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Jimmie Vaughan Plays Blues Ballads and Favorites

Retro vom Meister

Jimmie Vaughan hat sich einige Jahre Zeit gelassen mit seinem neuen Solo-Album, der Sammlung Plays Blues, Ballads and Favorites. Herausgekommen ist dabei sozusagen ein Vintage-Konzept-Album, für das er auf die Hilfe alter Bekannter zurückgriff. Jimmie Vaughan ist bekanntlich ein Meister der Musik der 50er und 60er Jahre, und so zeigt er auch auf dieser CD, wie zeitlos der Sound ist, den die Menschen erstmals hörten, als die Frauen Petticoats trugen und die Männer die Frisuren trugen, die Jimmie bis heute behalten hat: die Tolle. Alles an dem Mann ist Vintage, authentisch und lebendig, und das macht seine Musik so modern.

Die CD enthält 15 Songs, bis auf zwei Ausnahmen sind alle knapp 3 Minuten lang, und es scheint, als wollte Vaughan den Sound der Jukebox nachbilden. Deshalb hat er alles getan, damit es wie die Musik klingt, nach welcher der pubertierende Jimmie einst die ersten Tanzschritte wagte. Er wählte mit George Rains einen perfekten Drummer, der trocken und antreibend spielt, und in Zusammenarbeit mit Ronnie James am Bass die zentrale Grundlage für Vaughans Sound bietet. An der Rhythmusgitarre unterstützt ihn Billy Pitman. Diese musikalische Grundausstattung wird je nach Anforderungen des Songs ergänzt durch Bläser (Greg Piccolo am Tenor Sax, Kas Kasenoff: Bariton, Ephraim Owens: Trompete) oder durch eine Hammond B3 (Bill Willis, der früher bei James Brown spielte). Diese Band kriegt einen Sound hin der modern und doch zeitlos ist. Es ist diese Musik, in der Weisse die Rhythmen und den Drive des neu urban gewordenen Blues aufnahmen und weiter verarbeiteten, eine Musik, die einst unter der Bezeichnung Rockabilly bekannt war, und die sich dann zu Rock’n’Roll und modernem Blues weiter entwickelte. Das Cover der CD ist nicht erwähnenswert, aber die Vinyl-Edition des Albums ist in ein schönes stimmiges Cover verpackt.

Auf sechs der 15 Titel  kommt zudem die für Austin lokale Blues-Legende Lou Ann Barton zu Wort, die mit ihrem wunderbarenCover der Vinyl-LP Gesang hier den älteren der Vaughans-Brüder unterstützt. Damit schliesst sich ein Kreis, spielte doch 1977 schon der junger Stevie Ray Vaughan mit Lou Ann Barton with Rockola auf dem Album Sugar Coated Love.

Die Titelauswahl beinhaltet weitgehend Coverversionen bekannter Titel wie Jimmy Reeds Come Love, Johnny Aces How Can You Be So Mean oder Roscoe Gordons Just A Little Bit. Willie Nelsons Funny How Time Slips Away ist eine wunderbare Aufnahme, ebenso Guitar Juniors Roll, Roll, Roll. Daneben gibt es einige Eigenkompositionen von Vaughan und die gesamte CD entspricht dem hohen Niveau des bisherigen Oeurvres Jimmie Vaughans. Der Leistungsausweis dieses Musikers geht ja weiter als die Soloalben Strange Pleasure, Out There und Do You Get The Blues. Der Unterschied ist vielleicht die weitere Reifes Vaughans, die ihn noch kompromissloser genau den Sound verfolgen lässt, der ihm gefällt.

Insgesamt ist dies ein wirklich gelungenes Album, auf dem einmal mehr die Fähigkeit Jimmie Vaughans zum Vorschein tritt, mit sparsamem und einfachem Sound tolle und mitreissende Musik zu machen. Ich wüsste nicht, was es hier zu kritisieren gäbe, das ist einfach eine schöne CD.
 

 Jimmie Vaughan Plays Blues, Ballads and Favorites
Jimmie Vaughan voc, g
George Rains dr
Ronnie James b
Billy Pitman g
Greg Piccolo tsax
Kas Kasenoff bsax
Ephraim Owens tr
Bill Willis Hammond B3
Lou Ann Barton voc
Derek O’Brian g (Frack 10)

1. The Pleasure’s All Mine
2. Come Love
3. I’m Leaving It Up To You
4. Comin’ & Goin’
5. Wheel Of Fortune
6. How Can You Be So Mean
7. Just A Little Bit
8. I Miss You So
9. RM Blues
10. Roll, Roll, Roll
11. Send Me Some Lovin’
12. (She’s Got The) Blues For Sale
13. Funny How Time Slips Away