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Big Mama - Blues Rooted

Vielseitige Roots Musik

Big Mama ist der Künstlername von Montserrat Pratdesaba, einer katalonischen Künstlerin, die ihre Liebe für den Blues in Barcelonas «Cova del Drac» entdeckte. Uns liegt ihre Albumveröffentlichung von 2005 vor, die im Internet von verschiedenen Seiten herunter zu laden ist. Die CD Blues Rooted bietet einen bunten Mischmasch an Stilrichtungen, darunter auch schönen und hörenswerten Blues, stets aber ist es in erster Linie «Roots Music», also einfache und ursprüngliche Musik ohne grosses technisches Equipment, immer mit der legendären Back Porch im Hinterkopf, also amerikanische Hausmusik aus dem Süden.

Diese «Roots Music» bewegt sich stilistisch zwischen Country, Gospel und Balladen, die ins Liedermacher-Genre gehören würden, also Singer-Songwriter Musik. Hie und da gibt Big Mama einen Schuss lateinamerikanischer «smoothness» dazu, die ihren Songs gut tun. Was allen Titeln gemein ist, das ist ihre tolle volle Stimme. Sie singt mit Tiefe und Leidenschaft und wie es eben sein soll. Auf Someday (You'll Be Sorry) wagt sie sich sogar an den Gesang Louis Armstrongs heran. Ihre eigene Beschreibung des Albums enthält Bekenntnisse in Blog-Form über ihre Absicht und ihre tiefe Liebe zur Musik.

Ihre aktuelle Formation Big Mama & The Crazy Blues Band, aber hier tritt die 1963 geborene Bandleaderin gemeinsam mit einer sechsköpfigen Band auf, die sich dezent im Hintergrund hält und der Chefin zudient. Die Titel sind abwechslungsreich, haben aber stets eine dezente Bandbegleitung, die toll harmoniert. Die Songs strotzen vor Engagement der Musikerin, die auch rund die Hälfte der Titel selbst geschrieben hat.

Wer ein reines Blues-Album sucht, wird hier enttäuscht werden, denn Titel wie Bob Marleys Babylon System oder Just a Closer Walk With Thee sind definitiv kein Blues. Auch der erste Titel Africa ist ein gefälliger und süffiger Titel, mit etwas Afro-Beat und einer Prise Latin Sound.

Aber gewisse Titel sind klarer Blues: The Way I Feel ist von Brownie McGhee, aber auch hier ist der Blues trotz Harmonica-Solo nicht schwer wie Mississippi-Mud, hier ist eine Leichtigkeit, die durch die Hawaii-Klänge der Pedal-Steel unterstützt wird. Auch You’re Up ist ein mitreissender Gitarrenblues. Ebenfalls in den Bereich des Blues gehört der Titelsong Blues Rooted, in dem sie behauptet, ihr [musikalischer] Vater sei Muddy Waters, ihre Schwester Bessies Smith, deren Repertoire Big Mama nach Angaben ihrer Homepage ebenfalls covert, von dem hier aber nichts zu hören ist. Auch der erneut katalonisch gesungene Titel Blues a la Lluna kommt mit tiefblauem Feeling daher. Erneut stört mich persönlich die Pedal Steel bei dieser Aufnahme.

Stattdessen bietet sie mit Shine ist eine tolle Ragtime-Blues-Nummer, komplett mit Banjo-Intro und klingt wie das, was im Klischée-Westen der Pianist spielt: Ragtime eben. Auffällig ist die Platzierung des Titels zwischen dem meiner Meinung nicht sehr gelungenen Babylon System (obwohl es natürlich grundsätzlich sehr zu begrüssen ist, wenn Marley Titel gecovert werden) und der Katalanisch vorgetragenen Friedenshymne Tibet Lliure, was so viel bedeutet wie «Free Tibet». Als Katalanin ist es Big Mama vielleicht noch etwas leichter, sich für die Unabhängigkeit Tibets zu engagieren. Der Text ist im Booklet abgedruckt, aber die darin erwähnten «1.000.000 d’a$$a$$inat$» geben doch einen deutlichen Eindruck.
Viktor Jara’s Blues klingt sehr Bayou-Roots-mässig, mit einfachster Gitarre und schöner Mundharmonika-Begleitung. Der Titel klingt nach Gospel, und Big Mama widmet den Titel dem chilenischen Freiheitskämpfer Viktor Jara, der sich offenbar als Sänger für Freiheit und Menschenwürde einsetzte, der aber vom Pinochet-Regime ermordet wurde. Ebenfalls in die Gospel-Schublade gehört das Traditional Just a Closer Walk with Thee mit starkem Steel-Pedal-Einsatz. Hier lehnt sie ihren Gesang an Mahalia Jackson an, inklusive des charakteristischen tiefen Vibrato.

Dies ist ein engagierte CD mit interessanten Texten und sehr gefälliger Musik. Eine wirklich reife Leistung, die nicht nur im Blues bleibt, sondern auch in benachbarte musikalische Gefilde ausufert, dabei aber sehr eingänglich und angenehm ist. Die CD hat Geheimtipp-Charakter. Wer die Scheibe bei einer Einladung Freunden präsentiert, wird bestimmt früher oder später die Frage hören, wer denn hier so schön singe. Wie der (ihr angeblich verliehene) Künstlername Big Mama nicht gerade von grosser Kreativität zeugt (zumal sie nicht die Ausmasse einer solchen mitbringt), sind auch manche ihrer Titel etwas klischiert, aber wenn etwas gut ist, kann es ja auch etwas mehr davon geben.
 

Big Mama - Blues Rooted

 







Big Mama (Guitar, Vocals)
David Soler (Pedal-Steel Guitar)
Francesc Capella (Keyboards)
Manel Alvarez (Bass)
Erwyn Seerutton (Drums, Washboard, Banjo, Ravanne, Maravanne)
Enric Canada (Percussions)
Joan Pau Cumelas (Harmonica)

Tracklist
1. Africa - 4:38
2. Phrase ('Ilumination') - 3:14
3. Babylon System - 4:08
4. Shine - 3:11
5. Tibet Lliure - 4:15
6. You're Up - 3:00
7. Victor Jara's Blues - 4:28
8. Blues Rooted - 2:43
9. Blues A La Lluna - 4:27
10. Out Of Bounds Blues - 3:57
11. The Way I Feel - 3:32
12. Why Don't You Do Right? - 4:57
13. Someday You'll Be Sorry - 4:12
14. Just A Closer Walk With Thee - 3:46
15. L'Anima De Les Flores 2:34