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Perlentaucher im Messegelände

KingsnkaeGuitarDetroitONEDie Musikmesse in Frankfurt ist die grösste europäische Messe für Instrumente, Recording, Sound und Light und Bühnenshow. Leider wurde über die vergangenen Jahre der Sound & Light-Anteil zusehends grösser und die traditionellen Instrumente, die eher Interesse und Expertise der Bluesnews-Redaktion entsprechen, verlieren an Bedeutung. Aber wenn auch viele grossen Namen fehlen, dann gibt es doch Funde zu machen bei den kleinen Ständen. Ein Streifzug durch die Abteilungen für Gitarren und Gitarrentechnik. Hier einige Funde der Musikmesse 2017.

Wie ein Hufschlag

OrtegaHorseKickProDie sogenannt «Digitale Stompbox» von Ortega, die als Fusskeil designte Begleitmöglichkeit Horse Kick, liegt in zwei Varianten vor. Wie hier bereits berichtet, gibt es die zwei Varianten Normal – mit nur einem Sound – und Pro – mit fünf Sounds. Heute folgt nun der Testbericht. Um es vorweg zu nehmen: das Ding ist ziemlich gut, aber es gibt auch Punkte, wo man die Stirn runzelt. Als Gitarrenspieler stellt man zudem bald fest, wieviel Disziplin die Kollegen von der Schlagzeugfraktion da benötigen, um mit ihren Beinen keine Sekunde locker zu lassen. Aber Ortegas Produkt wird bei allen möglichen Instrumenten Freunde finden. Bassisten werden dadurch zur One-Man-Rhythm-Section. Für Perkussionisten bietet sich das Teil als eine Ergänzung zu einem eigentlichen Instrument an, so dass man auf dem Cajon sitzen kann, aber auch eine Kick Drum unter dem Fuss hat. Ebenfalls diesen Markt bespielt die Finhol Kickbox Mark III, die eine Bass Drum und eine Cajon, die aber nicht als Vergleich herangezogen wurde. Es geht nur um Ortega Horse Kick Pro.

Die eierlegende Wollmilchsau

AclamGuitarsHBAclam Guitars ist eine äusserst Exklusive Firma in Barcelona, die für höchste Ansprüche und zu stolzen Preisen High-End-Gitarren herstellen. An der Musikmesse präsentierten sie das Modell 2014, das eine Gitarre ist, die einfach alles kann: Humbucker, Singlecoil, Piezo und sogar ein MIDI-Anschluss ist in diesem etwas unförmigen, aber aussergewöhnlich gut anliegenden Körper enthalten. Die Gitarre erlaubt dafür den Wechsel von Pickups und sogar die Art, wie die Saiten aufgespannt sind. Ein verrücktes Produkt, aber gleichzeitig auch die Avant-Garde spanischer Gitarrenbautradition.

Neue Wege – nach 400 Jahren

WessellNickelGrossZeichnungMusiker sind bekanntlich konservativ. Röhren vor Transistoren, Fahrradlampen-Mikrophone stehen hoch im Kurs, Vintage in Bauart und Technik, das scheint häufig das Motto zu sein. Dem gegenüber stehen immer die Tüftler, die Erfinder. Die amerikanische Traditionsfirma Wessell, Nickel & Gross hat an der Musikmesse eine solche technische Weiterentwicklung gezeigt: Klaviermechaniken aus Verbundstoffen. Ein Konzept, das einleuchtet und überzeugt. Damit wendet sich die Firma ab vom ewigen Baumaterial Holz und ersetzt die Präzisionsteile in Klavieren oder Flügeln durch Kunststoff-Teile, die all die Unzulänglichkeiten von Holz vermeiden.

Digitale Stompbox

OrtegaHorseKickProDer im deutschen Gutenstetten beheimatete Musikhändler «Ortega» ist Hersteller feiner Akustikinstrumente mit einer Spezialisierung auf Gitarren, und dazu stellt die Firma auch Perkussionsgeräte her, die man zum Begleiten ihrer Produkte brauchen kann. Hierbei geht es weniger um eine One-Man-Band als um eine einfache, aber gut klingende Begleitung. Dazu bringt Ortega nun neu das Modell «Horse Kick» auf den Markt, das erst gerade dieser Tage bei erst einem Online-Händler zu kaufen ist. «Horse Kick» ist ein Holzkeil mit einem digital abrufbaren Perkussionssound, den man an den Gitarrenverstärker hängt, um sich selbst mit tappendem Fuss zu begleiten, nur dass man nicht irgend ein Brett und Lederschuhe nimmt, sondern durch den «Horse Kick» ein Bass-Cajon verfügbar hat. Die teurere Pro-Version enthält sogar fünf Samples, neben Cajon noch Cowbell, eine echte Schlagzeugpauke, Cabasa und Schellentamburin. Laut dem Verkäufer auf der Musikmesse soll demnächst sogar eine Version kommen, auf die man eigene Samples laden kann.

Völlig sicher

LOXXStrapLockProfilNEGATIVBassisten und Gitarristen verwenden Gurte, die am Körper der Instrumente über Gurtpins gestülpt werden. Weil die Gurtlöcher ausleiern, springt im entscheidenden Moment der Gurt aus dem Pin und die Gitarre hält nicht mehr am Körper. Das Solo ist futsch, die Stimmung sowieso, und wenn man Pech hat, ist der Hals gebrochen. Die Lösungen sind so alt wie das Problem, vom Bügelverschluss-Gummiring bis zu unterschiedlichsten Strap-Lock-Systemen von allen bekannten Herstellern. Der «LOXX Strap-Lock» bringt alles mit, was ein solches System braucht. Strap-Locks sind scheinbar einfache Dinge, aber im Detail liegt die Besonderheit, und dies ist schlicht das überzeugendste System, das ich bisher angetroffen habe.

Innovation und Tradition

ElyraGuitarRotweissDie Musikmesse 2016 in Frankfurt bot wieder einige Neuerungen zu entdecken: Etwa die elektrischen Gitarren von «Elyra». Beim Design inspiriert durch die Mutter aller Saiteninstrumente, die Lyra der griechischen Antike, baute ein Zweierteam aus Industriedesigner Tilmann Fuchs und Gitarrenbauer und Günther Eyb eine neue und ganze spezielle Form der elektrischen Gitarre, dies mit dem Ziel, die ultimative Sustaingitarre zu entwickeln. Dazu kombinierten sie einen an der antiken LYra angelehnten Körper aus Holz mit einer Holzdecke, zwischen denen sogenannte «Schwingungsscheiben» aus unterschiedlichen Materialien zum Einsatz kommen. IZwischen den beiden Bauteilen im Körper ermöglichen die Scheiben der «Elyra» eine Färbung des Gitarrensounds. Die Gitarre ist Hightech, aber auch ein romantisches Projekt, das durch seine unbedingte Qualität besticht. Durchdacht, perfekt ausgeführt, ist dies eine der qualitativ hochstehenden Instrumente, die man von Günther Eyb seit 30 Jahren kennt und schätzt, aber mit einem speziellen Touch. Es mag ja ein Klischee sein, dies Konzeptgitarre «Elyra» als schwäbische Qualitätsarbeit zu bezeichnen, aber da die Väter von Elyra zwei Stuttgarter sind, drängt es sich fast auf.

Ausstellung verlängert

Für die Verbreitung der amerikanischen populären Musik sowohl im Ursprungsland, aber auch in Europa war sie von zentraler Bedeutung: Die Jukebox. Das Prinzip des Musikautomaten, der durch Einwerfen einer Münze eine Melodie spielt, ist nicht neu. Bereits 1889 gab es in einem Lokal in San Francisco ein solches Exemplar. Im Prinzip war es ein Edison Phonograph gekoppelt mit einem Münzautomaten. In Seewen gibt es seit Herbst 2014 im Museum für Musikautomaten eine Sonderausstellung zum Thema. Wegen des grossen Erfolgs wird sie nun verlängert.

Die E-Gitarre neu definiert

Man soll ja sparsam umgehen mit Superlativen, aber dem in der Titelzeile verkündeten Anspruch wird das junge Start-up Unternehmen «Relish Guitars Switzerland» in der Tat gerecht. Mit Ihrem «Jane»-Design der elektrischen Gitarre haben Pirmin Giger undSilvan Küng die elektrische Gitarre so neu konstruiert, dass man wirklich von einer Neudefinition sprechen darf. Den zentralen Punkt des Gitarrenbaus haben die beiden Gründer von «Relish Guitars» aber beibehalten: es geht um den schönst-möglichen Ton und um optimale Bespielbarkeit. Und so haben Giger und Küng nach der Patentierung der Solidbody-Gitarre in den 1940er Jahren eine neue Konstruktionsform geschaffen, die diesem Zweck dient: Die Sandwich-Konstruktion der «Jane» ist eine radikale und mutige Weiterentwicklung der elektrischen Gitarren, die sich ja bisher in die drei Konstruktionsweisen Hollowbody, Semi-Hollow und Solidbody (mit der möglichen Untergruppe neck-thru) einteilen liessen. Mit dem raffinierten zentralen Bauteil eines Aluminiumrahmens steht das Instrument für eine neue Inspiration für Gitarristinnen und Gitarristen. Bluesnews.ch war auf einen Besuch in Kriens bei «Relish Guitars».

Geburtstag einer Legende

Bittet man ein Kind, ein Bild einer E-Gitarre zu zeichnen, dann gibt es eine gute Chance, dass der Körper der Gitarre die Form einer «Strat» hat. Die am leichtesten erkennbare Ikone der elektrischen Gitarre ist wohl das Modell Stratocaster. Die «Strat», wie die Gitarre allgemein genannt wird, wurde offiziell im Mai 1954 in den Markt eingeführt. Leo Fender hatte nach den Modellen Esquire/Broadcaster/Telecaster sein Konzept der industriell gefertigten elektrischen Gitarre verfeinert und es zugleich radikalisiert. Heute, 60 Jahre später, ist es kaum mehr zu erfassen, wie radikal das Design der Gitarre war, und die kalifornische Gitarrenfabrik Fender ist mehr daran interessiert, ihre zum sechzigsten Jahrestag herausgebrachte Sonderausgabe zu promoten, als die detaillierte Geschichte der Einführung zu erzählen. Doch die Stratocaster war darauf ausgelegt, Gitarristinnen und Gitarristen zu helfen, den perfekten Ton zu kriegen, vielseitig zu sein und auf der Bühne gut auszusehen. Wie die Geschichte gezeigt hat, hat sie dieses Ziel erreicht. Auch im Blues hat die Strat seit jeher Präsenz markiert und tut dies auch weiterhin.

 

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