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Alben

Selwyn Birchwood - Electric Swamp Funkin’ Blues

Selwyn Birchwood Electric Swamp Funkin Blues

Es erscheint wie erst gestern, als der Alligator Records-Boss Bruce Iglauer an der IBC 2013 spontan den Sieger des Wettbewerbs, einen 28-jährigen musikalischen Rohdiamanten namens Selwyn Birchwood, unter Vertrag nahm. Wie doch die Zeit vergeht! Mittlerweile hat der talentierte Gitarrist und Sänger aus Florida schon sein sechstes Album auf dem Markt. Und das Faszinierende ist: Birchwood ist es jeweils auf jedem neuen Werk gelungen, die Grenzen des modernen Blues organisch weiter zu expandieren.

Electric Swamp Funkin’ Blues bildet da keine Ausnahme. Birchwood versteht es, das Essenzielle aus 80 Jahren elektrischem Blues’n’Roots herauszuschälen und perfekt für seine musikalische Vision zu kanalisieren. Selwyn Birchwoods Musik gleicht einem unerschöpflichen Kaleidoskop. Da schimmern querbeet etwa die Bottleneck-Vorgaben eines Elmore James, die unbändige Energie eines Freddie King, das clevere Songwriting eines Percy Mayfield, der trockene Funk der Meters, die Psychedelic Rock-Seite eines Jimi Hendix und auch die jubilierenden Sacred Steel-Ansätze Robert Randolphs oder der Lee Brothers durch.

Ein wichtiger, herausragender Punkt im Sound von Selwyn Birchwood stellt zudem seine langjährige, top eingespielte Band dar, aus welcher Regi Oliver herausragt. Dessen Saxofon-Stil, ob mit Bariton, Alto, Tenor oder gar Bass-Sax, prägt die Musik ausserordentlich und gibt ihr einen ureigenen Touch. Herausgehoben hier seien Oliver’s Beiträge – Begleitung sowie Solo – in der atmosphärischen Ballade «Labour Of Love». Als weitere Anspieltipps drängen sich auch «Soulmate», ein dynamischer, unter die Haut gehender Slowblues im Stile des von Jimmy Witherspoon bekannt gemachten Standards «Ain’t Nobody’s Business», und das verträumte, folkige «The Struggle Is Real» auf, bei welchem Birchwood’s tiefe, rauchige Stimme bestens zum Tragen kommt.

Wer auf zeitgenössischen, innovativen Blues der Sonderklasse steht, kommt einmal mehr an Selwyn Birchwood nicht vorbei. Der inzwischen 41-Jährige hat sich hier ein vielschichtiges und gleichwohl äusserst direkt-unterhaltsames Album auf den Leib produziert, welches nicht nur musikalisch, sondern auch textlich zum genauen Hinhören auffordert und immer wieder neue Nuancen offenbart.

Selwyn Birchwood (voc, g, lap steel), Regi Oliver (bari-ten-alto-bass sax, fl), Donald «Huff» Wright (b), Henley Connor III (dr, perc), John Hetherington (b-3, keys, p), Eli  Bishop (v, viola, cello), Briana Lutzi & Taylor Oprie (b-voc)

(CD, Vinyl, DL, www.alligator.com)