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Johnny Winter Roots

 Frisch und fetzig

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Die jüngste Veröffentlichung von Johnny Winter hat es wirklich in sich. Es sind zwar «nur» Coversongs drauf, aber schon die Tracklist macht klar, dass es dem Gitarrenvirtuosen aus Texas ums Ganze geht. Mit der Unterstützung von einigen Gastauftritten publiziert Winter aber nicht nur ein weiteres Album der Sorte «Playing with My Friends», er bemüht sich um ursprüngliche und etwas aussagende Covers. Und das schafft er sehr gut, somit wurde dies ein wirklich gelungenes Album, es riecht etwas nach Grammykandidat für «Best Traditional Blues Album», was dem Mann sicher zu gönnen wäre. Mit 52 Minuten Spielzeit kriegt man auch was für’s Geld.

Johnny Winter hat eine schillernde Karriere hinter sich: Woodstock-Generations-Idol, «Wiederentdecker» von Muddy Waters und blitzschneller Gitarrist mit ungewöhnlichen Instrumenten. Es ist bekannt, dass der Albino Winter allmählich sein Augenlicht verliert. Die dünnen Ärmchen mögen zwar heftig tätowiert sein, aber Johnny Winter ist ein Bluesman, der auch Mitleid hervorruft. Vielleicht ist es diese Betonung von «has been», die den Texaner dazu brachte, mal wieder zu zeigen, was er so kann, auch mit an Blindheit grenzender Sehschwäche. Und das ist so einiges. Die von Paul Nelson produzierte CD klingt grossartig, frischer Gesang, transparenter Klang der Instrumente, viel bluesiges Grundgefühl.

In allen Songs bleibt die Rhythm Section gleich: Vito Liuzzi am Schlagzeug und Scott Spray am Bass, dazu kommt in der Regel Paul Nelson als Rhythmusgitarrist. Die Songs sind grösstenteils, möglicherweise durchgehend Covers. JohnnyWinter2.jpg

Es geht los mit T-Bone Shuffle, das mit Gast Sonny Landreth eingespielt wird. Schon beim ersten Titel wird die hohe Aufmerksamkeit offensichtlich, die dem Sound zuteil wird. Winters Stimme ist gepresst und angestrengt, aber sehr bluesig. Further On Up The Road mit Jimmy Vivino bietet einen Rockabilly-Anklang, sehr stimmungsvoll. Warren Haynes kommt auf Done Somebody Wrong zum Zug. Vom ersten Slideton an dieses Allman-Gefühl im Song, das ist schon beeindruckend. Plötzlich ist man im «Fillmore East». Haynes spielt meisterlich und fordert seinerseits Winters Gesang heraus. Mit dieser Wahl zeigt das Duo Winter und Nelson, wie clever sie das Album planten: Warren Haynes fühlt sich bei dem Titel zuhause, ausser den Allman Brothers ist er vor allem von Urheber Elmore James bekannt, also kein unbekannter Titel, aber auch kein Gassenhauer.

Sein von Muddy stammender Titel ist Got My Mojo Working. Lustigerweise der schwächste Song trotz Frank Latorres lupenreiner Chicago-Harp. Irgendwie springt hier der Funke nicht auf die Band über, die Teile sind gute, das Ganze kommt aber nicht so ganz zusammen. Trotzdem wären die meisten Bands glücklich so eine Version von Mojo Working im Repertoire zu haben.

Last Night wartet mit einem Harp-Solo der Extraklasse von John Popper auf. Die Harp zwitschert hier wie ein Vögelein, dies ist kein erdiges Grunzen, eine ungewöhnliche Art der Bluesharp. Maybelline lässt wirklich nicht mehr viel Interpretationsspielraum zu, aber die Version klingt trotzdem frisch und frech, so wie der Rock'n‘Roll eben mal war. Vince Gill zaubert ein perfektes Country-Gitarrensolo, Winter antwortet mit seiner Gibson Firebird. 2:49, länger braucht dieser Song nicht zu dauern und es ist alles drin, was auch schon bei Chuck Berry drin war, nur klingt es wie ein aktueller Titel. Susan Tedeschi lässt sich auf ein Duett ein auf Bright Lights, Big City, was nicht ganz passt aber angenehm schräg klingt. Das Wurlizer-Piano von Mike DiMeo ist wie ein Flokati, auf dem die beiden Singstimmen tanzen. Winters Solo ist danach quengelnd nasal, aber passend. Tedeschis Solo dann mit der gewohnten Perligkeit.

Die quengelnde Gitarre behält er auch beim folgenden Instrumental Honky Tonk, das zur Abwechslung ein Saxophonesolo bietet, das Johnnys Bruder Edgar Winter beisteuert. Honky Tonk ist ein einfacher, schwer stampfender Shuffle, den es auch bei Robert Nighthawk oder Clarence «Gatemouth» Brown zu hören gibt. Für Dust My Broom ist Johnny Winters Stimme perfekt geeignet, wie man sich vielleicht vorstellen kann: Die Elmore James presst er sich den Gesang ab. Und was er mit dem Slide anzustellen weiss, ist auch beeindruckend. Das zweite Solo spielt Derek Trucks. Was soll man da mehr sagen als makellos. Selbst in diesem beeindruckenden Line-up von Bluesgitarristen sticht Derek Trucks raus, was Feinheit und Differenziertheit angeht.

Paul Nelson darf für Short Fat Fannie nochmal ran. Das Stück mit dem sehr schmutzigen Titel, original von Larry Williams ist mehr ein Rock'n'Roll als ein Blues, aber auf jeden Fall ein Knaller. Joe Meo spielt ein superscharfes Baritone Sax, das den Bass unterstützt. Das macht einfach Spass. Come Back Baby mag als Slow Blues zum Abschluss überraschen, mit 6:28 das längste Stück, bietet es neben Winter als Solist John Medeski an der Orgel, und der fetzt ganz schön ab.

Ein gelungenes Album, tolle Gitarren, viel Spielspass, was will man mehr von einer CD. Das Album hat klare Anleihen bei Rock'n'Roll, ist aber insgesamt wunderbar Bluesig, entspannt und kitzelt an den rechten Stellen.

 Johnny Winter - Roots

1 T-Bone Shuffle (feat. Sonny Landreth)
2 Further On Up the Road (feat. Jimmy Vivino)
3 Done Somebody Wrong (feat. Warren Haynes)
4 Got My Mojo Workin' (feat. Frank Latorre)
5 Last Night (feat. John Popper)
6 Maybellene (feat. Vince Gill)
7 Bright Lights, Big City (feat. Susan Tedeschi)
8 Honky Tonk (feat. Edgar Winter)
9 Dust My Broom (feat. Derek Trucks)
10 Short Fat Fannie (feat. Paul Nelson)
 11 Come Back Baby (feat. John Medeski)