Man sollte mit Lobhudeleien sparsam umgehen. Doch ab und zu sollte Klartext gesprochen werden: Die Cinelli Brothers zählen mittlerweile zu den absolut heissesten Live-Acts auf europäischen Bühnen in Sachen Blues, Soul und artverwandter Musik. Und ihre Fühler ins Mutterland des Blues haben die Jungs auch schon erfolgreich ausgestreckt. Dieser Tage nun hat das Award-gekrönte Quartett aus London am Blues Festival Baden abgeräumt, am 20. Juni wird die Band das Sierre Blues Festival heimsuchen, und am 24. Juli gastiert die Truppe am Bellinzona Blues Festival.
Die nächstbeste Sache zu einer Cinelli Brothers-Liveshow ist ein Cinelli Brothers Livealbum. Und hier ist es – mit knapp 88 Minuten Spielzeit! Aufgenommen «Here And There» – will heissen da und dort anlässlich verschiedener ihrer vielumjubelten Konzerte in Grossbritannien, Dänemark, Deutschland und Spanien – zeigt diese Scheibe all die Vorzüge, die die Band auszeichnen: Spielfreude, Originalität, Feeling, Dynamik – alles verpackt mit viel Talent und musikalischem Können. Alle vier Bandmitglieder beherrschen mehrere Instrumente – was der Sache enorm Abwechslung verleiht – und ihr vierstimmiger Gesang besitzt Soul- und Gospel-Qualität.
Die ideenreichen Eigenkompositionen der Band schöpfen aus den stilistischen Vorgaben des Great American Blues’n’Roots-Fundus und zeigen, was in diesem Genre auch heute noch alles möglich ist. Speziell aufgefallen: «Ain’t Blue But I Sigh» mit seinem treibenden Latin-Boden und seinen ausgiebigen, melodiösen Harmonica- und Gitarren-Soli. Ferner das Instrumental «Pencil Pusher Doze», welches nicht nur mit smarten Rhythmuswechseln glänzt, sondern sich auch als eine (gewollte?) Hommage an Booker T. & The MG’s und Otis Rush erweist. «Lucky Star» und «Unsingable Song» besitzen Ohrwurm-Charakter, die After-Hours-Ballade «Last Cigarette» groovt leicht jazzig, «Spell On Me» ist ein purer Chicago Shuffle mit Tom Julian-Jones im Mittelpunkt, «Last Throw Of The Dice» gefällt als eine funky Soul-Nummer inkl. Wah Wah-Gitarre von Jorma Gasperi sowie Orgel-Improvisationen von Marco Cinelli, die zu guter Letzt in einem kurzweiligen Schlagzeugsolo von Nanni Cinelli gipfelt. Nicht zu vergessen: der kernige Gitarren-Boogie «Choo Ma Gum», der mit einem kurzen Zitat aus dem 1966er-Troggs-Hit «Wild Thing» endet. Last but not least: mit den beiden hier clever aufgesetzten Fremdnummern – mit Tony Joe White’s Swamprock-Schlachtross «Polk Salad Annie» resp. dem Beatles-Schmankerl «Don’t Let Me Down» – beweist die Truppe ebenso viel Chuzpe wie Klasse.
Marco Cinelli (voc, g, org, p), Alessandro «Nanni» Cinelli (voc, dr, perc, b), Tom Julian-Jones (voc, g, harm, b), Jorma Gasperi (voc, b, g)
(CD, Doppel-Vinyl, DL, www.thecinellibrothers.bandcamp.com)
