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Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
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Jedes Jahr im Winter gibt es die UK Championship im Snooker Was um Himmels Willen hat das mit Blues zu tun? Nichts, und doch...

Ich gestehe es gleich zu Anfang: ich bin ein Sportmuffel, mindestens was das passive Sporterlebnis angeht. Riesige Stadien, grosse Menschenansammlungen im kollektiven Sportrausch öden mich an. Schnelle Autos, die sich im Kreis drehen, langweilen mich und mit total überbezahlten Sportlern, die in Interviews keinen ganzen Satz  zustande bringen kann ich nichts anfangen. Im Fernsehen finde ich Sportveranstaltungen noch schlimmer, ausser bei einem Sport, dem ich nicht widerstehen kann: Snooker. Für mich sind die Snookerspieler sowas wie die Blueser unter den Sportlern.

Snooker ist eine Variante des Billard, das ja traditionell aus dem Kneipenmilieu kommt, dem also auf keinen Fall der Dul-X Geruch des Leistungssportes anhaftet. Dies ist schon mal eines der Details, das mich an den Blues erinnert, der ja auch in kleinen Lokalen entstanden ist. Snooker ist zwar kein Leistungssport, aber durchaus anstrengend. Ein «Gig» kann sich durchaus über Stunden erstrecken und dabei werden die Spieler auch körperlich gefordert. In erster Linie aber ist es ein mentaler Sport, bei dem die seelische Verfassung des Spielers über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Dabei wird der momentane Zustand eines Snooker Spielers sofort an seinem Spiel sichtbar, genauso wie auch ein Musiker je nach Stimmungslage besser oder schlechter spielt und im besten Fall ein Funke auf die Zuhörer überspringt, der dann die Gefühle, die im Stück zum Ausdruck kommen, nachvollziehen kann. Auch beim Snooker gibt es mächtig Emotionen, man leidet mit seinen  Favoriten, denn jedes Spiel kann jederzeit kippen, unabhängig davon, wie hoch dotiert die Spieler sind, wenn die Gefühlslage es einem Spieler einfach nicht erlaubt, heute gut drauf zu sein und die schwierigen Aufgaben zu lösen. Ein Favorit ist nicht zwangsläufig ein Favorit unter allen Umständen. Ich habe schon erlebt, wie ganz junge Spieler gegen einen Topspieler gewonnen haben. Übrigens sind die Spieler zwischen siebzehn und fünfzig Jahre alt. Wo sonst gibt es sowas im Sport?

Zwangsläufig kann Snooker nicht wirklich vor grossem Publikum stattfinden, einfach, weil so ein Tisch aus grosser Distanz nicht mehr sichtbar ist. Es sind also überschaubare Anlässe. Erst die TV-Übertragungen haben den Sport ausserhalb Grossbritanniens überhaupt bekannt gemacht. Entsprechend werden die Spieler auch nicht Gold überschüttet, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die es geschafft haben, fette Werbeverträge an Land zu ziehen. Der grosse Teil aber tingelt durch die Lande, spielt vor kleinem Publikum und muss sich anstrengen, sein bestes zu geben, damit der Ofen raucht. Auch das erinnert mich an Bluesmusiker. Schliesslich sind Snooker Spieler kommunikativ und brauchen den Kontakt zum Publikum, wenn auch nicht in der direkten Form während eines Stosses, der ihre ganze Konzentration fordert. Aber die Stimmung im Saal beeinflusst ihre Leistung ganz enorm.

Wer es also nicht kennt, soll es sich mal ansehen. Die Meisterschaft, wie auch andere Turniere werden bei Eurosport übertragen. Ich bin sicher, dass es vielen gefällt!

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