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Walts Blues Box The Cat Walk

Natürliche Eleganz

«Cat Walk» ist bekanntlich die englische Bezeichnung für den Laufsteg, auf dem Models herumstaksen. Es ist auch der Titel der jüngsten CD von Walter Baumgartners Bluesband Walt’s Blues Box. Das Cover setzt diesen in der Regel unterernährten egozentrischen Damen in ihren hohen Schuhe die natürlich Eleganz einer Hauskatze entgegen. Musikalisch nimmt die Band Vergleichbares vor: Manche der heute unter der Bezeichnung Blues angebotenen Titel reizen die Grenzen des Genres gewaltig aus. Da hört man von Hardrock bis Soul-Funk Musik, die eigentlich mit Blues ausser vielleicht dem 12-Takt-Schema wenig gemeinsam hat. Diese Entwicklung bei der «Konkurrenz» beantwortet Walts Blues Box mit klassisischem oder behutsam modernisiertem Blues reinster Machart. Eine CD voll mit Chicago Blues, zwölf fetzig und gut abgestimmte Songs. Eine runde Sache, oder eben, die natürliche Eleganz des Blues.

Die Ingredienzien, derer sich Walter Baumgartner in seiner Bluesküche seit einigen Jahren bedient, sind bekannt: Ein Quintett mit Gitarre (Jonas Wolf), Bass (Markus Schelling), Schlagzeug (Marco Besomi) und verschiedenen Tasteninstrumenten (Felix Widmer) Dazu kommt die Singstimme und Blues-Harp von Walter Baumgartner. Dabei ist, wie auch auf diesen Seiten bereits moniert, sein Englisch nicht immer ganz akzentfrei,  aber das stört keineswegs und vor allem ist es ein Detail, denn die Songs sind stimmig und die Band ist gut eingespielt.

Entsprechend bieten die Songs einen grundsoliden Rhythmus mit einigen schönen Shuffles darunter und Walter Baumgartners Harmonika, die auf fast jedem Titel ein Solo beansprucht, ist gleichermassen abwechslungsreich virtuos. Die ganze CD hat eine stilistische Entwicklung. Während die ersten Titel stärker von der Orgel getragen sind und eher klassischen Blues darstellen gibt es hinten auf der CD einige Titel mit klarem Funk-Einschlag, wo die Tasten weniger klar rauskommen. Aber stets bleibt es klar Blues, pure and simple und damit das richtige Rezept für diese Band. So geht es schon mit einem Harp-Intro und Shuffle los mit That's My Mother. Der Titel scheint ironisch gemeint, mehr denn autobiographisch, aber er bietet auf jeden Fall einen witzigen Text.

Dann sprechen die Tasten Felix Widmers. So bietet der zweite Titel Sunshine Of My Life ein tolles Orgelsolo, ebenfalls gefält das Piano-Intro zu Good Morning Baby und schliesslich ein mitreissender Rhythmus, erneut von der Orgel getragen auf Driving Home. Dieser Titel bringt ein mitreissendes Harmonika-Solo und einen funky Rhythmus, bei dem Marco Besomis Drums gut zur Geltung kommen. The Time is Right ist ein Gitarrenshuffle mit sparsamem, Boogie-Lick à la Bo Diddley oder John Lee Hooker. Auch das Gitarrensolo passt gut dazu, 2 Chrosus lang und damit nicht zu viel, gerade richtig.

Wolfs Gitarre eröffnet den schnellen Blues Out of Your Mind mit einem interessanten Ton, bei dem vor dem Verstärker der Klang ansprechend verändert wird (das Solo kommt wieder standardmässig verzerrt daher). Felix Widmer an einer Stelle klingt kurz auf, aber es ist mehr ein längeres Fill-In als ein Solo. Solche Dinge sind gemeint mit einer behutsamen Renovation des Blues. Dies ist nicht ein musealer Blues oder die Emulation des Sounds von damals, wie Jimmie Vaughans letzte Alben. Blues Box zeigt, dass der Blues Relevanz hat und trotz engen Grenzen eine zeitlose Musik ist.

Come Back ist ein Slow Blues mit dröhnender Gitarre, für meinen Geschmack zeitweise etwas sehr an die Scorpions erinnernd, aber sicher ein schönes Beispiel eines Slow Blues, ich empfand es als schwächsten Titel der CD, aber das hängt bekanntlich immer auch von der Stimmung ab. Mit 7:05 ist es der zweitlängste.

Die Stimmung ändert sich schlagartig mit dem Titelsong. The Cat Walk ist ein fetziger instrumentaler Jump Blues, bei dem man unweigerlich mit den Fingern schnippt und mit dem Fuss wippt. Und wieder ist die Assoziation mit der Hauskatze nahe liegend, denn die Musik dieses Instrumentalstücks hat in einem gewissen Sinn die Fröhlichkeit von Programmmusik. Es ist mit gerade mal drei Minuten relativ kurz, aber lässt aufhorchen, denn das ist ein kleines Juwel. Da der Titel stilistisch aus dem Rahmen fällt, gibt es hier auch keine Soli im klassischen Sinn. Living Side by Side ist erneut ein moderner Blues mit Funk-Einschlag. Dies entspricht am meisten dem, was die oben angesprochene «Konkurrenz» bietet: Gitarrensolo mit opulentem Ton à la Stevie Ray Vaughan und funky Rhythmus. Ein kleines aber feines Bassolo könnte im Live-Auftritt überleiten zu einer Mitklatsch- und -Passage des Publikums, hier wird es bald wieder übertönt.

Der Beginn von Rumours lässt aufhorchen. Die ersten drei Töne klingen genau wie der Anfang von Stairway to Heaven, doch dann nimmt es eine Wendung zum spannungsgeladenen Slow Blues. Auf diesem längsten Titel (7:40) passt alles zusammen: Grossartiges Orgel-Solo, Die Spannung der Rhythmusgruppe, der Gesang. Ein weiterer Höhepunkt des Albums.

Sweet Little Thing schliesslich ist ein weiterer Shuffle, einwandfrei und voller Spielfreude, und damit ein Zeichen, dass dies die Musik ist, welche die Band seit 2007 zusammen und am laufen hält: Die Liebe zur natürlichen Eleganz des Blues.

Der zwölfte und letzte Titel Change schliesslich markiert wirklich einen Wandel, einen stilistischen zumindest, denn der Titel ist funky und klingt für einen Blues bemerkenswert tanzbar. Bei der Wah-Wah-Gitarre klingt Bernard Allison durch, zumindest bis zum Solo der Harmonica, das zunächst etwas fremd erscheint, aber der erfahrene Bandleader kann die Stimmung bald in seinem Sinn umschwenken lassen. Das Wah-Wah-Solo der Gitarre rundet diesen Titel schliesslich ab.

Auf der Website sind von dieser CD drei Titel als Hörproben hinterlegt: Sweet little thing, Sunshine of my life und Change, von Cat Walk.

 
Walts Blues Box The Cat Walk (2011)
Jonas Wolf: Gitarren
Markus Schelling: Bass
Marco Besomi: Schlagzeug
Felix Widmer: Orgel, Piano
Walter Baumgartner: Gesang, Harmonikas
 
  1. That's my Mother
  2. Sunshine of my life
  3. Good morning baby
  4. Driving home
  5. The time is right
  6. Out of your mind
  7. Come back
  8. The cat walk
  9. Living side by side
  10. Rumours
  11. Sweet little thing
  12. Change