Freddie King - Feeling Alright: The Complete 1975 Nancy Pulsations Concert
Ein fantastisches Prunkstück hält das Spezialitäten-Label Elemental Music zum Record Store Day am 18. April mit «Feeling Alright: The Complete 1975 Nancy Pulsations Concert» von Freddie King bereit.
Im Jahr 1975, 14 Monate Jahr vor seinem viel zu frühen Tod mit nur 42 Jahren, war der «Texas Cannonball» auf der Höhe seines Schaffens. Mit Instrumentals wie «Hideaway» und «The Stumble» sowie den Gesangsnummern «Have You Ever Loved A Woman» oder «I’m Tore Down» wurde Freddie King zum Idol und zur Inspiration für unzählige Gitarristen von den Eric Claptons und Peter Greens dieser Welt bis zu den Feierabendmusikern im Pub um die Ecke. Mit drei hervorragenden Alben für Leon Russell’s Shelter Label und mit der von Mike Vernon produzierten LP «Burglar» konnte sich King dann auch bei einem breiten, weissen Rockpublikum durchsetzen.
Freddie King wuchs in Texas auf, zog als Teenager mit seiner Familie nach Chicago und liess sich später wieder in Dallas, Texas, nieder. Dies beeinflusste seine Musik ungemein: Er verstand es, das Beste aus Texas Blues und Chicago Blues in seinem Sound zu vereinigen: Lightnin’ Hopkins und T-Bone Walker aus dem Lone Star State, Jimmy Rogers und Magic Sam aus der Windy City waren für ihn wichtige Role Models.
1975 hatte sich King vom reinen Rhythm’n’Blues gelöst und begonnen, Funk, Soul und Bluesrock-Elemente in seinen Sound zu mischen. Er trat nicht mehr ausschliesslich auf dem Chitlin Circuit auf – er hatte den Schritt auf die Bühnen der grossen Rock- und Jazzfestivals geschafft.
Knisternde Energie und eine Dynamik sondergleichen zeichneten Freddie King’s Auftritte aus. Seine Herangehensweise war jeweils komplett offen. Er verstand, ein Publikum zu lesen und auf die Zuhörer zu reagieren. Keine Show war vergleichbar mit der Vergangenen. Songs konnten zu längeren, inspirierten Jams mutieren und entwickelten sich jeden Abend anders. Zudem schien sein Repertoire unerschöpflich. Nur knapp die Hälfte des Materials z.B., mit dem King und seine Truppe am 10. Oktober 1975 in Nancy ihr Publikum begeisterten, stimmt mit jenem Programm überein, welches die sechs Musiker neun Tage später im Onkel Pö’s in Hamburg auf die Bühne brachten.
Die vorliegende, knapp zweistündige Nancy-Show fächert die ganze Karriere Freddie King’s auf: Songs aus seiner Anfangszeit bei Federal und Cotillion Records, darunter eine 17-Minuten-Version des Slow Blues-Klassikers «Have You Ever Loved A Woman», wo Freddie sowohl seine Mitmusiker vorstellt und solieren lässt, wie auch kurz die beiden Blues-Klassiker «Rock Me Baby» und «The Sky Is Crying» intoniert. T-Bone Walker wird mit «Stormy Monday Blues» geehrt, sein Namensvetter B.B. King mit «Sweet Little Angel», Jimmy Rogers mit «That’s All Right». Ein Medley verbindet King’s frühen instrumental «Sen-Sa-Shun» mit Magic Sam’s «Lookin’ Good» und John Lee Hooker’s «Boogie Chillun». Aus der späteren Phase finden sich heiss abrockende Interpretationen von Don Nix’ «Going Down» und Dave Mason’s «Feelin’ Alright».
In seiner Live-Band vereinigte King damals neben seinem Bruder Benny Turner am Bass den Drummer Calep Emphrey, der von sich behaupten konnte, in seiner Karriere sowohl bei Freddie, bei B.B. sowie bei Albert King den Rhythmus geklopft zu haben. Am Piano agierte Lewis Stephens, den man heute noch in der Band von Mike Zito an den Tasten erleben kann. Alvin Hemphill bediente die Orgel und Ed Lively ist an der Rhythmus- und Slidegitarre zu hören.
Seit Freddie King’s Ableben sind gefühlt Dutzende von Live-Mitschnitten, leider auch mit minderem Sound-Niveau, auf den Markt geworfen worden. Auch rund zwei Drittel dieses Nancy-Konzertes waren – in guter Qualität – anno 1989 auf dem obskuren France’s Blues-Label schon mal erhältlich. Nun haben die Verantwortlichen bei Elemental Music die Originalbänder einem sorgfältigen Lifting unterzogen und die ursprünglichen 16 Songs des Auftritts auf 3 LPs, resp. 2CDs gebannt, Diese präsentieren sie mit einem wunderschönen Booklet, welches neben vielen Fotos ein Statement des Produzenten Zev Feldman, einen Essay des Musikjournalisten Cary Baker, einen Erinnerungstext von Freddie King’s Tochter Wanda an ihren Vater sowie Geleitworte von ZZ Top’s Billy F. Gibbons enthält.
Freddie King (voc, g), Alvin Hemphill (org), Ed Lively (g), Lewis Stephens (p), Benny Turner (b), Calep Emphrey (dr)
(3LP, 2CD, DL, www.elemental-music.com)
