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Al Cook - Mississippi 1930

Bad Ischl, Mississippi

Al Cook - MississippiWas für eine Überraschung. Wer das hier anzuzeigende Album in den CD-Spieler schiebt, glaubt seinen Ohren nicht zu trauen: das kommt authentischer Delta-Blues aus den Lautsprechern. Mit zusehender Dauer wird die Verunsicherung immer grösser. Sind das historische Aufnahmen? Wer ist für diese Musik verantwortlich? Was ist das? Und wer ist dieser Al Cook? Wer sich auf die Musik einlässt wird belohnt mit grossartigen und historisch getreuen Aufnahmen, freilich ohne das Knacken und rascheln der alten Schellack-Schallplatten oder ihrer digitalisierter Fassungen. Al Cook ist professioneller Musiker seit den 1970er Jahren und in dieses Album legt er all seine Erfahrung und seine Leidenschaft hinein. Dabei entstand eine CD, die sich anhört wie eine Radioshow damals, in der Zwischenkriegszeit im schwül-heissen Mississippi, komplett mit Moderationstexten zwischen den Songs.

Der als Al Cook bekannteMusiker ist ein Österreicher, der sich auf seiner Website als «The White King of Black Blues» bezeichnet. Als Alois Koch 1945 in Bad Ischl geboren, wurde Cook mit seiner Liebe für Musik im zarten Alter von 15 Jahren infiziert – als er einen Film von Elvis Presley sah. Seither hat Cook eine reiche Karriere aufgebaut, die ihn in Rock’n’Roll, Rockabilly und Blues führte und ihm Auftritte mit Delta-Originalen wie Honeyboy Edwards, Roosevelt Sykes, Little Brother Montgomery oder Johnny Shines ermöglichte. Der Pianist und Gitarrist Cook gibt hier zurück, indem er auf seiner neuen CD Mississippi 1930 die verschiedenen Nuancen des Deltablues-Stils aufführt. 14 Alben hat Al Cook veröffentlicht, mit seinem 15. Album Mississippi 1930 legt er ein historisierendes Bluesalbum vor, mit Songs und kurzen Zwischenmoderationen, die man gar nicht als solche erkennt, wenn man nicht genau hinhört. Der Anspruch einer Radiomoderation wird m.E. sehr deutlich und damit wird die CD zur Zeitkapsel, die einen in das sagenhafte Land des Deltablues bringt, als der Country-Blues aktuell und relevant war für die Bewohner des Deltas.

Musikalisch ist Cook über jeden Zweifel erhaben, sein Gitarrenspiel und die Piano-Passagen Charlie Lloyds sind makellos und perfekt, und Al Cook erschafft den Roots-Sound perfekt, ohne dass es die Einbussen der alten Aufnahmen gibt. Speziell hervorzuheben ist Cooks Gesang, der vielleicht nicht schön ist im Belcanto-Sinne, aber für diese Musik unglaublich perfekt passt. Cook singt genau wie alle alten Bluesmen des Südens und er kriegt ohne Abstriche diese Stimmung der alten Delta-Bluestitel hin. Besonders beeindruckend ist, wie Cook es fertig bringt, dass die Aufnahmen die Weichheit historischer Aufnahme mit makelloser Technik verbindet. Dies sind nicht einfach moderne Blues-Titel, sondern der Anspruch, das Feeling von 1930 zu erschaffen, wird vollständig umgesetzt.

In seinen Zwischentexten gibt es kurze Informationshappen, die man hören kann, die aber auch nicht fehlen, wenn man sie überhört. Es sind Cooks Kommentare zu den folgenden Songs, kurze Hinweise auf den speziellen Stil der folgenden Nummer, stets sachdienlich und ohne übermässige Geschwätzigkeit gehalten. Robert Johnson bezeichnet er – meiner Meinung nach völlig korrekt – hierbei als «Missing Link» zwischen Son House und Muddy Waters (Wobei er natürlich nicht «missing» ist). In anderen Stellen diskutiert er die Leistungen der Pioniere und auch seiner Mitmusiker, die ihn in manchen Songs unterstützen.

Der Death Bell Blues kommt als sehr authentische Reproduktion eines Country Blues im Stile Robert Johnsons daher. Sehr beeindruckend. In der Einleitung zum Piano-Instrumental Magnolia Blues sagt Cook dann beiläufig, dass er noch nie auf der anderen Seite des Atlantiks war, also das Delta noch nie mit eigenen Augen gesehen habe. Magnum 45 Blues selbst ist ein Piano-Blues, stark erinnernd an Rooselvelt Sykes berühmten 44 Blues. Der meisterliche Gesang Cooks zeigt sich hier. In der Textzeile «I went down to the pawn shop, to get me back my 45», ist es die Art, wie er im Wort «my» mit der Stimme eine Ahnung von Vibrato verleiht, die den Routinier verrät. Jeder Titel bietet neue Details, Steve Rush spielt Blues-Harp auf I’m Wild About You Baby. Southbound Train Blues benutzt eine Tuba als Bassinstrument. Cannonball Blues ist ein Pianoblues mit einer Frauenstimme als Gastauftritt.

Dieses Album ist für Liebhaber des historischen Blues eine Offenbarung, denn es wird nicht mehr viele Aufnahmen geben, die genauso klingen wie damals, mit der meisterlichen Behandlung der Musik und einer solch reichhaltigen und autoritativen Umsetzung. Hut ab vor Al Cook.

Al Cook Mississippi 1930 (2014)

Al Cook (git, voc)
Andy Fasching (v)
Katie Kern (git, voc)
Karin Daym (kb, voc)
Charlie Lloyd (p)
Steve Rush (har)
Raoul Herget (tba)

1. Mississippi 1930 Intro 1:37
2. Comment 1 0:26
3. Mississippi Blues Part 1 2:50
4. Race Horse Blues 4:23
5. Comment 2 0:21
6. Cannonball Blues 3:29
7. Comment 3 0:18
8. Jake Liquor Blues 4:19
9. Comment 4 0:17
10.Mississippi Women Blues 2:40
11.Mississippi Blues Part 2 3:34
12.Comment 5 0:39
13.Death Bell Blues 4:11
14.Comment 6 0:17
15.Hard Delta Blues 3:19
16.Comment 7 0:19
17.Magnolia Blues 2:21
18.Comment 8 0:34
19.Magnum 45 Blues 4:58
20.Comment 9 0:31
21.I'm Wild About You Baby 3:55
22.Comment 10 0:28
23.Black Hearted Woman Blues 3:29
24.Comment 11 0:33
25.Reckless Woman Blues 3:14
26.Comment 12 0:33
27.Southbound Train Blues 4:26
28.Comment 13 0:36
29.That's Allright 3:10
30.Comment 14 0:22
31.Piney Wood Blues 3:26
32.Comment 15 0:48
33.No More Good Water 4:28
34.Farewell 0:07