Der Bericht

LuzernBluesfestivalLogo2015Rund 11'000 Besucher konnte das 22. Bluesfestival Luzern dieses Jahr insgesamt verzeichnen und bewies damit erneut seine Position als wichtigste Bluesveranstaltung der Schweiz. Darüber hinaus ist der Anlass immer auch einer der weltweit bedeutendsten Treffpunkte für Fachleute aus der ganzen Welt. Am 13. November 2016 bestritt Bettye Lavette den traditionellen Blues Brunch im Hotel Schweizerhof und beendete damit ein erneut musikalisch begeisterndes Bluesfest.

Am Donnerstag davor hatte der erste Hauptabend mit den Brüdern Dave und Phil Alvin begonnen, welche die Messlatte gleich zu Beginn mit ihrem erfrischend vorgetragenen Country Blues die Messlatte hoch legten. Der folgende Star, die als «Texas Blues Legend» aufgeführte Lou Ann Barton war nicht ganz gut in Form, was aber durch die hervorragenden Moeller Brüder Johnny (git) und Jay (dr) mehr als wettgemacht wurde.

Souverän dann wieder die Muddy Waters 101 Tribute unter der Leitung des gut aufgelegten John Primer und dem introvertierten Billy Flinn, beide so gut wie unterschiedlich. Dazu kam der Harmonikaspieler Steve Bell, der seinem virtuosen Vater Carey in nichts nachsteht. Bob Stroger, sharp dressed wie gewohnt, kam erst nach einer Weile auf die Bühne und überzeugte, ebenfalls wie gewohnt. Davor bediente Michael Lawrence Scharf die dicken Saiten. Lenny Media sass am Schlagzeug. Sie spielten natürlich ein Muddy-nahes Repertoire und brachten so ein Stück Chicago in den Panoramasaal.

Zwei Spätvorstellungen: Im Panoramasaal glänzte der Soulsänger Earl Thomas in seiner zuckrigen Show mit seiner einnehmenden Stimme. Im Casineum gab es nach Mitternacht JW Jones zu hören, der für interessanten Bluesrock steht. Ihm zur Seite standen die Bassistin Laura Greenberg und der Drummer Mathieu Lapensee. Sie boten auch Unterhaltung, indem sie die Instrumente tauschten und Jones demonstrierte sein Talent, jedweden Gitarrenstil zu emulieren. Genau, was man so spät gerne mag.

Jones eröffnete dann auch den Freitagabend im grossen Saal, bevor mit dem 83-jährigen Lazy Lester eine weitere Legende die Bühne betrat. Auch für ihn spielten die Moeller Brüder, neben dem Bassisten Scott Nelson. Zusammen trugen sie gemütlichen Country- und folklastigen Blues vor und brachten eine Bombenstimmung in den Saal.

An Bettye Lavettes Stelle sollte eigentlich Denise LaSalle auftreten, die sich aber im Sommer einer Herzoperation unterziehen und ihre Teilnahme noch vor Beginn des Festivals absagen musste. Lavette wirkte durchgehend sehr ernst und brachte durch ihre Songauswahl und mit ihren Ansagen eine nachdenkliche Note auf die Bühne. Nach ihr gab es mit Carl Weathersby zu erleben, einen direkten Schüler Albert Kings. Er spannte den Bogen weit und zitierte neben seinem Mentor King Funkiges à la Temptations, klassischen Chicago Blues und sogar Santana.

Im Casineum gab es etwas später feinen, einheimischen Blues zu hören. Mit Cla Nett und Kurt Bislin traten zwei gestandene Musiker auf, die an der Entwicklung des Blues in der Schweiz massgeblich beteiligt waren. Seit Kurzem sind sie neben ihren eigenen Formationen als Nett, Bislin & Burrobeat auf Tour. Da standen zwei Könner auf der Bühne, die weder sich, noch anderen etwas zu beweisen hatten und ein tolles, entspanntes Set mit teilweise rockigem Touch darboten, wobei sie sich gegenseitig genug Raum für Soli liessen, die nie zu Egotrips ausuferten. Für Beat und Rhythmus sorgten Markus Halmer am Bass und Bernie Ruch am Schlagzeug. Später kam noch Bob Stroger, dem das Set sichtlich gefiel, auf die Bühne und jammte mit.

Der letzte Abend begann mit Bonita & The Blues Shacks. Die Hildesheimer Band B.B. & The Blues Shacks gehört seit den späten Achtzigerjahren zu den Kronjuwelen der deutschen Bluesszene. Die Band um die Brüder Michael und Andreas Arlt ist aber weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt und beliebt und ist auch in Luzern schon aufgetreten. Schwerpunkt ihres Programms ist der R&B und Jump Blues der Vierziger- und Fünfzigerjahre, den sie meisterlich darbieten. Sie beherrschen jedoch auch andere Spielarten des Blues. Seit 2013 arbeiten sie gelegentlich mit der aus Kapstadt stammenden Soulsängerin Bonita Niessen zusammen. Sie wurde durch ihre Teilnahme 2003 an Stefan Raabs Castingshow bekannt, wo sie den zweiten Platz belegte. Die Zusammenarbeit mit der Band begann nach einem erfolgreichen Duett mit Michael Arlt. Sie ergänzt die Gruppe perfekt sowohl musikalisch, als auch mit ihrer phänomenalen Bühnenpräsenz. Dazu ist sie unglaublich wandlungsfähig und beherrscht so gut wie alle Stilarten weiblicher Blues- und Soulsängerinnen.

Freunde des Big Band Blues kamen mit Otis Grand & The American All-Star Big Band auf ihre Rechnung. Vier Bläser sorgten für gewaltigen Wind auf der Bühne. Daneben stand der Harmonikaspieler und Sänger Brian Templeton auf der Bühne und an den Keyboards sass Bruce Katz. Zusammen mit dem Bandleader und herausragenden Gitarristen Otis Grand entfaltete sich das Ganze zu einer Show, wie sie heutzutage sehr selten zu erleben ist, weil der Trend schon geraume Zeit aus schieren Kostengründen zu kleineren Formationen geht. Ein Auftritt, der dem Panoramasaal beinahe das Dach wegfegte.  Der gut gelaunte Otis Grand  liess sich ein Bad in der Menge nicht nehmen und amüsierte mit einer fast akrobatischen Nummer, bei der er eine Frau umarmte, so dass sie sich zwischen ihm und seiner Gitarre eingeklemmt wieder fand.

Schliesslich wurde das Festival im Panoramasaal mit dem traditionellen einer Zydeco Band beschlossen. Diesmal war es André Thierry, ein Zydeco Virtuose aus Kalifornien, der bereits als Zwölfjähriger mit einer eigenen Band aufgetreten ist. Im Gegensatz zu anderen Zydecomusikern pflegt er eine Verschmelzung von Blues und seinen Derivaten mit dem Zydeco und kreiert so etwas Neues, das den Spagat zwischen Tradition und Moderne mühelos schafft.

Für die Nachtschwärmer gab es im Casineum den Norweger Eric Slim Zahl & The South West Swingers, der an der 6. European Blues Challenge den Sieg davongetragen hatte und mit Swing und Rockabilly unterhielt, gefolgt von einem weiteren Auftritt der Muddy Waters 101 Tribute Band.

Unter dem Strich wurde Luzern einmal mehr seinem Ruf als eines der weltweit besten Festivals gerecht.