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Chris O’Leary - Blue Collar

Chris O’Leary mag es bodenständig. Nicht von ungefähr steht «Blue Collar» als Titel für sein neues Album. Der Ex-Marine erzählt Geschichten und Vorkommnisse aus dem täglichen Leben und unterlegt diese mit ehrlicher, handgemachter Musik. Diese widerspiegelt, was O’Leary um die Jahrtausendwende als Frontman der Barnburners – der stilistisch breit aufgestellten Formation des ex-Drummers von The Band Levon Helm – alles aufgesogen hat und nun eigenständig umsetzt: Texas Roadhouse Blues («Bad Decisions», «Daddy Was A Wolfman»), Southern Soul («Am I The Only Fool?»), handfester Rock’n’Roll («One More Cup Of Coffee», «Live Baby Gators»), Chicago Blues à la Muddy  Waters («Nothing But A Memory»), swingender Jump Blues («Justice Must Be Blind»), Swamp Blues («After 2 AM»), New Orleans Second Line-Rhythmen («One Way Street») und cooler After Hours-Blues («How I’d Ever Get Along»).

Zur Vielfalt tragen zwar pointiert eingesetzte Horns und Backing Vocals sowie eine illustre Schar von Gästen bei – allen voran Gitarren-Maestro Bob Margolin, Label-Kollege Lil’ Ed Williams und Cajun-Legende Wayne Toups mit seinem Akkordeon – doch Herr im Hause ist und bleibt Chris O’Leary mit seiner ausdrucksstarken Stimme und seiner satten, von James Cotton inspirierten Amplified Harmonica. Definitiv eine runde Sache!

Chris  O’Leary (voc, harm), Pat O’Shea (g), Shiela Klinefelter (b, voc), Chuck Cotton (dr, voc) plus Wayne Toups (acc), Andy  Huenerberg, Mike Law, Rodrigo Mantovani (b), Mike Bram (dr), Dan Vitarello (dr, voc), Greg Gumpel, Bob Margolin, Lil’ Ed Williams (g), Chris Vitarello (g, voc), Bronson Hoover (keys), Jesse O’Brien (p), Shane Kirsch, Chris DiFrancesco, Andy Stahl, Ron Knittle (sax), Luke Kirley (tu, tb), Libby Cabello (voc)

(CD, Vinyl, DL, www.alligator.com)  

Harrell Davenport - Young Rell

Und hier ist es: Das Debutalbum eines 19-Jährigen, der seit seinem Auftauchen die Blueswelt in helle Aufregung versetzen konnte. Und Harrell „Young Rell“ Davenport aus Vicksburg, Mississippi, liefert! Der so sympathische wie begnadete Youngster bestätigt bravourös die hohen, in ihn gesetzten Erwartungen. Mit einer für sein Alter unglaublichen Reife und Tiefe punkto Songwriting, Gesang, Harmonica und Gitarrenspiel setzt Harrell Davenport ein sattes Ausrufezeichen.

Das Debut des Youngsters gibt sich erfreulich traditionell und wurzelt stark im Chicago-Blues eines Otis Rush, Magic Sam oder Junior Wells, ohne jedoch im Geringsten altbacken zu wirken oder gar nach Copy/Paste zu riechen. Harrell weiss genau, was er macht. Zudem: sein Talent und Feeling for the Blues wird gekonnt in die richtigen Bahnen gelenkt von seinem Mentor Billy Branch, von seinem Manager und Produzenten Matthew Skoller, und vom Gitarristen und Co-Produzenten Kid Andersen, in dessen Greaseland Studios das Album aufgenommen wurde. Dass dazu die Künstler-bezogene Philosophie von Jim Pugh’s Little Village Label die ideale Plattform für Young Rell bietet, versteht sich von selbst.

Von den 12 Songs, die alle ein veritables Live-Feeling versprühen, stammen deren 10 aus der Feder von Davenport. Herausragend etwa das autobiografische „Fatherless Child“, die beiden mit augenzwinkerndem Humor unterlegten „Tomorrow“, respektive „I’ll Keep It Hot For You“ sowie die beiden Instrumentals: „Richland Swing“ swingt – nomen est omen – ganz gehörig à la 1950er Jahre und in „Nite Creepin‘“ lässt Young Rell mit seinen Harmonica-Ausflügen Erinnerungen an den unvergessenen James Cotton aufkommen. Abwechslung in die Sache bringt ausserdem die feine Southern Soul-Nummer „Spinning“. Während der Youngster bei Fenton Robinson’s Klassiker „I Hear Some Blues Downstairs“ weitgehend dem Original treu bleibt, interpretiert er Bob Dylan’s Protestsong „Masters Of War“ als krispen Chicago Shuffle.

Das renommierte Living Blues Magazin hat schon vor einiger Zeit unumwunden verkündet: «This Kid is the REAL DEAL»! Nach dem Genuss dieses Albums schliessen wir uns dem ohne Zögern an. The Blues is alive and kickin’!

Harrell Davenport (voc, g, harm), Jim Pugh (org, p), Kid Andersen (g), Daquantae Johnson (b), Endre Tarczy (b), June Core (dr), Aaron Lington (sax), Niel Levonius (tp), Larry Batiste (b-voc, horns arr)

(CD, DL, Vinyl, www.littlevillagefoundation.com)

Ryan «Bluwrath» Newman - Wrath Of Blues

Eine neue, kesse Generation besinnt sich der Rolling Stones, B.B. King, Bob Dylan, Albert King, Mose Allison, Earl King, Aretha Franklin, Jimi  Hendrix, Jeff Beck, Stevie Ray Vaughan und Konsorten und bemächtigt sich unmissverständlich und unkompliziert derer Vorgaben. Zu diesen jungen, selbst deklarierten «Zornigen» zählt Ryan «Bluwrath» Newman aus Connecticut. Der flinkfingrige Gitarrist nähert sich seinen Idolen mit einer wohltuenden Unbeschwertheit, die Spass macht. Seine Interpretationen von Blues-, Rock- und gar Reggae-Evergreens klingen erfrischend, obwohl er meist nahe am Original bleibt.  

Eine zügige Version des Robert Johnson/Elmore James-Klassikers «Dust My Broom» startet den Reigen. Auch einem «Texas Flood», «The Thrill Is Gone», «Oh,  Pretty Woman», «Get Up Stand Up», «Miss You» oder «Highway 61 Revisited» vermag der Gitarrist durchaus etwas abzugewinnen. Arrangement-Tricks wie Horns, Strings, Gastsänger/innen und Chöre halten die Spannung hoch, während Newman’s Stärke unzweifelhaft in seiner stupenden Spieltechnik liegt, die er in reichem Masse auszuleben weiss. Sein Debut «Wrath Of Blues» ist ein Statement mit dem Charakter einer veritablen Juke Box. Was Ryan Newman noch fehlt, ist seine eigene musikalische Identität, die er mit persönlichem Songwriting finden muss. Die Voraussetzungen jedenfalls sind gegeben, denn sein selbst verfertigter Slow Blues «Leaving This World Tonight» zeigt genau, wo’s lang geht!

Ryan Newman (g, voc), Vic Washington (keys, voc), Mario  E. Sprouse (keys), Scott Spray (b), Bobby Torello (dr), Tim Leffingwell (b), Tony Lewis (dr), Mitchell Igneri (dr), John Isley (sax), Charlie Lagond  (sax), Artie Bressler (sax), Don Harris (tp, flh), Dave Cafro (tp), Rob Funk  (tb), Patrick Casey (tp), Keith Lafond (sax), John Smayda (sax),  John Grossbard (perc), Ken Florendo (perc), Russell Landis (b, g), Dave Robbins (harm), Arlene Wow (voc), Joan DuQuette (voc), Tenishia Toussaint (voc), Anita Antoinette (voc)

(CD, DL, www.ryanbluwrathnewman.com)

Bluusclub Baden - Das Herbstprogramm 2026

Obwohl der Hochsommer unser Land immer noch fest im Griff hat, erinnert uns der Bluusclub Baden schon an den kommenden Herbst. Von September bis kurz vor Weihnachten stehen in der Bäderstadt jeweils an Donnerstagen wieder fünf spannende Konzertabende auf dem Programm.

Den Auftakt macht am 10.09. Wale Liniger im Museum Langmatt. Kaum jemand in unserem Land hat sich mit  dem Blues und seiner Geschichte intensiver auseinandergesetzt als der 1949 in Kehrsatz geborene Lehrer und Musiker. Lange Jahre forschte und unterrichtete Liniger im Blues Archiv an der University of Mississippi sowie an der University of South Carolina, wo er den Blues aus erster Hand miterleben und verinnerlichen konnte.

Richard Koechli muss man der einheimischen Bluesszene nicht mehr vorstellen. Der Luzerner Gitarrist, Filmmusik-Produzent und Buchautor hat zwischen Country Blues und Klassischer Musik so ziemlich alles schon auf beeindruckende Art ausgelotet. Koechli und seine Blue Roots Company spielen am 24.09. im Nordportal.

Im Rahmen des Blues Festival Baden diesen Mai gewann der junge Luzerner Gitarrist und Sänger Ronny Rast mit seiner überzeugenden, 25-minütigen Darbietung das Finale der Swiss Blues Challenge. Ehrensache für den Bluusclub, das Riesentalent für einen ganzen Abend zu buchen. Das Datum: 29.10. Der Ort: Stanzerei Baden.

Der  26.11. im Nordportal ist der Ludwig Seuss Band vorbehalten. Der Keyboarder und Akkordeonist Ludwig Seuss, bekannt geworden als Mitglied der Spider  Murphy Gang, pflegt  mit seiner eigenen Formation mitreissenden Piano-Boogie, Jump Blues und Louisiana-Sounds à la Cajun und Zydeco Music.

Am 17.12. steigt eine grosse Geburtstags-Sause zum 35-jährigen Bestehen des Bluusclub Baden. Was dann genau abgehen wird? Dazu will die Veranstalter-Crew die Katze noch nicht aus dem Sack lassen. Lassen wir das OK also selber zu Wort kommen: «Zum Jubiläum lädt der BLUUS CLUB Baden zu einer besonderen Birthday-Party ins Nordportal ein. Ein Abend voller Blues, Begegnungen und Überraschungen erwartet das Publikum. Wer als musikalischer Hauptact auf der Bühne stehen wird, bleibt vorerst noch ein gut gehütetes Geheimnis – es lohnt sich also, gespannt zu bleiben und gemeinsam 35 Jahre BLUUS CLUB Baden gebührend zu feiern. Weitere Informationen folgen.»

www.bluusclub.ch

 

 

 

Baums Bluesbenders - Road Back Home

«Die CD ist eine Zeitreise mit verschiedenen Bluesstilen, die uns in unserem Leben begleitet und begeistert haben» schreibt Bandleader Norfried Baum im Begleittext zum neuen Album seiner Blues Benders.

Seit mehr als 30 Jahren sind der Multi-Instrumentalist/Sänger und seine Bandkumpels on the road. Und so sehr sie dies offensichtlich auch genossen haben und immer noch geniessen – davon zeugen der Opener «Online» mit seiner Message «endlich stehen wir nach langer Anreise auf der Bühne und dürfen los legen» und der swingende Party-Song «Till The Night Is Done» – so gross ist jeweils auch die Sehnsucht, wieder nach Hause zu gehen, hier angesprochen im Titelstück «Road Back Home». Ausser diesen Begleiterscheinungen der Landstrasse (dazu können wir ebenfalls den Track «Bluesclub» zählen, der sich mit der Corona-Zeit befasst, als Konzertbesuche nicht mehr möglich waren) besingt Norfried Baum in seinen 11 auf eigener Scholle gewachsenen Songs zudem die verschiedenartigen Freuden und Tücken von Beziehungskisten.

Wie Baum in seinem Zitat erwähnt, geben sich die Blues Benders ein weites stilistisches Korsett. Dazu gehören neben gradlinigem Rock’n’Roll und elektrischem Blues auch Anleihen bei Soul und Cajun Music. Den Louisiana-Flair von Letzterer erreichen die Blues Benders auf clevere Weise, indem sie im Song «Loving You» mit mehreren übereinander gelagerten Harmonicas einen täuschend ähnlichen Akkordeon-Sound erzeugen können. Eine beachtliche Howlin’ Wolf-Stimmung dagegen erzeugt die Band mit dem One-Chord-Vamp «Traffic Jam».

Norfried Baum (voc, g, mand, b, org, harm), Uwe Placke (harm), Jan Laacks (b, p, org, perc, b-voc, sound effects), Francis Holzapfel (dr) plus Simone Altheide (b-voc), Doc Fred Prünte (org), Jimmy Maxwell (upright b), Didi Dietrich (congas)

(CD, www.bluesbenders.de)

 

Summerblues Basel 26.06.2026

Heisseren Sound als dieses Jahr gab es noch nie am Summerblues, kletterte doch das Thermometer am 26. Juni in Basel auf offizielle 38,8° Celsius. Die Hitze, sowie der Umstand, dass gleichentags jenseits des Rheins das Eidgenössische Jodlerfest und das Doppelkonzert Manfred Mann/Uriah Heep stattfanden, bewirkten, dass weniger Leute den Weg ins Kleinbasel unter die Füsse nahmen als auch schon. Was wiederum zum Vorteil hatte, dass in den Gassen und auf den Plätzen ein besseres Durchkommen, wie auch das Finden eines Sitzplatzes in einer der Festbeizen garantiert war. Nichtsdestotrotz zeigten sich der Co-Präsident und musikalische Leiter Fabio Bianchi auch dieses Jahr wieder äusserst zufrieden mit dem Open Air-Gratis-Event.

Auf den verschiedenen Bühnen schwitzten insgesamt 28 Acts um die Wette und unterhielten bestens mit diversesten Schattierungen von Blues’n’Roots. Darunter fanden sich die stimmgewaltige Stina Stenerud mit ihrer Band aus Norwegen, das österreichische Urgestein Sir Oliver Mally, die spanische «Blues-Supergroup» The Half Nelsons um die Brüder Canibano, die vom Blues Caravan her bekannte kroatische Gitarristin Vanja Sky, die funkig-souligen Peerplex aus Deutschland und der britisch-norwegische Gitarrist Krissy Matthews.

Die einheimische Szene wurde u.a. vertreten durch diverse Swiss Blues Award-Träger. So gab es auf der Lindenberg-Bühne Larissa Baumann, beim Arbeitsamt Philipp «Bluedög» Gerber, im Färbergässli Walter Baumgartner und am Oberen Rheinweg Sven «The Delta Magpie» Müller zu geniessen. Pascal Geiser, Swiss Blues Challenge-Sieger von 2016, war mit seiner Band auf der Claraplatz-Bühne aktiv, die Lokalmatadoren von Little Chevy glänzten auf dem Theodorskirchplatz und das Duo Pink Pedrazzi/Mike Bischoff spielte bei der Mittleren Brücke zu Blues & Dine auf.

Save the date: der nächste Summerblues findet am Freitag 02.07.2027 statt.

www.summerblues.ch

Groove Now Blues Weeks Basel mit Tribute to Creedence Clearwater Revival

Am 12. Juni 2026 ehrte das zweitletzte Konzert der Blues Weeks Basel eine der ganz grossen Bands der späten 60er- und frühen 70er-Jahre: Creedence Clearwater Revival. Die Band war nur von 1967 bis 1972 aktiv, brachte aber einige grosse Hits hervor, die längst zum festen Kanon des Blues-Rock gehören. Mit dem Song «Suzie Q», einem Song von Dale Hawkins, hatte die Band ihren ersten grossen Hit.

Ihren unverkennbaren Stil nannte man bald ‹Bayou Rock› oder auch ‹Swamp-Rock›. Deshalb, und auch wegen der Texte, verortete man die Band in den Südstaaten der USA, obwohl alle Musiker aus der Bay Area Kaliforniens stammten.

Das zu hören, was in der Jugend den Musikgeschmack mit geprägt hatte, dürfte für einen grossen Teil der Besucher ein Grund für den Besuch des Konzertes gewesen sein. Dieser Gedanke drängte sich beim Blick auf das Durchschnittsalter des Publikums im ausverkauften Antikenmuseum auf. Auch Patrick Kaiser sprach bei seiner Einführung in das Konzert seine entsprechenden Jugenderinnerungen an.

Natürlich war nicht zu erwarten, dass dieses hochkarätige Allstar Projekt versuchen würde, das Original klanglich zu klonen. Es gab ja auch kein Saxophon im Original Lineup. Die Musiker brachten ihre eigene Identität, ihren eigenen Stil in das Projekt ein. Es ging nicht darum, CCR zu kopieren, sondern die Songs der Band durch die eigene musikalische Brille zu interpretieren. Die Vorfreude im Saal war spürbar – und sie wurde nicht enttäuscht..

Mike Zito (g, voc), Albert Castiglia (g, voc), Jimmy Carpenter (sax, voc), Willy Barber (b) und Jimi Bott (dr) betraten ebenfalls gut gelaunt die Bühne. Schon beim ersten Song, «Born on the Bayou», brach im Saal eine Begeisterung los, wie man sie von einem Schweizer Publikum selten erlebt. Während des Konzerts wurde getanzt. Die Setlist hätte problemlos als Best-of-Programm durchgehen können.. Ich erinnere mich an «Down On The Corner»,  «Bad Moon Rising», «Suzie Q», «Green River», «I Heard It Through The Grapevine», «Who’ll Stop The Rain», «Proud Mary», einen zehn Minuten langen «Midnight Special», «Keep On Chooglin’» mit einem knackigen Solo von Jimmi Bot und als Zugabe «Before You Accuse Me».

Die Band spielte, als gehörten die CCR Songs zu ihrem Standardrepetoire. In alle Songs, die man als drei, vier minütige Stücke kennt, wühlten sich die beiden Gitarristen und Jimmy Carpenter tief hinein und füllten sie mit beeindruckenden Soli, sodass sie oft doppelt solang wurden. Mehr als einmal blieb nur ein Wort: grossartig. Mike Zitos Gesang erwies sich als ideale Besetzung für dieses Material, seine Stimme ähnelte der von John Fogerty. Leider ging seine Stimme im Gesamtmix stellenweise etwas unter.

 

 

Andy Carrieri - All Things Bright

Italien besitzt eine überaus spannende und abwechslungsreiche Blues-Szene. Seit vielen Jahren Teil davon ist Andy Carrieri. Nicht nur arbeitete Carrieri mit so verschiedenen Künstlern wie Steve Berlin, Lee Allen, David Hidalgo, Candye Kane, Dave Alvin, Lynwood Slim, J. Monque D, Andy J. Forest oder Egidio «Juke» Ingala zusammen – er setzte seine musikalischen Visionen auch im Rahmen von diversen Filmsoundtracks um.

Nun ist der Gitarrist und Sänger mit «All Things Bright» wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und besinnt sich ungeschminktem Acoustic Blues. Als Eckpfeiler des stimmungsvollen Albums stehen die fein interpretierten Klassiker «Blue Bird Blues» von Lightnin’ Hopkins, «Guitar Shuffle» von Big Bill Broonzy» und «Baby Please Don’t Go» von Big Joe Williams. Diese ergänzt Carrieri mit sieben Eigenkompositionen, in welchen er die Inspiration des Prewar Blues aufnimmt und auf persönliche Art weiter entwickelt. Carrieri zeigt sich dabei als brillanter Könner an den sechs Saiten, sei es in Bottleneck-Manier, sei es Fingerpicking-mässig. Ideal ergänzt sein deklamatorischer Gesangstil die Gitarrenlinien. Subtil lässt er sich bei vier Nummern vom Schlagzeuger Alessio Gavioli begleiten.

Herausragend der atmosphärische Titelsong «All Things Bright», der gleich noch in einer Instrumentalversion als Reprise nachgeschoben wird und ein wenig an die Spielweise von Ry Cooder erinnert. «Down In NOLA» verströmt einen gewissen Hokum-Touch, «Mind Chains» dagegen verkörpert kraftvolles Mississippi Hill Country Feeling und «If I Was» reiht sich nahtlos in die grosse «Rollin’ & Tumblin’»-Familie ein. Eindrücklich!   

Andy Carrieri (voc, g), Alessio Gavioli (dr)

(Vinyl, DL, www.bloosrecords.com)

 

Greg Piccolo & Heavy Juice - Who Knows What The Future Holds

Greg Piccolo, einst einer der führenden Köpfe bei der New England R’n’B-Truppe Roomful Of Blues, gefällt mit einem Solo-Album, auf welchem er frisch und frei von der Leber weg seinem Songwriter-Talent frönt. Und da hat sich einiges angesammelt in den vergangenen Jahren: Stories, gesegnet mit Humor, mit Lebensfreude, aber auch mit Nachdenklichem, mit persönlichen Erfahrungen einer Karriere, die mittlerweile auch schon sechs Jahrzehnte dauert. 

Diese Geschichten bettet Piccolo ein in die verschiedensten musikalischen Settings im Dreieck Rhythm’n’Blues, Soul und Rock’n’Roll. Da finden die beiden feinen Piano-Balladen «She Couldn’t Stay» und «Guilty» (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Stück von Randy Newman) ebenso einen Platz wie das von einem fetten Bläsersatz angetriebene «I’m Movin’ On», das hip swingende «Dream Girl», das laid-back rockende «Don’t Tell Me The Truth», das mit einem Reggae-Rhythmus unterlegte «People Are Hot», die Memphis-Soul-Nummer «The Truth Is A Sly Fox» oder das an Doug Sahm/Augie Meyers erinnernde «I’ve Lost Faith».

Natürlich darf auch das eine oder andere heisse Sax-Solo des Maestros nicht fehlen – was Summa Summarum bedeutet: Greg Piccolo liefert ein Album mit Charme, Pep und einer positiven Aura. Trotzdem schwingt ein Wehmutstropfen mit, ist diese Platte doch die letzte Arbeit des legendären Produzenten und Tontechnikers Terry Manning (Led Zeppelin, ZZ Top, Joe Cocker, Al Green, Fabulous Thunderbirds, Staple Singers u.v.m.) vor dessen Tod im März 2025.

Greg Piccolo (voc, sax), Shinichi Otsu (keys, b-voc)), Bob Ruggiero (dr, b-voc), Dean Shot (g, b-voc), Paul Tomasello (b, b-voc), Mark Kazanoff (sax), Al Gomez (tp), 14 Karat Soul (b-voc)

(CD, Vinyl, DL, www.momojorecords.com)  

Sierre Blues Festival 18. – 20.06.2026

Cinelli Brothers

«C’était un festival un peu bizarre cette année!» tönte es aus dem Kreis des Festival-OK. Nicht wegen dem Gebotenen auf der Bühne – dieses war durchwegs stark. Nein, der Grund lag im Stress, den zwei Absagen von gebuchten Künstlern ausgelöst hatten.

Kurz vor Festivalbeginn kam die Nachricht, dass Rag’n’Bone Man seine ganze Frühlingstour abgeblasen hatte. Dem umtriebigen Festival-Präsidenten Silvio Caldelari gelang es jedoch kurzfristig, mit dem dreifachen Grammy-Gewinner Fantastic Negrito einen mehr als valablen Ersatz zu engagieren. Und Negrito hat dann auch geliefert! Schwieriger wurde es mit dem Hauptact von Samstagnacht: D.K. Harrell, einer der angesagtesten Senkrechtstarter im Blues Biz, blieb ungewollt in Louisiana stecken. Während drei Tagen versuchte der Gitarrist auszufliegen, doch wurden seine Flüge wegen Hurrikan-Warnungen ein jedes Mal gecancelt. Glücklicherweise zeigte sich spontan die norwegische Formation «A Spoonful Of Blues», welche schon am Freitag aufgetreten war, bereit, mit einem abgeänderten Set plus anschliessender Jam Session die Lücke zu füllen.

Aus dem abwechslungsreichen Programm stachen einmal mehr die Cinelli Brothers heraus. Blues, Soul und bodenständiger Rootsrock vereinigen sich aufs Allerbeste in der Musik des Quartetts. Nicht nur Originalität, Gefühl und Spielfreude legt die Band in die Waagschale, auch mit einer gehörigen Portion Pfeffer würzen sie jeweils ihren Auftritt. Ebenfalls einen positiven Eindruck erhielt das Walliser Publikum von der spanischen Formation Koko-Jean & The Tonics, welche einen lebendigen Mix aus Retro-Soul und Rock’n’Roll auf die Bühne zauberten und zudem den Harmonica-Virtuosen Victor Puertas als Gast mitbrachten. Neben dem Lokalmatadoren Paul Mac Bonvin, der mit einer veritablen Big Band auffuhr und fast drei Stunden spielte, gefielen zudem die kürzlich zur Siegerin der European Blues Challenge gekürte britische Sängerin Alice Armstrong und die Swiss Blues Challenge Siegerin von 2025, Eve Gallagher, mit ihren jeweiligen Bands.

www.sierreblues.ch

 

Jason Ricci & The Bad Kind with Kaitlin Dibble - 13 Hours

Zehn Songs sind es auf der CD, sieben davon haben es aufs Vinyl geschafft: Der Harmonica-Tornado Jason Ricci wartet mit einem aufregenden neuen Album auf. Zusammen mit seiner Partnerin, der Sängerin und Songwriterin Kaitlin Dibble und seiner eingespielten Truppe The Bad Kind nimmt Ricci einmal mehr kein Blatt vor den Mund. Spielerisch sowieso nicht – seine Virtuosität auf der Harmonica, wie auch sein Gefühl für Dynamik sind stets atemberaubend. Und von der Aussage her nennt Ricci die Dinge beim Namen. Denn unterschwellig schwingt stets jene Unstetigkeit mit, die sein Leben geprägt hat: Highlights wie der Gewinn eines Blues Music Awards, sein Spiel auf dem mit einem Grammy prämierten Johnny Winter-Album «Step Back» oder sein Auftritt in der Rock’n’Roll Hall Of Fame bei der Einführung der Paul Butterfield Blues Band – aber auch sein zeitweiliger Abstieg in Sucht, Obdachlosigkeit und Gefängnis oder Verluste wie der Tod seines Drummers John Perkins, dem das Album und besonders der Titelsong gewidmet sind. Ricci weiss, wovon er singt.

Im Opener «Sick Of This Shit» zieht er über soziale und politische Missstände her, sowohl im täglichen Leben, wie auch im Music Business. Zu der Gesamt-Stimmung passen auch bestens «Tired Of Trying», ursprünglich aus der Feder von Johnny Winter, und «River’s Invitation», geschrieben von Percy Mayfield, obwohl es in diesen beiden Nummern «nur» um die Tücken einer Beziehungskiste geht. Absolut faszinierend dann im Song «Big DisEasy» die schnörkellose Beschreibung der Musikszene und der speziellen, nicht immer einfachen Ambiance von New Orleans, wo Ricci und Kaitlin vor einiger Zeit ihre Zelte aufgeschlagen haben. Positive Vibes dagegen verströmen die beiden musikalisch starken Instrumentalnummern: die hochoktane Harmonica-Gitarren-Tour-de Force «Leo Watkin’s Rag» mit ihren spannenden Breaks und Rhythmuswechseln sowie der «Nuit Waltz», welcher Ricci und Gitarrist Brent Johnson ebenfalls viel inspirierenden Spielraum im Dreivierteltakt gewährt. Das Titelstück «13 Hours» schliesslich präsentiert sich als ein knapp 12-minütiger Boogie-Jam, erinnert ein wenig an die Doors zu ihren Glanzzeiten und berichtet vom manchmal zermürbenden Leben eines Musikers on the Road.

Jason Ricci (voc, harm), Kaitlin Dibble (voc), Brent Johnson (g, b-voc), Bill Blok (b, b-voc), Benny Piazza (dr, b-voc) plus Mike Dillon (vib), Khris Royal (sax), Tom Fitzpatrick (sax), Santoru Ohashi (tp, flh)

(CD, Vinyl, DL, www.gulfcoastrecords.net)

 

Sugaray Rayford Sings Otis Redding Groove Now! Blues Weeks Basel 11.06.2026

Sugaray Rayford Sings Otis Redding Groove Now Blues Weeks Basel 11.06.2026

Ein ausverkauftes Antikenmuseum erlebte « The Next Best Thing» zu einem Otis Redding-Konzert knapp 60 Jahre nach dem viel zu frühen Tod der Soul-Ikone. Sugar Ray Rayford und eine Band von hand-gepickten, ausgefuchsten Musikern luden zusammen mit Groove Now zu einem Abend ganz im Zeichen des am 10. Dezember 1967 verunglückten Sängers aus Macon, Georgia.

Kaum jemand könnte besser geeignet sein, Otis Redding die Ehre zu erweisen, als Sugaray Rayford. Mit seiner Stimme, Seele, Lebenslust, Spielfreude, mit Charme, Schalk und einer Bühnenpräsenz sondergleichen gelang Rayford schon im Opener «Can’t Turn You Loose» das Kunststück, sein Publikum zu einer Standing Ovation zu pushen. Massgebend dabei natürlich auch seine hervorragende All Star-Truppe, bestehend aus Jimmy Carpenter (sax), Richard Watts (tp), Alberto Marsico (keys), Mike Zito (g), Albert Castiglia (g), Willy Barber (b) und Jimi Bott (dr). Schlag auf Schlag folgten lebendig und äusserst kompetent inszenierte Klassiker aus dem faszinierenden Otis Redding-Songbook: «Pain In My Heart», «Sitting On The Dock Of The Bay», «Mr. Pitiful», «These Arms Of Mine» – gesungen von Jimmy Carpenter, «Try A Little Tenderness», «Satisfaction», «Dreams To Remember» – gesungen von Albert Castiglia, «Shake», «I’ve Been Loving You Too Long» und «Knock On Wood» liessen das goldene Zeitalter von Stax Records und Memphis Soul wiederaufleben.

Ohne eine Reprise von «Can’t Turn You Loose» wollte das begeisterte Publikum die Musiker, die sichtbar Spass an der Sache hatten, nicht gehen lassen. Und als Zückerchen intonierte Sugaray Rayford schliesslich zusammen mit dem nicht unbegabten Zuschauerchor a Capella nochmals «Dock Of The Bay». 

www.groovenow.ch

Thorbjörn Risager - Live At Hotel Cecil

Thorbjörn Risager Live At Hotel Cecil

«Danish Dynamite» steht nicht länger nur für die dänischen Fussballer – einem musikalischen Oktett aus der gleichen Ecke der Welt dürfen wir dieses Prädikat mittlerweile auch anheften. Thorbjörn Risager & The Black Tornado zählen länger schon zu den hervorragendsten Live-Bands der Szene. Was also lag näher, als ein deftiges Live-Album aufzunehmen?

Vor heimischem Publikum im Kopenhagener Hotel Cecil mitgeschnitten, zeigt dieses eine bestens eingespielte Truppe in voller Fahrt. Mit ihrem satt abrockenden, eigenständigen Rhythm’n’Soul kreieren Risager & Co eine knisternde, schweisstreibende Atmosphäre. Bissige Bläsersätze, kernige Gitarrenriffs, ein dichter Boden und die aus allem herausragende, raue Stimme von Frontman Risager beherrschen die Szenerie souverän. Die 17 Songs vermitteln eine Art Karriere-Überblick der Band und zeigen auf beeindruckende Weise, wie die einzelnen Nummern seit ihrer Studio-Einspielung dank unzähligen Live-Darbietungen ein spannendes Eigenleben entwickelt haben. Ob Shuffle, Ballade oder Rocker – die dynam(it)ischen Dänen spielen in der europäischen A-Klasse mit.

In der Schweiz werden Thorbjörn Risager & The Black Tornado am 04.07.26 am Stedtli Blues in Laufen BL und am 29.07.26 am Magic Blues Festival in Avegno TI zu geniessen sein.

Thorbjörn Risager (voc, g), Emil Balsgaard (keys), Joachim Svensmark (g), Kasper Wagner (sax), Hans Nybo (sax), Peter W. Kehl (tp), Sören Böjgaard (b), Martin Seidelin (dr, perc)

(CD, Vinyl, DL, Provogue/Artone)

The Trevor B. Power Band - Two Crows

The Trevor B. Power Band Two Crows

Trevor B. Power aus New Jersey ist ein Blues-affiner Rootsrock-Singer/Songwriter, welcher – immer zwar schon im Music Biz unterwegs – seine Solokarriere mit der Trevor B. Power Band erst relativ spät im Leben lancierte. Heute 63-jährig, veröffentlichte Trevor mit seiner Formation anno 2019 das Debut «Everyday Angel» – was nicht nur ihm selbst, sondern auch der Kritikergilde offensichtlich Spass machte. Der Effekt: The Show goes on – «Two Crows» ist nun schon sein viertes Album!

Die Songs zu diesem Werk entstanden unter dem Eindruck von Verlusten. Nicht nur hatte Power den Tod seines älteren Bruders John zu beklagen, der ihn damals zur Musik brachte. Auch sein enger Freund Bobby Whitlock – den wir von Derek & The Dominos in bester Erinnerung haben – verliess diese Welt. In der Philosophie «We’re all going to leave this form someday, so let’s make the best of it!» fand Trevor Halt und dies widerspiegelt sich auch in seinen zehn Kompositionen: Nutze deine Zeit bewusst und geniesse sie!

Als Stütze dieses Albums brilliert der Multi-Instrumentalist, Tontechniker, Co-Produzent und New York Blues-Hall-Of-Famer Dave Fields, der Power’s musikalische Vision perfekt umzusetzen versteht. Der Opener «Bobby Lane» gefällt als Gitarren-Boogie à la ZZ Top’s «La Grange». Und auch bei weiteren Nummern schimmert einiges an ZZ Top-Einflüssen durch – Trevor B. Power’s Stimme klingt gar noch heiserer als die von Billy F. Gibbons – bei anderen Songs dagegen werden Erinnerungen an Bob Dylan wach.

Trevor B. Power (g, voc), Steve Holley (dr, perc), Dave Fields (g, b, keys, b-voc), Dennis Gruenling (harm), Will Wylde (harm), Kenny Thorstenson (b), Laura Kate Marshall (b-voc), Jasper Fields (fl)

(CD, DL, www.trevorbpowerband.com)

Nick Moss All Stars an den Groove Now Blues Weeks

GrooveNowLogoErster Abend der Blues Weeks Basel 2026. Patrick Kaiser, Gründer und musikalischer Direktor von Groove Now, erläuterte zu Beginn sein Konzept, das er seit Jahren verfolgt und das seine Konzerte sowie die Blues Weeks so interessant macht. Er verpflichtet erstklassige Musiker, die für zeitgenössischen Blues stehen. Diese bestreiten dann in unterschiedlichen Besetzungen einen Abend, der jeweils unter einem bestimmten Motto steht. Das fordert die Kreativität der Musiker und führt zu spannenden Konzerten.

Das Eröffnungskonzert am 28. Mai 2026 brachte Nick Moss auf die Bühne. Er gehört zu den wichtigsten Vertretern des Chicago Blues, den er weiterentwickelt und dabei gleichzeitig die Tradition bewahrt. Das zeigt sich auch darin, dass er oft und gern mit Musikern zusammenarbeitet, die sich ausserhalb des Chicago Blues bewegen. Er hat keine Berührungsängste und kann sich auch problemlos zurücknehmen und ihnen die Bühne überlassen. Kaisers Konzept stiess bei ihm deshalb auf offene Ohren.

Aus Nick Moss’ Band waren dabei: Rodrigo Mantovani, der umtriebige brasilianische Bassist, der seit etwa acht Jahren zur Band gehört. Er gilt als einer der besten Kontrabassisten der Bluesszene und beherrscht den Slap-Bass-Stil besonders gut. Am Schlagzeug sass der talentierte, noch junge Schlagzeuger Pierce Downer, der seit einem Jahr für den Takt in der Band sorgt.

Die All Stars bestanden aus dem formidablen Bob Welsh an Keyboard und Gitarre, dem vielseitigen Gitarristen und Sänger Andrew Duncanson sowie Victor Puertas, einem der besten Mundharmonikaspieler Spaniens, der auch am Keyboard eine gute Figur macht. In der zweiten Hälfte des Abends kam anstelle von Andrew Duncanson der Wirbelwind Willy Jordan auf die Bühne.

Wie erwartet wurde es ein abwechslungsreiches Konzert mit zahlreichen Höhepunkten. Bob Welsh zeigte, dass er die Saiten ebenso gut beherrscht, wie die Tasten. Zusammen mit Victor Puertas präsentierte er ein wunderschönes Doppelsolo aus Keyboard und emulierter Hammondorgel. Letzterer brillierte zudem mit seinen Harpsoli. Rodrigo Mantovani spielte mal E-Bass, mal Kontrabass in perfekter Slap-Bass Technik, die man leider viel zu selten hört.

Willy Jordan kam nach etwa der Hälfte des Abends anstelle von Andrew Duncanson dazu. Das 67-jährige Energiebündel aus Kalifornien trug einen auffälligen knallroten Dress und veränderte die Stimmung sichtbar und hörbar. Er tanzte, shoutete, pfiff und versprühte eine ansteckende Fröhlichkeit, pure Lebenslust. Schliesslich setzte er sich sogar noch ans Schlagzeug.

Mehr als zwei Stunden dauerte das Konzert im Antikenmuseum und begeisterte das Publikum, das zum Schluss stehend applaudierte. Ein toller Einstieg in die Bluesweeks Basel.

The Namedroppers - Let’s Live Together

The Namedroppers Lets Live Together

The Namedroppers aus New England sind ein Konglomerat an gestandenen Veteranen, die schon mit so verschiedenartigen Künstlern wie Johnny Winter, Edgar Winter, Black Oak Arkansas, Michael Bolton, Grace Slick, Felix Cavalier oder den Rascals gearbeitet haben.

Gemeinsam ist den Namedroppers ihre Liebe für knackigen Rhythm’n’Blues und Soul-triefenden Rock’n’Roll. Gleich vier der Bandmitglieder wechseln sich als Leadsänger ab, was der ganzen Sache Abwechslung verleiht. Und auch sonst bietet die Band auf ihrem sechste Album ein äusserst kurzweiliges Programm. Ob Original oder Cover, trotz fortschreitendem Alter stimmt der Groove  und das Feuer lodert – was Gitarrist und Sänger Rafe Klein im Opener «Grey Haired Blues» mit folgenden Worten bestätigt: «Yeah, it’s true, my roof is covered in snow, but don’t be fooled, there’s a fire below!»

Simone Brown beweist ihre Gospel-gestählte Stimme im Aretha Franklin-Klassiker «Chain Of Fools», während Bobby «T» Torello im Rocker «Watch Pocket» ans Mikrofon tritt und neben seinen Drums gleich noch einen mit der Gitarre drauflegt. Mit Frank Durazzo’s «Don’t Cry Over Me» begeben sich die Namedroppers in die  Herzschmerz-Ecke. Bob Dylan schliesslich wird mit «Gotta Serve Somebody» gewürdigt, und Muddy Waters wird mit einem «Mannish Boy» geehrt, welches sich mit originellen Rhythmuswechseln vom Original abhebt.

Rafe Klein (g, voc), Bobby T Torello (dr, g, voc), Scott Spray (b), Ron Rifkin (keys, voc), Simone Brown (voc),  Crispin Cioe (sax), Kevin Monroe & Devotion (b-voc), Tim Dehuff (g), Jay Willie (g), Richard Hunter (harm)

(CD, DL, www.thenamedroppers.net)

Russ Green - Stone Cold

Russ Green Stone Cold

Eigentlich ist Russ Green aus Chicago ein grosser Jimi Hendrix-Fan. Doch als Filmstudent an der Southern Illinois University in Carbondale lagen Gitarre und Verstärker ausserhalb seiner finanziellen Möglichkeiten. Also widmete er sich jener Mundharmonika, die er einst in einem Nachbarschaftsladen auf der West Side Chicagos erstanden hatte. Inspirieren dabei liess er sich von keinem Geringeren als Sugar Blue – dem «Jimi Hendrix der Bluesharp». Als zweiter Mentor trat dann mit Billy Branch der Elder Statesman of Contemporary Chicago Blues in sein Leben. Unter dem Fittich dieser beiden Koryphäen konnte ja nichts schiefgehen.

Parallel zu seiner Arbeit als Filmemacher fasste Russ Green Fuss in der Blues-Szene, spielte, tourte und nahm mit John Primer und Lurrie Bell auf, produzierte eine CD von Big Llou Johnson, startete seine Solokarriere und ist mittlerweile auf den Festivalbühnen weltweit ein gern gesehener und gehörter Gast. «Stone Cold» nun ist sein zweites Album und folgt auf sein aufsehenerregendes Debut «City Soul», welches 2018 vom Downbeat Magazine zu einem der besten Blues Alben des Jahres ernannt wurde.

Nun ist Green zurück mit einem beeindruckenden Album voll mit kernigem, modernem, soul-lastigem Blues. Viel Raum gewährt er seinem kraftvollen Spiel an der Bluesharp. Daneben aber lässt er auch seine gewieften Songwriter-Fähigkeiten aufblitzen: Sein «12 Feet Of Water» etwa wurde bei der International Songwriter Competition 2025 mit einer «Honorable Mention» ausgezeichnet. Russ Green führt die Tradition des Chicago Blues mit neuen Ideen und frischen Elementen in die Zukunft. Paradebeispiel dafür ist der Song «I Believe». Komposition, Gesang und besonders die überragende Harmonica manifestieren Stil und Klasse.

Russ Green (harm, voc), Giles Corey (g), Vince Agwada (g), Vic Jackson (b), Felix Pollard (dr), Joe Munroe (keys)

(CD, DL, www.overtonmusic.com) 

Bluescats feat. Greg Copeland - The Soul Of The Blues – Live at Haus Eifgen

Bluescats feat. Greg Copeland The Soul Of The Blues Live at Haus Eifgen

Die deutschen Bluescats sind bekannt dafür, spannende Projekte mit verschiedensten Blues-Künstlern aufzusetzen. Nach Tommie Harris, Brenda Boykin und Ralf Grottian spannt das Trio nun auf ihrem neuen Album mit dem ursprünglich aus Virginia stammenden Sänger Greg Copeland zusammen. Live hat man am 31.10.2025 einen Auftritt im Haus Eifgen im nordrhein-westfälischen Wermelskirchen aufgezeichnet. 13 Songs jenes Abends mit einer Spielzeit von über einer Stunde sind nun auf Konserve unter dem Titel «The Soul Of The Blues» erhältlich.

Copeland und die Bluescats decken auf ihrer Suche nach der Seele des Blues gekonnt eine breite Palette an Blue Notes auf. Sie zitieren James Brown ebenso wie Big Joe Williams, Albert King ebenso wie Eric Bibb oder T-Bone Walker und setzen bei ihren Interpretationen jeweils eine erfrischende, persönliche Note. Auch die im Bandrahmen entstandenen Songs gefallen mit  innovativen Hooks und Licks. Greg Copeland erweist sich dabei als anpassungsfähiger Vokalist, der seine Stimme von sanft-gefühlvoll bis rau und bissig einzusetzen weiss, um seine Story rüberzubringen. Jens Filser an der Gitarre und das bestens eingespielte Rhythmus-Duo Till Brandt und Mickey Neher rücken auf beeindruckende Art ihren Frontman ins Rampenlicht, ohne sich selbst zurücknehmen zu müssen. Speziell aufgefallen: Die prickelnde, knapp 7-minütige Soul-Ballade «I Get Lost Sometimes» aus der Feder von Greg Copeland und Till Brandt sowie der Klassiker «Stormy Monday Blues», welche beide Jens Filser die Möglichkeit geben, an seinen sechs Saiten so richtig auszufahren.

Greg Copeland (voc), Jens Filser (g), Mickey Neher (dr), Till Brandt (b)

(CD, DL, www.timezone-records.com)

Em Bebbi sy Jazz – Freitag, 14.08.2026

Bebby Jazz 2026 Logo

Zum 42. Mal jährt sich eines der weltweitgrössten Gratis-Musikfestivals. Zwischen 70'000 und 100'000 Begeisterte drängen sich jeweils am Freitag nach den Sommerferien in der Basler Altstadt um Jazz, Blues, Soul, Funk, etc. vorwiegend nationaler, aber auch internationaler Provenienz zu erleben.

Auf Plätzen, in Hinterhöfen, in Restaurants, Bars und Kellern präsentieren sich rund 700 Musiker und Musikerinnen in mehr als 90 Formationen auf über 30 Bühnen. Das Focus-Thema dieses Jahr heisst «Big Orchestra» und bringt einige bekannte Schwergewichte in Sachen Big Bands und Big Names. Auch ein gutes Dutzend Street Bands wird mit ihrem Sound die Strassen bevölkern.

Wir wollen aber an dieser Stelle unser Augenmerk auf Blues und Artverwandtes legen. Im Rosshof-Areal werden mit Eve Gallagher und Pascal Geiser zwei ehemalige Swiss Blues Challenge Sieger mit ihren Bands zu geniessen sein. Am gleichen Ort spielen auch die Lokalmatadoren Little Chevy. Im Unternehmen Mitte tritt das Petra Börnerova Trio, beim Leonhardsberg treten Snooks, Groovepack und Sophia & The Tight Groove auf. In der Gerbergasse spielen Frethike, auf dem Peterskirchplatz die Alpine Blues Birds, im Garten des Restaurants Löwenzorn Breiti & The Big Easy Gators, in der Rüdengasse die Gruppe Flagstaff, am Heuberg Bead Clean, am Noodlebärg der Singer/Songwriter Pink Pedrazzi.

Das Gesamtprogramm mit Spielzeiten, einem Übersichtsplan der Spielorte und vielen anderen Details findet sich unter www.embebbisyjazz.ch.  

Bluesfestival Baden 23. – 30.05.2026

Baden Blues 2026

Das Blues Festival Baden darf sich bei Petrus bedanken. Durchgehend feinstes Sommerwetter trug neben dem Musikalischen massgeblich dazu bei, dass 2026 als Spitzenjahrgang in die Annalen dieses Events eingehen wird.

Mit einem Paukenschlag starteten die Konzerte auf dem Theaterplatz. Angesagt: Zwei eng befreundete Bands – die Cinelli Brothers und Freddie & The Cannonballs. Der Effekt: eine Blues-Party, die seinesgleichen suchen musste. Lanciert wurde der Abend von den Cannonballs, die neben R’n’B-Ohrwürmern diverse Songs ihres neuen Albums «Cannonballing!» vorstellten. Spätestens, als das Tessiner Sextett dann Marco Cinelli an der Gitarre und Tom JJ an der Harp für ein rauschendes «Too Tired» von Johnny Guitar Watson auf die Bühne baten, ging die Post ab. Der Teppich war ausgerollt für eine der herausragendsten Live-Bands diesseits des Atlantiks. Die Cinelli Brothers – Marco Cinelli (voc, g, org), Alessandro Cinelli (voc, dr, perc, b), Tom JJ (voc, harm, g) und Jorma (voc, b, g) – verstanden es, Baden zu einem umjubelten Heimspiel zu machen. Da blitzten alle Qualitäten auf, die es live braucht. Lockerheit, Spielfreude, Bühnenpräsenz, Dynamik, Originalität und eine Portion Frechheit – gepaart mit Professionalität, hohem musikalischen Können und einem totalen Feeling für Blues’n’Roots. Und was die Cinelli Brothers von vielen Bluesbands abhebt, ist einerseits ihr brillanter, clever arrangierter Gesang, andererseits ihre Vielseitigkeit. Jeder der vier Musiker beherrscht mehrere Instrumente, was ständig zu spannenden Momenten führt. Gemeinsam krönten die Cinellis und die Cannonballs die Show mit dem Song «Dancing Shoes», welchen sie kürzlich zusammen eingespielt und veröffentlicht haben. Diesem liessen sie gleich noch ein rasantes «Hey Joe» folgen.

Die Swiss Blues Challenge fand in diesem Jahr ebenfalls beim Badener Festival Unterschlupf. Dime Blend, Amaury Faivre, Golden Vultures und Ronny Rast bewiesen ihr beachtliches Live-Potential vor Publikum und Jury. Ersteres genoss sichtlich das hohe Niveau des Gebotenen, Letztere bewertete den Auftritt des jungen Gitarren-Talents Ronny Rast am höchsten. Rast wird daher nächstes Jahr unser Land international an den Blues Challenges vertreten. Abgerundet wurde der Wettbewerb von der letztjährigen Siegerformation: Die Eve Gallagher Band bewies mit ihrem inspirierten Auftritt spektakulär, wieso sie sich kürzlich im polnischen Krakow für den Final der European Blues Challenge qualifiziert hatte.

In hervorragender Verfassung präsentierten sich Justina Lee Brown und ihre einfühlsame Band. Die afrikanische Melodik und Rhythmik ihres letzten Albums «Echoes Of Home» bestimmten den Set und zeigten auf faszinierende Weise die Wurzeln der nigerianisch-stämmigen Sängerin. Dazu setzt sich Justina in ihren Lyrics mit deutlichen Worten für eine bessere Welt ein. Ihr Auftritt gipfelte in einer gehörig in die Beine fahrenden Version ihres Showstoppers «One Love Africa».

Ihren verstorbenen Vätern Greg, B.B. und Luther alle Ehre erwiesen Devon Allman, Claudette King und Bernard Allison. Als Devon Allman’s Blues Summit angepriesen, entführte die Truppe ihr begeistertes Publikum tief in die amerikanischen Südstaaten. Der kraftvolle Blues, Soul und Southern Rock, dargeboten von Künstlern, die ihr Handwerk quasi mit der Muttermilch eingeflösst bekommen haben, überzeugte auf der ganzen Linie. Neben fein aufgesetzten Klassikern wie «The Thrill Is Gone» (von Claudette) sowie «Going Down» und «Dust My Broom» (von Bernard), prägten bekannte Perlen aus dem Allman Brothers Songbook die abwechslungsreiche Setlist. «One Way Out», «Melissa», «Dreams» oder «Midnight Rider» durften in neuem Gewand wiederaufleben. Fesselnd dabei die Tatsache, dass Devon Allman nicht nur seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht – auch die charakteristische Klangfarbe seiner Stimme entspricht exakt jener des jungen Greg.

Nicht vergessen zu erwähnen wollen wir den charmanten Auftritt (inklusive Plattentaufe) der Badener Blues Kidz. Dieses Förderprogramm interessierter junger Talente überzeugte auch dieses Jahr dank der Frische und der Spielfreude der Youngsters.

www.bluesfestival-baden.ch

Summerblues Basel, Freitag 26.06.2026

Summerblues Basel Freitag 26.06.2026

Das grösste Open Air Bluesfestival der Schweiz – S Glaibasler Bluesfescht – geht in seine 17. Runde. Während in Basel am 26.06. links des Rheins anlässlich des Eidgenössischen Jodlerfests einheimischen Klängen gehuldigt wird, tönt es auf der anderen Seite des Flusses verdächtig nach Mississippi, Chicago, Memphis oder New Orleans.

Auf sechs Hauptbühnen, vier Blues Uff Dr Gass-Bühnen, bei Blues’n’Dine auf der Rheinterrasse des East West Hotels und auf dem Schiff MS Rhystärn werden – wie gewohnt bei Gratiseintritt – total 28 Acts zwischen 18:00 und 00:30 ihren Blues zelebrieren.

An internationalen Künstlern werden dieses Jahr erwartet: Die durch den Blues Caravan von Ruf Records bekannt gewordene kroatische Gitarristin Vanja Sky, die norwegische Powerhouse-Vokalistin Stina Stenerud & Her Soul Replacement, der britisch-norwegische Saitenzauberer Krissy Matthews, die österreichische Roots-Legende «Sir» Oliver Mally und seine Group featuring Peter Schneider, The Half Nelsons aus Spanien und Peerplex aus Deutschland.

Der Summerblues ist auch jedes Mal ein Schaufenster der florierenden einheimischen Szene. Da begrüssen wir heuer z.B. die vier Swiss Blues Award Träger Larissa Baumann, Walter Baumgartner, The Delta Magpie und Philipp «Bluedög» Gerber, dazu den Swiss Blues Challenge Gewinner von 2016 Pascal Geiser, die Lokalmatadoren der Little Chevy Band sowie die Routiniers Breiti & The Big Easy Gators.

Zu den aufstrebenden CH-Formationen gehören Crushice, die Alpine Blues Birds, Blufonik, Tower Of Soul, die Crossover Blues Band, die Mike Eric Blues Band, Bead Clean oder auch Groovetones’n’Backbones. Blues Uff Dr Gass bieten Deuces Wild, The Mojo Professors, Malenco, Johnny & Reg und The Terrible Two. Pink Pedrazzi & Mike Bischoff unterhalten bei Blues’n’Dine, Sol Bolanos auf dem Schiff.

www.summerblues.ch gibt weitere Auskünfte!

Amani Burnham - Roots & Wings

Amani Burnham Roots Wings

Es ist faszinierend zu hören, wie auch viele Jahre nach dem Tod eines Jimi Hendrix oder eines Stevie Ray Vaughan deren Musik immer noch wegweisend und beeinflussend auf junge, musikalisch hungrige Gitarristen wirkt. Amani Burnham, Anfang Zwanzig, verkörpert einen dieser Rohdiamanten, welcher Sound, Technik, Ideen und Ausstrahlung jener Vorbilder aufnimmt und verarbeitet.

Amani stammt ursprünglich aus Äthiopien und wuchs als Adoptivkind im amerikanischen Connecticut auf. Sein erster Musical Hero war Gene Krupa, sein erstes Instrument das Schlagzeug. Die Gitarre zupfte er nur nebenher. Erst in der Covid-Pause konzentrierte er sich voll  auf die sechs Saiten – und seither geht die Sache durch die Decke. Amani entwickelte eine flüssige Spieltechnik, in welcher er die Saiten ausschliesslich mit dem Daumen seiner rechten Hand anschlägt – ähnlich einem Jeff Beck oder Wes Montgomery. Was der junge Gitarrist aber seinen Vorbildern voraus hat, sind die Social Media. Innert kurzer Zeit hat es Amani geschafft, eine sechsstellige Zahl an Clicks, Views und Followers auf den einschlägigen Plattformen anzuhäufen. Dies hinterliess offensichtlich auch bei einigen Branchengrössen Eindruck. So holte z.B. ein Ted Nugent den Youngster in sein Vorprogramm. Und Jeff Schroedl von der Altered Five Blues Band hat Burnham bei Blind Pig Records unter Vertrag genommen.

Schroedl fungiert zwar als Co-Songwriter und Produzent von Amani’s Debutalbum, stellt aber clever dessen Stärken sowie dessen unbekümmerte Frische und Spontaneität in den Vordergrund und lässt das Ausnahmetalent sich im Trio-Setting gehörig austoben. Angefangen beim Opener, dem tempobolzenden Instrumental «Fastlane», bis zum knapp achtminütigen Schlussbouquet, dem feinfühligen Elmore James-Slowblues «Bleeding Heart», orientiert sich Burnham zugegebenermassen stark an seinen Idolen, versteht es jedoch trotzdem, dem Gesamtergebnis schon eine eigene, spannende Handschrift zu verleihen.

Hier ist etwas am Heranwachsen!

Amani Burnham (voc, g), Ray Hangen (dr), Matt Raymond (b)

(CD, Vinyl, DL, www.blindpigrecords.com)

Gina Coleman Uncrowned – A Tribute To Ida Cox

Gina Coleman Uncrowned A Tribute To Ida Cox

Mit dem Aufkommen der Schallplatte in den 1920ern realisierten die Plattenfirmen, dass da ja ein lukrativer, afroamerikanischer Markt existierte. Sängerinnen wie Mamie Smith, Ma Rainey, Bessie  Smith, Sippie Wallace oder Clara Smith, die im Vaudeville oder bei Tent- und Medicine-Shows ihr Handwerk gelernt hatten, wurden zu den ersten Superstars der Blues-Geschichte. Sie alle nahmen mit Jazzbands auf und interpretierten vorwiegend Lieder, die von professionellen Songwritern geschrieben wurden. Eine der wenigen Ausnahmen bildete Ida Cox. Die als Ida M. Prather anno 1888 oder 1896 – die Quellen widersprechen sich da – geborene Sängerin und Entertainerin schrieb nicht nur brillante eigene Songs, sie galt als smarte Businesswoman, die ihre Karriere selber gestaltete.  

Wie alle ihre Zeitgenossinnen wurde auch Ida Cox mit ihrer Musik durch den Siegeszug des gitarrenlastigen, elektrischen Blues in den Hintergrund gedrängt. Doch nun ist eine Bewegung im Gange, dies zu korrigieren. Aktuelle Künstlerinnen besinnen sich ihrer Idole und greifen deren Erbe, kreativ und modern interpretiert, auf. Candice Ivory mit ihrem Memphis Minnie-Album und Maria Muldaur mit ihrem Victoria Spivey-Tribut sind die bekanntesten. Gina Coleman ist die nächste im Bunde. Die Gründerin und Leaderin der Band Misty Blues aus Massachusetts, welche 2019 mit  ihrer Truppe im Finale der International Blues Challenge in Memphis stand, veröffentlichte am 29.05.26 das Album «Uncrowned: A Tribute To Ida Cox» .

Nicht von ungefähr nimmt sich Coleman dem Phänomen Ida Cox an. Gina fühlt eine ausgeprägte Seelenverwandtschaft mit der Pionierin, sieht sich in einer ähnlichen Rolle als Komponistin von über 100 Songs sowie als unabhängige, starke Bandleaderin und Managerin. Von den rund 80 Liedern aus Ida Cox’ Paramount Records-Zeit hat Coleman nun elf prägnante für sich ausgewählt und diese zusammen mit ihren langjährigen Misty Blues-Bandkollegen Diego Mongue und Seth Fleischmann neu arrangiert. Schlichte Nostalgie sucht man dabei vergebens. Coleman & Co transponieren gekonnt und respektvoll die Essenz von Cox’ Musik ins 21. Jahrhundert. Zeitgemäss klingen etwa die gefühlvolle, elektrische Slidegitarre, welche im «Graveyard Dream Blues» die Stimme umspielt, wie auch die funky Gitarren/Schlagzeug-Begleitung im «Worried Mama Blues» oder im «Lawdy Lawdy Blues». Einen Hauch Modern Jazz gar verströmen die Interpretation von «Wild Women Don’t Have The Blues» und «Blues Ain’t Nothing Else But». Einen Bogen zurück zum ursprünglichen Sound der 1920er Jahre dagegen schlägt der häufige Einsatz der Klarinette – eines Instruments, welches praktisch gänzlich aus dem modernen Blues verschwunden ist – und des Banjos. Gina Coleman schliesslich fühlt sich pudelwohl in diesem Setting. Ihre tiefe, emotionale Stimme wird dem musikalischen Vermächtnis von Ida Cox , der «Uncrowned Queen Of The Blues», mehr als gerecht.

Gina Coleman (voc), Seth Fleischmann (g), Diego Mongue (b), Rob Tatten (dr), Aaron Dean (cl), David Vittone (keys), Ronan Chris Murphy (perc), Jeff Dudziak (bjo), Gaye Adegbalola (g)

(CD, DL, www.guitaronerecords.com)

JP Soars – Anne Harris Gypsy Blue Revue

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Delta Blues? Ja doch! Western Swing? Ebenfalls! Conjunto? Sicher! Jam Band Music? Natürlich! Country? Garantiert! String Band Sound? Ehrensache! Die Gypsy Blue Revue von JP Soars und Anne Harris bekommt all dies mühelos und inspiriert unter einem Hut vereinigt. Die stilistische Bandbreite auf «Goin’ To South Carolina» ist enorm, doch gelingt es verblüffenderweise JP und Anne, die Sache locker im Fluss zu halten. Der rote Faden ist die fast überbordende Spielfreude, gepaart mit der Virtuosität der Protagonisten, die Zeitlosigkeit brillanter, handgemachter Folk-Klänge sowie die Kraft, die in gelebter Rootsmusic steckt.

JP Soars und Anne Harris lassen den Soundtrack der Levee und Lumber Camps, der Baumwollfelder, der Cantinas von New Mexico, der Lagerfeuer von Gettysburg, der Farmen in Oklahoma, der Bayous und Fais-Do-Dos von Louisiana, der Train Depots in South Carolina frisch und knackig aufleben. Nur eine Nebenrolle spielt der Gesang auf diesem Album. Das Hauptaugenmerk liegt auf den mitreissenden Melodien, welche JP Soars seinem halben Dutzend Saiteninstrumenten und Anne Harris ihrer Fiddle und ihrer Mandoline zu entlocken wissen.

Im Gegensatz zur Vinylausgabe endet die CD-Version mit der über 18-minütigen «Cigar Box Jam», welche rhythmisch einen gewissen Santana-Flair verströmt. Irgendwann blitzt dabei sogar das Motiv von «Norwegian Wood» von den Beatles auf. Die Gypsy Blue Revue von JP Soars und Anne Harris macht unheimlich Spass!

JP Soars (voc, g, merlin stick dulcimer, cigar-box g, cavaquino, dobro, lap steel g, cowbell, shekere, whistle), Anne Harris (fiddle, mand), Chris Peet (dr), Cleveland Frederick (b, bongos), Jeremy Staska (shaker, tamb)

(CD, Vinyl, DL, www.fortybelowrecords.com)

Blues To Bop Festival Lugano 17.-19.07.2026

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Lugano lockt diesen Sommer wieder mit heissen Blues-Nächten. Bei freiem Eintritt gibt es auf drei verschiedenen Altstadtplätzen 18 hochklassige nationale und internationale Acts zu geniessen. Diverse Blues Awards-Gewinner und Blues Challenge-Sieger zieren das Programm 2026.

Beginnen wir mit der Delegation aus dem Mutterland des Blues. Die stimmgewaltige Thornetta Davis wurde dieses Frühjahr zum zweiten Mal nach 2023 mit dem Blues Music Award als Best Female Soul Blues Artist ausgezeichnet. Auch gewann die als «Queen of Detroit Blues» gefeierte Sängerin 2017 die International Songwriting Competition in der Kategorie «Best Blues Song» mit ihrer Komposition «I Believe Everything Is Gonna Be Alright». Guy King, ursprünglich aus Israel stammend, fand seine musikalische Heimat in Chicago. Beeinflusst von B.B. King und Wes Montgomery, verdiente er sich seine Sporen als Gitarrist und Bandleader bei Willie Kent & The Gents ab, bevor er seine erfolgreiche Solo-Karriere startete. Guy King soll mit seiner Bläser-bestickten Band nach Lugano kommen.

Piper & The Hard Times aus der Musikmetropole Nashville begeisterten 2024 an der International Blues Challenge in Memphis Publikum und Jury und gewannen verdientermassen den Wettbewerb in der Band-Kategorie. Zudem wurde ihr Debut «Revelation» von der Blues Foundation zum Best Self Produced Blues Album erkoren. Neal Sugarman machte sich einen Namen als Gründer der legendären Dap-Kings. Begleitet von seiner Hammond Organ Combo bewegt sich der Saxofonist im spannenden Dreieck Soul-Jazz-Funk. Viel Wert auf Theatralik in seinem Auftritt legt Bob Log III aus Arizona. Verkleidet in einem Star Wars-ähnlichem Kostüm lebt er als One Man Band seinen ureigenen, knallharten Bluesrock aus. Auch Deep Gospel hat seit Jahrzehnten seinen festen Platz bei Blues To Bop Lugano. Heuer werden Annie & The Caldwells dafür besorgt sein. Die Musikerfamilie aus West Point, Mississippi, versteht es, nicht nur Südstaatenkirchen zum Kochen zu bringen – bestens nachzuempfinden auf ihrem Album «Can’t Lose My Soul».

Zu den jungen, aufstrebenden Talenten zählen die beiden Gitarristinnen Delanie Pickering und Ghalia Volt sowie die Sängerin Alice Armstrong. Delanie Pickering, zu Hause auf der Insel Martha’s Vineyard (Massachusetts), mauserte sich vor zwei Jahren mit ihren beherzten Auftritten zum Publikumsliebling am Lucerne Blues Festival. Die Belgierin Ghalia Volt übersiedelte in die USA, um ihr Glück im North Mississippi Hill Country Blues zu finden. Ghalia glänzt zudem mit dem soeben erschienenen Album «Burn The House Down». Alice Armstrong aus Grossbritannien ihrerseits machte Schlagzeilen mit dem Gewinn der European Blues Challenge 2025 im kroatischen Split.

Tanzfreudige Blues To Bop-Besucher werden bei The Fat Six auf ihre Kosten kommen. Die Formation aus Berlin zelebriert in die Beine fahrenden Rhythm’n’Blues aus den Nachkriegsjahren. Ebenfalls in Berlin residiert die argentinische Gitarristin Vanesa Harbeck. Ihren Stilmix aus Blues und südamerikanischer Musik präsentiert sie in Lugano im Duo-Setting. Aus Schottland reist Jack Broadbent an. Er ist bekannt als exquisiter Slide-Gitarrist, der seine Sporen einst als Strassenmusiker abverdient hat. Aus dem Herzen Afrikas stammt Wiyaala. Die Sängerin aus Ghana verknüpft Folk-Elemente aus ihrer Heimat mit zeitgenössischem Afro-Pop. Traditionell-jazzig dagegen geht es bei Jack In The Box zu und her. Das Sextett frönt klassischem Dixieland und Swing. Die italienische Szene ist vertreten durch das Trio Savana Funk aus Bologna, welches – neben Funk – auch Blues, Rock und afrikanische Nuancen in seinen Sound einfliessen lässt.

Die florierende Schweizer Bluesszene grüsst mit Walter Baumgartner, The Delta Magpie und Bonnie B & Ice B. Der Harmonica Wizard Walter Baumgartner, Gewinner des Swiss Blues Award 2025 in der Kategorie Best Instrumentalist/Singer, wird sowohl mit seiner Band Walt’s Blues Box, als auch im Duo mit dem Gitarristen Hannes Kasehs auftreten. The Delta Magpie tourt ebenfalls im Sog eines Swiss Blues Award 2025 – in seinem Fall dem des Best Emerging Artist. Auch präsentiert der Solo-Künstler sein brandneues Album «The World Keep On Turning». Bonnie B (voc, harm) und sein Bruder Ice B (voc, g) aus Fribourg zählen seit Jahren zu den Aushängeschildern des Blues im Welschland. Die beiden Musiker, einst als Kinder mit ihren Eltern vor den Roten Khmer aus Kambodscha in die Schweiz geflüchtet, konnten sich mit ihrer vom Chicago Blues inspirierten Musik eine internationale Karriere aufbauen.

Die Konzert-Standorte in Downtown Lugano liegen nur ein paar Schritte auseinander. Die Piazza Maraini, die Piazza Manzoni und die Piazza Cioccaro bei der Talstation der vom Bahnhof ins Zentrum führenden Standseilbahn beherbergen die drei Bühnen des Blues To Bop Festival 2026. Zudem findet am Samstag 18.07. tagsüber im Parco Ciani bei der Darsena wieder das beliebte Blues@School-Programm statt. Dieses Jahr erzählen Thornetta Davis, Guy King und Piper & The Hard Times aus ihrem Künstlerleben, intonieren spontan Songs, beantworten Fragen und diskutieren Musik.

Sämtliche Programm-Informationen gibt es unter www.longlake.ch/bluestobop

The Cinelli Brothers Live – Here And There

The Cinelli Brothers Live Here And There

Man sollte mit Lobhudeleien sparsam umgehen. Doch ab und zu sollte Klartext gesprochen werden: Die Cinelli Brothers zählen mittlerweile zu den absolut heissesten Live-Acts auf europäischen Bühnen in Sachen Blues, Soul und artverwandter Musik. Und ihre Fühler ins Mutterland des Blues haben die Jungs auch schon erfolgreich ausgestreckt. Dieser Tage nun hat das Award-gekrönte Quartett aus London am Blues Festival Baden abgeräumt, am 20. Juni wird die Band das Sierre Blues Festival heimsuchen, und am 24. Juli gastiert die Truppe am Bellinzona Blues Festival.

Die nächstbeste Sache zu einer Cinelli Brothers-Liveshow ist ein Cinelli Brothers Livealbum. Und hier ist es – mit knapp 88 Minuten Spielzeit! Aufgenommen «Here And There» – will heissen da und dort anlässlich verschiedener ihrer vielumjubelten Konzerte in Grossbritannien, Dänemark, Deutschland und Spanien – zeigt diese Scheibe all die  Vorzüge, die die Band auszeichnen: Spielfreude, Originalität, Feeling, Dynamik – alles verpackt mit viel Talent und musikalischem Können. Alle vier Bandmitglieder beherrschen mehrere Instrumente – was der Sache enorm Abwechslung verleiht – und ihr vierstimmiger Gesang besitzt Soul- und Gospel-Qualität.

Die ideenreichen Eigenkompositionen der Band schöpfen aus den stilistischen Vorgaben des Great American Blues’n’Roots-Fundus und zeigen, was in diesem Genre auch heute noch alles möglich ist. Speziell aufgefallen: «Ain’t Blue But I Sigh» mit seinem treibenden Latin-Boden und seinen ausgiebigen, melodiösen Harmonica- und Gitarren-Soli. Ferner das Instrumental «Pencil Pusher Doze», welches nicht nur mit smarten Rhythmuswechseln glänzt, sondern sich auch als eine (gewollte?) Hommage an Booker T. & The MG’s und Otis Rush erweist. «Lucky Star» und «Unsingable Song» besitzen Ohrwurm-Charakter, die After-Hours-Ballade «Last Cigarette» groovt leicht jazzig, «Spell On Me» ist ein purer Chicago Shuffle mit Tom Julian-Jones im Mittelpunkt, «Last Throw Of The Dice» gefällt als eine funky Soul-Nummer inkl. Wah Wah-Gitarre von Jorma Gasperi sowie Orgel-Improvisationen von Marco Cinelli, die zu guter Letzt in einem kurzweiligen Schlagzeugsolo von Nanni Cinelli gipfelt. Nicht zu vergessen: der kernige Gitarren-Boogie «Choo Ma Gum», der mit einem kurzen Zitat aus dem 1966er-Troggs-Hit «Wild Thing» endet. Last but not least: mit den beiden hier clever aufgesetzten Fremdnummern – mit Tony Joe White’s Swamprock-Schlachtross «Polk Salad Annie» resp. dem Beatles-Schmankerl «Don’t Let Me Down» – beweist die Truppe ebenso viel Chuzpe wie Klasse.

Marco Cinelli (voc, g, org, p), Alessandro «Nanni» Cinelli (voc, dr, perc, b), Tom Julian-Jones (voc, g, harm, b), Jorma Gasperi (voc, b, g)

(CD, Doppel-Vinyl, DL, www.thecinellibrothers.bandcamp.com)

Samantha Martin & Delta Sugar - A Beautiful Buzz

Samantha Martin Delta Sugar A Beautiful Buzz

«A Beautiful Buzz» summt aber mächtig! Da kommen sofort Erinnerungen an den Sound und den Spirit der legendären «Mad Dogs & Englishmen»-Sache von Joe Cocker & Co hoch. Mit dem einzigen Unterschied, dass hier kein stimmgewaltiger Englishman, sondern eine ebenso gesangspotente Canadian Woman das Szepter führt: Es ist die schon mehrfach für einen Juno Award (die kanadischen Grammys) sowie für diverse Maple Blues Awards nominierte Samantha Martin, begleitet von ihrer dynamischen, 10-köpfigen Formation Delta Sugar.

Vor einem begeisterten Publikum mitgeschnitten am 26. November 2022 im A.C.T. Theatre in Maple Ridge, British Columbia, bringt «A Beautiful  Buzz» alles mit, was ein gutes Livealbum ausmacht: Eine Band mit schier grenzenloser Energie und Spielfreude trifft auf 13 prägnante, ideal auf Musiker und Bühne zugeschnittene Songs. Samantha Martin zeigt sich dabei als beschlagene Hauptkomponistin, der es gelingt, in ihren Nummern die Essenz der letzten 60 Jahre Rock, Soul und Pop einzufangen und diese live umzusetzen. Nicht etwa als gebündelte Nostalgie, im Gegenteil: eine unter die Haut gehende Stimme setzt nie Schimmel an – und auch der saftige Groove von Martin’s Truppe Delta Sugar wirkt nie altbacken. Zudem: die Coversongs – als da wären Klassiker wie «The Shape I’m In» von The Band, «Them Changes» von Buddy Miles, «Loving Cup» von den Stones und das weniger bekannte «My Crown» von Rench – bekommen alle eine persönliche, erfrischende Note verpasst. Yep, da war definitiv was los an besagtem Novemberabend 2022!

Samantha Martin (voc, ac-g), Tafari Anthony & Sherie Marshall (b-voc), Curtis Chaffey (g), Ian McKeown (b), Will Fisher (dr), Jeff Heisholt (keys), Emily Ferrell (tb), Andrew Moljgun (sax), Brian Walters (tp) plus guest Steve Marriner (voc, g, ac-g)

(CD, Vinyl, DL, www.samanthamartinmusic.com)

Leeann Atherton - Good God

Leeann Atherton Good God

Leeann Atherton aus Austin, Texas, bezeichnet ihren Stil als Mix von Country Gospel, Blues & Soul. Ihr neustes Werk preist sie als «A Celebration of Faith, Community, and the Transformative Power of Song» an. Will heissen: Südstaatenmusik für Herz, Seele und Geist. Mit Vorbildern wie Mavis Staples und Sam Cooke liegt Atherton, die ebenfalls über beachtliche stimmliche Qualitäten verfügt, jedenfalls goldrichtig.

Eckpfeiler der Scheibe sind die drei Eigenkompositionen der Sängerin – «Joy», «Call On The Lord» und «Smack Dab In A Miracle» – welche durch ein breites Spektrum an bekannten und weniger bekannten Songs ergänzt werden. Erwähnenswert die feinen Interpretationen des Leiber/Stoller-Klassikers «Saved», der Joe South-Nummer «Games People Play», der wunderschönen A-Capella-Hymne «Angel Band» sowie der Evergreens «Put A Little Love In Your Heart» und «This Little Light Of Mine». Durchwegs hervorragend: die Arbeit der Studio-Crew um TJ Moss und Johnny Vernazza.

Ohne im Geringsten aufgesetzt zu wirken, verströmt Leeann Atherton auf diesem Album eine gesunde Portion Positivismus und Hoffnung, was wir in der heutigen Zeit durchaus gebrauchen können.

Leeann Atherton (voc), Johnny Vernazza (g, b-voc), Mac McNabb (g), Edward Cleveland (dr), Rob LaMonica (keys), Bob Berman (keys), Mike Burnham (b), Kevin Cooper (b), TJ Moss (b), Austin Atherton (b-voc), Laura Jane Willcock (b-voc), HeartBeat Pro (b-voc)

(CD, DL, www.leeannatherton.com) 

Jo’ Buddy’s One Man Stomptet - Lockdown Sessions & Beyond Vol. 2

Jo Buddys One Man Stomptet Lockdown Sessions Beyond Vol. 2

Sind dies verschollene Aufnahmen aus den legendären Chess Studios? Aus dem Archiv von Sam Philipps’ Sun Records? Oder gar von Cosimo Matassa’s J&M Recordings? Etwas von den Bihari Brothers aus L.A.? King-Federal Records? Ha! Weit gefehlt! Was hier einen Drive und einen Charme bester Blues’n’Roots-Tage offenbart, ist ein zeitgenössischer, finnischer Multi-Instrumentalist und Sänger namens Jussi Raulamo mit Künstlernamen Jo’ Buddy.

Seit Jahrzehnten auf Achse und mit beeindruckendem Gefühl, grossem Wissen und viel Erfahrung punkto Rhythm’n’Blues gesegnet, präsentiert Jo’ Buddy zehn auf eigenem Mist gewachsene Songs, die wirklich manchem Künstler des amerikanischen Südens der 1940er bis 1960er Jahre gut angestanden hätten.

Aufgenommen ohne jeglichen Zeitdruck während des Lockdowns ist es Jo’ gelungen, trotz der Arbeit mit Overdubs seinen Tracks eine knisternde, ja beinahe live-mässige Stimmung zu verpassen. Die Songs leben ungemein und spannen den Bogen von Jump Blues bis Zydeco, von New Orleans R’n’B bis Swing, von South Side Chicago Blues bis Doo Wop, von Hokum bis West Coast Blues, von Swamp Pop bis Tin Pan Alley. Jo’s Hauptinstrument ist die Gitarre, und diese erinnert in bestechender Weise an Pioniere wie etwa den unvergessenen Guitar Slim, die frühen Phasen von Albert Collins, Freddie King, Earl King oder Ike Turner, gar an Pee Wee Crayton und T-Bone Walker.

Nostalgie? Gewiss – aber in einer Art aufbereitet, die wach rüttelt: Dieses Album ist eine Offenbarung in unserer von Sampling, Synthesizern, Kompressoren, Drum Machines und KI geprägten Zeit! Dieses Album macht Spass!

Jo’ Buddy (all voc & instruments)

(CD, DL, www.ram-bam.com)

Tamikrest - Assikel


Tamikrest Assikel

«Assikel» – «Reise» nennen Tamikrest ihr sechstes, brandneues Album. Ja, auf eine faszinierende Reise in die Kultur der Touareg nimmt die aus der Sahara, genauer aus dem Grenzland zwischen Algerien und Mali stammende Formation den Zuhörer mit. Inspiriert von ihren Kollegen der Band Tinariwen, deren Gründer Ibrahim Ag Alhabib hier als Gast auch mitspielt, entwickeln Tamikrest jenen Sound, der in der Musikpresse gemeinhin als Sahara-Rock oder Mali-Blues bezeichnet wird.

In der Tat finden sich interessante Ähnlichkeiten zu gewissen Blues-Stilarten. Etwa zum Hill Country Blues aus Mississippi, zu frühen John Lee Hooker-Grooves oder zum Trance Blues eines Otis Taylor. Auch die Wichtigkeit des Storytelling ist eine offensichtliche Parallele. Nichtsdestotrotz machen Tamikrest ihr eigenes Ding. Live, direkt und analog auf Band eingespielt, verstehen es die Musiker verschiedenste Saiten- und Perkussions-Instrumente zu jenem faszinierenden Klangteppich zu verweben, der als Grundlage für ihre Geschichten und Aussagen dient. Und diese erzählen von den Problemen in ihrer Heimat, von Krieg, Unterdrückung und Vertreibung, aber auch von Widerstand, Sehnsucht und Hoffnung.

Achtung: Das Album wird am 15. Mai 2026 offiziell veröffentlicht. Tamikrest sind anschliessend live in der Schweiz zu geniessen! Und zwar am 24.05. im Fri-Son (Fribourg), am 29.05. auf der Gannet (Basel) und am 30.05. im Moods (Zürich).

Ousmane Ag Mossa (voc, g), Cheikh Ag Tiglia (bass, b-voc, g, djembe, perc), Paul Salvagnac (g, lapsteel, dobro, tumba tumba), Cédric Momo Maurel (calabash, dhol, bendhir, tumba tumba, djembe, tube) plus guest Ibrahim Ag Alhabib.

(CD, Vinyl, DL,  www.glitterbeat.com)

Carmen Ratti Band featuring Jill Dineen - Come To Me

Carmen Ratti Band featuring Jill Dineen Come To Me

Einmal mehr fungiert Kid Andersen’s Greaseland Studio in San Jose als genialer Durchlauferhitzer für die  Musik einer spannenden und talentierten Truppe. Was jeweils in Greaseland produziert wird, hat Hand und Fuss, ist klanglich hervorragend aufgenommen und wirkt immer inspiriert. So auch «Come To Me», das zweite Album der Carmen Ratti Band aus dem nördlichen Kalifornien.

Seit ihrer Gründung anno 2018 ist diese Formation mit ihrem von zeitgenössischem Rhythm’n’Blues durchtränkten Rootsrock eine ernstzunehmende Grösse in der Bay Ära. Angeführt von Jill Dineen’s sinnlicher, unter die Haut gehenden Stimme, gepaart mit dem lyrischen, variantenreichen Gitarrenspiel von Bandleader Carmen Ratti und – besonders zu erwähnen: dem brillanten Songwriting der beiden – entwickeln die fünf Musiker auf «Come To Me» eine durchwegs fesselnde Atmosphäre.

Der Höhepunkte sind viele. Das balladeske «Blessing In The Blues» etwa zeigt Jill Dineen in Höchstform. Ausdrucksstark beweist die Sängerin ihren beachtlichen Stimmumfang über mehrere Oktaven auch im steady rockenden Opener «Delusion». Carmen Ratti’s gefühlvolle Gitarrenkünste hingegen beeindrucken speziell im offensichtlich B.B. King gewidmeten Instrumental «Riley», ebenso wie im knisternden Titelstück «Come To Me», welches in einer kurzen und einer langen Version gleich zweimal auf dem Album auftaucht. Nicht vergessen wollen wir schliesslich, der so versierten wie kraftvollen Keyboard-Arbeit von Tony Lufrano, ob begleitend oder solistisch, ein Kränzchen zu winden.

Die Carmen Ratti Band feat. Jill Dineen ist eine veritable Entdeckung.

Jill Dineen (voc), Carmen Ratti (g, voc), Steve Hazlewood (b), Randy Hayes (dr), Tony Lufrano (org, p, b-voc) plus Lisa Leuschner Andersen (b-voc)

(CD, DL, www.momojorecords.com)

24. Vallemaggia Magic Blues TI, 10.07. – 06.08.2026

 

 

24. Vallemaggia Magic Blues TI 10.07. 06.08.2026Das Programm des Magic Blues Festivals ist bekannt. 9 Konzertnächte mit 19 Acts in 4 verschiedenen Locations laden zwischen dem 10.07. und 06.08. zum Besuch. Eric Sardinas, Colosseum, Thorbjörn Risager, Miller Anderson und Paul Jones sind ein paar der herausstechenden Künstler dieses Jahr.

Traditionsgemäss fällt der Startschuss weit oben am Eingang des Val Lavizzara. Das Dorf Brontallo beherbergt die ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammende Sängerin Ty Le Blanc, welche ihren Gospel-Hintergrund in einen Pop-Soul-Mix einfliessen lässt. Den Abend für Le Blanc eröffnen wird die Tessiner Rock & Blues-Coverband The Green Led.

Der Name Eric Sardinas wird Gitarrenfreaks aufhorchen lassen. Der begnadete Stilist hat die Resonator-Gitarre in neue Dimensionen geführt. Am 15.07. wird Sardinas in Cevio auftreten. Opening Act: Das italienische Bad Blues Quartett, welches ihr letztes Album von keinem Geringeren als Mike Zito  produzieren liess.

Ein fester Bestandteil des Vallemaggia Magic Blues ist jeweils die European Blues Night. Dieses Jahr führt die musikalische Reise nach Frankreich (die Gruppe Charb-On), nach Italien (Sacromud) und in den Raum Zürich: Die Eve Gallagher Band, Siegerformation der Swiss Blues Challenge 2025 und Finalistin bei der European Blues Challenge 2026, präsentiert ihr spannendes Blues/Soul/Funk-Elixir.

Ein Veteran der britischen Bluesrock-Bewegung gibt sich in Maggia Ronchini die Ehre: Miller Anderson war einst Mitglied der Keef Hartley Band, mit der er 1969 am legendären Woodstock Festival auftrat. Des Weiteren spielte der schottische Gitarrist mit u.a. Kim Simmonds, Stan Webb, Donovan, Spencer Davis, Roger Chapman, Jon Lord und Maggie Bell. Seinen Abend anheizen wird Paolo Bonfanti aus Italien.

Und gleich eine nächste UK-Legende folgt tags darauf: Colosseum um Chris Farlowe, Clem Clempson und Mark Clark wollen versuchen, ihren beeindruckenden Auftritt von 2023 noch zu toppen. Special Guests dieses Mal: die Schweizer Basement Saints.

Auch Thorbjörn Risager & The Black Tornado waren 2023 unterwegs, einen spektakulären Gig abzuliefern. Der Wettergott jedoch liess es wie aus Kübeln schütten – das Konzert musste abgebrochen werden. Neues Spiel, neues Glück – das brillante dänische Oktett ist zurück für hoffentlich einen ganzen Set. Opener: The Gamblers aus Italien.

Und weiter geht es mit britischen Legenden: Paul Jones und John Etheridge geben sich die Ehre. Paul Jones – Sänger, Mundharmonika-Meister, Schauspieler sowie Radio- und Fernsehpräsentator – wurde bekannt als der Mann, der Brian Jones und Keith Richards einen Korb gab, als diese ihn als Sänger für jene Band wollten, welche schliesslich zu den Rolling Stones wurde. Dies wurmte Jones nie, da er mit Manfred Mann, The Blues Band, als gefragter Guest Star quer durch alle Stile sowie auf der Leinwand eine faszinierende Karriere durchleben durfte. John Etheridge bewies seine Saitenkünste von Jazz und Blues über klassische bis zur zeitgenössischen Musik. Bekannt wurde er mit den Bands Warhorse, Wolf und Soft Machine sowie mit Stéphane Grapelli und Nigel Kennedy. Die Tessiner Delta Groove Band eröffnet jenen Abend.

Eine veritable Swiss Night steht am 05.08. auf dem Programm. Larissa Baumann, stolze Trägerin eines Swiss Blues Awards, und ihre hochklassige Band um den Keyboarder Angelo Signore wird für eine Soul-triefende Stimmung sorgen. Die Nordwestschweizer Truppe Take The 55 mit ihrem klassischen Rhythm’n’Blues passt da ideal dazu.

Das Vallemaggia Magic Blues Festival endet mit Eric Steckel aus den vereinigten Staaten und der Lausanner Gruppe Sideburn, welche tief in die Trickkiste des krachenden Rock greifen werden.

www.magicblues.ch

 

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11Jul
Sa 11 Jul, 2026
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Bluedög @Openair Bühler

11Jul
Sa 11 Jul, 2026
00:00h
Circle of Mud @Openair Bühler

11Jul
Sa 11 Jul, 2026
00:00h
Larissa Baumann @Openair Bühler

11Jul
Sa 11 Jul, 2026
00:00h
The Zac Schulze Gang @Openair Bühler

11Jul
Sa 11 Jul, 2026
00:00h
Travellin' Blue @Openair Bühler

11Jul
Sa 11 Jul, 2026
00:00h
Vallemaggia Magic Blues

11Jul
11Jul
Sa 11 Jul, 2026
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Jones And The Crew @Davos Sounds Good

11Jul
Sa 11 Jul, 2026
21:00h
Jones And The Crew @Davos Sounds Good

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