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Blues in Twos more than Ten Strings Two Men Three Chords

Das Duo Blues in Twos konstituiert sich musikalisch aus Gitarre und Stehbass als Begleitung zum Gesang, dazu eine Prise Bluesharp, sowie gewissen Piano-Titeln. Jetzt haben sie ihre erste CD veröffentlicht mit 14 Songs. Darauf machen sie eine Tour d‘Horizon mancher der grossartigsten Titel der Musikgeschichte und das Duo zeigt seine eigene Fassung. Dabei ist schon viel zu stemmen, und mitunter verheben sie sich etwas. Die CD hat schöne Momente und solche, bei denen die Augenbrauen nach oben wandern, aber das macht sie sicherlich auch interessant. Die selbst-produzierte CD macht mitunter mehr den Eindruck eines Demotapes, speziell im Gesang. Was allerdings wenig zweifelhaft ist, das sind die soliden instrumentalen Fähigkeiten von Ro Lee Sommer und seinem Partner Mark Zingg.

Im Innern der CD-Verpackung wird das folgende Zitat Willie Dixons angeführt: «Über Musik reden ist wie über Fussball singen». Das mag so sein, aber wünscht man sich nicht manchmal angesichts des Geschwafels von Fussballkommentatoren, diese sängen? Zudem ist das geschriebene Wort nun einmal das Medium unserer Website, also here it goes:

Ro Lee Sommer und Mark Zingg sind semiprofessionelle Musiker mit Erfahrungen bei der Black Mountain Blues Band oder John Wolf Brennan. Die aktuelle Aufnahme ist von einem Konzert aus dem Jahr 2010 in Küssnacht, Schwyz und Mark Zingg hat die CD abgemischt. Es sind darauf 14 Titel enthalten, und das Duo hat die Ambition, mehr als nur knappsten Blues und somit mehr als «Ten Strings, Two Men, Three Chords» in ihren Songs zu zeigen. Die CD enthält grösstenteils Covers, darunter Schwergewichte wie Johnny Cashs Folsom Prison Blues, Michael Jacksons Bad, John Lennons Imagine und Elvis Presleys Fever.

Dem Blues im engeren Sinn entstammen No Particular Place to go von Chuck Berry, Jimi Hendrix’ Slow-Blues Red House sowie Evilin der Fassung Howlin’ Wolfs. Bluesige Covers von Jazz-Titeln sind die hier präsentierten Fassungenvon Mose Allisons Klassiker Your Mind is On Vacation sowie Les McCanns Titel Compared To What. Die restlichen Titel (Havin’ Fun, Foolkiller, Big Leg Emma, Cliché Blues und Potatoe Chips (sic)) Eigenkompositionen. Das letztere scheint schlicht ein Verschreiber zu sein, denn die korrekte Schreibweise von «potato» verzichtet auf das «e» am Schluss, wie schon U.S.-Ex-Vizepräsident Dan Quayle feststellen musste.

Musikalisch liegt das Schwergewicht auf dem Stehbass und einer sägenden, Gitarre mit viel Twang, ganz wunderbar, aber mit der Zeit etwas anstrengend. Generell ist es so, dass die Varianz in der Interpretation der Titel etwas zu knapp ist für 14 Titel und so gibt es viele sehr ähnlich klingende Songs. Das Kernproblem bleibt aber der Gesang, der stets etwas forciert ist und dadurch anstrengend wird. Hinzu kommt eine manchmal schmerzhaft anzuhörende englische Aussprache.

Was im Konzert für gute Stimmung sorgt, muss auf der CD nicht gut klingen, und leider ist das hier beim Gesang der Fall. Und dies nicht nur auf den Covern, wo man Vergleichsmöglichkeiten hat. Die Stimme auf dem Klavierblues Havin’Fun ist ziemlich schlimm, Sommer (?) ist schlicht neben dem Ton. Was an diesem Titel gefällt, ist hingegen das Pianosolo.

Red House ist ein anderer Fall: Natürlich ist es schwer einen Song zu covern, an dem sich neben Jimi Hendrix auch Popa Chubby, Johnny Winter, Buddy Miles oder die Super-Group G3 (Stevie Vai, Eric Johnson, Joe Satriani) versuchten. John Lee Hooker zeigte auf Don’t Look Back, dass eine andere Fassung als das Gitarren-Powerhouse der Hendrix’schen Prägung möglich ist. Auch Blues in Twos halten ihre Fassung im Duo-Format und damit sehr einfühlsam und akustisch. Der Gesang passt erneut nicht zu dieser so geschaffenen Stimmung. An irgendwelchen beliebigen Stellen wird betont («I wanna see my baby», «You know my key won’t  unlock the door»), leider unabhängig vom Text.

Insgesamt scheint mir die CD etwas ambitioniert. Als Zuhörer wünscht man sich auch etwas mehr musikalische Vielfalt, wenn auch Mark Zinggs Bass meistens sehr solide das Tempo hält. Bei Imagine und Folsom Prison Blues wünschte ich mir sogar, manhätte diese weggelassen.

Auf der Website der Band gibt es Hörproben von 11 der 14 Songs sowie eine Page, auf der man die CD für Fr. 22.- erwerben kann.

 
Blues in Twos
Presenting more than Ten Strings, Two Men, Three Chords (2012)
Ro Lee Sommer (voc, g, p, harp, kazoo)
Mark Zingg (b, voc, harp)
1.    Your Mind is on Vacation
2.    Imagine
3.    Folsom Prison Blues
4.    Havin‘ Fun
5.    Fever
6.    No Particular Place to Go
7.    Bad
8.    Foolskiller
9.    Big Leg Emma
10. Cliché Blues
11.  Potatoe Chip
12.  Compared to What
13.  Red House (and some hidden pleasure)