Beth Harts Altersrente

BethHartFireontheFloorCDCoverDie amerikanische Sängerin Beth Hart hat eine Stimme wie geschaffen für den Blues. Auf ihrem neuen Album Fire on the Floor, produziert von Oliver Leiber in den «Ollywood Studios» in der Filmmetropole bei Los Angeles setzt sie diese Stimme ein für schmalzige Balladen und Popmusik im Wortsinn. So «populär» diese Songs auch werden dürften – denn Radiostationen spielen solche Musik weltweit gerne zwischen Staumeldungen und überflüssigen Aufrufen zur Interaktivität — für Bluesfans ist das Album eine grosse Enttäuschung. Wer Blues mag, wird bei zwei oder drei Titeln ansatzweise auf die Rechnung kommen, der Rest des Albums ist mit hitparadenkonformem Pop angefüllt, bei dem zwar noch immer Harts Stimme obenaus schwingt, der aber mit dem Genre, um das wir uns auf dieser Website am liebsten kümmern, kaum mehr Ähnlichkeit aufweist.

Wenn man das ganze Album durch hat, kommt mit dem vorletzten Song Picture in the Frame eine Schmalzballade, durch die man die vorhergehenden Titel gleich wieder vergisst. Dabei gab es dort interessante Klänge, auch wenn man diese in jedem Titel aufs Neue suchen muss. Doch im grossen Ganzen passen die einzelnen Songs nicht gross zu einander: Fat Man ist ein Rocktitel wie aus dem Lehrbuch, Woman You’ve Been Dreaming of ist eine überproduzierte Pianoballade und Coca Cola klingt genauso massentauglich wie die im Titel angesungene Brause (und das Gitarrensolo ist genauso eine Aneinanderreihung von Klischees).  Love Gangster und Love is a Lie schleichen so etwas dahin, und dann gibt es da noch den Titel Baby Shot Me Down. Was vom Titel her stark an Nancy Sinatras Bang Bang erinnert, das aus Tarantinos epochemachendem Film Kill Bill bekannt ist, hat ansonsten aber nichts damit zu tun, lediglich für die Textzeile «Baby Shot Me Down» wurde dieselbe Kadenz verwendet. Good Day to Cry sollte ein Slow Blues sein, ist aber auch bloss eine Pop-Ballade. Der Titel Good Day to Cry soll dann etwas Janis Joplin-Stimmung aufbringen, was um ein Haar auch fast gelingt.

Auch nach dreimaligem Anhören kann ich der CD aus Sicht eines Blues-Liebhabers keine grossen Verdienste zuschreiben. Die ganzen Titel sülzen vor sich hin und die Studioband spielt brav ihre Fills und ihre Soli, wobei es stets nur drum geht, die wirklich tolle Stimme der Sängerin in den Vordergrund zu bringen. Im Beiheft zur Veröffentlichung dankt die 44-jährige Kalifornerin ihrem Ehemann und der Produzent dankt seinen beiden Töchtern, die er als «without a doubt my best production» bezeichnet. Die aktuelle CD von Beth Hart könnte sehr erfolgreich werden, aber wer auf ein Blues-Album gehofft hat, wird bestätigen, dass dies bestimmt nicht zu den besten Produktionen zählt. Das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit ist dabei alles andere als verkehrt und gerade wer in den USA eine Karriere als Künstler oder Künstlerin verfolgt muss zusehen, dass etwas reinkommt, was Hart mit dieser CD sicherlich tut.

1. Jazz Man 3:52
2. Love Gangster 4:10
3. Coca Cola 3:38
4. Let's Get Together 3:39
5. Love Is A Lie 3:15
6. Fat Man 3:51
7. Fire On The Floor 5:13
8. Woman You've Been Dreaming Of 4:22
9. Baby Shot Me Down 3:22
10. Good Day To Cry 4:33
11. Picture In A Frame 4:40
12. No Place Like Home 3:54