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Blues n Trouble Try Anything Twice

Die schottische Formation Blues ‘n’ Trouble besteht seit runden 30 Jahren, wenn auch mit wechselndem Personal. Die aktuelle Veröffentlichung ist die erste seit neun Jahren. Sie enthält 13 Titel, darunter acht Eigenkompositionen und bietet fetzigen, groovigen Blues mit Blues-Harp und  Gitarre als hauptsächliche Solo-Instrumente. Gelegentliche musikalische Ausflüge in rockigere Stilverwandte tun dem Album gut, die CD bringt eine abwechslungsreiche Auswahl und die Gesangsstimme des Bandleaders Tim Elliott ist – insbesondere auf langsameren Nummern – grossartig.

Die Band ist sicherlich der Knaller an Festivals, denn sie produzieren bestimmt viel Stimmung mit ihrem Mix aus Blues und Rock’n’Roll. Das aktuelle Lineup umfasst neben Sänger und Harp-player Tim Elliott alsGitarristen und zweiten Vokalisten Sandy Tweeddale, daneben an Gitarre oder vor allem Tasten Angus Rose. Für den Grove sind Rod Kennard (Bass) und Andy Munro (Drums) verantwortlich.

Stilistisch ist bei Blues ‘n’ Trouble keine Festlegung möglich. Sie spielen, was gut ankommt:  Leaving Blues ist eine tolle langsame Nummer, ohne ein Slow Blues zu sein. Down’n’Dirty ist am ehesten als Surf-Blues zu bezeichnen.  Cadillac als Cover Bo Diddles auf dessen Stakkato-Rhythmus abonniert, Waiting ist eine klassische Rocknummer. Meandering Man dann wieder ein Honky-Tonk-Song mit deutlichen Piano-Passagen. Es ist also für jeden Geschmack was dabei, wobei die Band alle Songs druckvoll und mit viel Power interpretiert, selbst die langsameren Sachen, bei denen die Handbremse zu spüren ist.

Acht der Titel sind selbst geschrieben, und hier vielleicht der grösste Schwachpunkt: Die Band hat wenig Feingefühl für das Zusammenspiel von Text und Musik, die Shuffle-Begleitung für den Titel You Can't Hit a Woman ist ebenso befremdlich wie die finanzpolitische Klage Money's Tight. Das sind nach meinem Empfinden etwas missglückte Versuche des Songwritings.Bei traditionellen Herz-Schmerz-Themen ist dies natürlich kein Problem. Neben den acht Eigenkompositionen gibt es interessante Covers: Cadillac von Bo Diddley, King Bee von Slim Harpo (hier eher in der Tradition Muddy Waters oder vor allem John Belushis interpretiert) und Bye Bye Bird von Sonny Boy Williamson, bei dem Tim die Harp wirklich unglaublich authentisch spielt. Neben diesen Bluestiteln ist das letzte Cover ist der psychedelische Song Psychotic Reaction von Count Five. Der Titel wurde 1965 geschrieben und er hat ein Vietnam-Feeling-Soundtrack, wenn man das so sagen kann, und der Titel wurde verschiedentlich gecovert, darunter von Tom Petty.

Das schottische Quintett Blues ‘n’ Trouble spielt ansprechenden R&B, Einflüsse sind neben den Blues-Klassikern auch modernere Interpreten des Genres wie die Blues Brothers Band, Roomfull of Blues oder die Fabulous Thunderbirds. Die Band hat diesen Sound gut drauf, weshalb sie auch schon zu Recht Vorgruppe war für grosse Namen des Blues und sogar als Britische Band bei Tourneen von Robert Cray, Charlie Musselwhite, Pinetop Perkins oder Junior Wells in Erscheinung traten. Dies war allerdings in den 80er Jahren. Die Erfahrung mag lange zurück liegen, das Lineup erneuert sein, aber der Groove ist zuverlässig und sicher.

 
Blues ‘n’ Trouble Try Anything Twice (2012)
1          Try Anything Twice              4:17
2          Cadillac                               3:19
3          Money's Tight                      6:07
4          Leaving Blues                      5:15
5          Down 'n' Dirty                       3:11
6          Waiting                                5:00
7          Meandering Man                 3:59
8          Rock the Joint                      2:43
9          I'm a King Bee                      4:48
10       In My World                           5:59
11       You Can't Hit a Woman         4:02
12       Bye Bye Bird                          3:48
13       Psychotic Reaction                2:49