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Richard Thompson - Electric

Reife Leistung

«Emil and the Detectives» hiess seine erste Band, da ging er noch zur Schule. Mit siebzehn begann seine eigentliche Karriere, zunächst als Mitglied der Folk Rock Band Fairport Convention. Ab 1972 begann er unter eigenem Namen zu veröffentlichen und brachte seither eine beachtliche Diskothek zusammen, weit über 40 Alben in diversen Formationen und über 20 unter seinem eigenen Namen, nahezu allesamt zu Recht hoch gelobt. Richard Thompson gilt als einer der besten Gitarristen des britischen Folk Rock, Rolling Stone hat ihn sogar auf Platz 20 der «besten Gitarristen aller Zeiten gesetzt». Geliebt wird er jedoch vor allem als Songwriter vor allem desillusionierter, dunkler Liebeslieder. Unter anderem ausgezeichnet mit dem Orville Gibson Preis (1991), dem BBC Lifetime Achievement Award, einer Grammy Nominierung (2011 für Dream Attic) und dem Mojo Les Paul Award wurde ihm 2011 der OBE (Order od the British Empire) verliehen. Der 63-jährige hat so ziemlich alles erreicht, was sich ein Musikerherz wünscht. Nun hat er seinem Oeuvre mit Electric ein weiteres Album hinzugefügt. Der Titel ist leicht irreführend, das Album enthält sowohl akustische Balladen, als auch erfrischende, rockige Nummern.

In nur vier Tagen wurde die CD in Buddy Millers Studio in Nashville eingespielt, Miller spielt auf einigen Titeln auch die Rhythmusgitarre. Mit dabei waren der Bassist Taras Prodaniuk, sowie Michael Jerome am Schlagzeug, die beiden sind auch als Background Stimmern zu hören.  Als Gäste sind Alison Krauss zu hören (The Snow Goose), ausserdem der amerikanische Fiedler Stuart Duncan und die Sängerin Siobhan Maher Kennedy. Heraus gekommen ist ein Album, das in konzentrierter Form alles enthält, was Thompson in den letzten Jahren ausmachte. Das beinhaltet immer das Risiko der Beliebigkeit, vor allem weil Thompson für seine Songs in die verschiedensten musikalischen Farbtöpfe greift.  Herausgekommen ist jedoch ein solides und abwechslungsreiches Werk das durchaus konsistent ist.

Es beginnt mit einem stampfenden Stoney Ground, einer Geschichte über einen lüsternen, gedemütigten Senior, der sich wenig darum schert, was die Leute darüber denken und greift damit ein Thema auf, das in unseren überalterten Gesellschaften zur Zeit allenthalben diskutiert wird: Lust im Alter. Daneben gibt es mit Salford Sunday, Enemy und Another Small Thing In Her Favour drei wunderbare Balladen. Mit Straight And Narrow zaubert er eine Sechziger-Jahre Farfisa Stimmung herbei. In Stuck on the Treadmill und Good Things Happen To Bad People zeigt er sein Können an der Gitarre in zwei rockbetonten, etwas bedrohlich klingenden Songs. The Snow Goose schliesslich ist ein klagendes, wehmütiges Lied. Hier demonstriert Thompson seine Fähigkeit, gefühlsbetonte Songs so zu schreiben und zu arrangieren, dass kein sentimentaler Kitsch daraus wird.

Eine reife Leistung eines reifen Musikers. Beim ersten Mal klingt das Album nur gefällig, seine ganze Tiefe erschliesst sich dem Hörer erst bei wiederholtem Anhören. Was will man mehr?

Richard Thompson, Electric (2013), Proper Records
  1. Stoney Ground
  2. Salford Sunday
  3. Sally B
  4. Stuck On The Treadmill
  5. My Enemy
  6. Good Things Happen To Bad People
  7. Where's Home?
  8. Another Small Thing In Her Favour
  9. Straight And Narrow
  10. The Snow Goose
  11. Saving The Good Stuff For You