Durchs Jahr mit Zed Mitchell

ZedMitchellBandOnStageZed Mitchell hat lange auf seine Chance gewartet, und allmählich wird es Zeit für ihn, als Sideman und Studiogitarrist aus dem Schatten grosser Namen zu treten und sich um die eigenen Veröffentlichungen und den eigenen Namen zu kümmern. Der bereits seit 1970 als Profimusiker spielende Mitchell geniesst seit einem Hit namens Shoshana von 1974 einen gewissen Erfolg, und Insidern ist er als glänzender Gitarrist bekannt. Der im ehemaligen Jugoslawien aufgewachsene Mitchell hat sich in Deutschland etabliert und er hat seine Tourneen als Support-Act absolviert (u.a. Für Deep Purple und Focus), aber nun sucht er Ruhm und Erfolg unter seinem eigenem Namen. Wie das Leben   spielt: mittlerweile ist sein Sohn Ted seine Begleitung auf der Bühne, und der kahlköpfige Gitarrenpatriarch ist der unbestrittene Bandleader, der auch vorgibt, wie die Musik zu sein hat: in höchstem Mass radiotauglicher Pop-Rock mit sahnigen Gitarrensounds, süffiger Begleitung und Songtexten, die vor Klischees nur so strotzen. An der Musikalischen Qualität gibt es nicht das Geringste auszusetzen, die Kreativität und Innovation bleibt vielleicht etwas auf der Strecke, aber Mitchell ist eine unbestreitbare Macht als Gitarrist mit dem Händchen für Bluesrock-Power-Balladen.

ZedMitchellSummerin LACDCoverUm den Blues- und vor allem Rock-Veteranen Zed Mitchell vorzustellen, haben wir uns verschiedene Alben angehört, namentlich heissen sie Autumn in Berlin, Summer in L.A. (2010), Winter in Amsterdam sowie Live, also drei von vier «Jahreszeiten»-CDs (die allerdings nicht als Zyklus veröffentlicht wurden) und das Album Live. Das vierte Jahreszeiten-Album Springtime in Paris von 2008 stand uns nicht zur Verfügung. Allerdings muss man nach 51 Titeln auch klar sagen, dass das letzte Album der «Vier Jahreszeiten» wohl auch keinen grossen Unterschied gemacht hätte. Die Musik ist auf einem hohen Niveau, aber die Band variiert wenig, ein Titel geht relativ nahtlos in den nächsten über. Irgendwann wurde die Musik zum Klangteppich mit den Erfolgsfaktoren eines perfekt synthetisierten Cremig-sahnigen Gitarrentons à la Gary Moore. Das Ganze klingt stark nach 80er-Jahre-Power-Ballade.

Mitchell hat bereits Ende der 1970er Jahre in Belgrad eine «Schule für Rock-Gitarre» eröffnet, seit 1988 lebt er in München und tourt durch Europa, vornehmlich durch den deutschsprachigen Teil. Neben seinen pädagogischen Fähigkeiten ist die Power-Gitarre natürlich auch im Studiokontext gefragt, und so ist seine Saitenarbeit auf Veröffentlichungen vieler Musikgrössen zu hören, genannt seien hier bloss Natalie Cole, Tina Turner und der Soundtrack zu einem der «Indiana Jones» Filme.

Damit will ich in keiner Form die Musik schlechtreden, die Balladen hatten in den 1980ern schliesslich aus gutem Grund Erfolg. Und dieser ist auch Zed Mitchell und Band auf jeden Fall zu wünschen, denn ihre Musik enthält alle Merkmale dieses leicht «angebluesten» Rocksounds mit Kratzestimme und perfekt heuelndem Gitarrensolo. Die Musik ist insofern nicht innovativ oder explorativ, sondern setzt auf Bewährtes. Und das hat wenig Blues-Charakter, da gibt es keine rhythmische Verschleppung der Schläge, alles wie ein Uhrwerk auf den Schlag.

ZedMitchellLiveCDCoverEs spielt keine Rolle, für welches Album man sich entscheidet, auch das Live-Album hat einen jeglichen Live-Charakter ausblendenden Sound. Die Intros, Soli und Extros sind auf dem Live-Album ausgedehnter. Blue Heart ist auf Autumn in Berlin 4:28, die Live-Fassung dauert 8:35.

Tears in Blue vom Album Autumn in Berlin ist Trost für all jene, die Gary Moore vermissen: Still Got the Blues / Parisianne Walkways mit neuem Text. This is the end auf Autumn ist klar ein Slow Blues, aber auch hier mit Rock-Shuffle. Überhaupt werden Fans von Gary Moore viel Freude haben an Zed Mitchell, aber wer ein Blues-Album im engeren Sinne sucht, sollte besser weitersuchen.

Die neueste Veröffentlichung heisst Game is On, aber die konnten wir nicht hören.

 


Zed Mitchell
Gitarre, Gesang
Ted Mitchell Gitarre, Gesang
Martin Drazek Keyboard
Alex Felder Bass
Peter Hensen Schlagzeug

Autumn in Berlin

1. One night in Berlin 4:27
2. I´m in Vegas tonight 3:19
3. This is the end 5:45
4. Tears in Blue 4:47
5. Like you do 4:52
6. Blue Heart 4:28
7. Up & Down 4:08
8. Early morning blues 4:28
9. Stranger in my Mirror 5:18
10. People asking 3:53
11. Waiting for the fire 3:36
12. Good morning, angels 2:03

Summer in L.A.

1. Dont Lie Me 4:39
2. Cadillac 4:00
3. Her Love 4:27
4. It's Killing Me 3:49
5. All Allone 3:44
6. Summer In L.A. 3:42
7. Billion Kisses 3:03
8. Good Night, Baby 3:42
9. Game Is On 3:13
10. Friends Are Like Diamonds 3:43
11. The Lady Lives The Blues 3:57
12. Silence 5:29
13. On The Road Of Life 3:56
14. Somebody Told Me 4:33

Winter in Amsterdam

1. Winter in Amsterdam 3:22
2. After love 5:27
3. Child of the moon 4:33
4. Don`t talk about love 3:51
5. One day 3:46
6. I play my guitar 4:00
7. What`s done, it`s done 3:33
8. Don`t ask me why 3:30
9. Hidden in someones heart 4:29
10. If I could be someone 4:29
11. Do you know 3:43
12. Thank you, my angels 3:07

Zed Mitchell & Band Live

1. One Night in Berlin 5:51
2. King Of The Blues 6:01
3. Springtime In Paris 5:35
4. I Didn't Forget You 3:29
5. It's Killing Me 6:48
6. Money For The Blues 5:08
7. Blue Heart 8:35
8. Cadillac 5:47
9. Lady Lives The Blues 5:14
10. I'm In Vegas 3:38
11. Like You Do 7:43
12. Gonna Keep You Satisfied 5:30
13. River Minus Water 7:40