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30. Lucerne Blues Festival

30. Lucerne Blues Festival 8. – 16.11.2025

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«The Blues Is Alive & Kickin’!» Fast scheint es so, als habe das Lucerne Blues Festival zu seinem 30-Jahr-Jubiläum versucht, bei der Programmgestaltung vorwiegend Künstler in den Mittelpunkt zu stellen, die jünger als der Event selbst sind – was wir selbstverständlich als ein starkes Zeichen für die Zukunft dieses Genres werten.

Durchwegs zufriedene Gesichter bei Publikum und Veranstalter: Das Programm des Lucerne Blues Festivals darf im Rückblick allgemein als «All Killer – No Filler» bezeichnet werden. Gleichwohl ragte aus dem Gebotenen der eine oder andere Act speziell heraus. Vanessa Collier z.B. verfügt neben einer Professionalität, einer Bühnenpräsenz und einem fröhlichen Charme, die seinesgleichen suchen, auch über ein gewaltiges musikalisches Talent. Die Saxofonistin und Sängerin, welche zudem ab und an zur Gitarre greift, schöpft in ihren Songs aus dem Vollen. Will heissen: Vanessa kreiert ihren ureigenen Sound aus der ganzen Palette amerikanischer Musik. Sie ist im Funk ebenso zu Hause wie im Blues, im Soul, im Rock oder im Jazz. Dass sie in Luzern die mehrfache Blues Award-Gewinnerin Laura Chavez an der Gitarre dabei hatte, setzte der Sache noch die Krone auf. Wunderbar einerseits zu erleben, wie die beiden Ladies «blind» harmonierten. Hervorragend andererseits, wie Chavez zusammen mit Anthony Cage und Justice Guevara an Drums resp. Bass die Maschine am Laufen hielten und ihre Leaderin portierten.

Die zweiten grossen Abräumer im Rahmen des diesjährigen Festivals liefen unter dem Namen «Rosewood Soul» – quasi eine All Star-Truppe aus dem Umfeld des East Side Kings Festival  in Austin, Texas. Sean «Mack» McDonald, Stephen Hull und Xavier Shannon, alle drei mit erst 25 Jahren auf dem Buckel, strotzten nur so vor Spielfreude und verstanden es, sich gegenseitig herauszufordern, zu pushen und gleich noch das Publikum mitzureissen. Ihr Set bestand vorwiegend aus Klassikern der Blues-Geschichte, doch vermochten die drei stilistisch doch sehr verschiedenen Gitarristen, diesen Standards verblüffende Frische und Energie einzuhauchen.

In die Sparte «Herausragend» dürfen wir auch das Trio Noir & Gerber verbuchen. Die Formation aus dem Jura hielt während ihrem zweistündigen Set im Casineum locker und problemlos eine knisternde Spannung aufrecht. Simon Gerber (voc, g, b), Sophie Noir (voc, b, keys) und Claude Kamber (dr, voc) erschufen zu dritt eine unerhörte Dichte im Sound, welcher in brillantem mehrstimmigem Gesang gipfelte. Sensible, abwechslungsreiche Arrangements, feines, humorvolles Storytelling – zum Teil auch in Französisch und Italienisch! – und ein gutes Gespür für die spielerischen Möglichkeiten eines Trios im Rahmen von Blues, Soul, Gospel und Chanson waren das Markenzeichen des Auftritts von Noir & Gerber.

Mit Haut und Haaren dem Vintage Sound eines T-Bone Walker oder Peewee Crayton – garniert mit einem Schuss New Orleans Rhythm’n’Blues – hat sich Skyler Saufley verschrieben. Das flüssige, leicht jazzige Gitarrenspiel des 29-Jährigen erhielt einen spannenden Gegenpol durch das Boogie Woogie-Klavier der argentinisch-stämmigen Pianistin Anita Fabiani und wurde kompetent angetrieben von der ausgefuchsten Rhythm Section Denis Agenet (dr) und Abdel B Bop (b) aus Frankreich.

Dem Pfad der Tradition folgten auch Jerry Portnoy und Matthew Skoller. Beide Harmonica-Meister hatten sich klassischen Chicago Blues auf die Fahne geschrieben, den sie zusammen mit gestandenen Interpreten dieses Genres wie etwa Kenny «Beedy Eyes» Smith, Tom Holland, Felton Crewes und Rusty Zinn zelebrierten. Ein musikalisch blendendes East Coast/West Coast-Meeting lieferten Gitarrist Kid Ramos aus Kalifornien und Sänger Brian Templeton aus Massachusetts, während aus der von den Texas Horns begleiteten Dallas Blues & Soul Revue Tutu Jones an den sechs Saiten herausstach. Ebenfalls einen grossen Eindruck hinterliess Austin John aus der florierenden Nashville-Szene, welcher sich mit  traumwandlerischer Sicherheit durch die verschiedensten Blues-Kolorationen bewegte. Ihm zur Seite stand mit Henri Herbert einer der fulminanten Vertreter aus der zeitgenössischen Pianoblues-Ecke. Nichts anbrennen liessen schliesslich B.B. The Blues Shacks aus dem deutschen Hildesheim. Das Quintett um die Brüder Andreas (g) und Michael Arlt (voc, harm) bat als Gäste für ihre Auftritte das Aushängeschild des schwedischen Blues, Knock-Out Greg Andersson, und den ebenfalls skandinavischen Bläsersatz Kjell Torbjoern Eliasson/Karl Johan Norin auf die Bühne.

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