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Georg Schroeter und Marc Breitfelder

Blues-Brüder

Als erster europäischer Sieger der «27. International Blues Challenge 2011» in 27 Jahren Wettbewerb kann sich das Duo des Pianisten und Sängers Georg Schroeter sowie des Harp-Virtuosen Marc Breitfelder schon etwas auf ihre Fähigkeiten einbilden. Die beiden Kieler Musiker spielen eine mitreissende Form des Blues, stark in der Tradition des Chicago Blues. Der Bluesnews.ch-Redaktion liegen nun zwei Alben des Duos vor, zunächst mit Live At BluesBaltica ein Mitschnitt ihres gefeierten Auftritts im Mai 2010 beim BluesBaltica Bluesfest im deutschen Eutin. Das zweite ist ihr jüngstes Studioalbum Sugar & Spice. Beide Alben zeigen das momentane Repertoire, und durch den Vergleich von Studioaufnahmen und Live-Auftritt kriegt man auch mit, wieviel Improvisation, Variabilität und pure Spielfreude bei diesen beiden Nordlichtern möglich ist.

Georg Schroeter ist ein herausragender Pianist, und Marc Breitfelder stellt mit der Blues-Harmonika wirklich unglaubliche Dinge an. Die Band stammt aus dem fernen Kiel, aber die beiden Musiker sind weit über ihre Region hinaus bekannt geworden, als sie 2009 die «German…» und die «Baltic Blues Challange 2009» gewannen. Darauf folgte 2010 der «German Blues Award» und 2011 die «International Blues Challenge», der renommierteste Wettbewerb für Nachwuchsmusiker, die sie in der Kategorie «Best Solo/Duo» gewannen. Und bereits ein kurzer Eindruck der beiden CDs macht deutlich, dass sich hier zwei Ausnahmekönnen getroffen haben. Die beiden sind alte Hasen und bringen es insgesamt auf bereits 14 Publikationen, im Duo gibt es 4 Publikationen, wobei Sugar & Spice die erste Studioarbeit ist. In jüngster Zeit haben sich die beiden mit Richie Arndt & The Bluesnatics zur Supergroup mit dem Allerweltsnamen The German Blues Project zusammengeschlossen. Deren Publikation Through The Storm liegt der Redaktion noch nicht vor.

In der Duo-Formation sind die beiden Musiker auf der Bühne gleichberechtigte Partner, was ihr Gewicht im Song angeht. Neben der Bühne scheint Georg Schroeter mehr beizutragen, was die Auswahl der Titel und auch die Autorschaft eigener Songs angeht, insbesondere auch die nicht-Blues-Titel. Festzuhalten ist, dass Schroeters Gesang für sich schon Extraklasse ist, aber seine Arbeit an den Tasten ist ein wirkliches Vergnügen. Auf des Live-Aufnahme ist sein Piano dominanter und besser zu hören, denn sonst ist dort nur noch Schlagzeuger David Herzel mit von der Partie. Sugar & Spice ist dagegen mit grösserem Personal eingespielt, vor allem Gitarrist Jan Mohr ist mit von der Partie, und er trägt eine cremige Blues-Gitarre zum Sound bei. Zahlreiche Gastauftritte vervollständigen das Lineup: neben Abi Wallenstein mit Gesang und Dobro (Blue Bird Blues) gibt es ein Arrangement von Saxophonist Albie «Mr. Cleanhead» Donnelly (auf Rock’n’Roll Queenie) und einen Auftritt von Anna Kaiser auf Here and Now. Der Grund für die grosse Anzahl an Gastauftritten ist, dass die Songs für diese CD nicht in einer oder zwei Sessions entstanden sind, sondern das Produkt von «mehreren Jahren» ist, wie das Duo selbst schreibt.

Die Titel lassen viele Nuancen des Blues anklingen, vom Shuffle Rock’n’Roll Queenie bis zu Chicago-Klassikern wie Can’t Be Satisfied oder I Just Wanne Make Love To You. Die Texas-Fraktion ist mit Freddie Kings Palace of the King vertreten, und auch hübsche Balladen, die nicht dem Blues zuzurechnen sind, wie Running On Faith oder The Rose sind zu hören. Diese letzteren sind Showpieces für das Klavier mehr als für die Harmonika. Eine Liebe scheint das Duo ausserdem für Creedence Clearwater Revival-Frontman John Fogerty zu haben: Mit Long As I Can See The Light und Who'll Stop The Rain sind gleich zwei Titel bei den Covers dabei.

Die Aufnahmen sind wirklich eine Ohrenweide, wobei die Live-Aufnahmen tontechnisch nicht ganz so gut sind, aber viel Stimmung rüberbringen, und auch Schroeters Klavier mehr Raum lassen. Ausserdem sind die Titel wesentlich ausgebaut: Shake Your Boogie, ein rasanter Piano-Boogie, hat im Studio eine Länge von 3:33, auf dem Live-Album aber 8:01. Can’t Be Satisfied bietet ein wirklich atemberaubendes Pianosolo, wie man es wirklich nur selten zu hören kriegt. Der Ausdruck «fingerbrecherisch» wäre hier richtig am Platz. Nico Brina wird hieran seine Freude haben. Die Studioaufnahmen auf Sugar & Spice sind toll arrangiert und gemixt, höchstens das Piano verschwindet manchmal etwas.

Die musikalische Vielfalt tut den Alben gut, wobei die Bluestitel klar Leib- und Magenspeise sind und die Basis ihres Sounds bilden, insbesondere Marc Breitfelder zeigt hier wieder und wieder seine aussergewöhnliche Handhabung der Bluesharp. Er spielt in bester Chicago-Tradition, mehr im Stile «Little» Walter Jacobs als Junior Wells‘, seine Harp dröhnt und röhrt und jammert mehr als dass sie als perkussives Instrument eingesetzt wird wie bei Wells immer wieder zu hören war. Die CDs wie auch die beiden früheren Alben Still Alive und Live in Sweden gibt es im Onlineshop des Duos oder über Amazon.

Sugar & Spice (2010)

Georg Schroeter, Marc Breitfelder, Jan Mohr, David Herzel, Abi Wallenstein, Tom Ripphahn, Anna Kaiser, Albie Donnelly, Lars Vegas, Klaas Wendling, Martin Röttger, Sven Zimmermann, Tim Engel, René Detroy, Dirk Vollbrecht, Sönke Liethmann

1.      Sugar & Spice (Schroeter/Breitfelder/Ripphahn)
2.      Can't Be Satisfied (McKinley Morganfield)
3.      Palace Of The King (Nix/Russell/Dunn)
4.      Long As I Can See The Light (John Fogerty)
5.      Rock'n'Roll Queenie (Schroeter)
6.      Respect Yourself (Schroeter)
7.      I Just Want To Make Love To You (Willie Dixon)
8.      Here And Now (Ripphahn)
9.      Shake Your Boogie (Joseph Lee Williams)
10. Blue Bird Blues (Sonny Boy Williamson)
11. Little Piece Of Paper (Schroeter/Ripphahn)
12. The Rose (Amanda McBroom)
13. Session @ Linnemann's (Schroeter/Breitfelder/Mohr)
14. Who'll Stop The Rain (John Fogerty)
 
Live at BluesBaltica (2011)
Georg Schroeter Piano, Gesang
Marc Breitfelder Harmonica  
David Herzel Drums
 
1.      Sunnyland (Elmore James)
2.      All Night Long (Schroeter)
3.      Little Piece Of Paper (Schroeter/Ripphahn)
4.      Long As I Can See The Light (John Fogerty)
5.      Sugar & Spice (Schroeter/Breitfelder/Ripphahn)
6.      Talk To Me (Schroeter/Breitfelder)
7.      Rush Hour (Schroeter/Breitfelder)
8.      Can't Be Satisfied (McKinley Morganfield)
9.      Shake Your Boogie (Joseph Lee Williams)
10. Runnin' On Faith (Eric Clapton)
11. Rock'n'Roll Queenie (Schroeter)