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Jimmy Witherspoon feat. Robben Ford - Live at the 1972 Monterey Jazz Festival

Neu herausgegeben

Jimmy Witherspoon feat. Robben Ford - Live at the 1972 Monterey Jazz Festival (Reissued 2008)

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Dies ist ein Live-Album, auf dem hauptsächlich ein Konzert von 1972 zu hören ist, das Jimmy Witherspoon in Monterey, Kalifornien, beim örtlichen Jazz Festival zu dessen fünfzehnten Ausgabe gab. Das «Monterey Jazz Festival», dass es noch immer gibt, war schon Gastgeber für schlicht ALLE Grössen des amerikanischen Jazz, wobei die Grenze zum Blues stets offen gehandhabt wurde. Im Jahr 1972 spielten neben Jimmy Witherspoon das folgende Lineup: The Modern Jazz Quartet, John Hendricks, Cal Tjader Quintet, Thelonious Monk, Sonny Rollins Quartet, Joe Williams, Herbie Hancock Septet, Quincy Jones Orchestra und Roberta Flack (Jazz-Sänger Joe Williams (12.12.1918 - 29.3.1999) ist nicht der Gitarrist und Country-Blueser «Big» Joe Williams, der «Master of the Nine-String Guitar» Joseph Lee Williams, 16.10.1903 - 17.12.1982)).

 


 

Witherspoon (8.8.1920 - 18.9.1997) war ein Veteran des Blues, dessen Karriere im Zweiten Weltkrieg begann und der in den 50er-Jahren seine grössten Erfolge feierte. 1949 kletterte seine Version von Ain't Nobody's Business bis zur Nummer 1 der R&B Charts und blieb dort 34 Wochen lang. Der Mann aus Gurdon in Arkansas wird normalerweise zu den Blues-Shoutern gezählt, wird also mit Jimmy Rushing und Big Joe Turner in eine Schublade gesteckt. Jimmy Witherspoon sang aber weitaus smoother als die beiden anderen Blues-Schwergewichte, er erinnert stärker an einen Jazz-Sänger in der Modulation seiner Stimme und seine Musik hat einen deutlich urbanen Charakter, er war ein Sänger von Nachtklubs, nicht von Juke Joints. «Spoon», wie ihn seine Fans und Freunde nannten, hat zwar in den Musiklokalen von Kansas City gesungen, in denen auch Rushing, Turner oder der grossartige Count Basie spielten, aber während etwa Big Joe Turner heute für die meisten Leute nur noch von historischem Interesse ist, geht Witherspoon immer noch unter die Haut.

Zur Zeit dieses Konzerts 1972 wurde er vom grossartigen Gitarristen Robben Ford begleitet. Robben Ford steht hier seiner eigenen Band vor, die von 1971 bis '73 als Begleitband für Jimmy Witherspoon spielte. Später wurde Ford zum Fusion-Gitarrist und spielte in der Formation L.A. Express unter der Führung von Saxophonist Tom Scott. Die Band begleitete Joni Mitchell auf zwei Hissing of Summer Lawns und dem Live-Album Miles of Aisles und spielte mit George Harrison auf dessen Tour durch die USA.

Ford ist ein «Guitarist's Guitarist» ein Musiker, den vor allem andere Musiker hören, und und er ist auch ein gerne gesehener Gast in Gitarristen-Selbstlernkursen. Hier aber steht der 21-jährige Robbern Ford noch mit dem grossen Jimmy Witherspoon auf der Bühne, und sie spielen zusammen ein grossartiges Set, das die klassische Jazz-Blues Gesangsstimme mit einer modernen Leadgitarre zusammenbringt. Robben Ford

Alle sTücke sind von diesem Set aus dem Jahr 1972, lediglich der letzte Song, When I've Been Drinking stammt aus einer Aufnahme des 1959er Festivals, und entsprechend wurde «Spoon» damals von einer anderen Band begleitet, einem wahren Who is Who des Jazz: Roy Elridge tr; Ben Webster und Coleman Hawkins Tenorsax, Woody Herman Klarinette, Earl «Fatha» Hines Klavier und der Rhythm-Section von Vernon Alley (b). und Mel Lewis (dr). Die Band, die den grössten Teil des Konzerts bestritt, besteht aus Robben Ford, Paul Nagel (Fender Rhodes Piano), Stan Poplin (b) und Jim Baum (dr). Ford, der anfänglich nicht Gitarre spielte, sondern auch Saxophon spielt laut Liner Notes hier auch Saxophon, was aber nicht klar zu hören ist.

Ford und Witherspoon gingen eine äusserst fruchtbare Partnerschaft ein, aus der nicht nur dieses Album hervorging, sondern auch Spoonful' (1975) und mehrere Live-Alben: Live von 1976 und die 1992er Reunion-Aufnahme Live at the Notodden Festival. Demnach ist diese Aufnahme vom Monterey Festival die früheste der Aufnahmen.

Dieses Set ist wunderbar, eine grossartige Zusammenstellung von Songs, die wunderbare samtige Stimme Spoons und die aggressive Gitarre von Ford ergänzen sich in kongenialer Weise, und die Begleitung durch das Fender Rhodes Piano gibt dem ganzen einen wunderbar schwebenden, sphärischen Klang. Die Trackliste sieht man unten, besonders hervorzuheben ist hier Going Down Slow, das mit über acht Minuten Ford Raum bietet für ein ausgedehntes Solo.

Nach dem fünften Stück, Walking By Myself war sein Set offiziell beendet, aber auf der CD hört man Witherspoon protestieren und ankündigen, dass der Vorhang besser hoch gehe, denn «Ive got my knife» und das würde er auch brauchen (wieso wohl jemand zum Auftritt überhaupt ein Messer mitnimmt?). Nachdem der Vorhang hochgeht, spielt er Ain't Nobody's Business und dann leitet er ohne Pause über zu I Want a Little Girl. Dies ist ein Juwel der Aufnahme. Die gefühlvolle Begleitung (an T-Bone Walker orientiert) und das romantische Stück passen perfekt. Wer den Song nur von Eric Clapton kennt (Reptile oder One More Car One More Rider) sollte sich diese Version unbedingt auch mal gönnen.

Was an dieser CD auch interessant ist, das ist der Vergleich von Versionen bekannter Stücke. So kennt man I'm Gonna Move to the Outskirts of Town auch von B.B. King, I Don't Know auch von den Blues Brothers oder Walkin' by Myself auch von Gary Moore. Diese Aufnahmen bieten gute Vergleichsmöglichkeiten, denn das Duo Witherspoon/Ford kann mit den anderen mehr als nur mithalten.

Was macht ein gutes Album? Die Chemie des Tages und des Konzertortes, und die Stimmung zwischen den Musikern. Diese Aufnahme ist Zeugnis eines tollen Konzertes, einer tollen Stimmung und einem Fest der Musik damals, zu Beginn der Siebziger Jahre.

 

 

1. I'm Gonna Move to the Outskirts of Town
2. S.K. Blues
3. Kansas City
4. Goin' Down Slow
5. Walkin' by Myself
6. Ain't Nobody's Business What I Do
7. I Want a Little Girl
8. I Don't Know
9. Early One Morning
10. Reds and Whiskey [Incomplete]
11. When I Been Drinkin'