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Biscuit Jack - Keep it Alive

Starkes Debut


Die Erstlings-CD der noch jungen Formation „Biscuit Jack " (2003,
Gigs seit 2006) ist kurz. Lediglich knapp unter 21 Minuten dauert es, die fünf Songs der Band um das Gründungsduo Fredy von Moos (Bass) und Sascha Koch (Gitarre und Gesang) anzuhören. Die Band scheint sich gesagt zu haben, lieber 20 Minuten guter Musik als ein Stunde mit zum Teil noch nicht ausgefeilten Songs. So enthält die CD eine kurze, aber feine Auswahl an mit einer Ausnahme selbst geschriebenen Titeln.

Und so haben sich die vier Mitglieder Koch (g, voc), von Moos (bass), Moby Arnold (keyb, p, harp) und Thomas Stocker (dr) auf dieser Scheibe, die sie für Fr. 13.- auf ihrer Homepage anbieten, auf ihre Stärken konzentriert: Biscuit Jack spielt im Blues basierte Rockmusik und Texas-Bluesrock sowie Southern Rock mit einer Prise Folk. Die Gruppe hat also deutliche Anleihen im Blues und kann und will diesen Einfluss nicht verleugnen, aber ich würde Biscuit Jack nicht uneingeschränkt als Bluesband bezeichnen.

Koch nennt als seine Vorbilder und Lehrer Andi Blum, Pete Borel und Richard Koechli . Zudem darf man wohl die Texas-Blueser Stevie Ray Vaughan und seine verschiedenen Bewunderer-Nachahmer von Johnny Lang bis Kenny Wayne Shepherd annehmen. Die ersten beiden Songs „Number Nine Train" und „Keep it Alive" sind deutlich von Kochs Gitarre geprägt. Das Eröffnungsstück ist ein harter Shuffle, kompromisslos und direkt. Dazwischen ein schönes Harp-Solo von Moby Arnold, in dem der Routinier James Cotton alle Ehre macht. Sascha Koch singt engagiert, seine Stimme ist keine Sensation, aber er singt sauber, gut verständlich und weitgehend akzentfrei. „Number Nine Train" ist bestimmt ein Knaller bei einem Konzert, als Eröffnung für die CD (und auch der Band-Website) ist es aber auch aggressiv.

Das zweite Stück „Keep it Alive", das programmatisch auch als Titel der CD gewählt wurde, erzählt sozusagen von der «Erweckung» der Band, wohl auf der Reise 2005 nach Texas und insbesondere Houston, von der sie auf ihrer Website berichten. Das Stück hat eine schönen Strat-Gitarrenton, so wie Vaughan oder auch Johnny Lang, und Koch lässt hier die Saiten wirklich singen. Das Stück klingt wie eine Trio-Aufnahme, von den Tasten ist nicht viel zu hören. Stockers Drums und von Moos' Bass tragen das Stück hervorragend.

Was den Text angeht, so muss sich der den Vorwurf des Klischees gefallen lassen: Die Erleuchtung, als sie den Blues hörten wie nie zuvor und den Auftrag spürten, diesen am Leben zu erhalten. Dazu gehört der Teufel und Freddie King wie auch die Versicherung, dass man auch ohne Vergangenheit im Baumwollfeld die zwölf Takte zu spielen in der Lage ist. Dem kann man als europäischer Bluesfan nur zustimmen, und der Text ist auch ebenso rührend wie voraussagbar, doch lebt eben auch stark vom Klischee. Was man Biscuit Jack zugute halten muss ist andererseits, das bei jedem, der Blues liebt eben irgendwann der Funken übersprang. Ob man dies als „Blues-Bug" bezeichnet oder als Erscheinung mythischer Gestalten des Blues, bei wohl jedem gibt es diesen das ganze Leben verändernden Moment, in dem man erstmals Hooker hörte, Muddy Waters oder, wie in meinem persönlichen Fall, Eric Burdon (auf einem Live-Album von Udo Lindenberg, aber das ist eine andere Geschichte).

Mit dem dritten Track „Be Home Soon"  rückt Moby Arnold klarer in den Vordergrund, und das ist gut so. Der Keyboarder überzeugt durch eine  schönen Klangteppich als Untergrund für dieses Stück, das einerseits Southern Rock-Merkmale hat, das gleichzeitig auch vom Gesang her etwas an Bob Dylan erinnern („Like a Rolling Stone"). Nicht die Polypen in der Nase, lediglich die Intonation. „Be Home Soon". Das Stück gefällt wirklich gut und wird mit mehrmaligem Anhören immer runder. Schöner bräsiger Südstaaten-Rock, rundum gelungen.

Als vierte Nummer kommt der Jump-Blues „C'mon", bei der man mit dem Fuss wippt. Fröhlicher Song mit guter Gitarrenbegleitung, die Rhythmusgruppe diesmal etwas weiter zurück als bei „Keep it Alive". Erneut ist Arnold nur vereinzelt gut zu vernehmen, aber das Solo mit perliger Gitarre und den Piano Fill-ins macht einfach Laune. Wenn Koch vor dem zweiten Schlusssolo „Go, Cat Go" ruft, ist das Stück sicher im Hafen gelandet.

Dann kommt als letztes Stück die einzige Cover-Version „That's How Strong My Love Is". Dieses wunderbare Stück (Original von O.V. Wright) wird viel zu selten gecovert, daher ist dieses Cover von Biscuit Jack lobenswert. Die Umsetzung basiert auf einem schönen Bläsersatz. Koch spielt dazu Arpeggios. Hier brilliert Arnold wirklich und ihm wird auch ein Solo zugestanden, bei dem er die Hammond B-3 (oder die entsprechende Einstellung auf dem Keyboard) bemüht. Die Entscheidung, die mit dem Rhythmus stampfenden Akkorde des Originals durch Arpeggien aufzulösen macht den Song runder, rollender als etwa die wohl bekannteste Version von Otis Redding.

Es mag ja Hybris sein, eine Nummer zu covern, die Otis Redding gesungen hat, aber musikalisch kann Biscuit Jack durchaus mithalten, wenn auch Saschas Stimme diesem Fall hinter Otis zurückstehen muss. Die Emotion bei Redding, die es braucht um zu vermitteln, wieso der Sänger so oft die Titelzeile wiederholt, fehlt bei Koch etwas, der den Text zu wenig variiert. Wo es Little Milton, Wright oder eben dem grossen Otis ein Anliegen ist, der Frau zu vermitteln, wie sehr er sie liebt, bemüht sich Koch zwar, singt aber eben letztlich den Text zu einem Stück. Das ist etwas schade, weil dem Quartett der Song wirklich gelungen ist. Erneut sei gesagt: das ist der Eindruck des Rezensenten vor der Stereoanlage, und in einem Konzert kann das alles auch intensiver sein.

Insgesamt stellt sich Biscuit Jack hier mit einer interessanten CD vor. Sie sind sicherlich eine willkommene Bereicherung der Schweizer Bluesszene, aber wie ein junger Wein eben auch noch ein Produkt, das seine Reifung noch suchen muss. Wenn in zukünftigen Arrangements die Tastenarbeit und die Harp von Moby Arnold stärker berücksichtigt wird, profitiert nach der Erstlings-Scheibe die ganze Band davon. Nach diesem Studioalbum wäre es auch interessant, eine Live-CD anzuhören.

Wer sich von der live-Qualität der Band überzeugen will, am 8. August 2008 spielen Biscuit Jack beim „Jam am See" im Rest. Kreuz, Oberwil.

Biscuit Jack, Keep It Alive, 2008 

Sascha Koch (guitar, vocals)
Moby Arnold (keys, piano, harp)
Thomas Stocker (drums)
Fredy von Moos (bass) 

Patrik Röösli (tenor-sax)
Marcel Ming (baritone-sax)
Martin Scheidegger (trumpet)

1 number nine train reinhören
2 keep it alive reinhören
3 be home soon reinhören
4 c’mon reinhören
5 that’s how strong my love is  reinhören