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Bücher

Echo von Vorgerstern

Abbott Seroff Original Blues CoverWas ist der Unterschied zwischen Geschichte und Vorgeschichte? Oder besser gesagt, wann geht die prähistorische Phase in die Zeit der Geschichte über? Wie Geschichtsstudierende im Ersten Semester an den Universitäten der Schweiz dieser Tage grad wieder lernen: Geschichte beginnt in dem Moment, wo etwas darüber aufgeschrieben wird. Was nicht bedeutet, dass Vorgeschichte nicht stattfand, wir wissen nur dramatisch weniger darüber als über die Ereignisse der historischen Ära. Ebenso verhält es sich auch mit dem Blues: Die historische Phase des Blues beginnt vielleicht mit W.C. Handys Notation des St. Louis Blues oder sie beginnt mit den ersten Tonaufnahmen von Bessie Smith oder Ma Rainey. Aber klar ist: Der Blues als Kunstform beginnt nicht erst mit der Geschichtsschreibung über den Blues oder mit den ersten Aufzeichnungen, so wie die Geschichte der Menschheit nicht erst mit Herodot, Thukydides oder Sima Qian anfängt. Abbott und Seroff legen mit ihrem grossformatigen Werk The Original Blues: The Emergence of the Blues in African American Vaudeville 1899–1926 eine Spurensuche vor, die beeindruckt und die vor allem eines klar macht: Der Blues ist deutlich älter als die Bereitschaft oder die Möglichkeit, ihn aufzuzeichnen.

Nutzlos, sinnlos, lieblos

WiliamStoutLegendsoftheBluesBuchcoverEin Wort der Warnung: Finger weg von diesem Machwerk namens Legends of the Blues. Dieses Buch, dass von aussen wirken mag wie ein Comic, ist in Wirklichkeit eine Zusammenstellung von Kurzbiographien von Bluesmusikern, jeweils mit einem gezeichneten Porträt. Teilweise hymnische Kritiken im Netz und auf Amazon erwecken den Eindruck, das Buch sei eine wahre Fundgrube für Informationen zu Bluesmusikern, und im Klappentext schwärmt Blues Brother-Regisseur John Landis von den Porträts der Musiker. Nach näherer Betrachtung dieses Buches komme ich zu einem anderen Schluss: Meiner Meinung ist dies ein vollkommen überflüssiges Büchlein mit schlechten, weil viel zu kurzen Biographien, das zudem eine Auswahl an Bluesmusikern präsentiert, die mindestens tendenziös ist und die man sogar als rassistisch bezeichnen könnte. Die Porträts der Musiker und Musikerinnen bieten zudem keinerlei neue Einblicke, sondern sie zementieren ein Bild von Bluesmusikern, von dem ich gehofft hatte, dass wir es hinter uns gelassen hätten.

Präzise und berührende Biographie

thumb DerVergesseneKoenigDesBluesBuchCoverEine leider etwas aus der Mode gekommene Zaubershow zeigt einen Magier, der die Bühne mit einem Koffer betritt, aus dem er nach und nach üppige Blumensträusse, Topfpflanzen, sogar kleine Bäume auspackt. Immer, wenn man glaubt, nun sei der Koffer aber bestimmt leer, zaubert er noch ein riesiges Bouquet, noch einen Gummibaum, noch eine Yukkapalme hervor, bis schliesslich die ganze Bühne unter einem Blumenmeer verschwindet. Daran erinnert Richard Koechlis neuster Roman «Der vergessene König des Blues – Tampa Red». 

Blues als Rebellion gegen den Zeitgeist

AlCookKeinPlatzFuerJohnnyBGoodeCover«Die sensationellste und schillerndste Musikerbiographie des Jahrzehnts. Bewegend, ergreifend, kontroversiell und streckenweise sarkastisch provokant. Kompromisslos und polarisierend wie er selbst. Die gesellschaftskritische Abrechnung eines unbequemen Individualisten mit dem Zeitgeist.»

So beginnt der Werbetext für die kürzlich erschienene Biographie des Doyens der österreichischen Bluesszene, Al Cook. Es ist mit fast 800 Seiten ein grosses Werk geworden, etwa vom gleichen Kaliber, wie die Biographie von Keith Richards. Wo diese sich aber zu einem viel zu grossen Teil in Eigenlob und Prahlereien über exzessiven Drogenkonsum und Sex, pubertären Schwanzvergleichen und Beschimpfungen erschöpft und spätestens nach einem Drittel langweilt, zeichnet Cook ein abwechslungsreiches Bild seines Lebens, mit all seinen Hoffnungen und Enttäuschungen, Siegen und Niederlagen und schildert darüber hinaus sehr farbig die gesellschaftliche Entwicklung im Allgemeinen und der österreichischen im Besonderen. Damit bleibt die Biographie bis zur letzten Seite interessant und spannend.

Kulturgeschichte einer Leidenschaft

SteveWaksmanInstrumentsofDesireBuchCoverDas Buch Instruments of Desire : The Electric Guitar and the Shaping of Musical Experience von Steve Waksman ist zwar bereits vor der Jahrtausendwende entstanden, aber da es sich mit historischen Ereignissen befasst, ist das wenig problematisch. Das Buch ist eine Kulturgeschichte der elektrischen Gitarre, wie es natürlich bereits viele gibt, aber dies hier ist wirklich bemerkenswert. Das Narrativ, das Steve Waksman hier vorbringt, unterscheidet sich grundlegend von denen anderer Darstellungen der elektrischen Gitarre, weil es die Genregrenzen ausser Acht lässt und sich nur auf das durch die Gitarristen und ihre Instrumente transportierten Lebensgefühle konzentriert. Dadurch gelingt es Waksman, so unterschiedliche Musiker wie Les Paul und Jimi Hendrix zusammenzubringen. Er analysiert deren Anliegen als identisch und das eröffnet neue Betrachtungsweisen. Dies wird stets gepaart mit der technischen Entwicklung und dem Festhalten der technischen Möglichkeiten, die den Musikern zur Verfügung standen. Was die Geschichte des Blues angeht, so stellt Waksman den historisch bedeutenden Umbruch in den Vordergrund, den Muddy Waters einleitete mit seinen ersten Aufnahmen in Chicago. Muddy Water, seine Band und der Chicago-Blues werden hier als entscheidende Schwelle verstanden, nach der die Musik nicht mehr dieselbe war. Laut Waksman hat die Populäre Musik dem Blues vor allem eines zu verdanken: emotionale Authentizität.

Ein ganz dünnes Brettchen

GardnerSOnHOuseBuchCoverDer Blues-Enthusiast Richard Shade Gardner hat ein in Buchform erschienenen Bericht über seine Suche nach dem legendären Bluesman Son House vorgelegt. Diesen zu lesen kann man sich allerdings ruhig sparen, denn das Buch besteht aus mehreren Kapiteln, in den der Autor eigentlich immer dasselbe schreibet: nämlich dass er zu spät gekommen ist. Schade, aber so ist der Lauf der Zeit. Der Besuch war im Jahr 1981, das Buch erschien im Jahr 2015 und man fragt sich schon: versucht da jemand um jeden Preis Geld zu machen, selbst wenn es sich bei dem «Buch» um 79 Seiten gross gedruckt und üppig bebildertes Nichts handelt? Schade.

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