Richard Koechli: Dem Blues auf der Spur
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10. Vully Blues Festival
10. Vully Blues Festival
Pioniere des Schweizer Blues

Wenn wir heute in den Veranstaltungskalender schauen, stellen wir erfreut fest, dass es eine Vielzahl von Bluesgigs überall in der Schweiz gibt, darunter auch eine bemerkenswerte Anzahl hörenswerter Schweizer Bands. Das war nicht immer so, denn die Bluesszene in der Schweiz musste sich erst entwickeln. Cla Nett und seine Lazy Poker Blues Band (LPBB ) gehören mit Chris Lange sowie Dinu Logoz und dessen Begleitmusikern, zum Urgestein der Schweizer Bluesszene. Man kann die LPBB und Cla Nett nicht voneinander trennen, weshalb dieser Artikel auch Clas Aktivitäten ausserhalb der LPBB einschliesst. Die LPBB hat weit über 1300 Konzerte in der Schweiz und im Ausland gegeben und über 60‘000 Tonträger verkauft. Damit ist sie auch die kommerziell erfolgreichste Bluesband der Schweiz.

1975 fanden 4 junge Musiker zusammen und wagten den Schritt: Cla Nett gründete mit Fulvio HäfeliWerner Doebelin und Ueli Hofmann die Lazy Poker Blues Band. Der Name der Band geht auf einen Fleetwood Mac Song zurück, geschrieben von Peter Green und Clifford (G.) Davis (Adams), dem Manager von Fleetwood Mac in den Jahren 1968 - 1974. Der Song wurde 1968 veröffentlicht und kann hier angehört werden.  Schon 4 Monate später stiess der Drummer Marco Piazzalonga zur Band.


Wie üblich ist die Geschichte der LPBB mit vielen Wechseln verbunden. Ueli Hoffmann spielt heute bei Night Train und Werner Döbelin ist in der Noldi Tobler Band aktiv. Fulvio Häfeli ist inzwischen musikalisch nicht mehr aktiv. Cla Nett und die Lazy Poker Blues Band sind nach wie vor aktiv, darüber hinaus ist Cla in verschiedenen anderen Projekten dabei.

1977 begann die Band im legendären Atlantis in Basel aufzutreten und wurden sehr bald auch über die lokale Basler Szene hinaus bekannt. Verstärkt durch Oliver TruanJakob Künzel, Olivier Jaquiéry sowieDitschgi Gutzwiller  veröffentlichten sie 1978 mit Take It Lazy ihr erstes Album.

Fulvio Häfeli und kurz darauf Werner Döbelin verliessen die Band. Dafür stiessen Jakob Künzel und Sam Jenzer dazu. Unterstützt durch Roland Frei und die Lazy Horn Section (Lukas Nüesch, Trompete; Willi Ester, Altsaxophon; Dani Schneider: Tenorsaxophon) brachten sie 1980 das zweite Album, Soul Food heraus, das mit über 7’000 Stück ein grosser Erfolg wurde und für die Band die Öffnung zu Auslandtourneen und damit zu einem grösseren Publikum brachte und zudem die Aufmerksamkeit eines grossen Labels (CBS) auf sich zog.

Bereits 1981 folgte mit One More Mile die nächste LP mit demselben Line Up, ergänzt durch Rolf van Roon, Altsaxophon und Sandro Filannino, Tenorsaxophon anstelle von Willi Ester und Dani Schneider. Die nächsten Jahre waren sehr fruchtbar und es folgten mit Still Lazy (1983), Dealin’ With Feeling (1984) und Constant Food Supply (1985) drei weitere erfolgreiche LPs. Daneben kamen Auftritte in der Schweiz, Deutschland, Österreich, der DDR und Italien. Die LPBB spielte auf unzähligen Festivals im In- und Ausland (u.v.a St. Gallen, Gurten, Ernetschwil, Nordenhamn, Verden) war supporting act für unzählige Bands wie Climax Blues BandPaul Butterfield, Janne Schaffer, Mothers Finest, Stan Webb, Dr. Feelgood - Joe Cocker in 22 Mal in Deutschland (1984) und B.B. King (1986 und 1995).

Nach zehn Jahren folgte eine Krise, eine Neuformierung war unvermeidlich und die Band setzte sich teilweise neu zusammen. In der neuen Formation wurde 1986 Blue Road produziert. 1990 folgte eine Best Of CD zum fünfzehnten Jubiläum mit fünfzehn der erfolgreichsten Titeln.

Im Frühjahr 1994 zog es Cla Nett nach Chicago. Er wollte dort Blues mit „richtigen Bluesmusikern in richtigen Studios“ im Ursprungsland einspielen und sich so einerseits einen Traum erfüllen und andrerseits mit dieser Wallfahrt die Band zu neuen Ufern führen. Die Reise führte in den ältesten und grössten Bluesclub Chicagos, Kingston Miles in der Halsted Street und war zunächst mit diversen unerwarteten Schwierigkeiten verbunden, bis die LPBB einerseits von der Walter Scott Band zu einer Session eingeladen wurde und andrerseits mit Julian Herzfeld den in der Szene bekannten Toningenieur und Produzenten der Chicago Trax Recording fand, der das Projekt unter anderem deswegen unterstützte, weil seine Vorfahren zufällig aus Basel stammten. Damit öffneten sich für die Band die Türen zu namhaften Musikern aus der Chicagoer Szene.

Aus dieser Zusammenarbeit entstanden das Album Halsted und die zur selben Zeit entstandenen Sessionaufnahmen Halsted Sessions, die 1994 bzw. 1995 veröffentlich wurden. Die LPBB wurde unterstützt durch Jimmy JohnsonJon McDonaldLittle Smokey SmothersPistol Pete NewellSteve FreundHarlan Lee TersonMaurice John VaughnBilly BranchA.C. ReedKenny NealJay O'RourkeDanny Shaffer und anderen. Beide CDs überzeugen musikalisch und zeigen eine gereifte Band und Blues in vielen Facetten auf hohem Niveau.

2004 wurde Cla Nett’s Engagement für den Blues in der Schweiz mit dem Swiss Blues Award geehrt.
Inzwischen setzt sich die LPBB zusammen aus: Cla Nett (Gitarren, Gesang), Urs Meyer (Gitarren, Gesang), Markus Werner (Bass) und Andy Lang (Schlagzeug). Als Gäste erscheinen zuweilen „Chicago“ Dave Rutschmann (Gitarren, Gesang) und Roland Frei (Gesang).

1997 gründete Cla Nett zusammen mit seinem Bruder Jachen C. Nett, dem Tubisten Fabio Bianchi und dem Perkussionisten Andy Lang die Band Blues Nettwork, die seither erfolgreich mit ihrem unverwechselbaren Sound unterwegs ist, der von Cla augenzwinkernd als «lowplugged-swamp-trash-blues» bezeichnet wird.. Ausserdem spielt er regelmässig mit der D. Biters Blues Band und diversen In-und ausländischen Bluesmusikern.

Diskographie

1973 Take It Lazy

Fulvio Häfeli: Gesang
Cla Nett: Leadgitarre, Gesang
Olivier Truan: E-Piano
Jakob Künzel: Altsaxophon
Olivier Jaquiéry: Tenorsaxophon
Ueli Hofmann: Gitarre
Werner Döbelin: Bass
Ditschgi Gutzwiller: Perkussion
Marco Piazzalonga: Schlagzeug

Seite 1
  1. Route 66 (B. Troup)
  2. Plan Your Revolution (Hofmann/Nett)
  3. Arkansas Woman (Hofmann/Nett/Piazzalonga)
  4. Lookin Good (Nett)
  5. Badwanne Boogie (Döbelin)
Seite 2
  1. Can’t Get Enough (Lazy Poker)
  2. Lousie, Louise Blues (J. Mayo/J. Temple)
  3. Endless Highway (Nett)
  4. Seventh Son (W. Dixon)
  5. Remington Ride (F. King)
  6. Mary (Nett)
  7.  
1980 Soul Food

Roland Frei: Gesang
Jakob Künzel: Alt- und Baritonsaxophon, Harmonika, E-Piano
Cla Nett: Leadgitarre
Ueli Hofmann: Gitarre
Samuel Jenzer: Bass
Marco Piazzalonga: Schlagzeug, Perkussion
Lukas Nüesch: Trompete
Willi Ester: Altsaxophon
Dani Schneider: Tenorsaxophon

 
Seite 1
  1. Paranoia Lover (Nett/Künzel/Frei)
  2. Same Old Story Blues (Künzel/Piazzalonga/Frei)
  3. Clean & Real (Künzel/Frei)
  4. May 20th (Künzel/Piazzalonga/Frei)
  5. Jake’s Mood (Künzel/Frei)
Seite 2
  1. Cut Me Off (Künzel/Piazzalonga)
  2. I’m Ready (W. Dixon)
  3. Watch Before You Marry (Nett)
  4. Soul Food (Künzel)
  5. Funky Bitch (Son Seals)
1981 One More Mile

 

 

Marco Piazzalonga: Schlagzeug, Gesang
Samuel Jenzer: Bass
Ueli Hofmann: Gitarre
Cla Nett: Leadgitarre, Gesang
Jakob Künzel: Saxophon, Piano
Rolf van Roon: Altsaxophon
Sandro Filannino: Tenorsaxophon
Lukas Nüesch: Trompete

Gast Roland Frei: Gesang

 
Seite 1
  1. If You Love Me Like You Say (Little Johnny Taylor)
  2. Insurance (C. Singleton/W. Hall)
  3. One More Mile (J. Cotton)
  4. I’ll Play The Blues For You (J. Beach)
  5. Jealous Fellas (Künzel)
Seite 2
  1. TV Show (Piazzalonga)
  2. Burglar (J. Ragovoy)
  3. Natural Ball (A. King)
  4. Slø (Künzel)
  5. We All Wanna Boogie (A. Toussaint)

1983 Still Lazy

Roland Frei: Gesang, Tenorsaxophon
Jakob Künzel: Saxophone, Piano, Harmonika, Gesang
Cla Nett: Lead- und Rhythmusgitarre
Hans Schaffner: Rhythmusgitarre
Samuel Jenzer: Bass
Marco Piazzalonga: Schlagzeug
Theo Jost: Trompete
Rolf van Roon: Altsaxophon

Seite 1

  1. Red Hot Lover (Künzel/Piazzalonga)
  2. Neon People (Künzel/Piazzalonga)
  3. Blues Is My Middlename (Nett)
  4. So Lazy (Künzel/Hilzinger/Frei)
  5. One Way Ticket (Künzel/Piazzalonga)

Seite 2

  1. Hangover (Künzel/Piazzalonga)
  2. Package For Life (Frei)
  3. Read Between The Lines (Künzel/Piazzalonga)
  4. It’s Over (Künzel/Piazzalonga)
  5. Go My Way (Nett)
  6. On A Monday (Künzel)
1984 Dealin’ With Feeling

Roland Frei: Leadgesang, Tenorsaxophon
Cla Nett: Gitarren
Hapé Brueggemann: Hammondorgel, Piano, Synthesizer
Michael Meister: Bass, Gesang
Marco Piazzalonga: Schlagzeug, Perkussion
Maggie Bertsch: Altsaxophon, Gesang
Daniel Guggenheim: Tenor- und Baritonsaxophon
Theodeor Jost: Trompete und Flügelhorn

Seite 1

  1. Hard Times (Frei/Nett)
  2. Sireen (Künzel/Frei)
  3. I’d Rather Go Down (Frei)
  4. Runaway (Künzel/Frei)
  5. I Can’t Lose (Nett)

Seite 2

  1. Hook, Line & Sinker (Künzel/Piazzalonga)
  2. Jack Of All Trades (Künzel/Nett)
  3. We Don’t Care (Künzel/Piazzalonga)
  4. Money – Pullation (Künzel/Piazzalonga)
  5. Message (Piazzalonga/Frei)

 

1985 Constant Food Supply

Cla Nett: Gitarre, Gesang
Roland Frei: Gesang, Harmonika
Marco Piazzalonga: Schlagzeug
Michael Meister: Bass, Gesang
Hans Feigenwinter: Keyboards
Theodor Jost: Trompete
Daniel Guggenheim: Tenorsaxophon
Daniel Meyer: Altsaxophon

Seite 1

  1. Ruby Lee (Withers/Dunlap)
  2. Read Between The Lines (Piazzalonga/Künzel)
  3. Message (Piazzalonga/Frei)
  4. Blues Is My Middlename (Nett/Künzel)

Seite 2

  1. Cut Me Off (Künzel/Piazzalonga)
  2. Key To The Highway (Broonzy)
  3. Mr. Time (Guggenheim/Piazzalonga)
  4. Give My Heart Away (Piazzalonga)
1986 Blue Road

Jakob Künzel: Gesang
Cla Nett: Gitarren
Stephan Pulver: Keyboards
Marco Piazzalonga: Schlagzeug
Cristina Weber: Gesang
Liliane Michel: Gesang
Toni Brun: Saxophon
Roli Heuberger: Livesound

Gäste:
Theodor Jost: Trompete
Rollo Studer: Bass
Stani Frey: Gesang
Rolf van Roon: Tenorsaxophon
Lukas Nüesch: Trompete
Peter E. Müller: Gesang
Roger Moser: Akkordeon
Hans Georg Schaub: Posaune
Salomé Hausammann: Gesang
Vreni Voegtli: Gesang
Anita Blobel: Gesang
Rainer Luginbühl: Gesang
Felix Hohl: Gitarre

Seite 1

  1. The Letter (Thompson)
  2. Get Out Of My Life (A. Toussaint)
  3. Backstage Fever (Nett)
  4. Bandstand (Künzel/Piazzalonga)
  5. Stuck To The Blues (Künzel/Piazzalonga)

Seite 2

  1. Bad Man (Künzel/Piazzalonga)
  2. Cold Winds (Künzel/Piazzalonga)
  3. Be Careful (Künzel/Piazzalonga)
  4. A Little Bit Of Something (Künzel/Piazzalonga)
  5. Blue Road (Nett)
1994 Halsted

Cla Nett: Gitarren, Gesang
Liliane Michel: Gesang
Stephan Pulver: Hammond B3, Flügel
Oliver Ritschard: Bass
Toby Glaser: Schlagzeug
Gäste:
Billy Branch: Harmonika
Melvia “Chick” Rogers: Gesang
Danny Shaffer: Gitarre
A. C. Reed: Saxophon
Roger Reupert: Trompete
John Bowes: Saxophone
Jay O’Rourke: Gitarre
Kenny Neal: Harmonika

  1. Neighbor, neighbor (Jimmy Hughes)
  2. Mama, he treats your daughter mean (Johnny Wallace)
  3. I can't stand it (Cla Nett)
  4. Love rears its ugly head (Vernon Reid)
  5. Feel alright (Stephan Pulver)
  6. Two-time man (Cla Nett)
  7. Devil's got my woman (Cla Nett)
  8. Closed doors (Cla Nett)
  9. Same old trouble (Cla Nett)
  10. A woman will do wrong (Paul Kelly - Clarence Reid)
  11. You can have my husband (Dorothy LaBostrie)
  12. I got the Blues (Leo Nocentelli)
1995 Halsted Sessions

LPBBHalsteadSessionsCDCover

Cla Nett: Gitarren, Gesang
Stephan Pulver: Hammond B3, Flügel
Oliver Ritschard: Bass
Toby Glaser: Schlagzeug
Liliane Michel: Gesang
Gäste:
Jimmy Johnson: Gitarre
Jon McDonald: Gitarre, Gesang
Little Smokey Smothers: Gitarre, Gesang
Maurice John Vaughn: Gitarre Gesang
Pistol Pete Newell: Gitarre, Gesang
Steve Freund: Gitarre
Harlan Lee Terson: Bass

  1. Downhome Blues (George Jackson)
  2. Breaking Up Somebody's Home (Jackson Matthews)
  3. Big Boss Man (Smith/L. Dixon)
  4. All Your Love (Otis Rush)
  5. Look On Yonders Wall (Elmore James)
  6. Clouds In My Heart/She Is 19 Years Old (McKinley Morganfield)
  7. Hello Baby (Albert Smothers)
  8. Born Under A Bad Sign (Booker T. Jones/William Bell)
  9. If You Love Me Like You Say (Little Johnny Taylor)
  10. I Wonder Why (London/Melva)
  11. It's My Fault (Maurice John Vaughn)
  12. Guilty (Randy Newman)

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