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The Bacon Fats - Add A Little Flair

The Bacon Fats – Add A Little Flair

Wo Bluesfreunde über ihre Lieblingsmusik reden, ist das Thema «Klassischer Blues - Moderner Blues» schnell auf dem Tisch. Dabei weiss eigentlich niemand genau, was damit gemeint ist, oder besser gesagt, jeder hat seine eigene Vorstellung darüber, welche Spielart des Blues die «moderne» ist und vor allem, wieviel andere Einflüsse der Blues verträgt, ohne sein Wesen zu verlieren. Was vorgestern noch als modern galt, ist heute klassisch. Deshalb enden die Diskussionen darüber zumeist fruchtlos.  The Bacon Fats, darüber ist man sich aber rasche einig, spielen modernen Blues. Die erst 2011 gegründete Band überzeugte jedenfalls die Jury der Swiss Blues Challenge 2013 und gewann den Wettbewerb. Nun haben sie ihre erste CD vorgelegt: Add A Little Flair.

Die Band besteht aus dem Harmonikaspieler und Sänger Jan Hartmann, dem Gitarristen und Sänger Sleepy Eddie James, dem Bassisten Tobias Wirz und dem Schlagzeuger Lukas Meier. Die CD enthält elf Songs, alle stammen von Jan Hartmann oder Sleepy Eddie James. Hartmann, der auch eine Harpschule betreibt, hat sich in zahlreichen Projekten, unter anderem mit Mick Pini, als Sessionmusiker und im Studio zu einem reifen und vielseitigen Harmonikaspieler mit eigenem Stil entwickelt. James ist ein alter Hase im Geschäft, in hunderten von Gigs in den Staaten und Europa gestählt und durch die Zusammenarbeit mit illustren Musikern ein versierter Gitarrist. Wirz genoss seine Ausbildung zum Bassisten an der Jazzschule St. Gallen und betreibt den Musikvetrieb iMusician.

Der Reigen der durchwegs prickelnden Songs beginnt mit einem vielversprechenden Devils Day und die Band erfüllt die damit erweckten hohen Erwartungen mühelos mit dem Rest des Albums. Spätestens nach dem dritten Track, Get Flat, hat man den Eindruck, es habe der Gruppe grossen Spass gemacht, die Songs einzuspielen. Jedenfalls klingen sie alle nach einer gut aufgelegten Band, die mit grosser Spielfreude auf's Beste harmoniert. Die Songs sind durchwegs originell und teilweise auch voller Witz. Zum Beispiel She Loves To Shop, ein Lied über die ungebremste weibliche Kauflust, oder Swiss Train. Eisenbahnsongs haben Tradition im Blues, vor allem bei Harmonikaspielern, denn mit der Harp lässt sich trefflich eine Lokomotive emulieren. Hier dampft jedoch keine gemütliche Lokomotive durch das Delta, sondern ein Schnellzug düst im Höllentempo durch die Schweiz an Dutzenden von Bahnhöfen vorbei, die ebenso schnell aufgezählt werden. Dazwischen ein Refrain, der wie eine Durchsage durch die Lautsprecher auf dem Bahnsteig erinnert. Der Song hat nicht nur Hitparadenqualität, er wäre auch ein vorzüglicher Werbesong für die SBB. Die CD endet mit einem entspannten, swingenden Nice and Gentle. Toll, was die Jungs aus einem Shuffle rausholen. Hier gibt es noch eine unbeabsichtigte Überraschung. Der Song dauert rund 4 Minuten, ist aber auf dem Cover mit 9:03 Minuten ausgewiesen. Nach dem Ende dauert es eine halbe Minute, dann ist Feel So Good zu hören, ein Titel der Promo CD, die 2011 erschien.

Sie selbst nennt ihren Stil «Hard Swing Blues». Es ist eine interessante Mischung aus allerlei Stilarten. Da ist zunächst R&B und Jump Blues à la Louis Jordan, der mit seinem Caldonia einen Evergreen geschrieben und mit Saturday Night Fish Fry 1949 eine der ersten Rock 'n‘ Roll Aufnahmen überhaupt eingespielt hatte. Es war immerhin Chuck Berry, der meinte, nach seiner Erinnerung sei Louis Jordan . . . .der erste, den er Rock ‚n‘ Roll spielen gehört habe. Das Ganze ist mal gewürzt mit einer Prise Surf-Rock, mal klingt es jazzig, dann wieder nach Vierzigerjahre. Echos der Shadows sind zu hören und auch klassischer Delta Blues findet seinen Platz. Das soll nun aber nicht heissen, das Album sei eine Sammlung von Songs aus beliebig zusammengewürfelten Stilarten. Die Elemente werden wie Zutaten eines Gerichts gekonnt eingesetzt und geben jedem einzelnen Track seinen besonderen Charakter. So wird die CD zu einem abwechslungsreichen Menu mit elf attraktiven Gängen. Empfehlenswert!

The Bacon Fats – Add A Little Flair (2015)

1. Devil's Day 3:24
2. She Loves To Shop 3:43
3. Get Flat 4:47
4. Swiss Train 4:09
5. Evil 5:56
6. You Ain't Got No Class 4:06
7. King Of Swing 6:19
8. Hoodoofied 4:27
9. Ski Patrol 3:05
10. Can't Copete With That 4:48
11. Nice & Gentle 4:00


Hier bei Bandcamp kann man die CD anhören - oder, besser noch: kaufen.
Website The Bacon Fats

Bluesfestival,, moderner Blues, Swing