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Charlie Morris Band, Ten Tall Tales

Se non è vero, è ben’ trovato 

Charlie Morris Band Ten Tell Tales (2009)

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 Es ist keine leichte Aufgabe, die neueste CD der Charlie Morris Band zu beschreiben, ohne sich dabei zu wiederholen. Denn auch mit der neuesten Produktion - ihrem fünften Album - liefert die Charlie Morris Band unter der Führung von Bandleader Charlie Morris zehn brandneue und selbst verfasste Songs ab, die mit der bewährten Mischung aus Blues, Louisiana-Sound und einem Schuss Rockabilly daherkommen, und erneut ist das Album ein Ohrenschmaus und ein grosser Genuss. Die Charlie Morris Band hat einen distinkten Sound, der ihnen eine musikalische Identität verleiht, ohne in irgendeiner Weise eintönig zu sein. Dieser Sound ist der Zusammenarbeit der vier Musiker zu verdanken, bei der die Rhythm Section Marco «Speedy» Jeanrenaud an den Fellen und David Clarke an den dicken Saiten den Soundteppich legen, auf dem die Tasten, bzw. Saiten von Markus Baumer und Charlie Morris tanzen.

 

Der Sound von CMB geht in die Füsse, man wippt mit dem Kopf oder schnippt mit den Fingern. Dies ist Wohlfühlmusik und Feierabendmusik, die man aber auch morgens unter der Dusche hören kann. Die CD ist perfekt abgemischt, die Instrumente sind gleichermassen gut hörbar und alle Aufnahmen bestechen mit Spielwitz und -freude und einer ausgezeichnet aufeinander eingestellten Band. Alle Songs sind Eigenkompositionen und neben der ausgezeichneten Musik leben die Songs der Band auch vom wirklich bemerkenswert guten Songwriting des Bandleaders Charlie Morris. In der US-Version von Amazon kann man Ausschnitte der Songs hören , aber um den Witz der Songs zu geniessen, muss man natürlich sie natürlich ganz hören.

Das Album bietet zudem politisches Engagement im Eröffnungssong Got Greedy, auf dem Morris die Ursache der momentanen Krise direkt und klar benennt. Darin bezeichnet er Geld und die Gier nach Geld als «honey to the rich, poison to the poor». So kann man auch ein brisantes Thema lyrisch umsetzen. Die Umweltzerstörung und die Gewalt ist ebenso Thema des Songs, aber zu keinem Zeitpunkt wirkt der Song peinlich oder beliebig, sondern bleibt stets engagiert.

Der darauf folgende Titel Monsieur Miracle wurde schon auf der Live-CD What a Scene zum Besten geben, aber erstens ist dies die Studioaufnahme, und zweitens ist der Song auch hier fetzig und Drummer Marco «Speedy» Jeanrenaud macht ihn zu einem Beispiel seines Könnens. Somit ist Mister Miracle nun einfach umgezogen und nennt sich nun Monsieur Miracle, wenn auch der gesungene Text weiterhin englisch bleibt. Die ersten beiden Songs sind auf der Website der Band herunterladbar, wo man die CD auch bestellen kann.

Das folgende I Got To Have It ist ein schöner Gitarrenshuffle mit wunderbarer Begleitung, dass - ohne Zweifel zufällig - enorme Ähnlichkeit aufweist mit dem Song She Just Wants to Dance von Keb' Mo'. Eine schöne nachdenkliche Bluesballade an der als einzig sonderbares zu bemerken ist, dass sie thematisch in krassem Gegensatz zum Opener Got Greedy steht. Markus Baumer hat hier ein wunderschönes Solo.

Er setzt auch in Stagger Home to my Baby deutliche Akzente. Das vierte Stück hat das Feeling eines Piano-Blues und Musik und der humoristische Text eines Mannes, der nach ausgedehnter Kneipentour zu seinem «Baby» heimtorkelt. Der folgende Titel Jelly Got me in a Jam hat erneut einen witzigen Text mit einem bemerkenswert doppelbödig-anzüglichen Text. Morris erzählt die Geschichte eines Liebhabers, der auf der Suche nach «Jelly Roll» - bei Ralf König würde man das als «Quarktasche» übersetzen - eine Menge Ärger kriegt, denn die Geliebte war «the Sheriff's daughter, she was the judge's wife» und entsprechend schaffte er es eben noch mit heiler Haut davon.  

I Got a Black Cat Bone ist ein fetziger Shuffle, bei dem erneut in humorvollem Songwriting die Voodoo-Vorteile eines «Black Cat Bone» geschildert werden. Leider erfährt man auch hier nicht, wie man den Knochen einer weissen Katze von dem einer Schwarzen unterscheiden kann. Der darauf folgende Slow Blues Never Coming Home bietet mit 7:31 Länge genügend Raum ist für Soli und ein ausgedehntes Zelebrieren der Ballade.

New Fool geht mit 2:43 fast enttäuschend schnell vorbei, es ist ein Gitarrenblues mit Slide-Begleitung und Baumer ausnahmsweise an den Tasten der Hammond B-3. Diese leichte musikalische Variation klingt viel versprechend und die Kombination von Slide und Orgel ist gelungen. Hoffentlich hört man auf weiteren Alben mehr von der Orgel. Der folgende Blues Not Much Glory beginnt nur an der Gitarre, bis die Band einsetzt. Der Einsatz von Jeanrenaud und Clarke könnte als Anschauungsmaterial für den Musikunterricht, was eine Rhythm Section zum Song beiträgt. Der Titel schildert die Härten und Ungerechtigkeiten des Musikerdaseins. Ein weiterer gelungener Song.

Der Closer bringt erneut einen synkopierten Rhythmus und dieses Feelings des Amerikanischen Südens. Erneut werden hier sehr anzügliche «double entendres» zum besten gegeben, und zugleich nimmt Charlie Morris seine Bandmitglieder etwas auf den Arm. Unbedachte Äusserungen werden Bandmitgliedern in den Mund gelegt, die auf englisch äusserst anzüglich sind. Der Songs ist wirklich witzig. Charlie Morris zeigt hier seine Songwriting-Qualitäten ein letztes Mal, und wenn der Titel des Songs auch suggeriert, dass sich jede der in den Strophen erörterten Episoden genauso abgespielt habe, zählt wohl die Devise der CD: «We swear these 10 stories are true, but we don't claim that they actually happened to us». So werden wahre Geschichten fiktional. Real allerdings bleibt der Unterhaltungswert der CD, der sehr hoch anzusetzen ist.

1. Got Greedy 4:22
2. Monsieur Miracle 4:22
3. I Got to Have It 4:21
4. Stagger Home to My Baby 2:54
5. Jelly Got Me in a Jam 2:42
6. I Got a Black Cat Bone 3:17
7. Never Coming Home 7:32
8. New Fool 2:44
9. Not Much Glory   4:34
10. That's What She Said 2:53

Charlie Morris - Guitar, lead vocals
Markus Baumer - Keyboards
Marco «Speedy» Jeanrenaud - Drums, percussion
David Clarke - Bass

Backing vocals: La Traia Savage (Got Greedy)