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Gary Clark Jr Blak and Blu

Gehypter Neo-Blues

Texas-Gitarrist Gary Clark Jr., dessen Erstveröffentlichung, die EP The Bright Lights hier bereits rezensiert wurde, hat Ende Oktober 2012 sein erstes Album veröffentlicht. Dieses kletterte auf Platz 6 in den Billboard Charts und in den Blues Album Charts sogar auf den Spitzenplatz. Im Magazin Rolling Stone wird es als eines der 50 wichtigen Alben des Jahres gefeiert. Alles nur Hype oder wird der Texaner dem ihm vorauseilenden Ruf gerecht? Bahnt sich die nächste Blues-Sensation aus Austin an? Nach Ansicht der Redaktion ist es weder das eine noch das andere, aber eine CD mit 13 teilweise anregenden Titeln (im Itunes-Download gibt es noch zwei Bonus Tracks). Man sollte allerdings das Genre-Label «Blues» nicht allzu wörtlich nehmen. Etwas krampfhaft versucht Gary Clark Jr. hier den Genrebegriff zu erweitern, indem er in manchen Songs bluesfremde Elemente hineinbringt, etwa Anleihen aus Doo-Wop oder Hip-Hop. Insgesamt ist dies sicher kein schlechtes Album, denn die Musik ist gut, die Songs engagiert und der Sound abwechslungsreich, aber die Erwartungen waren wohl etwas zu gross.

Gary Clark Jr. hat sich für sein erstes Studioalbum Unterstützung aus der Bluesszene von Austin geholt, etwa Zapata! an der zweiten Gitarre, der gut und auf seinen zwei Titeln sehr einfühlsam spielt. Der Kern des Sound ist ein Quartett: Mit dem Schlagzeug wurde J.J. Johnson betreut, der bereits mit John Mayer getourt hat, aber der für meinen Geschmack etwas zu sehr im Rock verwurzelt ist und deshalb auf der gesamten CD keinen schleppend-bluesartigen Rhythmus spielt. Die Wahl des Schlagzeugers halte ich für einen Missgriff, denn Johnson mag ein guter Dummer sein, aber er kriegt keine Bluesstimmung hin. Mit den anderen Genres hat er weniger Mühe, insbesondere sein Hip-Hop-Beat auf The Life ist mitreissend bis sogar hypnotisch. Am Bass sowie gelegentlich an den Keyboarts ist Mike Elizondo zu hören, auf der grösseren Zahl von Titeln bedient zudem Zac Rae die Tasten. Manche der auf der CD genannten Musiker sind schlicht nicht zu hören, so wird Satnam Ramgotra als Verantwortlicher Perkussionist und Tablaspieler genannt (auf Third Stone from the Sun), aber die indische Trommel liess sich auch bei wiederholtem Hören nicht ausmachen.

Wie bereits angetönt, ist dies keine durchgehend als Bluesalbum zu bezeichnende Sammlung von Titeln. Die CD eröffnet mit Ain’t Messing `Round, was wie andere Titel auch auf das Radiopublikum abzuzielen scheint. Es ist somit ein stark bläserbasierter Rocksong. When My Train Pulls In war bereits auf der EP zu hören, allerdings dort akustisch, hier elektrisch. Der Titelsong ist ansprechender moderner Sound, gegründet auf Hip-Hop-Klängen, aber hat erneut nichts Bluesiges. Es folgt Bright Lights, Clarks Adaption des Jimmy Reed-Klassikers, der ebenfalls bereits auf der EP veröffentlicht wurde. Die beiden Aufnahmen sind so sehr identisch (5:24 vs. 5:25), dass nicht zu erkennen ist, ob er den Titel einfach ein weiteres Mal veröffentlicht hat oder ob es sich tatsächlich um eine Neueinspielung handelt. Mein Ohr suggeriert, dass es sich um dieselbe Aufnahme handelt, was für Käufer der EP doch etwas dreist ist.

Travis County ist ein Rock’n’Roll-Song, Chuck Berry wäre stolz drauf, während Please Come Home als Doo-Wop-Titel daherkommt, komplett mit Background-Gesang und erneut dem deutlichen Vintage-Feeling, das Clark so gut evozieren kann. Das Gitarrensolo ist erste Sahne. Mit dem zehnten Titel Things are Changing beginnt sozusagen der Bluesteil des Albums, wobei You Saved Me, das akustische Next Door Neighbor Blues und Third Stone From the Sun/If You Love Me Like You Say alles ausgezeichnete Aufnahmen sind. Wie erwähnt empfand ich nur das Schlagzeug als fehl am Platz.

Was zu Third Stone zu sagen ist, das wäre, dass dieser Titel zeigt, was den Musiker Gary Clark Jr. ausmacht: Er ist kein Gitarrengott, kein Zauberer auf den Saiten, der mit irrem Tempo über die Saiten flitzt. Clark begreift die Gitarre als Ambiance-Instrument, mit dem er sehr gefühlvoll Stimmungen kreiert. Seine Musik klingt dabei gerne etwas nach Lenny Kravitz. Entsprechend hält er sich nicht damit auf, bei seinem Cover von Third Stone From the Sun die Vorgänger Jimi Hendrix und Stevie Ray Vaughan zu kopieren. Er nimmt das Riff und macht es zur Grundlage seiner Fassung von Albert Collins‘ If You Love Me Like You Say. Der Titel gefiel am Besten auf dem gesamten Album.

Alles in allem ist hier viel Hype um einen jungen Mann gemacht worden, der seine Wurzeln hat, der aber seine Blüten selbst noch austreiben muss. Dieses erste Studioalbum scheint etwas stark auf den musikalischen Markt zu zielen, und deshalb ist es Charts-tauglicher als vielleicht gut gewesen wäre. Nicht dass Erfolg etwas Schlechtes wäre, natürlich nicht, aber die Grenze zur musikalischen Beliebigkeit wird immer wieder überschritten.

 
Gary Clark Jr. Blak and Blu
 
Gary Clark, Jr. - Vocals, Drums, Guitar, Bass, Programming, Trumpet
Zapata! - Guitars
Mike Elizondo - Bass, Fuzz guitar, Keyboards, Percussion, Programming
Zac Rae - Hammond organ, Keyboards
J.J. Johnson - Drums
Scott Nelson - Bass
Satnam Ramgotra - Tabla, Percussion
Danny T. Levin - Trumpet, Trombone, Flugelhorn
David Moyer - Tenor saxophone, Baritone saxophone
Stevie Black - Strings
 
1 Ain't Messin 'Round                                          4:09
2 When My Train Pulls In                                     7:45
3 Blak and Blu                                                    4:06
4 Bright Lights                                                     5:24
5 Travis County                                                    3:38
6 The Life                                                            5:05
7 Glitter Ain't Gold (Jumpin' for Nothin')                   4:18
8 Numb                                                               5:26
9 Please Come Home                                           4:16
10 Things Are Changin'                                          3:59
11Third Stone from the Sun / If You Love Me Like You Say 9:37
12 You Saved Me                                                   6:11
13 Next Door Neighbor Blues                                   3:03