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Einfach mal Slide spielen

KoechliSLideSpielbuchCoverIn seiner neuesten Lehrbuchpublikation wendet sich Richard Koechli an Gitarristinnen und Gitarristen, insbesondere die «Bottleneck-Freaks», und wohl auch an solche, die es mittels dieses Buches werden wollen. Koechli hat in seinem Fundus gegraben und er legt hier zwölf Stücke von unterschiedlichen Stilcharakteristiken vor, die er mit grosser Sorgfalt transkribiert hat, und die nachzuspielen der Sinn dieses Buches ist. Es ist – wie der Untertitel sagt – ein Spielbuch, konsequent zweisprachig deutsch und englisch gehalten, und darin gibt es feine Übungsstücke. Es ist wirklich «für jeden etwas dabei», wie man sagt, und die stilistische Vielfalt macht gleichzeitig deutlich, dass Slide-Spiel nicht nur etwas ist für Bluesmusiker, sondern vielmehr ein alternativer Zugang zur Gitarre. Und es macht zumindest grossen Spass, in diesen offenen Stimmungen herumzupröbeln – dank Richard Koechli unter fachkundiger Anleitung.

Ohne Zweifel ist Richard Koechli einer der besten, wenn es darum geht, mit dem Slide zu spielen, auch Bottleneck genannt. Mit einem Metall- oder Glasröhrchen über einem Finger eine akustische Gitarre zu spielen, gehört zu den ikonischen Bildern des Blues, aber Musiker wie Duane Allman, Ry Cooder oder Sonny Landreth haben längst gezeigt, dass das Slide auch als generelle Klangfärbung bei der elektrischen Gitarre einsetzbar ist. Richard Koechli verwendet nur Metall-Slides, und er hat zu diesem Thema bereits 1997 ein umfangreiches Lehrbuch veröffentlicht (Slide Guitar Styles, das Buch wurde hier rezensiert), das er mit Stolz und zu Recht als «deutschsprachiges Standard-Werk» bezeichnet. Nun folgt mit Slide Guitar Instrumentals ein Arbeitsbuch dazu, in dem keine Übungen mehr vorgegeben sind, dafür ganze Songs, die Stunden und Stunden vergnüglichen Erlernens und Einübens versprechen.

Das hier präsentierte Dutzend Titel beinhaltet ein sehr weites Spektrum. Da gibt es neben einem Chicago-Blues und dem Blues/Gospel Wayfaring Stranger eine Anleihe an Ed Sheerans Riesenhit Perfect (Alle Songs bei Koechli haben verfremdete Titel erhalten, aus Urheberrechtsgründen). Dieser Titel, Ring of Fire und Blowing in the Wind sind die Songs, die akustisch gespielt werden (letzterer auf Resonator-Gitarre). Von Dylan gibt's, was hier Sliding in the Breeze genannt wird, und von B.B. King eine Slide-und-Pick-Fassung von Rock Me Baby, dazu ein Delta Slide genannter Country-Blues, der so klingt, als sässen Fred McDowell und Blind Willie Johnson sehr gemütlich bei einer Jam-Session beieinander. Sehr viel Delta-Gemütlichkeit.

Stilistisches Neuland für viele, die mit dem Slide nicht völlig unerfahren sind, betritt Koechli dann mit Ring of Bottleneck, einer gepickten Reminiszenz an Herrn Cash und Irish Hymn, das aus seinem Album Parcours stammt. Auch Worker Picking ist eine Eigenkomposition. Chuck Berrys Maybellene kommt hier als Slidellene daher und Rod Stewarts Altersversicherung wird mit I Am Sliding Reverenz erwiesen. Zum Schluss folgt Amazing Grace, ein Stück das bereits im 1997er Buch transkribiert war.

Wer aber meint, Richard Koechli habe dasselbe Material zweimal verwendet, irrt. Der hier Bottleneck’s Grace genannte Titel ist anders arrangiert als noch 1997. Vielleicht noch etwas einfacher, mit noch mehr Betonung auf das Gefühl und die Balance zwischen tiefen und hohen Noten. Amazing Grace in Slide Guitar Styles wurde nochmal neu überdacht und das spiegelt ohne Zweifel auch die Evolution in Richard Koechlis eigenem Spiel wider. Die Stücke sind somit auch ein Blick in seine Werkstatt.

Mit Ausnahme dieses zeitlosen Kirchenlieds sind die Titel gut zu erkennen, aber auch nicht originalgetreu im Sinne davon, dass es Cover-Versionen wären. Nicht nur bei Slidellene braucht es etwas Phantasie, bis man die Vorlage erkennt, denn was das Slide ja schön macht, sind die gezogenen gefühlvollen Passagen und dafür braucht es weniger Töne. Umgekehrt zeigt genau dies, welches die Stärken des Slide-Spiels sind.

Zum Buch gibt es download-Möglichkeiten für Audio- und Video-Files, auf denen Koechli selbst die Songs spielt und sparsame Hinweise weitergibt. Es sind keine Lehrstunden, er spielt die Songs. Generell gibt es wenig Hinweise auf das Wie des Spielens, aber die Notation/Transkription ist gemeinsam mit den Audio- und Video-Files Anschauungsmaterial genug und der Rest ist eben selbst lernen. Für die Autodidakten unter den Gitarristen ist dies ein hoch willkommenes Geschenk und eine gute Möglichkeit, sich mit dem Thema Slide-Gitarre vertieft zu beschäftigen. Das aktuelle Buch ist Band 1, bleibt zu hoffen, dass noch weitere folgen werden.

Richard Koechli – . Slide Guitar Instrumentals : E-Guitar & Acoustic-Guitar : Spielbuch = Playbook – . Hamburg: tredition GmbH, 2019 – ISBN 978-3-7482-6698-3.

Buch-Trailer (Video):

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