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Marblewood - Marblewood

Ebenholz ist das neue Ingwer

Hin und wieder erhalten wir in der Redaktion von Bluesnews.ch CDs mit der Bitte um Rezension, und in der Regel hat es sich gut bewährt, diese CDs einfach mal einzulegen und ganz die Ohren entscheiden zu lassen. Als die Scheibe der Band Marblewood in den Player kam, traute ich zunächst meinen Ohren nicht, denn da spielte eine Schweizer Band einen deutlich an die 60er Jahre angelehnten psychedelischen Sound wie ich ihn von Ginger her kenne und ausgesprochen schätze, wie in meinen früheren Besprechungen über «Ginger live, 2008» schon zu sehen war. Ginger brachte einen authentischen 60er-Jahre-Sound auf die Bühne, bzw. ins Mischpult, und nun soll sich mit Marblewood eine weitere Band in diesem Gewässer tummeln? Ja und Nein, lautet die Antwort, denn Marblewood besteht im Kern aus zwei Mitgliedern von Ginger, was die stilistische Kontinuität erklärt. Die unter dem Titel Marblewood entstandene CD knüpft damit stilistisch dort an, wo Ginger aufhörte: psychedelischer 60er-Jahre Sound mit viel Verzerrung und Druck, aber auch viel musikalischer Freiheit und grossartiger Offenheit.

Aus dem Quartett Ginger haben zwei Mitglieder die neue Band Marblewood begründet, nämlich Leadsänger und Gitarrist Marc Walser und Bassistin Ariane Bertogg. Auffällig dabei: Im Unterschied zu Ginger sind bei Marblewood die Basslinien deutlicher hörbar. Hinzu kommt David Zurbuchen als Drummer, womit die Band Marblewood ein klassisches Power-Trio bildet.

David Zurbuchen ersetzt Andy Rösch am Schlagzeug und auch Micha Bütikofer, der zweite Gitarrist, Background Sänger und Trompeter hat die Band verlassen (Die Website von Ginger http://www.gingerspace.com/ steht zwar noch, aber dort wird auch auf die neue Band verwiesen). Als «Special Guests» werden bei Marblewood die Mitarbeit von Sarah Weibel, Gesang, Sandro Hussel (Dilruba/Esraj) und Organist Michael Marti verzeichnet (Dilruba, bzw. Esraj http://de.wikipedia.org/wiki/Esraj bezeichnet bundierte indische Streichinstrumente). Dieses klagende indische Instrument ist zum Beispiel am Anfang von Splendour gut zu hören.

Die neue CD hat 6 Tracks und umfasst 65 Minuten. Der Sound ist enorm entspannter, aber mit grosser Autorität gespielter 60er-Jahre Bluesrock, irgendwo zwischen The Doors und Cream mit einer guten Dosis Grateful Dead mit dabei. Die Musik erhält viel Zeit zum Atmen, die Songs entwickeln sich grossartig und auch ohne den allzu sehr zum Klischee verkommenen Drogenrausch kann man sich in der Musik verlieren, seinen Gedanken nachgehen und sich dann wieder auffangen lassen vom Sound. Herausragend ist der Titel Splendour, auf dem Sarah Weibel singt und der als Bonus Track deklarierte letzte Titel In the Beginning, eine Hymne mit etwas über 20 Minuten Spielzeit. Dies ist Marblewoods Dark Star, so sehr erinnert die Musik an diesen Showcase-Song von The Grateful Dead und ebenso wie bei diesem Song ist auch hier eine solide Basis der Rhythmusgruppe die Grundlage für alles weitere. Zurbuchen und Betrogg kriegen einen geradezu  hypnotischen Strudel von Beat hin, der weit vor der 20 Minuten-Grenze die zuschauer in Trance versetzt. Marc Walsers perfekt gespielte Wah-Wah-Gitarre dazu und voilà, fertig ist der perfekte Jam-Song. Michael Martis Orgelarbeit schliesslich braucht sich vor The Grateful Dead nicht zu verstecken.

Ob die Verkleinerung der Band gut getan hat, kann man aufgrund der einen CD noch nicht sagen, auf jeden Fall ist die grosse Erfahrung zu hören, die man sich erspielt hat seit dem Erstling 2008, und die stärker in den Vordergrund gerückte Bassarbeit tut dem Sound nur gut. Kurzum: Wer Ginger mochte, wird auch an Marblewood seine helle Freude haben.

Marblewood Marblewood

1. Kailash 8:32
2. Hit the Brakes 8:16
3. Splendour 9:43
4. Silence 9:51
5. Postwar Apocalypse 12:32
6. Bonus Track: In the Beginning 21:14