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BB Kaluzny Blues Band Little Man

Im Auftrag des Herrn

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Das Quartett Kaluzny Blues Band, abgekürzt KBB, spielt christlichen Blues. Ihr neustes Album Little Man bringt sieben einwandfrei gespielte Songs. Bis auf einen akustischen Song sind alles moderne, sauber gespielte und makellos produzierte, aber wenig originelle Blues-Rock-Guitar-Stücke. Die Texte der sechs selbst geschriebenen Songs aber sind eine bemerkenswerte Abwechslung gegenüber herkömmlichen Blues-Lyrics. Hier geht es nicht um böse Frauen und eifersüchtige Männer, die ansonsten mit ihrer Männlichkeit protzen. KBB erzählen Geschichten aus dem Leben, durchaus „blueswürdige" Themen wie Spielsucht, Alkoholmissbrauch, nur erwähnen sie stets mehr oder weniger dezent einen Ausweg: den christlichen Glauben. Die Mischung aus Heilsversprechen und dem Blues ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber auch interessant. Und für das christliche Musikpublikum schliesslich ist es musikalisch eine Abwechslung zum christlichen Pop.

Die Band besteht aus Jörg Hofmann am Bass und Eric Ruetsche am Schlagzeug. Dazu kommt Sängerin Elli Kaluzny-Baumgartner und ihr Mann, Mick Kaluzny. Dieser ist Bandleader, Gitarrist und singt auf manchen Stücken, entweder im Duett oder auch Solo. Kaluzny ist ein alter Hase des Geschäfts, der seit 1986 als Session-Gitarrist, mit Solo- oder Bandprojekten sowie als Produzent eine eindrückliche Diskographie erarbeitet hat. Auf der Website der Band wird er als ehemaliger «Frontmann der polnischen Bluesrockband Heavy Blues» umschrieben. Er ist sicherlich ein Veteran und weiss, wie das Geschäft läuft, aber das könnte auch ein Problem sein. Auf manchen Stücken kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass etwas weniger Mike dem Ensemble gut getan hätte, denn er spielt alle seine Sounds und Stimmungen durch, das restliche Personal ist etwas zur Staffage reduziert. Jedoch, bei aller persönlicher Erfahrung und Qualifikation, hier geht es nur um  diese CD und nicht um Kaluznys Biographie.

Und leider muss ich es sagen, das Urteil fällt nicht sehr positiv aus. Die CD ist in Ordnung, keine Frage, aber sie ist auch das musikalische Äquivalent von Fischstäbchen, von McDonalds Pommes Frites, von Cola Light: nichts auszusetzen, aber Duzendware. Die Musik gefällt, aber sie überzeugt nicht. Das liegt zum einen an Ellis Stimme, die nur in Ansätzen die Kraft einer Frauenstimme bringt, wie man sie im Blues erwartet. Auch Mikes Stimme ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Zum anderen aber liegt es an Mick Kaluznys Gitarrenspiel. Dieses ist wie alles auf der CD makellos, aber auch sehr berechenbar. An manchen Stellen klingt die CD wie ein Jamtrack. Die Musik bringt kaum Persönlichkeit rüber, Individualität, sondern es ist gefälliger Massen-Radio-Sound mit einer christlichen Botschaft. Die selbst geschriebenen Texte bemühen sämtliche dichterischen Freiheiten und manchmal ist nicht klar, was das für die meisten Texte verantwortliche Duo M. Kaluzny und J. Siemasz da eigentlich sagen will. Auf der Website gibt es Hörproben.

Mit der christlichen Botschaft geht die Band offensiv um, so heisst das erste Stücke Jesus is Alive, um den Standpunkt schon mal klar zu machen. Der Song ist ein Power-Shuffle mit SRV-beeinflusstem Gitarrensound. Dass Duo Bass/Schlagzeug legt einen soliden Boden, darauf rockt Kaluzny dann ab: beinharter Shuffle als Rhythmusgitarre, dazu eine Lead-Spur, offenbar ebenfalls von Kaluzny eingespielt, der auch den Gesang übernimmt, Elli ist hier auf Background-Gesang reduziert. Was den Text angeht, so entspricht der dem Titel in Gradlinigkeit: «It's good to love your mama love your dad  / And stay away from easy money - do your best / And in the night before the sweet dream comes upon you / It's good to pray cause God loves you». Der christliche Text mag ungewohnt sein, denn Blues ist nun mal die Musik des Teufels, aber so sonderbar das vielleicht klingt: in einer säkularen Gesellschaft zählen diese Zuordnungen nicht mehr. Und was die Einseitigkeit des Textes angeht, so sei daran erinnert, dass Robert Cray auch in 90% seiner Songs über betrügende Frauen und untreue Männer singt.

Der Titelsong Little Man handelt nicht etwa vom kleinen Mann auf der Strasse, sondern vom Menschen als Zauberlehrling, der wie ein Kind keinen Sinn für den grossen Zusammenhang hat. So heisst es «[Little Man] He racked his brain / and came up with a cosmic theory / That the Big Bang blast just did it / That's how the world came to be ; One day you told me about heaven / Saying what a bore / Cause you begin to yawn the moment / When you come in that door». Es steht zu vermuten, dass die Aussage ist, dass der Himmel als erklärtes Regelwerk der Astrophysik kein Geheimnis mehr birgt und dass man sich lieber mit dem Glaubenshimmel beschäftigen soll, der einen jetzt zum Gähnen bringt. Oder gähnt man erst an der Himmelspforte? Nun bin ich persönlich ja der Überzeugung, dass das Verständnis des Kosmos seit Kopernikus und bis zum Teilchenbeschleuniger im CERN die Menschheit weiter gebracht hat als jenes vom Himmelszelt, ausserhalb dessen Gottes Gnade durch kleine Löcher scheint, die wir als Sterne sehen, aber das gehört nicht hierher. Später wird sogar noch die Hölle erwähnt, von der vermutet wird, dass diese unser irdisches Leben sei. Musikalisch ist es für Ruetsche und Hofman ein Funkstück, auf das Mike Kaluzny in der ersten Strophe Gitarrenlicks setzt und in der zweiten eine Funk-Gitarre. Ellis steuert ihren Gesang bei. Das Solo ist eine Art Chicken-Picking, virtuos gespielt, aber irgendwie einfach die Tonleitern hoch und runter.

Superstitions ist ein weiteres gitarrenzentriertes Stück, bei dem die jazz-artige Begleitung mit komplexen Zwischenakkorden. Die Begleitung stets sauber auf dem Gegenschlag. Das Solo mit einem Standard-Strat-Klang. Hier kam der Gedanke auf, dass das klingt wie ein Jamtrack, nämlich sowohl makel- wie auch belanglos. Am Schluss rockt Kaluzny in einem Solo noch so richtig ab, was auch nicht so recht zum Charakter des Stücks passen will. Das Stück bestärkt die Hörer darin, dass Schwarze Katzen auch Gottes Geschöpfe sind, der Aberglaube also keinen Sinn ergebe. Erneut kann man hier kritisieren, dass das genau genommen einen Glauben durch einen anderen ersetzet, aber das ist kleingeistig, und es geht schliesslich nicht um eine theologische Diskussion.

Say What's the Matter ist ein schönes Slide-Stück, und es endet mit einem schönen Slide-Schluss. Im Gesang harmonisieren das Ehepaar Kaluzny hier schön. Der Song ist sehr geeignet für Ellis Stimme, die nicht röhren kann, aber eine Spannung aufzubauen vermag. Insgesamt gefiel der Song am Besten. Es folgt Casino, wie zu erwarten wird hier ein Spieler angesprochen, Es bleibt einzig die Frage, ist das eine Höllenandrohung, wenn Mike in der letzen Strophe singt «Stop Stop Stop / It's Time to Stop / You have nothing anymore / and you can't go on / You don't feel like giving in / Like a fly in a Spiders net / You will get what you deserve / Hey man, don't you understand.»?

Der sechste Titel ist ein akustisches Solo von Mike. Rebecca, Rebecca ist schlicht Claptons Albert Alberta von Unplugged mit neuem, eigenem Text. Wo bei Clapton in diesem Cover von Big Bill Broonzys Titel Piano und Perkussion das Stück tragen, ist es bei Kaluzny nur sein Gitarrenspiel, das allerdings erneut doppelt. Anscheinend ist auch dieses Solo mit zwei Spuren aufgenommen worden. Im Text macht Mike einer Alkoholikerin mit diesem biblischen Namen zunächst Komplimente für diesen, um ihr dann Vorwürfe zu machen, dass ihre Mutter sich um sie sorge.

Der letzte Titel ist für meinen Geschmack strategisch gut auf der CD platziert. You've Got to Move ist erneut ein harter Power-Shuffle, der nach Rebecca besonders heavy reinkommt. Das Problem mit dem Stück? Es bringt den konstanten Einsatz eines Wah-Wah auf einem Kanal, Warnung also an alle, die Musik in erster Linie über Kopfhörer aufnehmen. Spätestens beim Wah-Wah-Solo nervt das gewaltig. Nach sechs sehr gitarrenlastigen Songs ist es einfach zu viel Gitarre auf einmal, wenn man nicht Hendrix heisst. Inhaltlich verspricht der Song die Wiederauferstehung am jüngsten Tag.

Insgesamt ist dies eine CD für einohrige Hörer, wer die Musik nicht zu genau anhört, findet das gefällig, der dem Text nicht zu genau zuhört, für den ist es einfach Gitarrenblues. Der Band täte etwas musikalische Vielfalt, die sich nicht in unterschiedlichen Einstellungen der Gitarrenverstärker und -effekte erschöpft, sicherlich gut.

01 Jesus Is Alive
02 Little Man
03 Superstitions
04 Say, What's The Matter
05 Casino
06 Rebecca, Rebecca
07 You've Got To Move