John Hammond Jr. (1942 - 2026)
«Ich hatte eine privilegierte Jugend» verriet uns John Hammond Junior im Frühjahr 2009 während eines Interviews im Rahmen des Blues Festival Basel. «Ich profitierte davon, durch meinen Vater schon früh Musik aus nächster Nähe erleben zu können. Dad arbeitete bei Columbia Records als Talent Scout und Produzent und war daher mit vielen Künstlern befreundet. Mit sieben Jahren begleitete ich ihn an ein Konzert von Big Bill Broonzy, und dies wurde ein einschneidendes Erlebnis für mich. Später hatte ich das Glück, viele der ‘alten Meister’ zu treffen, mit ihnen zu touren und zu sprechen. Und durch sie lernte ich dann wiederum ihre Vorbilder kennen, Musiker wie Tampa Red oder Baby Boy Warren, Washboard Sam, Sleepy John Estes…»
Seit seinem Debutalbum als 20-Jähriger anno 1962 auf Vanguard Records zählte John Hammond Jr. zu den faszinierendsten Interpreten der Blues’n’Roots-Welt. Nicht nur der reichhaltige Fundus von 100 Jahren Bluesmusik prägten seine Karriere, auch Folk, Rock, Gospel und die spannende Singer/Songwriter-Szene spielten eine nicht zu unterschätzende Rolle in seiner Arbeit. Zu Hammond’s engsten Freunden und Partnern im Studio und auf der Bühne gehörten neben Bob Dylan, John Sebastian und Tim Hardin auch Michael Bloomfield, Duane Allman oder Jimi Hendrix.
Im Laufe seiner langen Karriere veröffentlichte Hammond zudem mehr als 30 Alben, darunter eines mit Tom Waits-Songs. Er wurde (bei acht weiteren Nominationen) für das Album ‘Blues Explosion’ 1983 mit einem Grammy ausgezeichnet, erhielt über die Jahre mehrere Blues Music Awards verliehen, produzierte den Soundtrack zum Dustin Hofmann-Film «Litte Big Man», moderierte die britische TV-Dokumentation «The Search Of Robert Johnson» und wurde 2011 in die Blues Hall Of Fame aufgenommen.
Am emotionalsten und ehrlichsten jedoch agierte Hammond stets solo, nur mit akustischer Gitarre, Rack-Harmonica und seiner Stimme. Und der nackte, traditionelle Blues blieb sein Credo: «Blues transcends time! Blues ist absolut zeitlos, spricht die täglichen Sorgen und Nöte, aber auch Freuden an, die menschlichen Zustände, die Realität, die Aktualität. Blues ist eine ehrliche Art, die Welt zu sehen.» John Hammond Jr. sprach nicht durch die Musik – die Musik sprach durch ihn.
Am 28. Februar hat John Hammond Jr. 83-jährig diese Welt verlassen. Geben wir drei seiner Freunde das letzte Wort:
«As an artist, John seemed to have sprung full grown from the womb. He might have been inspired by tradition but he never was a replicator…he always did things his way. As a blues singer, he was always nonpareil. You can recognize John’s voice anywhere, any time! I know a lot of great guitar players but no one, and I mean no one, played like John!» (Jorma Kaukonen)
«There are no words sufficient to express how deeply he embodied, with intensity and authenticity, the true blues…I don’t know anyone who stayed as true to himself as John Hammond. They don’t make men like him anymore.» (Duke Robillard)
«John Hammond was my first crush. He was the kindest, sweetest man I’d ever met. He did a benefit concert for my dad in New York when I was 15, and I never forgot that kindness. I loved him so much. John sang the blues like it was sacred. He made sure the people who made this music were never forgotten, and he honored them with every song he sang.» (Shemekia Copeland)
