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Das Genie der Einfachheit

FatsDominoAntoine Dominique «Fats» Domino Jr. ist gestorben, im reifen Alter von 89 Jahren. Der New Orleans-Pianist und Bandleader, Komponist und Sänger hat alles erreicht, was ein Musiker erreichen kann: sämtliche Ehren, Jahrzehnte anhaltenden Erfolgs, Einfluss auf die kommenden Generationen, und vor allem das wichtigste: die ungebrochene Verehrung seiner Fans, für die er hart gearbeitet hat. Fats Domino musste man einfach lieben, und wer diesen Grossmeister des Grooves einmal für sich entdeckt hat, der kann diese Songs nie wieder vergessen. Für alle jene, für die Fats Domino nicht mehr ist als Blueberry Hill und I’m Walking aus einem Werbespot soll dieser Nachruf auch als Werbung dienen, dieses Musikgenie zu entdecken.

Als Fats Domino in Montreux auftrat, es müsste wohl das Konzert 1983 gewesen sein (weitere Auftritte 1980 und 1993), sass ich am Radio, DRS 3, und hörte das Unglaublichste, das mir an einem Konzert bis dahin jemals begegnet war: Nachdem Fats in einem leidenschaftlichen Auftritt seinen Smash-Hit Blueberry Hill gespielt hatte, tobte das Publikum. Es wollte gar nicht mehr aufhören, weshalb die nächsten hörbaren Töne über den Applaus Dominos Stimme von der Bühne waren: «Do you want it again?» und damit spielte er ein weiteres Mal Blueberry Hill, von Anfang bis zu Schluss. Ich war sprachlos. Dieser Moment war der Künstler «in a Nutshell»: Dieses unbedingte Verlangen, alles für das Entertainment des Publikums zu tun, die Fähigkeit, gute Laune zu erzeugen, indem er gute Laune verbreitete, das zeichnete Fats Domino aus.

Vor Publikum zu spielen, war seine grosse Stärke, er hatte ja auch schon mit 14 Jahren damit begonnen. Und er tourte beinahe ohne Unterlass und spielte in den USA und Europa bis in die 1990er Jahre, als er im eigentlichen Sinn zurücktrat und seinen Lebensabend genoss, die grosse Aufregung 2005 rund um Sturm Kathrina als zwischenzeitliche Aufregung. Tantiemen für seine Musik und seine Songs ermöglichten ihm ein gutes Auskommen, obschon die Höhepunkte seines kommerziellen Verkaufserfolgs in seine Zeit beim Label Imperial datieren, für das er von 1949 bis zum Ende des Labels 1963 Aufnahmen machte. In dieser Phase spielte Fats Domino mithilfe einer konstanten und perfekt eingespielten Band unter der Leitung von Fred Kemp eine Reihe von Hits in den R&B Charts und den Pop Charts ein. Oftmals gemeinsam mit Produzent Dave Bartholomew schrieb Domino Hits wie My Girl Josephine, Don’t Blame it on Me, Be My Guest Tonight, I’m Walking, Let the Four Winds Blow, I Want To Walk You Home, I Hear You Knocking, Walking to New Orleans oder Ain’t That a Shame.

Mit dem Wechsel zu ABC-Paramount blieben Hits aus und der Sound ebenso wie die Zusammensetzung der Band wurden durch die Produzenten verändert, das «winning team» wurde geändert, sprichwörtlich keine gute Idee, weshalb die Verkaufszahlen schwanden. Also verlegte Domino sich auf Tourneen, In den letzten aktiven Jahren gemeinsam mit den anderen Rock’n’Roll-Legenden Chuck Berry und Little Richard im Kombipaket. Aber als geborener Entertainer und Künstler, der in Wechselwirkung mit seinem Publikum aufblüht und jeden Saal zum Kochen bringen kann, war Fats Domino damit genau in seinem Element. Er hatte einen Köcher voll Hits und verdiente gut, seine treuen Fans kamen auch nach Besuch mehrerer Konzerte gerne immer wieder zurück, weil die Stimmung verlässlich gut und die Musik mitreissend war.

Seine Musik war Rock’n’Roll, dessen Wurzeln zum Boogie-Woogie Klavier sehr deutlich blieben. Transparente Arrangements, bei denen man stets alle Instrumente hörte, was neben Bass, Klavier, Gitarre und Schlagzeug in der Regel auch Hörner beinhaltete. Diese Transparenz war in Verbindung gebracht mit der Klarheit der Form. Seine Cover von bekannten Titeln wie Jambalaya (On the Bayou), When the Saints go Marching In, Careless Love oder Ain't That Just Like a Woman machen noch deutlicher als die bekannten Hits deutlich, dass Fats Domino Musik auf einem alles übertönenden Beat fusst. Ain't That Just Like a Woman beispielsweise wird vom Jump Blues brachial zum Shuffle umgebogen, und die Band spielt so solide, dass Domino mit kurzen Piano-Stabs auskommt, fein zwischen Sax-Fanfaren und die harte Shuffle-Gitarre hineingewerkt. Selbst bei traurigen Songs wie What Will I Tell My Heart, Blue Monday oder Valley of Tears kommt keine Verzweiflung auf, Der Sound ist so happy und optimistisch. Es ist, was das Publikum möchte.

Musik gefällt einem Publikum, wenn es eine grosse Möglichkeit gibt, die eigenen Erwartungen erfüllt zu sehen und wenn dazwischen kleine Abweichungen harmonisch Spannungen als Würze reingebracht werden. Das ist das Erfolgrezept für den Blues, bei dem alle zwölf Takte die Erlösung von der kleinen harmonischen Spannung erfolgt, auf die man als Zuhörer ab dem achten Takt hofft. Bei Fats Domino weiss man oftmals schon nach den ersten vier Takten das gesamte Lied voraus, und indem er es genauso spielt, wie wir uns das erhoffen, erfüllt Fats Domino immer von Neuem Erwartungen seines Publikums, und das ist seine Spezialität. Und deswegen spielt er eben zweimal hintereinander Blueberry Hill, wenn es den Leuten gefällt.

Ruhe in Frieden, Fats Domino.

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