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DanPatalanskyIntroVertigoCDCoverSüdafrikas Hard-Bluesrock-Gitarrist Dan Patlansky hat der Bluesnews-Redaktion seine zweite CD zukommen lassen, und sofort wird klar: er macht dort weiter, wo er mit Dear Silence Thieves aufgehört hat: harter Bluesrock gespielt von einer kleinen Band (Trio plus Hammond/Keyboard), produziert von Theo Crous und aufgenommen in den Bellville Studios in Südafrika. Also in jeder Hinsicht eine Fortsetzung des vorhergehenden Albums, und auch die Musik unterscheidet sich nicht: Patlansky ist Südafrikas Antwort auf Stevie Ray Vaughans meteoritenartige Erschütterung der Bluesszene, und wie der Texaner mit den sagenhaften Riesenhänden spielt auch der weisse Südafrikaner eine abgeruntzte Sunburst Fender Strat, und auch er ist Endorser bei der kalifornischen Firma. Insofern gibt es wenig Neues zu sagen, und auch wenn die in der letzten Rezension geäusserte Hoffnung, diesen Mann dereinst auf einer Schweizer Bühne sehen zu können, sich durch einen Auftritt in Lausanne umsetzen liess, so bleibt gleichzeitig zu hoffen, dass er auch an einem grösseren Festival in der Deutschschweiz dereinst zu sehen sein wird.

Wie schon beim Albumtitel Dear Silence Thieves behält Patlansky auch auf seiner neuen CD die Tradition bei, wenig griffige Titel zu vergeben. Der aktuelle Titel lautet Introvertigo, was auf dem Cover eher zu erraten ist als zu lesen, ist doch der «Intro»-Teil auf dem Kopf gedruckt. Was mit dem Wortspiel, einer Kombination aus «introvertiert» und «Höhenangst» (Vertigo) gemeint sein soll, erschliesst sich nicht, und es spielt wohl auch keine Rolle.

Auf die einzelnen Songtitel bleiben ambivalent. Verbirgt sich hinter Queen Puree eine Suppe, ein Dessert oder eine Kritik am monarchischen Herrschaftsstil (Südafrika war immerhin mal Britische Kolonie)? und auch in Western Decay wird nicht Oswald Spenglers berühmtes Werk Untergang des Abendlandes kritisch rezipiert. Vielmehr scheint es dem Abendland ausgezeichnet zu gehen, wenn man solch ansteckend fröhliche Musik hört, die zum Mitklatschen und Bewegen auffordert, und die alle Versatzstücke traditionell maskuliner Selbstdarstellung aufweist.

DanPatlanskyPromo2016Patlanska mag ein Wiedergänger von Vaughan sein, aber seine Musik ist höchstens bluesbasiert. Das zeigt sich etwa beim langsamen Titel Loosen up the Grip, der wie ein Slow Blues anfängt, aber dann zur Rockballade wird. Poor Old John ist am ehesten ein Shuffle, an dem auch das Vorbild aus Texas seine Freude gehabt hätte. Die meisten Titel bewegen sich zwischen Rock und Hard Rock, da geht es ganz schön zur Sache, und das Schlagzeug hält den Puls in bester Rockmanier.

Es gab in den Jahrzehnten seit Vaughans Tod einige Musiker, die sich von seinem mitreissenden Texas-Blues inspirieren liessen: Chris Duarte, Kenny Wayne Shepherd, Melvin Taylor u.v.a. lebten dem Vorbild des Texaners nach, und Dan Patlansky bringt die Lehren aus Stevie Ray Vaughans in ein neues Jahrzehnt. So ruft der glockenklare Klang der unverzerrten Gitarre auf Bet on Me sofort eine Erinnerung wach, ebenso der schwere Stampf auf Sonova Faith. So präsentiert sich Dan Patlansky als aufmerksamen Zuhörer, als Kenner der Szene, als Schüler des Texaners und seines Umgangs mit dem Sechssaiter. Aufbauend auf das Erbe der Vorgänger sucht er einen Ausdruck für seine innere Musik. Das ist sehr in der Tradition des Blues, wenn auch die dadurch entstandene Musik nicht viel mit dem Blues-Vorbild gemein hat.

Dan Patlansky Introvertigo (2016)

Dan Patlansky Gesang, Background-Gesang, Gitarren

Clint Falconer Bass

Andy Maritz Schlagzeug

Rami Jaffe Hammond B3 (Tracks 2, 7, 8)

Theo Crous Keyboards, Background-Gesang, Produktion (engineering, mixing)

1. Run 3:07
2. Poor Old John 2:48
3. Sonova Faith 4:06
4. Loosen Up The Grip 3:48
5. Heartbeat 2:44
6. Stop The Messin' 3:04
7. Bet On Me 2:59
8. Still Wanna Be Your Man 5:12
9. Western Decay 3:53
10. Queen Puree 4:09

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