joe Bonamassa Muddy Wolf At Red Rocks (2015)
Joe Bonamassa Gitarren, Gesang
Michael Rhodes Bass
Anton Fig Schlagzeug
Reese Wynans Keyboards
Mike Henderson Harmonica
Kirk Fletcher Gitarre
Lee Thornburg Trompete
Ron Dziubla Saxophon
Nick Lane Posaune
 
CD 1    
1. We Went down to the Mississippi Delta 2:51
2. Muddy Waters Talking 1:05
3. Tiger In Your Tank 4:30
4. I Can't Be Satisfied 4:38
5. You Shook Me 7:38
6. Stuff You Gotta Watch 5:09
7. Double Trouble 7:30
8. Real Love 3:17
9. My Home Is On The Delta 6:53
10. All Aboard 7:20
CD 2    
1. Howlin' Wolf Talking 0:42
2. How Many More Years 6:38
3. Shake For Me 5:13
4. Hidden Charms 3:15
5. Spoonful 8:00
6. Killing Floor 3:33
7. Evil (Is Going On) 6:29
8. All Night Boogie (All Night Long) 5:47
9. Hey Baby (New Rising Sun) 1:12
10. Oh Beautiful! 6:15
11. Love Ain't A Love Song 5:49
12. Sloe Gin 9:26
13. The Ballad of John Henry 8:18
14. Mississippi Heartbeat (Opening Title) 2:47
15. Muddy Wolf (Credits) 3:12
 
 
 

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