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Die Ruhe weg

Der 32jährige Südafrikaner Dan Patlansky fängt allmählich an, sich auch ausserhalb seiner Heimat einen Namen zu machen. So gab er 2013 seine ersten Klubauftritte in Europa. Er hatte in Johannesburg auch schon einen Auftritt als Opening Act für Bruce Springsteen und nun liegt mit dem Titel Dear Silence Thives sein siebtes Album vor. Darauf bringt der Strat-Spieler Patlansky eine Auswahl an Blues-Rock-Songs, aufgelockert durch die eine oder andere Power-Ballade. Insgesamt ein Album für Liebhaber des GROSSEN Gitarrensounds à la Stevie Ray Vaughan, und auch Dan Patlanskys Gitarre weist ihn als Musiker in der Tradition des Texas-Blues aus. Die im Albumtitel angesprochenen  «silence thieves», also die «Diebe der Stille» könnten auch die Mitglieder der Band selbst sein, denn diese lässt wenig Rum für Stille. Dafür aber für Ruhe, denn trotz heavy Bluesrock-Sound lässt das Album Zeit für Zwischentöne.

Dan Patlansky sieht gut aus, er spielt wunderbar Gitarre und  er hat diese leicht angerauhte amtliche Stimme eines Bluesrockers, entsprechend passen Image und Leistung voll zusammen, wenn der Sudafrikaner in die Saiten greift. Dazu kommt eine Band, die mit tongewaltiger Unterstützung die Grundlage für Patlansky legt. Auf der Website des Künstlers wird klar, dass er ein ausgesprochen vielseitige Musiker ist (allerdings nicht, wer ihn auf Dear Silence Thieves begleitet). So ist dieses siebte Album seit 1999 auch eine Rückkehr zum elektrischen Bluesrock, nachdem Wooden Thoughts von 2013 ein akustisches Album war. Die Bandbreite lässt sich vielleicht am Besten mittels Dans Youtube-Kanal in Erfahrung bringen. Patlansky wurde von Fender mit einem endorsement-Vertrag für Instrumente und Amps ausgestattet, womit er erst der sechste afrikanische Künstler ist, dem dieser Vorteil zuteil wird.

Die Titel sind in der Regel gut, manche fand ich etwas belangslos, so ist Taking Changes ein Abklatsch von Stevie Ray Vaughan-Power. Aber auch wenn ein Song nicht sehr kreativ sein mag —gut gespielt ist er dennoch. Der Mann weiss, was er an der Gitarre macht.

Gleichwohl ist dies kein Power-Album. Die akustische Ballade Windmill and the Sea ist Patlanskys Liedermacher-Moment. Eine Power-Ballade über akustische Gitarrenklänge. Auch Your War ist eine Ballade. Allerdings verlässt er hier das harmonische wie rhythmische Spektrum des Blues und es ist entsprechend eine Rock-Ballade.

Patlansky variiert auch seinen Gitarrenton. So hat Pop Collar Jockey einen faszinierenden Klang und auch das mehr Funk-als-Blues-Stück Feel Like Home hat einen tollen Sound. Insgesamt bietet Dan Patlansky ein abwechslungsreiches Album, auf dem hauptsächlich Rock zu hören ist, aber auch Ausflüge in den Funk und der eine oder andere Bluestitel sind dabei. Die CD wurde im Gegensatz zu den früheren mit einem Produzenten aufgenommen - Theo Crous – und dessen Handschrift ist insofern zu erkennen, als die CD eine einheitliche Handschrift aufweist. Es wäre aus Sicht des Rezensenten in manchen Songs zu wünschen, dass das Schlagzeug etwas weniger dominant auftritt.

Für den kommenden Sommer bleibt zu hoffen, dass Patlanskys Power auch live an einem Festival zu erleben sein wird. Bis dahin bleibt zu vermuten, dass er auch einem Schweizer Live-Publikum gehörig einheizen können würde.
 

Dan Patlansky Dear Silence Thieves (2014)
1. Backbite 3:52
2. Pop Collar Jockey 4:23
3. Fetch Your Spade 3:53
4. Hold On 5:04
5. Taking Changes 3:03
6. Windmills And The Sea 4:14
7. Only An Ocean (reprise) 4:08
8. Your War 5:48
9. Feels Like Home 3:28
10. Madison Lane 4:34

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