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Vom Bürgerschreck zum Polo National

PoloHoferPortraitAuf seine alten Tage setze er sich gerne eine Kapitänsmütze auf den Kopf, wie sie auch Chuck Berry, eines seiner grossen Vorbilder und Pionier des Rock’n’Rolls, als alter Herr gerne trug. Ein Pionier war auch er, denn ohne ihn dürfte die Entwicklung des Rock’n’Rolls in der Schweiz anders verlaufen sein. Rund fünfzig Jahre lang war Polo Hofer eine der Gallionsfiguren der Schweizerischen zeitgenössischen Musik. Zu Beginn seiner Karriere lehnte ihn die bürgerliche Schweiz eher ab, am Schluss mochten ihn alle. Am 22. Juli 2017 ist er gestorben.

Er hat den Mundartrock in der Schweiz quasi eingeführt. Natürlich gab es schon vor ihm eine Dialektszene, die jedoch ihren Schwerpunkt im Chanson hatte. Mani Matter, Jacob Stickelberger, oder die Troubadours zum Beispiel feierten damit grosse Erfolge. Die Übersetzung englischer Rocktitel ins Deutsche hingegen hatte immer etwas holpriges, unelegantes, zuweilen auch lächerliches an sich und darüber hinaus wollten die meisten Musiker und Gruppen unbedingt Englisch singen, immer eine mögliche internationale Karriere im Kopf.

Dann kam Urs Alfred Hofer, wie Polo mit bürgerlichem Namen hiess und fand, er könne sich in seiner Muttersprache besser ausdrücken, als in einer Fremdsprache und zudem verstand damals ein Grossteil der jugendlichen Zuhörer die englischen Texte sowieso nicht, oder mindestens nicht in allen Feinheiten. Es gelang ihm das, was Udo Lindenberg etwa zur gleichen Zeit in Deutschland versuchte: Rockmusik mit dem eher sperrigen Deutsch zu vermählen. Die bis dahin durchaus vorhandenen Versuche in diese Richtung waren überwiegend politisch geprägt und kamen nie aus ihrer Nische hinaus, oder Musik und Text passten einfach nicht zusammen. Polo hatte ein Gefühl dafür, wie man im Berndeutsch die Dinge ausdrücken konnte, die seine Hörer beschäftigten.

Er war aber auch ein Vertreter der wilden Zeiten in den Sechziger- und Siebzigerjahren und hat seine politischen und weltanschaulichen Standpunkte nie versteckt, die weitgehend konträr zu denjenigen der bürgerlichen Schweiz waren und etablierte sich damit auch als Bürgerschreck. Er blieb zeitlebens auch ein politischer Mensch und hatte sich bis zuletzt nie davor gescheut, auch unbequeme Standpunkte einzunehmen. Als junger Mann hatte er sogar damit geliebäugelt, eine politische Karriere einzuschlagen und kandidierte zusammen mit Pier Hänni, Carlo Lischetti und Margrit Probst als Härdlütli für die Berner Stadtratswahlen, die mit linken Anliegen auf Anhieb einen Sitz erobern konnten. Er verzichtete dann aber, weil «. . .Künstler in den Räten nie ernstgenommen worden sind». Immerhin, viele der damaligen Anliegen sind inzwischen Selbstverständlichkeiten geworden.

Nachdem Rock’n’Roll von der Jugendkultur zum Mainstream und sein Publikum mit ihm zusammen erwachsen geworden war, wurde er mehr und mehr zum «Elder Statesman» der Schweizer Rockszene und irgendwann wurde er zu Polo National, wohl die grösste Ehre, welche die Schweizer einem von ihnen verleihen kann. Von seinen über 350 Songs wurden etliche nicht nur zu Gassenhauern, sondern sickerten ins kollektive Gedächtnis der Schweiz. Sein Song Alperose wurde gar zum «grössten Schweizer Hit aller Zeiten» erkoren.

Diverse gesundheitliche Probleme machten ihm seit einiger Zeit zu schaffen, zuletzt, bei der Einweihung seine Statue am Thunersee, kam er im Rollstuhl. Nun ist er am Samstag, dem 22. Juli 2017 an den Folgen des Lungenkrebs zuhause in Oberhofen gestorben.

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