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Neu Geboren – zurück zu den Wurzeln

Dee Dee Bridgewater MemphisMit einem Konzert Anfang November in der Zürcher Gessner Allee im Rahmen des «JazzNoJazz» und mit ihrem brandneuen Album Memphis...Yes, I'm Ready empfiehlt sich die Amerikanische Sängerin Dee Dee Bridgewater einem Publikum, das ihre früheren musikalischen Ausflüge vielleicht als zu sehr im Jazz angesiedelt empfand. Das neue Album Memphis führt die in Flint, Michigan aufgewachsene Frau mit der vielseitigen Stimme zurück zu ihren Wurzeln – nach Memphis. Dafür hat sie sich hochkompetente Unterstützung gesucht, und die Songs – grösstenteils Covers – sind geprägt vom Bedürfnis, sie gegen den Strich zu bürsten, aber dennoch die Tradition zu wahren. Das Album geht mit einer erfrischenden Respektlosigkeit auf die grossen Klassiker des Memphis-Sounds los, und das anzuhören macht grossen Spass. Auf dem Konzert hat sie alle Register ihres Umgangs mit dem Publikum gezeigt, aber auch viele Aspekte ihrer Stimme. Nach persönlichen Tiefschlägen ist dieses Album ein Heilungsprozess für Bridgewater, und ein Hörvergnügen für das Publikum.

 Dee Dee Bridgewater hat in ihrem langen Musikerinnenleben schon alles gesungen, was es zu singen gibt. In der Tradition der hohen klaren Stimme einer Ella Fitzgerald ist Bridgewater wohl am bekanntesten für ihren Jazz-Gesang von Swing bis Bebop und durch alle Broadway-Standards. Aber auch ein Album mit französischsprachigen Chansons oder ihre bekannte Fassung von James Browns Sex Machine sind beliebte Titel, und mit Red Earth nahm sie sich auch schon Afrikanischer Musiktraditionen an.

Was in ihrem «Portfolio» noch fehlte, waren die Soulgetränkten Memphis-Titel à la Carmen Thomas, Isaac Hayes oder Al Green, und dieser Musik hat sie nun auf einem Album mit 13 Titeln gehuldigt. Produziert von John Stoddart und mit ausgesuchten Spezialisten für den Memphis-Sound hat sie das Album 2016 in den «Royal Studios» in der Stadt am Mississippi aufgenommen. In diesem Jahr hat sie ihre Mutter verloren und das Album ist eine Art Therapie und Heilung für die Künstlerin, die die ersten zwei Jahre ihres Lebens in Memphis wohnte (in dieser Zeit muss das Photo für das Albumcover entstanden sein). ehe sie nach Flint in Michigan umzogen und die kleine Dee Dee nur noch übers Radio WDIA hören konnte. Die Musik blieb stets nahe an ihrem Herzen und auf diesem neuen Album zeigt sie die Liebe zu diesen Titeln, die zwischen Blues und Soul changieren und zumeist mit R&B etikettiert werden.

Der Sound ist, wie es sich gehört, fett mit Horn Section mit Trompeten, Posaunen und Saxophonen (Kirk Whalum, Marc Franklin, Lannie McMillan, Kirk Smothers und Kameron Whalum) und Background-Gesang (Sharisse Norman, Kevin Whalum, Candise Rayborn-Marshall). Jackie Clark am Bass und James «Bishop» Sexton am Schlagzeug und Garry Goin an der Gitarre machten den Groove rund und tragend. Am Konzert spielte der fantastische Charlton Johnson Gitarre und Arthur Edmaiston das Sax und Marc Franklin die Trompete. Background-Gesang übernahmen Sharisse Norman und Shontelle Norman-Beatty, Barry Campbell hiess der Bassist. Ein Unterschied zwischen Live-Auftritt und Album war allerdings nicht auszumachen.

Die gespielten Titel sind keine Eigenkompositionen, was ja auch wenig Sinn ergäbe. Sie covert oft schon neu aufgenommene Songs wie Al Greens I Can’t Get Next To You oder Donald Bryants I Can’t Stand the Rain, das wohl in der Version Tina Turners am bekanntesten sein dürfte. Carla Thomas’s B.A.B.Y. ist ein weniger bekannter Titel, was sich mit dieser Aufnahme vielleicht ändern könnte.

Der spezielle Charme an diesen Titeln ist, dass es keine Covers sind, sondern Neuinterpretationen. So ist Hound Dog ebenso viel Big Mama Thornton wie Elvis Presley wie eben auch die feine Jazz-Machart Bridgewaters. Ein pures Vergnügen. Auch Presleys Don’t Be Cruel ist hier mit Augenzwinkern und Spielvergnügen zu einem funky Memphis-Arrangement aufgepeppt. Otis Reddings Try a Little Tenderness bietet die Gelegenheit für die sanfte Balladenseite der Dame, die hier eine samtweiche Stimme zum Einsatz bringt.

Am Konzert in Zürich erzählte Bridgewater in einer ihrer ausführlichen Intros, wie sie einmal ein Konzert in Paris anhörte, als der Headliner sie auf die Bühne holen liess und sie gemeinsam mit B.B. King Thrill is Gone singen konnte, weshalb dieser Titel auch auf die CD kam. Bei Thrill is Gone ist es zunächst sehr ungewohnt, diese vom Original stark abweichende Version zu hören, aber der Groove stimmt, auch wenn der Charakter des Songs anders daher kommt. Dankenswerterweise hat Dee Dee Bridgewaters Produzent auf die Streicher verzichtet, das Original anfeisten. Abgerundet wird Memphis...Yes, I'm Ready vom Gospel Take My Hand Precious Lord, das auch schon Mahalia Jackson oder Aretha Franklin sangen. Hier als nüchternes Kirchenlied mit Klavier-Begleitung angefangen kommen der Chor der Stax Music Academy hinzu und bereiten Kirchenstimmung.

Weitere Grammys dürften ein Thema werden mit diesem Album, und vielleicht ein weiterer Kreis von Verehrern, aber vor allem ist dies grossartige Musik gespielt mit Herz und Verstand und ein Album, das man wieder und wieder hören wird. Sie hat lange auf dieses Album hingearbeitet, aber der Titel ist ei eindeutiger Befund: sie war bereit für diese Aufnahmen. Well Done!

1.

Yes, I'm Ready

4:58

2.

Giving Up

4:55

3.

Going Down Slow

4:46

4.

Why Am I Treated so Bad?

4:37

5.

B.A.B.Y.

4:05

6.

The Thrill  is Gone

5:38

7.

The Sweeter He Is

6:45

8.

I Can't Stand the Rain

3:07

9.

Don't Be Cruel

4:40

10.

Hound Dog

3:38

11.

Try a Little Tenderness

5:25

12.

Take My Hand, Precious Lord

4:18

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