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Double Trouble ein Leben lang

OtisRush altSWAm Samstag, 29.9.2018 ist Otis Rush an den Spätfolgen eines Schlaganfalls verstorben, den er 2003 erlitten hatte. Damit endete das Leben eines grossartigen Bluesman und einer in bedeutendem Mass prägenden Person in der Chicago Bluesszene. Seine feurige, aber dennoch spärliche Gitarre und sein emotionsgeladener Gesang waren über Jahrzehnte eine stete Grösse im Blues, wenn in erster Linie auf der Live-Bühne, weniger im Studio. Der Mann schrieb Songs, die rauf und runter gecovert wurden und beeindruckte Mike Bloomfield nachhaltig. Stevie Ray Vaughan nannte sein Trio nach einem seiner Songs, aber Rush blieb dennoch aufgrund einer Menge Pech und vielleicht ignoranten Musikverlagen weit unter seinen Möglichkeiten. Der Mann, der aufgrund seiner Qualitäten ebenso wie seine Kollegen aus der West Side Szene, Buddy Guy oder Luther Allison, relativ grosse Berühmtheit hätte erlangen sollen, blieb ein Geheimtipp, und seine Veröffentlichungen waren allzu wenige. Bluesnews.ch erinnert an sein Schaffen.

 Trotz des stets seinen Kopf zierenden Western-Huts: Otis Rush wurde am 29. April 1934 in Philadelphia, Mississippi geboren, im südlichen Delta. Er lernte zunächst Harmonica, sattelte dann aber auf Gitarre um, die er — gleich wie Albert King — als Linkshänder mit Rechtshänder-Besaitung spielte. Mit 22 Jahren hatte er beim Label «Cobra» seine erste Single aufgenommen, I Can’t Quit You, Baby, die zugleich die erste Single des Labels war wie auch dessen einzige Top-10-Veröffentlichungen in den R&B Charts. Auf «Cobra» veröffentlichte er seine wichtigsten Werke, die ihn seine Karriere hindurch begleiten sollten: Double Trouble, Groaning the Blues und sein bekanntester Titel: All Your Love (I Miss Lovin’). Vielleicht ist die Version auf Eric Claptons Album mit den Bluesbreakers, dem Beano-Album, die bekanntere, aber der Titel wurde von Otis Rush geschrieben.

Nach dem Zusammenbruch von «Cobra» nahm Willie Dixon den Linkshänder bei «Chess» unter Vertrag, aber in den 2 Jahren, die er ab 1960 dort spielte, wurde nur eine Single veröffentlicht, sein klagendes So Many Roads, So Many Trains. Dasselbe geschah danach bei «Duke», wo er von 1962 bis 1965 unter Vertrag stand. Sein Output: die einzelne Single Homework.

Rush lebte deshalb von und für seine Live-Auftritte, die er mit aller Erfahrung absolvierte. Er war stets ein fesselnder Performer, dessen Stimme mir persönlich nicht so sehr zusagte, aber sein emotionaler Gesang ging dennoch direkt unter die Haut. Wie auch sein Gitarrenspiel, dass von grosser Transparenz geprägt war. Seine Soli sind in typischer West-Side-Manier emotionsgeladene Tonfolgen, die weniger durch Geschwindigkeit beeindrucken als durch Intensität und Präzision. Er war stilprägend für die West Side Szene des Chicagoer Blues, wo junge Männer wie Buddy Guy, Luther Allison, Junior Wells, Earl Hooker oder Magic Sam ihren Sound auslebten, und sich von den eher altbackenen South Side Bluesmen wie Muddy Waters oder Howlin’ Wolf abhoben.

Mitte der 60er Jahre veröffentlichte er das Album Chicago/The Blues/Today!, das auch von Weissen Bluesfans registriert wurde, und insbesondere Mike Bloomfield elektrisierte. Bloomfield verhalf Rush deshalb zu einem neuen Management: Albert Grossman, Agent von Bob Dylan und Janis Joplin vertrat nun auch den Mississippi Bluesman, aber seine Karriere blieb dennoch im Schatten. Sein Album Mourning for the Morning floppte, weil Bloomfield und Nick Gravenites die Musik überproduzierten und der sparsame Stil Rushs unterging.

1971 sollte es dann eigentlich endlich abgehen: Grossman hatte einen Vertrag mit «Capitol Records» gemacht und Rush spielte Right Place, Wrong Time ein, auf dem sich Perlen finden wie seine Version von Rainy Night in Georgia, aber auch dieses Album hatte es schwer, denn «Capitol» veröffentlichte es nicht! Schliesslich kamen die Rechte zum Verlag «Bullfrog», der es in der schwersten Krise des Blues veröffentlichte, die das Genre seit dem 2. Weltkrieg durchlief: 1976.

In den frühen 1980er Jahren trat Rush sogar als professioneller Musik zurück, nahm dann aber 1985 Tops auf und 1994 ein Album mit dem bezeichnenden Titel Ain’t Enough Coming In und ein weiteres mit This Way. Seine Auftritte wurden seltener und seine Gesundheit begann ihm Probleme zu bereiten. 2016 wurde er im Chicago Grant Park geehrt und der 12. Juni wurde in der Stadt als «Otis Rush Day» geehrt. Er war nur noch als Ehrenträger an dem Anlass, spielte und sang nicht mehr, was wohl ebenso mit dem Schlaganfall zu tun hat, der ihn nun schliesslich das Leben kostete.

Meine persönlichen Favoriten im Schaffen des Mannes sind das Album The Classic Cobra Recordings mit 24 Titeln sowie seine beiden auch heute noch elektrisierenden Live-Alben Double Trouble : Live Cambridge sowie Live at The Wise Fools Pub mit Auftritten von 1973, bzw. 1976 die wir hier bereits einmal erwähnt hatten. Rushs Live-Auftritt in Montreux mit Luther Allison und Eric Clapton wurde als Otis Rush and Friends als CD und DVD veröffentlicht, und die Aufnahme ist amüsant, aber nicht essentiell.

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