Musik

Buddy Guy Born to Play Guitar

Feine Nuancen

Auf seinem aktuellen Studioalbum Born to Play Guitar zieht der Bluesman alle Register seines Könnens und zeigt mit Unterstützung prominenter Kollaborateure wie vielseitig der Blues ist, wenn er ihn spielt. Buddy Guy ist als letzter Augenzeuge der Goldenen Ära des Chicago Blues zum Grandseigneur avanciert, und das neue Album wirkt wie eine Präsentation seiner stilistischen Vielseitigkeit. Vom klassischen Shuffle zum Slow Blues zum akustischen Song zum Wah-Wah-Gitarren Workout. Dazu gibt es Gastauftritte von Billy Gibbons, Joss Stone, Kim Wilson, Doyle Bramhall II und Van Morrisson bleibt jeder Titel doch durch und durch Buddy Guy. Im Vergleich zu früheren Alben kam zudem der Eindruck auf, dass Buddy Guy es in seinem Gitarrenspiel etwas gemächlicher angehen lässt, was sehr gut gefällt.

Vierzehn Titel beinhaltet die neue CD Born to Play Guitar, und jeder hat seinen eigenen Charakter. Wear You Out ist ein Duett mit Billy Gibbons von ZZ Top, auf dem es erwartungsgemäss etwas brachial zu geht, aber bereits der nächste Titel Back Up Baby ist ein sehr transparenter Blues, der fast an Country Blues erinnert. Auf dem Album gibt es also sehr viel zu entdecken. Die stilistische Vielseitigkeit wird durch Guys Gesang und Gitarrenspiel aber stets zusammen gehalten und es ist die künstlerische Klammer, die alle Songs umgibt.

Beim Anhören hatte ich den Eindruck, dass seine Gitarrensoli ein klein weniger ruhiger wurden, etwas weniger akrobatisch, was ihnen in meinen Ohren gut tut. Tunr Me Wild ist ein schneller rockiger Blues, wie ihn Buddy Guy seine ganze Karriere hindurch spielte. Hier aber haben die Gitarrensoli eine neue Souveränität, etwas mehr den Mut, Töne auszulassen.

Die meisten Songs stammen aus der Feder von Tom Hambridge, dem Drummer der Buddy Guy Band und Produzent von Guys Musik seit dem Album Skin Deep. Die zwei nicht von Hambridge verfassten Titel sind einerseits Too Late, ein kräftiger Chicago Blues mit Kim Wilson als Mundkarmonika-Solist, der eine Komposition von Charles Brown ist. Der zweite «Fremdtitel» ist Baby You Got What it Takes, ein Duett mit Joss Stone, der von Clyde Otis stammt. Auf diesem Titel ist auch wieder mal Reese Wynans an den Tasten zu hören, der vierte Mann in Stevie Ray Vaughans Double Trouble. Die beiden Covers passen nahtlos in die Songauswahl des Albums.

Smarter than I Was klingt an Sweet Tea an, was den heftig verzerrten Ton von Gitarre und Gesang angeht. Für meine Ohren der schwächste Titel des Albums. Crazy Worlderinnert an frühere Erfolge wie Feels Like Rain oder There is Something On Your Mind von Damn’ Right I Got the Blues. Dies ist weniger ein Blues als eine eindringlich gesungene Ballade. Whiskey, Beer & Wine ist ein Titel, der vor den Gefahren des Alkohols warnt. Wie in Guys Autobiographie When I Left Home zu erfahren war, war Alkohol ein wichtiger Grund für das Scheitern mancher Bluesmen, insbesondere Junior Wells, und entsprechend eindringlich warnt Buddy Guy, der selbst kaum trinkt, vor Schnaps, Bier und Wein: «You can start your Problems one drink at a time».

Bemerkenswert ist zudem Think Like Mississippi Mud, ein gross arrangierter Titel mit Horn Section von den Muscle Shoals Horns. Blues, so richtig aus dem Vollen! Die zwei Titel, die den Abschluss bilden sind das Duett Flesh & Bone mit Van Morrisson und Come Back Muddy mit Doyle Bramhall II an der 12-saitigen akustischen Gitarre. Der erste Titel ist B.B. King gewidmet, aber musikalisch ist es kein Versuch, so zu spielen wie der kürzliche verstorbene «King of the Blues», sondern eine emotionale Verneigung. Come Back Baby ist bewegend, weil Buddy Guy einem Gefühl Ausdruck verleiht, das schon lange in ihm schlummert: Er vermisst seinen Freund und Mentor Muddy Waters.

Nicht jeder Titel auf Born to Play Guitar ist ein 12-Takt-Blues, und das Album ist auch nicht so gitarrenlastig, wie der Titel verheisst. Stattdessen kriegt man 14 Titel mit unterschiedlichen Charakteristika, so dass die CD abwechslungsreich und vielseitig bleibt und den Headliner auf der Höhe seines Können und im Bewusstsein seiner Stellung als Fackelträger des klassischen Chicago-Blues zeigt.

Buddy Guy Born to Play Guitar

Doyle Bramhall II  Guitar (12 String Acoustic), Guitar (Electric)
Bob Britt        Guitar (Electric), Guitar (Resonator)
Chris CarmichaelString Arrangements, Strings
Billy Cox       Bass (Electric)
Billy Gibbons          Guitar (Electric), Vocals
Kenny GreenbergGuitar (Electric)
Buddy Guy  Guitar (Acoustic), Guitar (Electric), Vocals
Tom Hambridge    Drums, Percussion, Producer
Tommy Macdonald         Bass (Electric)
The McCrary Sisters          Vocals (Background)
Kevin McKendreeAfrican Piano, Hammond B3, Piano
Rob McKendree    Clavinet
Rob McNelley        Guitar (Electric), Guitar (Resonator), Slide Guitar
Van Morrison          Vocals
Michael Rhodes    Acoustic Bass Guitar, Bass (Electric)
Joss Stone    Vocals
Kim Wilson   Harmonica
Glenn Worf  Bass (Electric), Bass (Upright)
Reese Wynans       Clavinet, Hammond B3, Piano (Grand), Piano (Upright), Wurlitzer

1 Born To Play Guitar 4:57
2 Wear You Out 3:30
3 Back Up Mama 4:43
4 Too Late 2:47
5 Whiskey, Beer & Wine 4:30
6 Kiss Me Quick 2:56
7 Crying Out Of One Eye 4:02
8  (Baby) You Got What It Takes 3:18
9 Turn Me Wild 4:37
10 Crazy World 5:16
11 Smarter Than I Was 5:27
12 Thick Like Mississippi Mud 4:04
13 Flesh & Bone (Dedicated To B.B. King) 10:44
14 Come Back Muddy 5:12

Buddy Guy ;, Kim Wilson ;, Joss Stone ;, Doyle Bramhall II;