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Der Tasten-Hexer

DrJohnModernKopfputzDie Credentials des Pianisten und Sängers Malcolm «Mac» John Rebenack Jr., der freundlicherweise unter dem Künstlernamen Dr. John auftrat, sind unbestritten: Sechs Grammys, geehrt durch Aufnahme in die Rock’n’Roll Hall of Fame, Dr. John hat sein Leben mit Musik gefüllt, Musik gelebt und sich mit seinem unverkennbaren Gesang zum Original der Blueswelt gemacht mit einzigartiger Stimme und charakteristischem Stil wie die verschiedenen anderen Könige aus dem Reich des Blues. Im Gegensatz zu vielen seiner Vorbilder und Vorgänger, den New Orleans Pianisten Prof. Longhair, Fats Domino umfasste sein Repertoire eine grössere stilistische Breite, die von New Orleans Jazz bis zu Jazz Standards und Rocktitel reichte. Nun ist er im Alter von 77 Jahren einem Herzinfarkt erlegen als die grosse Ikone des New Orleans-Sounds. Viele Nachrufe werden verfasst, in denen Wörter wie «Gumbo» oder «Swamp» vorkommen, Bluesnews.ch versucht ein wenig hinter die Kulisse des Vodoo-Showmans zu sehen.

 

Der grosse Dr. John ist tot. Er starb am 6. Juni. Er war eine Persönlichkeit mit hohem ikonischem Wert, ein Southern Gentleman des Blues, der in den letzten Jahren stets mit üppig verziertem Gehstock unterwegs war, und der in Interviews ebenso verzückend nuschelte wie am Mikrophon auf der Bühne oder im Studio. Aber zumeist spielte er Musik, bei der es nicht auf den Text ankam, und viele Lieder kannte man obendrein, denn Dr. John hat sich am Katalog abgearbeitet und auch Klassikern wie Iko Iko oder Tipitina seinen Stempel aufzudrücken vermocht. Wer seine Musik anhört, stellt fest, dass er die Songs homogenisiert, sie gewissermassen durch einen New Orleans-Filter hindurchspielte, was immer wieder von neuem faszinierend ist. Sein Klavierspiel ist gut, aber es erklärt nicht seine Popularität. Diese ist seinem Gesamterscheinung geschuldet, seiner Bühnen- und Künstlerpersönlichkeit Dr. John – der Vodoo-Hexer der Tasten. Dabei wollte er ursprünglich Gitarre spielen.

Die Klaviertradition der Stadt New Orleans hat Giganten hervorgebracht, die in verschiedenen Stilen brillierten: Allen Toussaint, Fats Domino, Prof. Longhair, James Booker oder Huey «Piano» Smith waren alle in New Orleans aktiv, und der junge Mac Rebenack wurde mitten hinein geboren. Sein Vater besass ein Schallplattengeschäft und er kümmerte sich nebenbei um Bühnentechnik und der Sohn war somit früh der reichen Musiktradition New Orleans’ ausgesetzt und folgerichtig wollte er Musiker werden, wer möchte ihm das verübeln. Er freundete sich mit den Platzhirschen an und lernte gleichzeitig Gitarre und ein wenig Klavier. Er war anfänglich (das heisst, in den 1950ern) vornehmlich Arrangeur, Produzent, DrJohnGitarreSongschreiber für verschiedene Plattenlabels, und er spielte als Studiomusiker auf diversen Aufnahmen mit. Die Dinge liefen nicht schlecht, als 1961 die Karriere von Mac Rebenack eine abrupte Wendung nahm: Er wurde Opfer einer Pistolenkugel, die ihm das vorderste Glied des rechten Ringfingers zerstörte, wodurch er kein Gefühl mehr hatte.

Dadurch liess er weitgehend ab von der Gitarre (vgl. das Bild rechts) und konzentrierte sich aufs Klavier. Zudem ging er zu Beginn der 1960er Jahre aufgrund der wirtschaftlichen Lage dorthin, wo er Engagements vermuten konnte: nach Kalifornien. Schon bald arbeitete er mit Phil Spector zusammen und 1968 hat er dann die Kunstfigur Dr. John Creaux the Night Tripper geschaffen. Unter diesem Pseudonym publizierte er sein erstes Album Gris Gris, das er in einem Studio aufnahm, nachdem Sonny und Cher ihm Aufnahmezeit übrig liessen. Der Kern dieser Figur: Die Rock- und Popmusik mit der Folklore New Orleans zu verbinden. Dr. John (der Name wurde gekürzt) stattete sich mit Federn und Mardi Gras-Kostümen und Kopfputz aus, und wurde gewissermassen eine Parallelfigur zu Elton John nach dem Prinzip: Zuviel ist nicht genug.

Sein viertes Album – bezeichnenderweise Gumbo genannt – wurde ein Erfolg. Darauf seine Fassungen von Iko Iko und Tipitina, die einen persönlichen Touch hatten. Das Folgealbum In the Right Place enthielt den Titel Right Place, Wrong Time, der zum grössten Hit des Mannes wurde und Rang 9 in der Hitparade erreichte. 1973 formte er gemeinsam mit Mike Bloomfield und John Hammond Jr. eine Supergroup, die aber nur ein Album aufnahm, das keine Resonanz fand.

Seit den frühen 70er Jahren tourte Dr. John unermüdlich durch die Welt, hatte dabei auch zahlreiche Auftritte in der Schweiz und strahlte dabei stets eine grosse Zufriedenheit und Weisheit aus, die sicher auch Teil seiner Bühnenperson war, aber auch wohl auch ihn als Mensch auszeichneten. Nie war ein schlechtes Wort von ihm oder über ihn zu hören und er lebte ja auch seinen Kindheitstraum und war professioneller Musiker, gefeiert und geliebt und mit einer grossartigen Karriere über 50 Jahre, die ihm auch solche Auftritte wie beim Tribute Konzert für Stevie Ray Vaughan verschaffte oder einen Filmauftritt in Blues Brothers 2000 (und einen Beitrag von Season of the Witch, ein Titel, der wiederum von Mike Bloomfield in Zusammenarbeit mit Al Kooper und Steve Stills 1968 bekannt gemacht wurde). Für Disney nahm er Cruella deVille auf (aus 101 Dalmatiner) und den Eröffnungssong für Küss den Frosch mit dem Titel Down In New Orleans.

Sein Repertoire umfasste, was immer man hören oder er spielen wollte. Er spielte Mack the Knife ebenso wie Season of the Which, Iko Iko ebenso wie Armstrongs Wonderful World, Nobody Knows the Trouble I’ve seen ebenso wie Making Whoopie oder Stag-O-Lee. Und alles hat diesen spezifischen Touch von Dr. John, der manchen vielleicht mitunter zu stark ist, der aber das Charakteristische an seinem Schaffen ausmacht.

Das Privatleben von Dr. John ist völlig abgeschlossen, es gibt keine Informationen zum Privatmann Dr. John zu finden, und er war in dem Sinn auch keine «Celebrity», sondern er war die Bühnenfigur des Vodoo-Musikers, Dr. John war der letzte Vertreter des New Orleans Pianos, der die Grössen noch selbst gesehen hat, der direkt von Longhair oder Booker lernte, und wenn die Tradition mit Harry Connick Jr. oder auch «Dr. House» Hugh Laurie weiter existiert, so gibt es doch keinen, der wie die Grössen der Vergangenheit quasi mit der Muttermilch diese Musik aufgesogen hat. Als eine einzigartige Stimme wird Dr. John unvergessen bleiben, auch wenn er nun nicht mehr unter uns weilt.

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