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Hard Love

Nachdem hier unlängst Timo Gross’ 2013er Veröffentlichung Landmarks rezensiert wurde, soll nun das aktuelle Album vorgestellt werden, das im September 2014 veröffentlicht wurde. It´s all about Love. Laut eigener Angabe auf der Website «lotet er die unerschöpflichen Dimensionen des Sujets ‚Love‘ aus». Wer allerdings eine Sammlung mit Liebesliedern erwartet, wird sich enttäuscht sehen. Überwiegend wird Bluesrock und Rockmusik geboten, die sich dem Thema der Liebe als Blues und Klagegesang annimmt. Das neue Album ist auch ein Wechsel des Labels, für das neue Album zeichnet «in-akustik» verantwortlich. Die CD ist stilistisch homogener, dadurch aber umgekehrt natürlich auch weniger vielseitig. Hier ist weitgehend Power angesagt, und zwar auf allen Rohren: Power-Gitarre spielt über Power-Schlagzeug und entsprechend wird mit Power-Stimme gesungen. So wird klar, wieso It‘s all about Love nicht als laid-back-CD beschrieben werden kann. Bei Timo Gross‘ Liebe geht es hart zur Sache.

Das Album It‘s all about Love des deutschen Gitarristen und Sänger mit 25 Jahren Bühnenerfahrung ist guter und fetziger Rock, zwischenzeitlich kommt auch mal eine Blues-Stimmung auf, aber in praktisch jedem Song gibt Timo Grossvoller Rohr. Ich erwähne das deshalb, weil auf der Bandwebsite behauptet wird, die Musik «oszilliert zwischen staubig und nass, zwischen derbem Bluesrock und feinsinnigem Americana.» Das trifft zumindest für meine Ohren nicht zu, da ist das Feinsinnige etwas unter die Räder des Derben geraten.

Wer es also gerne etwas wuchtiger mag, dem wird die CD zusagen. Wie nicht anders zu erwarten, ist das Gitarrenspiel über jeden Zweifel erhaben, aber mit Timo Gross‘ Stimme habe ich grössere Mühe. Sein Gesang wirkt gerne allzu angestrengt, allzu bemüht, und das ist schade, denn der Mann hat eine schöne und eigenwillig rauchige Stimme. So ist die Singstimme zu Beginn des Titels Lots of Fun charakteristischer und ausdrucksstärker als wenn dann die Power einsetzt und die Feinheiten ausgelöscht werden. Der Gesang ist zu oft nur Bindeglied zwischen den Intro und dem Gitarrensolo.

Dass Gross auch anders könnte, ist zu hören bei den  «feinsinnigen» Titeln. Rusty Nails erinnert deutlich und herrlich an J.J. Cale, sowohl im Gitarrenton wie auch im Gesang. Der andere Titel, der zunächst etwas aus der Reihe fällt, ist Aloha, das als ein akustisches Schmuselied beginnt und erst in der zweiten Hälfte zum Rockkracher wird. Und der letzte Titel ist erneut ein sanfter Song. Hat er sich auf Landmarks am Vorbild von James Taylor versucht, wofür seine Stimme ein wenig zu hart schien, so ist in diesem Slow Blues etwas im Gesang, das an Chris Rea erinnert. Seine Rauchige Stimme für einmal nicht angestrengt, treibend, sondern entspannt. Ein Höhepunkt zum Schluss.

Nachdem Gross seinen Vorbildern auf Landmarks Ehre erwiesen hat, tritt hier seine eigene musikalische Persönlichkeit stärker in den Vordergrund. Dabei zeigt sich Gross als einer der Erben auf den quasi-amtlichen Stevie-Ray-Vaughan-Gitarrenton, hier kombiniert mit einem Rock-Schlagzeug zu jeder Menge druckvollen Riffs und Soli.

 
It´s all about Love (2014)
Timo Gross; Gitarre, Gesang
Dominik Rivinius; Schlagzeug
Moritz Grenzmann; Bass
Manuel Bastian; Gitarre, Hammondorgel
Ralf Schalck; Gitarre (Track 6)

1. Bound to the shadows 3:45
2. Bitch 3:18
3. Radiate 4:31
4. King of nothing 4:27
5. Weep 5:04
6. Flying bird 4:40
7. Rusty nails 3:26
8. Lots of fun 3:28
9. What hurts you 4:20
10. Aloha 4:19
11. The sense of life 4:04
12. It´s all about love 6:13
 

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