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Ry Cooder Election Special

Bluesman als Liedermacher

Auf seinem neusten Werk Election Special zeigt sich Ry Cooder von einer für viele überraschenden Seite. auf der Grundlage des Blues spielt er hier politisch stark engagierte Lieder, die CD hat er rechtzeitig zur US-Präsidentenwahl am 6. November veröffentlicht. So bleibt er sich treu in seinem Bekenntnis zur Roots-Music, aber er meldet auch einen Anspruch an, inhaltlich etwas auszusagen. Die neue Scheibe ist somit engagiert und mitreissend als Liedermacher-CD, aber auch ohne die schönen Texte bleibt es ein Spitzenalbum mit viel Liebe fürs musikalische Detail. Cooder spielt alle Instrumente selbst, schrieb alle Texte und hat das Album selbst produziert. Herausgekommen ist eine kräftige Stimme im Amerikanischen Wahlkampf, die freilich neben dem medialen Gedröhne der Parteien keinen Einfluss haben wird – leider. Denn Ry Cooder zeigt Amerika, wofür es sich entscheiden sollte – für die richtigen Werte, denen er mit Election Special Gehör zu verleihen sucht.

Ry Cooder (Jahrgang 1947) hat schon vieles geleistet in seinem Musikerleben: Der Soundtrack zu Paris Texas von 1985 ist unvergessen, und ebenso seine Entdeckung des Buena Vista Social Club. Seine Verankerung in Blues, Country und der amerikanischen Nachkriegsmusik ist deutlich und unbestritten, und neuerdings scheint er eine Leidenschaft für politisch engagierte Musik entwickelt zu haben. Nach My Name is Buddy von 2007, in der er literarisch etwas verschwurbelt seine Katze die Welt kommentieren liess, wird er hier selbst zum Liedermacher, der direkt und unverblümt sagt, was Sache ist. Wie Bob Dylan oder Neil Young fährt der bluesigste dieser engagierten Poeten hier ein, und die Musik, mit der er es macht, ist zwar kein Blues, ist aber darin so deutlich verwurzelt, dass die CD grossen Spass bereitet.

Das Album ist eindeutig politisch links, mit einer erfrischenden Protestnote, das war so schon lange nicht mehr zu hören. Über das politische Engagement Ry Cooders ist schon manches geschrieben worden, auch Parallelen zu Woodie Guthrie oder Bruce Springsteen dürfen nicht fehlen, deshalb sei hier nur verwiesen auf die ausgezeichneten Rezensionen der FAZ oder der NZZ. Empfehlenswert auch der Rückblick auf sein musikalisches Schaffen mit politischem Anspruch bei Bluesroad.de. Hier soll es deshalb mehr um die musikalische Seite gehen.

Die Titel auf Eceltcion Special sind erdig, gradlinig, direkt, dreckig. Selbst liebliche Mandolinensongs wie Brother is Gone sind mitreissend, wenn das Schlagzeug von Joachim Cooder einsetzt, Rys Sohn. Am «harmlosesten» ist Going to Tampa, ein netter Schunkel-Countrytitel, ebenfalls mit Mandoline (Songtext siehe unten), der musikalisch den bissig-sarkastischen Text noch unterstreicht: alles im Ordnung im Lande der Republikaner, wenn man nur in Tampa auf dem Wahlparteitag Sarah Palin zujubeln darf. Aber insgesamt merkt man, dass sich bei Cooder viel Wut angesammelt hat. Und die lässt er raus.

Guantanamo, Cool Aid und speziell Take Your Hands off it sind im Stil von Creedence Clearwater Revival gehalten. Harte, treibende Rhythmen, mit viel Live-Feeling eingespielt. Das Anknüpfen an CCR ist auch Programm: So wie die Band der 60er Jahre den Protest von 1968 und die Vietnam-Proteste musikalisch unterlegten hofft Cooder hier vielleicht, seine Mitbürger aus der Lethargie zu reissen. Der am stärksten unter die Haut gehende Titel der CD ist Kool-Aid, benannt nach der Limonade, mit der sich im Jahr 1978 in Jonestown über 900 Sektenangehörige im kollektiven Massenselbstmord getötet haben. «To drink the Kool-Aid» heisst so viel wie, seine eigenen Interessen für die Gruppe aufgeben, der man angehört, also hier für die falsche politische Partei. Der Titel klingt schwarz und morbid, dem Thema äusserst angemessen.

Guantanamo kommt fröhlich daher, karibisch, und der Titel ist so mitreissend, dass man ihn vor sich hinpfeift auf dem Weg zum Briefkasten - mindestens bis man bemerkt, was man da pfeift. Wider Erwarten ist der Titel nicht einfach eine Anklage an die Haftbedingungen oder die fragwürdige Menschenrechtssituation, die Militärbasis auf Kuba ist mit ihrer ganzen Bigotterie und dem heuchlerischen Selbstanspruch ein Symbol für was falsch läuft in Amerika, und darum geht es Cooder. Er hat ein echtes Anliegen und das kommt deutlich rüber. Take Your Hands Off It (von der Verfassung nämlich) ist der einzige Titel, den Ry Cooder nicht selbst geschrieben hat. Hier teilt er Autorenrechte mit seinem Sohn Joachim (Bild links), einem anscheinend ausgezeichneten Drummer. Und wenn man es nicht auf der CD-Verpackung liest, dann hört man es, der Titel hat deutlich mehr Schlagzeuganteil als die anderen.

Wall Street Part of Town ist ebenfalls sehr bissig (Text unten), Thema ist hier die Art, wie sich die Finanzkonzerne an dem am Tropf hängenden Patienten Staat auch noch bedienen. Der Titel ist musikalisch eine Art Rockabilly-Nummer und damit strahlt er das völlig überrissene Selbstbewusstsein der Finanzakteure aus, denen die Verbindung zu normalen Menschen abhanden gekommen zu sein scheint. Ebenso wie die 1950er Jahre mit Rockabilly und Roc'n'Roll eine Blütezeit für das Weisse Amerika waren, das auf der verdrängten Grundlage der Rassendiskriminierung möglich war, erlaubt in diesem Titel die breite Bevölkerung den Finanfkonzernen ihre «Party». Das macht Ry Cooder hier musikalisch deutlich.

Am ehesten im Blues verankert sind zwei titel: Mutt Romney Blues über den aufs Dach gebundenen Hund (Mutt = Köter) des Republikanischen Kandidaten. Dabei lässt Cooder den Hund so sprechen wie einen Schwarzen Haussklaven, der sein Herrchen als «Massa» anredet (Text unten). Und dann ist da noch der feinfühlige und wunderbare Titel Cold Cold Feeling, ein Lamento des Präsidenten, der sich durch die Flure des Weissen Hauses schleppt und dabei klingt wie wenn er an einer Chain-Gang angekettet wäre. Ein wirklich wunderbarer Titel, in dem Cooder etwas erlaubt, was sich Barack Obama nie trauen würde: auszudrücken wie schwer dieser Job manchmal sein kann, insbesondere wenn die Terrier der Opposition ständig versuchen, jeden Fortschritt zu torpedieren.

Die Musik ist superb, die Texte passend, alles stimmig. Und mit knapp 40 Minuten hat das Album auch die richtige Länge. Diese CD Ry Cooders ist wirklich ein feines Stück Arbeit, eine grosse Freude und einzig das Bewusstsein dafür, dass die besungenen Zustände im Land der Freien und der Heimat der Tapferen leider alles andere als optimistisch stimmen, wer auch immer die Wahl gewinnt. Ry Cooder besingt auch ein untergehendes Weltreich.

 

Ry Cooder Election Special

Ry Cooder Gesang, Gitarren, Mandoline, Bass.
Joachim Cooder Schlagzeug
Arnold McCuller Harmony Vocals auf 9.
 
01. Mutt Romney Blues 03:45
02. Brother Is Gone 05:03
03. The Wall Street Part Of Town 03:42
04. Guantanamo 03:28
05. Cold Cold Feeling 05:25
06. Going To Tampa 03:57
07. Kool-Aid 04:10
08. The 90 And The 9 05:15
09. Take Your Hands Off It 03:47
 
Mutt Romney Blues

Now boss Mitt Romney went for a ride
Pulled up on a highway side
Tied me down up on the roof
Boss I hollered, woof woof woof

Please master boss!

Don’t look right, it don’t seem right
Hot in the day, cold all night
Where I’m goin’ I just don’t know
Poor dog’s got to bottle up and go

Oh Mr Boss, cut me down!
Woof, woof, woof

He had a ride, sure not ridin’
Poor dog he really had a ride
He had a ride, sure not ridin’
Up on the rooftop here I’m sat

 

The Wall Street Part Of Town

I'm walkin' if it takes all night
Hopin' that we can make things right
And I'm lookin' for the Wall Street part of town

I'm standin' in the pourin' rain
Tryin' to throw off my chains
And I'm lookin' for the Wall Street part of town

I'm in trouble again but this time I'm not the only one
I was hurtin' before but this time I'm not a lonely one
Divide and rule, that's always been their plan
We're in trouble again but this time we've got friends

So I'll keep walkin' if it takes all night
A-hopin' we gonna make things right
I'm lookin' for the Wall Street part of town

They believe that evil deeds would never fail
They had a-you and me swinging by the tail
But look who's swinging now, what's that sound I hear
A mighty wind whistling past their ears

So I keep walkin' if it takes all night
A-hopin' we can make things right
I'm lookin' for the Wall Street part of town

I feel like shakin' a hand
I'm a-ready to take my stand
'Cause I'm walkin' towards the Wall Street part of town
I'm lookin' for the Wall Street part of town
Don't you want to go with me now
To the Wall Street part of town?

 
Going To Tampa :

Goodbye my honey, farewell my baby
Don't look for me around convention time
I'm bound for Tampa, in the great state of Florida
To see some distinguished friends of mine

Mitt and Rick and the pitbulls, the jolly ride and step forth
To the highest bidder each will guarantee
I'd give all my money sir if Palin calls me honey
And shakes the pizzas on my tree

'Cause I'm goin' to Tampa in the morning
Got my credentials in my overalls
But I can't take you with me little darling
I'm going down to get my ashes hauled

Well here's a proposition to entertain a motion
Bring back Willie Horton to us now
We'll spook the congregation and petrify the nation
And blame the folks from Mexico somehow

And let me introduce a man who all know well
He can play a very important role
State rights is his game, Jim Crow is his name
And Jim's our little ace in the hole

'Cause I'm goin' to Tampa in the morning
Saints of latter days will heed the call
We'll shout hallelujah in the evening
I'm going down to get my ashes hauled

Well the int- woman told the tea party man
Gonna make love to you with a gun in my hand
That tea party man said, 'that's all right
Got a smoking bomb under my pillow at night

Well we're all going to Tampa in the morning
Honey will you miss me when I'm gone
Now hope you pack my old bed sheet
I'm going down to get my ashes hauled

Yes, I'm goin' to Tampa in the morning
Honey will you miss me when I'm gone
Now hope you pack my old bed sheet
'Cause I'm going down to get my ashes hauled