Zum Hauptinhalt springen

Alben

Rick Vito - Slidemaster

Rick Vito Slidemaster

Man bedauert es fast eine wenig, dass Rick Vito auf seinem neuen Album nicht singt. Nicht nur auf der Vorgängerscheibe «Cadillac Man», auch bei Mick Fleetwood und dessen Blues Band war Vito’s gefühlvoller Gesang ein wichtiger Bestandteil. Aber das Spiel des 76-jährigen an den sechs Saiten ist derart stupend, innovativ und seelenvoll, dass wir absolut begeistert von einem reinen Instrumental-Album sein dürfen. Einige der Songs sind Neu-Abmischungen älterer Aufnahmen Vito’s. Dazu stellt er eine Reihe neuer, extra für dieses Projekt produzierte Instrumentals.

Vito präsentiert uns 12 Leckerbissen, von denen der eine oder andere im Original schon Musikgeschichte geschrieben hat. Gleich zwei Songs von Rick’s grossem Vorbild Peter Green sind vertreten. Zum einen «The Supernatural», mit welchem es  Green auf dem John Mayall-Album «A Hard Road» schaffte, aus dem Schatten seines damaligen Vorgängers Eric Clapton zu treten. Zum anderen nimmt sich Vito «Albatross» an, jenem Fleetwood Mac-Kleinod, welches im Januar 1969 an die Spitze der UK-Charts schoss. Bei beiden Interpretationen hält sich Vito Im Arrangement relativ stark an das jeweilige Original, geniesst es aber hörbar, gewisse Linien, die Green mit den Fingern gegriffen hat, mit geschmackvollem Bottleneck-Spiel zu veredeln. Waren «The Supernatural» und «Albatross» von Haus auf schon Instrumentals, wird es spannend mit «A Change Is Gonna Come» und «The Lord’s Prayer»: Beim Sam Cook-Klassiker und bei der Gospelhymne zelebriert Rick Vito die Gesangsmelodie gefühlvoll mit der Slidegitarre im Stile einer klagenden menschlichen Stimme.

Vito versteht es hervorragend, Bausteine aus der Bluesgitarren-Geschichte neu zu formieren und damit einen eigenen Weg zu beschreiten. So stechen etwa aus den beschwingteren Songs der Opener «Vegas Jump» oder das mit einem Bo Diddley-ähnlichen Rhythmus unterlegte «The  Big Beat» heraus. «Steal Away» und «Red Hot Baby» dürften alle Elmore James-Fans erfreuen, während «The Danger Zone» eine gewisse Verwandtschaft zu «Love That Burns» von Fleetwood Mac’s «Mr. Wonderful»-Album herausstreicht. Zu den absoluten Höhepunkten dieses atmosphärischen Albums schliesslich zählt «River Of Blues», wo es schwer nach einer Resonatorgitarre tönt, die einen tief nach Mississippi entführt.

«Slidemaster» glänzt als eine weitere, faszinierende Perle in der eindrücklichen Karriere des Slidemasters Rick Vito. Oder wie Bonnie Raitt – selber eine Koryphäe in Sachen Blues’n’Roots  treffend zu formulieren versteht: «Rick Vito’s guitar playing is as cool and sharp as a Cadillac tail fin!»