Musik

Angehört: Bluecerne - Blues Mystery - McEbel

Bluecerne Bumby Road

Die neueste CD von Bluecerne enthält 11 Titel, die die stilistische Bandbreite der Luzerner Blues-Soul-Formation zeigen, aber ebenso die Reifung der Band. Die Bläsereinsätze noch ein wenig ein wenig knackiger, die Stimme von Renato Cazzaniga noch ein wenig raspliger und die Gitarrensoli von Roli Mosimann beginnen eine Geschichte zu erzählen, und verlassen so das Stadium der Lick-Sammlung. Mit Covers von Albert Collins (A Good Fool is Hard to Find), Johnny Guitar Watson (Hot Little Mama) oder Otis Rush (So Many Roads, So Many Trains) sind einige bekannte Titel darunter, gewisse sind aber auch selbst verfasste Songs. Ausgesprochen spannend ist das Cover von Walk a Mile in My Shoes

Der Titel von Joe South von Ende 1960er Jahre wurde verschiedentlich schon gecovert, unter andem von Elvis Presley, Brenda Lee oderColdcut. Von all diesen Versionen unterscheidet sich jene von Bluecerne mit ihren eigenen Charakter. Scent of Your Benjamins ist auf der anderen Seite ein Titel, der von Shawn Pittman auf seinem AlbumEdge of the World 2011 veröffentlicht wurde. Praktisch ein Cover eines kaum bekannten Songs und wer die Version von Pittman anhört, versteht sofort, dass dies genau der Groove ist, den Bluecerne zu spielen versteht. Die Grooves von Schlagzeuger Eric Kunz und Bassist Michi Büttikofer sind oft synkopiert und sie harmonisieren mit den Bläsereinsätzen von Trompeter Martin Scheidegger und Saxophonist Patrick Röösli auf wunderbare Art und Weise. Der selbst verfasste Titel  Catch This Teardrop zeigt dies exemplarisch auf. Eine gute Band wird besser, so macht das Album Bumpy Road auch Appetit auf mehr. Diese Album stimmt von vorne bis hinten zusammen und bietet einen guten Eindruck einer tollen Band, bei der der Gemeinschaftscharakter über dem Solisten steht.

Blues Mystery Diesel Rock

Das schweizer Quartett Blues Mystery bringt weniger fein gearbeitete Sounds ans Ohr als die Luzerner, aber wenn man sieht, dass das Lineup aus vier Musikern mit Schlagzeug, Bass und zwei Gitarren bestehen, ahnt man schon, dass es hier deftiger zur Sache geht. Ihr Ding ist der druckvolle Bluesrock, um ein Gitarrenriff herum aufgebaut, dazu gerne mehrstimmiger Gesang. Man könnte ihren Stil auch als Classic Rock bezeichnen, wenn auch Wild Love ein fetziger Funkrock ist. Deshalb ist ihre Musik aber nicht weniger groovig, sie ist einfach nur in Spurenelementen Blues. Von den 11 Songs scheinen alles selbst geschriebene Titel zu sein, und manche kreisen um das Thema Nachwuchs, und die Texte sind durchgehend gut, wenn auch zwischenzeitlich stark mit Klischees beladen. Das Quartett, bestehend aus Sänger und Gitarrist Willy Matt, Bassist Walter Khut, Schlagzeuger Gege Bonvin, und Irénée Pralong als jüngstem Mitglied und zweitem Gitarrist, spielt ohne Schnörkel, die Gitarren haben diesen cremigen Humbucker-Sound, das Schlagzeug trägt den Groove, die Einsätze sind auf den Schlag und so entsteht nach altbekannter Formel immer wieder aufs Neue was man Rockmusik nennt. Half a Man und der Closer Over The Mountains sind Slow Jams, beides schöne Beispiele für einen tollen Groove aus der Rhytm Section, und auf manchen Stücken (I’m Coming Back und Grimaces on the Bad Mood) ist ein Slide zu hören, das gut gefällt. Son ist ein Boogie im Stile George Thorogoods. Die Teilnehmer an der diesjährigen Blues Challenge Anfang Juli in Basel haben das Publikum gut unterhalten, wenn sie auch diesmal den Sieg nicht davontragen konnten.
 

McEbel Analog Blues

McEbel ist der Name einer One Man Bluesband, also eines Solo-Multi-Instrumentalisen aus Handeloh (in Niedersachsen), der mit bürgerlichem Namen Stephan Ebel heisst. Ebel oder eben McEbel spielt Gitarren mit Slide oder ohne, zumeist elektrisch verstärkt und daneben Harmonika, aber der Sound ist der einer gesamten Band. Seine CD Analog Blues ist eine Wundertütr aber auch eine Tüte voll kleiner Wunder. Die Musik der One-Man-Band wird vielseitiger und vielseitiger und das macht Spass. Gewisse Spuren müssen nacheinander aufgenommen worden sein (oder er müsste das Geheimnis verraten, Gesang und Harmonika gleichzeitig zu bedienen), deshalb entsteht weniger diese spezielle limitierte Ausdrucksmöglichkeit anderer One-Man-Bands. Rhythmusswechsel, Unterbüche und verschiedene Soli prägen die Musik von McEbel. Auf seiner Homepage ist auf der Bilder-Sektion zu sehen, dass McEbel auch eine Foot Drum wie diese spielt (dort ist auch der Stevie Ray Vaughan nachempfundene Gitarrenstrap zu sehen). Seine Musik ist erfrischend vielseitig und sie hat doch den direkten Punch einer One-Man-Band, der Gesang ist angemessen, und McEbel versucht nicht, seine helle Stimme künstlich zu verfremden, weshalb sie direkt vom Herzen kommt. Sein Repertoire sind Covers, wobei man bei Higher Ground schon das Original genau im Ohr haben muss, um Stevie Wonder heraus zu hören. Seltene Perlen sind zu hören wie Long John Baldry’s Time’s Getting Tougher than Tough. Mercury Blues ist eine Hymne an ein Auto, das schon Jimmy Thackery oder die Steve Miller Band besangen. Die Liebeserklärung aber stammt noch von K.C. Douglas (1913–1975), einem selten genannten Bluesman aus Sharon Mississippi. David Lindleys eigenartiger Titel Rag Bag wird hier erneut aufgeführt, auch dies eine Seltenheit. Insgesamt präsentiert er auf diesen neun Titeln ein ganz bezauberndes Repertoire, das MyEbel mit der Instrumentierung und der strikten Betonung auf das Rhythmische zum Blues reduziert. Gerade diese Verfremdungen machen das Anhören der CD so lohnend, wenn man mit den Originalen vergleicht. Aber auch bekanntere Titel wie Hard Times (Ray Charles) oder I’m Ready (Willie Dixon) sind im Vergleich ebenso interessant wie für sich angehört. Nur bei I’d Rather Go Blind kann McEbel die stimmlichen Anforderungen nicht ganz bewältigen. Der Titel klingt eher wie eine Persiflage als wie ein Cover. Die 12 Euro plus Versand, für die der Künstler seine Musik im Direktversand anbietet, sind auf jeden Fall gut investiertes Geld.

 
 

 
 

Bluecerne ; Renato Cazzaniga ; Roli Mosimann ; Albert Collins ; Johnny Guitar Watson ; Otis Rush ; Joe South ; Elvis Presley ; Brenda Lee ; Coldcut ; Shawn Pittman ; Eric Kunz ; Michi Büttikofer ; Martin Scheidegger ; Patrick Röösli ; Willy Matt ; Walter