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Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
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Perlentaucher im Messegelände

KingsnkaeGuitarDetroitONEDie Musikmesse in Frankfurt ist die grösste europäische Messe für Instrumente, Recording, Sound und Light und Bühnenshow. Leider wurde über die vergangenen Jahre der Sound & Light-Anteil zusehends grösser und die traditionellen Instrumente, die eher Interesse und Expertise der Bluesnews-Redaktion entsprechen, verlieren an Bedeutung. Aber wenn auch viele grossen Namen fehlen, dann gibt es doch Funde zu machen bei den kleinen Ständen. Ein Streifzug durch die Abteilungen für Gitarren und Gitarrentechnik. Hier einige Funde der Musikmesse 2017.

Die Musikmesse findet in den Messehallen in Frankfurt am Main statt. Wo bei den Instrumenten noch vor drei Jahren in Hallen drei Ebenen mit Ausstellern voll waren, sind nun mehrere Hallen nur noch im Erdgeschoss bespielt. Dafür breitet sich der Bereich des DJ-Equipment, des Recording Equipment und der Bühnenbeleuchtung und -bespassung aus. Bei den Instrumenten sind mit Yamaha, Ibanez und Roland durchaus namhafte Aussteller an Bord, aber Fender und Gibson glänzen ebenso durch Abwesenheit wie Dusenberg, das ja immerhin eine Deutsche Firma ist.

Nun, das lässt mehr Aufmerksamkeit für die Spartenhersteller. So war die äusserst Innovative Schweizer Firma Relish Guitars auf der Musikmesse mit Vorführung vertreten, und man konnte die neuen Modelle mit dem vereinfachten Innenleben begutachten. Genau so perfekt verarbeitet, aber holziger und zudem wurden die Body-Konturen angepasst.

GrubeGuitarsLaHibridaGrubeGuitarsLittle SisterWirklich schöne Instrumente mit einem modernen Flair baut «Grube Luthier» aus Barcelona. Der Gründer und Inhaber, ein deutscher Herr Grube, erzählte mir, dass Gitarrenbau seine grosse Leidenschaft gewesen sei, schon seit er 14 Jahre alt war, und seine Instrumente widerspiegeln das tiefe praktische Wissen im Bau einer elektrischen Gitarre. Grube hat sich etwas sehr spezieller ausgedacht: er macht aus einem Stück Holz 2 Gitarren: Aus einem soliden Stück Sumpf-Esche oder Erle schneidet er den Körper einer Solidbody-Gitarre, aus der so entstandenen Form schneidet er erneut eine Schicht ab, die dann zum Zargen wird für eine zweite Gitarre. «Little Sister» heisst das Solidbody-Modell, «La Hibrida» die zwangsläufig einige Zentimeter grössere Solidbody-Variante. «Little Sister» ist eine durchaus innovative Gitarre mit grossartigem (selbst entwickelten) Tremolo, und schrägem Singlecoil (Hals) und Schaller-P90 mit schaltbarer Dummy-Spule (Brücke) als Pickup-Bestückung. Der Hals (628mm Mensur) ist weder dünn noch fett, sondern an jeder Stelle gerade richtig.

Die grössere Schwester «La Hibrida» hat eine Ahorn-Decke, die flach ist und dennoch geschwungen wirkt. Das darauf verbaute Tremolo erlaubt eine Tonmodifikation durch leichte und geplante Verformung der Decke. Die Gitarre hat 3 P90 mit 5-Wege-Schalter, wobei eine Schaltung Hals- und Bridge-Pickup aktiviert, dafür gibt es den Mittleren nicht alleine. Es sind die kleinen Details wie die speziell geformte Kopfplatte oder die blitzförmigen f-Löcher, mit der Herr Grube als innovativster Gitarrenbauer der Musikmesser hervorstach.

Einen anderen Weg geht «Kingsnake Guitar», eine japanische Brand, welche die ultimativen Traummaschinen baut: Replika der unsterblichen Klassiker: eine Gibson L5 mit 3 Dogear-P90 und einer Ahorndecke zum Niederknien. Die Website des Instrumentenbauers zeigt das einfache, aber gut durchdachte Bauprinzip: Kingsnake baut zwei Körper und macht darauf eine Vielzahl von Gitarren. Zum einen haben sie das wohl namensgebende Modell: Aufbauend auf die Gitarre, die John Lee Hooker auf seinen frühen Aufnahmen in Detroit verwendet hat (und auf der er vermutlich Crawling Kingsnake spielte). Entsprechend hat das Modell «Detroit» die folgenden Masse: 17 Zoll-Körper, 1,875 Zoll dick (48 mm), 12 Zoll Radius-Griffbrett, 648 mm Mensur. Diese Körper gibt es mit drei Pickup-Konstellationen: «Detroit One» ist das allround-Modell: Die Gitarre hat zwei P100-Pickups von Peterson, traditionell am Hals und an der Brücke. «Detroit Jazz» hat einen Pickup am Hals, dieses Modell ist für Jazzspieler gedacht. Schliesslich gibt es noch das Modell «Detroit KingsnkaeGuitarDetroitFourFour», das zwei Bridge-P100 bietet. Die beiden Tonabnehmer sind in Serie geschaltet, das heisst, der Wahlschalter lässt eine Konstellation mit einem oder zwei Pickups zu, was wie ein Booster wirkt, weil das Signal lauter und kräftiger wird. Youtube bietet viele aussagekräftige Beispielvideos an, wenn man «Kingsnake Guitar» sucht. Das wunderbare an diesen Gitarren neben em optischen ist die Tatsache, dass sie dünn klingen, etwas transparenter als Solidbody-Bretter mit Humbucker oder Aktive-Pickups und damit werden Nuancen in der Dynamik im Spiel hörbar und es klingt nach wahrem Vintage-sound.

Auch das andere Modell von Kingsnake belegt dies: Die Kopie einer Gibson L5 (Aber eher mit T-Bone Walker im Sinn als Wes Montgomery) gibt es als «Three-Bone» mit drei Dogear-P90, und als «One-Bone» mit einem einzelnen P90. Die Pickups hier sind eine Eigenentwicklung mit dem stolzen Namen «King Snake TB-1». Was an diesen L5-Kopien beeindruckt: die sind mit glashartem Nitrolack hauchdünn lackiert und fühlen sich entsprechend an. Zudem hat Kingsnake wunderbar gemaserte aber dennoch nicht übertriebene Decken verwendet, die mit dezentem Binding eingefasst sind. Dies sind bescheiden aussehende Gitarren, die als Kleinstserien gefertigt werden und für einen sensationellen Preis um die zweitausend Euro verfügbar sind.

In Japan gibt es 14 Gitarrenhändler, die Kingsnake anbieten, ausserhalb der Inseln gibt es nur einen lizenzierten Händler: M.I.J. Selected Guitars im südbelgischen Presles, einem kleinen Dorf ausserhalb Charleroi. M.I.J. Guitars war in der Tat der Glücksfund der Musikmesse. Der Gründer und Inhaber dieses Gitarrengeschäfts hat es sich auf die Fahnen geschrieben, hochwertige Produkte von wenig bekannten Händlern anzubieten und so gibt es eine Vielzahl an wenig bekannten Marken im Angebot (darunter auch King Snake), aber auch Bill Nash oder Van Zandt werden dort zum Kauf angeboten, und jedes Stück ist individuell, persönlich und mit deutlich wahrnehmbaren Charakter. Spezialisiert auf japanische Gitarren gibt es auch Edel-Instrumente des Individualherstellers «Yamaoka Archtop Guitars», die sonst in Europa ebenfalls kaum zu finden sind. Es wirkt, als befinde man sich in einem ausgewählten Vintage-Gitarren-Geschäft, bloss dass jedes Modell Neuware ist.

RossToneCabinetAuch die schönste Gitarre klingt am Schluss natürlich nur so gut wie der Verstärker an dem sie hänge und dieser klingt nur so gut wie die Lautsprecherbos, aus dem der Ton letzten Endes kommt. Hier gibt es viele bekannte Hersteller von sogenannten «Cabinets», aber besonders auffallend war die polnische Firma «Rosstone». Die Hersteller bauen auf polnisches Holz, welches Sie als Massivholz verarbeiten und so Cabinets herstellen, die mehr aussehen wie edle Schreinerwerke als wie Lautsprecher. Ihre Modelle 212H und 212V verbauen beide 12-Zoll-Lautsprecher und es gibt die Cabinets in verschiedenen Lasierungen und Farbgebungen. Wer einen Verstärker dazu braucht, dem empfiehlt die Firma die Produkte des ebenfalls polnischen Herstellers «Taurus», die Bodentreter herstellen, die aber eine gesamte Verstärkerschaltung beinhalten. Aber man kann natürlich jeden anderen Amphead verwenden, den man gerne möchte.

Wie eingangs festgehalten: die Musikmesse ist geschrumpft, aber solang man an drei Ständen genug zu sehen und zu spielen findet für einige Stunden, ist der Besuch dennoch lohnend. Die Messe 2018 findet vom 11. bis 14. April statt.

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