Musik

Thomas Scheytt Blues Colours

 Piano-Solo in Perfektion

Für sein neustes Projekt hat sich der Süddeutsche Pianist Thomas Scheytt vorgenommen, eine CD mit Piano-Instrumentalstücken einzuspielen. Bei anderen Gelegenheiten spielte er schon in der Boogie Connection oder im Duett mit Ignaz Netzer. Das ist mutig, denn es gibt leider immer wieder Banausen, für die Solo-Piano immer nur Bar- oder Elevator-Musik ist. Thomas Scheytt tritt hier an, es allen Banausen zu beweisen, und er liefert eine ausgesprochen unterhaltsame Piano-CD ab. Die meisten Stücke sind solo eingespielt, manchmal kommen Rhythmusinstrumente hinzu, in einem Titel scheinbar auch ein Bass. Vom Boogie bis zu Georgia on my Mind ist alles dabei, was das Klavier hergibt im Blues- und Boogie-Bereich, mit der Virtuosität eines geübten und erfahrenen Pianisten. Wenn man sich auf den musikalischen Trip im Land des Pianos einlässt, zeigt Thomas Scheytt die Vielseitigkeit und mitreissende Qualität des Klaviers. Scheytt ist einer der grossen Blues- und Ragtime-Könner und dieses Album ist eine Tour de Force, die scheinbar ohne Anstrengung gespielt wird.

Thomas Scheyyts Können zeigt sich in der Art, wie er mit seinem Piano eine Stimmung erzeugt. Er erzeugt fröhliche, klagende, traurige, stolze und eine Vielzahl weiterer Gefühle mit einem Anschlag, mit einer kurzen Phrase, die Ausdruck seiner Erfahrung wie seiner Person ist. Durch diese Herangehensweise hat Scheytt das zuhörende Publikum mit dem ersten Anschlag im Griff, weil er in jeder Sekunde genau weiss, was er tut und weshalb. Seine Musik ist zu komplex, um ganz leicht gespielt zu werden. Diese Fähigkeit ist es mehr als seine perlenden Anschläge, die präzise gespielten Arpeggien oder die transparenten Akkorde. Da spielt ein wunderbarer Musiker, nicht ein grosser Pianist.

Aber auch schon der Pianist ist beeindruckend. Die linke Hand wandert im bezeichnenderweise Walking Bass genannten Stück, dass viele Pianospieler vor Neid erblassen würden. Hallo Mary Ann klingt mehr nach Wildwest-Saloon-Piano als nach den Baumwollfeldern, ein entspannter Ragtime, wunderbar. Jedes der 13 Titel (CD hat eine Gesamtlänge von 43 Minuten) mit ureigenem Charakter. Wenn ein Schlagzeug hinzu kommt, wird dies Boogie Connection Drummer Hiram Mutschler, man ist schliesslich aufeinander eingespielt.

Die Vorbilder werden weniger zitiert als in Form einer Anspielung in die Musik eingebracht. So ist Loretto Infirmary klar am musikalischen Vorbild St. James Infirmary angelehnt, aber es bleibt ein eigenständiger Titel. Das Album hat ein bluesiges Feeling auch in Titeln wie dem hymnischen Summer Nights, das mehr an Oscar Peterson erinnert denn an Little Brother Montgomery. Out of the Dark ist eine sehr düstere instrumentale Erzählung, die bei Johnny Cashs dunkelsten Phantasien zu beginnen schient und dann durch den Boogie gerettet wird. Grosses Kino!

Unvermeidlich ist ein Boogie-Woogie-Titel, der hier mit Flowerstreet Express kommt. Auch diesem Format haucht Scheytt Frische ein. Zusammenfassend kann man sagen, dass ein Mann mit 88 Tasten und etwas Hilfe von Freunden nicht viel mehr machen kann als dies, eine vom ersten bis zum letzten Ton perfekten Piano-instrumental-CD, Thomas Scheytt ist ein Meister.

Die Website ist im Moment gerade unter Rekonstruktion aber die CD kann man dort bestellen.

Thomas Scheytt Blues Colours (2013)
1. Short Story 2:09
2. Lazy Bones 3:18
3. Flowerstreet Express 3:08
4. Out Of The Dark 4:36
5. Morning Dance 3:44
6. Georgia In My Mind 4:05
7. Hansjakobstrasse 110 2:26
8. Walking Bass 2:45
9. Hello, Mary Anne 3:16
10.Hiram's Boogie Woogie 3:16
11.Put Your Hand In The Hand 2:55
12.Loretto Infirmary 5:12
13.Summer Night 1:48