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26. Jus’ Blues Music Awards 2026, Biloxi, Mississippi

Das IP Casino Resort Spa in Biloxi, Mississippi, war vom 30. Juli bis 1. August dieses Jahres Schauplatz der 26. Jus’ Blues Music Awards & Conference.

Im Gegensatz zu vielen anderen Blues Award-Verleihungen weltweit ist es der Non-Profit Organisation Jus’ Blues Foundation ein Anliegen, mit ihren Auszeichnungen speziell die Afro-amerikanischen Schöpfer im Blues & Roots Music-Bereich zu würdigen. Umrahmt von Dinners, Live-Auftritten, Ausstellungen und Konferenzen rund um den Blues wurden dieses Jahr an der von Host Tyrone Davis geleiteten Awardshow14 Persönlichkeiten geehrt.

Zum ersten Mal wurde heuer ein Sideman Award verliehen, um für einmal jene Musiker ins Rampenlicht zu stellen, die hart daran arbeiten, den jeweiligen Star gut aussehen zu lassen. Diese Auszeichnung wird nun in Zukunft nach seinem ersten Träger «Benny Turner Award» benannt. Benny (Jahrgang 1939) war lange Jahre Bassist und musikalischer Leiter bei seinem viel zu früh verstorbenen Halbbruder, dem legendären Freddie King. Später übte Benny diese Funktion bei Mighty Joe Young und bei Marva Wright aus, bevor er schliesslich seine Solo-Karriere startete. Benny Turner’s faszinierendes Leben lässt sich übrigens hautnah nachverfolgen anhand seiner 2017 erschienen Autobiografie «Survivor: The Benny Turner Story».

Unter den weiteren Preisträgern finden sich die Sängerin Queen Iretta Sanders, der Gitarrist, Harmonicaspieler und Sänger Harrell Davenport, die Sängerin J’Cenae Williams, der Sänger Jaye Hammer, die Sängerin Mzz Reese, der Gitarrist und Arrangeur Rico McFarland, die Radiomacherin Tracy Bethea, der Musiker, Komponist, Arrangeur und Produzent Mose Stovall, der Multi-Instrumentalist Singa B, der Direktor und Geschäftsführer des B.B. King Museums Robert Terrell, der Gitarrist und Sänger Memphis Gold, der Keyboarder Roosevelt Purifoy und der Gitarrist und Sänger Jamiah Rogers.

www.jusblues.org

GA-20 with Charlie Musselwhite - Blues Now

Chicago Blues Never Dies! Das Trio GA-20 – dieses junge, erdige Kraftpaket aus Boston, Massachusetts, welches sich mit Haut und Haar dem Windy City Sound der 50er und 60er Jahre verschrieben hat – trifft hier auf einen Künstler, der sich genau zu jener Zeit seine Sporen in der Blues-Szene am Ufer des Lake Michigan abzuverdienen begann. Charlie Musselwhite aus Mississippi hatte damals via Memphis nach Chicago gefunden, wo er seine Bluesharp-Fähigkeiten stählte und 1968 im Alter von 24 Jahren «Stand Back!» einspielte. In der Art jenes aufsehenerregenden Debutalbums – aber fern jeglicher Nostalgie – gehen Charlie, Mat Stubbs, Cody Nilsen und Josh Kiggans auf «Blues Now» vor. Die Chemie stimmt vom ersten Ton an, hier haben vier gewiefte Autoritäten des Deep Blues enorm Spass an der Sache.

Vom Sound her genial eingefangen hat Produzent Matt Stubbs diesen ausserordentlichen Blues Summit im Rare Signals Studio in Cambridge, USA. Die neun Klassiker von Willie Dixon, Junior Wells, Jimmy Reed, Eddie «Playboy» Taylor, Elmore James, J.T. Brown und Konsorten plus Charlie Musselwhite’s absolutes Paradestück – das unverwüstliche «Christo Redemptor», hier mit einer gefühlvollen Lap Steel von Cody Nilsen unterlegt – strotzen vor Energie, Emotion und Authentizität. Viel zu schnell sind die gut 36 Minuten Spielzeit – immerhin LP-Länge – vorbei. Chicago Blues Is Alive & Kickin’!

Matthew Stubbs (g), Cody Nilsen (voc, g, lap steel), Josh Kiggans (dr) plus Charlie Musselwhite (voc, harm)

(CD, Vinyl, DL, New West Records)

Mike Wheeler Band - Chicago Blues

Mike Wheeler ist pure Chicago! Geboren anno 1961 und aufgewachsen in der Windy City, orientierte sich der junge Mike an der R’n’B-, Soul- und Blues-Plattensammlung seiner Mutter, bevor er schon bald selbst zur Gitarre griff. In die Lehre ging er beim Pianisten Lovie Lee, über die Jahre war Mike’s Gitarrenspiel gefragt bei Nellie Tiger Travis, Peaches Staten, Koko Taylor, Willie Kent, Buddy Guy, Jimmy Johnson u.v.m. 2001 schliesslich war die Zeit reif für die Gründung der Mike Wheeler Band.

«Chicago Blues» nun ist eine auf Vinyl und Download erscheinende Compilation. Das Material dazu stammt von seinen beiden Alben für Delmark Records: 3 Songs von der CD «Self Made Man» (2012) und 4 Nummern von «Turn Up!» (2016). Dazu gesellt sich mit Percy Mayfield’s «Serves Me Right To Suffer» eine 2024 nur digital veröffentlichte Live-Aufnahmen von einem Konzert im Musik-Club SPACE in Evanston.

Mike Wheeler zählt zur Nachfolge-Generation der Gitarristen um Otis Rush, Buddy Guy und Magic Sam, welche damals den noch stark auf seine Mississippi-Herkunft basierenden Sound der Chicago Blues-Grossmeister um Muddy Waters und Howlin’ Wolf aufgriffen und urban modernisierten. Wheeler & Co gingen noch einen Schritt weiter und hatten ein offenes Ohr für neueste Soul, Funk und Jazz-Strömungen, die sich in der Art des Gesangs und des Gitarrenspiels deutlich niederschlugen. Die Kompositionen «Turn Up!» und «Yeah!» von Mike Wheeler oder «Here I Am» von Drummer Cleo Cole sind Paradebeispiele für den Chicago Blues des 21. Jahrhunderts, wie er noch jede Nacht in den Clubs der Stadt zu hören ist: immer noch stark der Tradition verhaftet, jedoch die Intensität und die Themen des Grossstadt-Lebens direkt widerspiegelnd.

Mike Wheeler (voc, g), Larry Williams (voc, b), Brian James (keys), Cleo Cole (dr) plus Dave Specter (g), Roosevelt Purifoy (keys), Omar Coleman (harm)

(Vinyl, DL, www.delmark.com)

Brad «Guitar» Wilson - Boundless

«Boundless» – Grenzenlos nennt Brad «Guitar» Wilson das Nachfolge-Album seiner 2025er Erfolgsscheibe «The Californian». Und das trifft den Nagel auf den Kopf – die Bandbreite ist grenzenlos. Stolze 16 Songs birgt das zum Teil in Brüssel, zum Teil in Hollywood eingespielte Werk. Diese umfassen sowohl Blues-Evergreens und Pop-Gassenhauer, als auch interessante Eigenkompositionen verschiedenster stilistischer Couleur. Damit verströmt «Boundless» eine charmante Jukebox-Stimmung. Was die Sache zusammenhält, sind Wilson’s melodiöse, stets songdienliche Gitarre und sein gefühlvoller Gesang.

Zur Blues-Ecke zählt z.B. der Opener, B.B. King’s Crossover-Hit von 1969 «The Thrill Is Gone», welcher hier einen besonderen Touch bekommt, da Brad auf einer originalen B.B.-Lucille-Gitarre spielt. Die Pop-Ebene betritt Wilson mit dem Tears For Fears-Chartstürmer «Everybody Wants To Rule The World» – hier soulig/bluesig angehaucht interpretiert – der öfters Eingang in sein Live-Programm findet.

«Gonna Stay Or Go» und «Living Underground» aus Wilson’s eigener Feder besitzen klangmässig einen fast schon britischen 60er Jahre-Flair, wobei die besinnlichen Lyrics des Letzteren laut dem Gitarristen unter dem Eindruck des Ukraine-Krieges entstanden sein soll. Sein «Let’s Dance Tonight» kommt aus dem Rockabilly-Winkel, «Wild And Free With Rooster» mahnt an die guten, alten Lynyrd Skynyrd-Zeiten, «Home» mit seiner akustischen Gitarre tendiert in Richtung Folkrock, «Time Was» ist Easy Listening, «San Francisco Nights» hat einen soulig-jazzigen Unterton und «Sky Full Of Rain» gehört in die Kategorie der Herzschmerz-Balladen.   

Brad Wilson (voc, g), Toto Poznantek, Chris Ross, Adam Gust (dr), Chris Rhyne, Luca Catalfamo, Frankie Vriens (keys), Hal Cragin, Brian Beal, Fabrizo Erba (b), Francis Buckley (synth-b, perc, prod), Paulina Campos, Valerie Chanelle (b-voc)

(CD, DL, www.bradwilsonlive.com)

Albert Castiglia - Grits & Glory

Albert Castiglia, Gitarrist mit italienischen und kubanischen Wurzeln und aufgewachsen in Florida, hat sein Handwerk u.a. in der Band von Junior Wells gelernt. Doch seine Liebe zur Gitarre begann schon viel früher: Castiglia begeisterte sich in jungen Jahren für die Beatles sowie die britischen Gitarren-Meister Beck, Page, Clapton und Iommi.  Nun schliesst sich ein Kreis für ihn, denn für Grits & Glory hat sich Albert zusammen mit seiner durch unzählige Gigs gestählten Road Band für die Aufnahmen in das altehrwürdigen Abbey Road Studios in London begeben.

Castiglia’s Musik fusst stilmässig auf differenziertem Bluesrock, welcher getragen wird von seiner quirligen Gitarrenarbeit, von feinem eigenen Songwriting sowie vom bewundernswerten Flair, sorgfältig ausgewählten Fremdkompositionen Neues abgewinnen zu können. Letzteres gelingt ihm hier auf hervorragende Weise mit Mongo Santamaria’s «Afro Blue», dem Albert King-Schmankerl «Don’t Burn Down The Bridge» und mit dem Lennon-McCartney-Kracher «Yer Blues».

Das eigene Material setzt sich mehrheitlich mit gewissen bedenkenswerten Situationen und Tendenzen in seinem Heimatland USA auseinander. Deutlich macht Castiglia seine Gedanken in den prägnant formulierten Lyrics von Songs wie «In My America», «The Milk Is Still Good» oder «Slumlord Billionaire». Grits & Glory schafft den Spagat, kraftvolle, auf den Punkt gespielte Musik mit einer Message zu verknüpfen und gleichzeitig beste Unterhaltung zu gewährleisten.

Albert Castiglia (g, voc), Cliff Moore (b), Ray Hangen (dr), Lewis Stephens (keys), Dave Gross (g, keys, perc, b-voc), Bruce Bears (keys), Deborah Michaels (b-voc)

(CD, Vinly, DL, www.gulfcoastrecords.net)

Bywater Call - Broken Souvenirs

Der amerikanische Süden reicht offensichtlich hinauf bis nach Toronto. Das kanadische Septett Bywater Call, welches nach Georgia Southern Rock, nach Memphis Soul, nach New Orleans Rhythm’n’Funk, nach Texas Roadhouse Blues, gar nach Tennessee Whiskey klingt und sich zu einem der aufregendsten Live-Acts der Szene gemausert hat, liefert mit «Broken Souvenirs» ein schlicht brillantes Studioalbum ab.

Die stilistische Vielfalt und Offenheit von Bywater Call ähnelt jener der Tedeschi Trucks Band, auch die Bandstruktur geht in die gleiche Richtung: Im Zentrum stehen sich mit Meghan Parnell und Dave Barnes ein Vokal-Kraftpaket und ein Gitarrist gegenüber, welche die Truppe musikalisch und optisch anführen, ihren Mitmusikern jedoch Raum zur Entfaltung gewähren – so auch ihrem fix integrierten Bläsersatz, der an die grossen Zeiten der Bands Chicago oder Blood, Sweat & Tears erinnert.   

Die Kompositionen des Duos Parnell/Barnes bewegen sich in der Tradition gewiefter Songwriter wie etwa Leon Russell, Robbie Robertson oder Lowell George. Die Arrangements sind griffig, nie überladen oder ausufernd – ja, der eine oder andere Song dürfte durchaus auch länger sein – die Grooves rollen süffig, die Soli sind geschmackvoll, und die Chorgesänge besitzen Gospel-Qualität.

2025 wurden Bywater Call für einen UK Blues Award als Best International Artist Of The Year vorgeschlagen, auch im Rockpalast des WDR sind sie schon aufgetreten. Und nimmt man dieses Album zum Massstab, dürfte die Reise nach ganz oben rasant weitergehen. Von Bywater Call wird man mit Sicherheit noch einiges hören!

Meghan Parnell (voc), Dave Barnes (g), Stephen Dyte (tp, tb), Bruce McCarthy (dr, perc), Mike Meusel (b), Julian Nalli (sax), Andrew Moljgun (keys), John Kervin (keys, bjo) plus Jeff Heisholt (keys) plus backing voc, horns & strings

(CD, Vinyl, DL, www.bywatercall.com) 

Bellinzona Blues Festival 24./25.07.2026

Wie ein Damoklesschwert hingen zum Schluss drohende Gewitterzellen über der Stadt Bellinzona. Doch Petrus hatte ein Einsehen mit der Blues Community und öffnete die Schleusen erst buchstäblich mit dem letzten Ton der letzten Zugabe einer durchs Band weg überzeugenden Veranstaltung – dafür goss es dann aber richtig!

Der Nachfolge-Event des legendären Piazza Blues Festivals hat seine Feuertaufe – nach dem letztjährigen Re-Launch – nun mit Bravour bestanden. Hand in Hand mit der hervorragenden Organisation ging die brillante Arbeit der Soundcrew, welches den acht Acts ermöglichte, musikalisch aus dem Vollen zu schöpfen und damit dem zahlreich aufmarschierten Publikum bestes Ohrenfutter zu bieten. Zwei Tage lang stand die Piazza Governo im Zeichen hochklassiger internationaler Blues’n’Roots Music.

Für den Start sorgten zwei italienische Formationen, die verschiedener kaum sein konnten. Während Lovesick um Paolo Roberto Pianezza (voc, g, lap steel) und Francesca Alinovi (voc, upright-b) mit einem clever aufgesetzten, eigenständigen Approach von Western Swing, Rockabilly, Country, Folk und Rock’n’Roll glänzten, gab sich Stephanie «Ocean» Ghizzoni dem tiefen amerikanischen Süden hin und interpretierte Louisiana-Perlen von den Meters bis Dr. John. Auch durfte ein atmosphärisches «The House Of The Rising Sun» in ihrer Darbietung nicht fehlen.

Den Vorschusslorbeeren gerecht wurde Carolyn Wonderland. Ausdrucksstark an Stimme, Slidegitarre und Gitarre offenbarte die Alligator Records Artistin mit ihrem dynamischen Set die ganze Bandbreite des Texas Roadhouse Blues. Und es sollte noch mehr kommen: Den Energie-Level zu übernehmen und weiterzutragen – dies verstand mit den Cinelli Brothers eine der führenden europäischen Live-Truppen der Gegenwart. Rock, Soul und Blues vereinigten sich in der Musik von Marco und Alessandro Cinelli sowie ihren Mitstreitern Tom Julian-Jones und Jorma Gasperi zu einem organischen und mitreissenden Ganzen. Eindrücklich ihr mehrstimmiger Gesang, faszinierend ihr Beherrschen verschiedenster Instrumente. Als Sahnehäubchen baten die Cinellis die Lokalmatadoren Federico Albertoni und Mad Mantello von der Tessiner Band Freddie & The Cannonballs auf die Bühne, um das gemeinsam geschriebene und aufgenommene «Dancing Shoes» zu intonieren.

Mit lokalen Grössen startete auch der Samstag. Unter der Leitung des Bassisten Daniel Mancullo beeindruckte eine veritable Tessiner «Supergroup» namens Joe Dallas & The Monks. Mit vier Bläsern und zwei Chorsängerinnen zusätzlich zur Core-Band intonierte die Monks einen brillant arrangierten funky Soul-Sound, der sich an Vorbildern wie etwa der Average White Band oder Tower Of Power anlehnte. Erwähnenswert dabei die variable Stimme und die erfrischende Bühnenpräsenz von Sänger Greg Fontana.

Gleich zwei Ladies mit unter die Haut gehenden Stimmen gaben sich anschliessend die (Bühnen)-Klinke in die Hand. Kyla Brox und Justina Lee Brown wissen beide ihre Emotionen auf bestechende Art gesanglich auszuleben. Während sich Kyla in ihrer Musik stark auf ihre Wurzeln im britischen Blues stützte – sie wuchs in der Band ihres Vaters, der Brit-Blues-Legende Victor Brox auf – mischte Justina ihrem Funk und Soul eine gehörige Portion an Rhythmen und Melodien ihrer Heimat Nigeria bei und schlug mit ihrer emotionalen Bühnenshow die voll besetzte Piazza Governo in ihren Bann.

Dem Bluesrock-Gitarrist Henrik Freischlader aus Deutschland war es schliesslich vergönnt, den würdigen Schlusspunkt unter die Festival-Ausgabe 2026 zu setzen. Freischlader’s stupende Behandlung der sechs Saiten, welche sich an jene von Roy Buchanan und Gary Moore anlehnt, schaffte es offensichtlich, die eingangs erwähnten Gewitterwolken lange genug zurückzuhalten!

www.bellinzonablues.com

 

Peter Parcek - Most Of The Time

Vergleiche sind jeweils spannend. Besonders wenn sie von einem Meister des Fachs kommen. So soll jedenfalls kein Geringerer als Buddy Guy zu Peter Parcek gesagt haben: «You’re as bad as Eric Clapton – and I know Eric Clapton!» Nun, Peter Parcek weiss tatsächlich mit einer Gitarre umzugehen. Und den Blues hat er von Grund auf kennen gelernt. Hubert Sumlin und Pinetop Pekins waren seine Mentoren, und auch bei Muddy Waters, Albert Collins und den Briten Peter Green und Jeff Beck hat der Mann aus Boston, Massachusetts, genau hingehört.

Sein letztes Album «Mississippi Suitcase» erhielt 2021 von der Blues Foundation eine Nomination als Best Blues Rock Album Of The Year. Und bei den Independent Blues Awards in jenem Jahr tauchte Parcek’s Name gleich drei Mal auf. Sein neues Werk «Most Of The Time» ist jetzt nur die weitere logische Entwicklung in der Erfolgsgeschichte eines interessanten Künstlers.

Parcek kombiniert hier sieben griffige Eigenkompositionen mit acht clever ausgewählten Covers von Mose Allison, Bob Dylan, John Hiatt, Elmore James, Fred McDowell, Bill Withers, Jessie Mae Hemphill und Freddie King. Und diese weiss er durchwegs hervorragend auf seine Bedürfnisse zuzuschneiden. Allen Songs charakteristisch ist die Freiheit, die er seinen Solo-Ausflügen gewährt – von der Länge her, von der Dynamik her, von der Experimentierlust her, von der stilistischen Herangehensweise her. Peter Parcek nennt die Art seines Spiels «Soul Guitar». Darin findet sich neben traditionellen Down Home Blues-Ansätzen viel Raum für jazzige Ausflüge, rockige Riffs und sphärische Klänge. Kurz: Sein «Most Of The Time» reiht sich locker unter die bemerkenswertesten Gitarren-Alben des laufenden Jahres ein – und gefällt ausserdem mit seiner Spieldauer von gut 78 Minuten!

Peter Parcek (g, voc), Tim Carman (dr, perc), Duke Robillard (g), Kevin Barry (lap steel, ac-g), Luther Dickinson (g), Mickey Raphael (harm), Marco Giovino (dr, perc), Dominic John Davis (e-b, ac-b), Mark Hickox (e-b), Tom West (b-3, rhodes), Mark Earley (horns, horns arr), Danielle Miraglia (voc), Marcos Anthero Silva (harm), Steve Scully (dr, loops), Daniel Kellar (v)

(CD, DL, www.peterparcekband.com)

 

Doug Duffey - Souvenirs

Viel mehr als nur irgendwelche «Souvenirs» blitzen bei Doug Duffey’s neuem Album auf. Denn in den neun von Duffey solo oder zusammen mit Gitarrist Dan Sumner geschriebenen Songs stecken auch die Erfahrung, das Wissen und die Seele verschiedenartigster, amerikanischer Musik drin.

Ausgehend von den Louisiana-Wurzeln der Band mäandert besagte Musik durch Funk-, Memphis Soul-, Delta Blues- und Folk-Territorien. Und natürlich findet sich auch ein Plätzchen für eine gefühlvolle Piano-Ballade wie «Delta Melody». Doug Duffey & Badd sind eine Truppe gestandener Routiniers, die es versteht, ihren Songs allgemein – ohne ständig auf die Tube drücken zu müssen – Energie, Druck und eine knisternde Atmosphäre zu verleihen. Die Band swingt und groovt mit der Ruhe und Präzision eines Pendels, die Soli besitzen Stil und Klasse, die Arrangements sind rund und kompakt gehalten, und Duffey bringt seine überdurchschnittlichen Lyrics mit viel Charme rüber. Die Beiträge einer Reihe von musikalischen Gäste (Bläser, Mandoline, Akkordeon, Chorgesang) setzen diesem feinen, abwechslungsreichen Album zudem ein passendes Sahnehäubchen auf. Anspieltipps: Der subtile Soulblues «Broken Heart And Empty Hand» und das einen Hauch John Lee Hooker-Stimmung verbreitende «Axe Jes Rite».

Doug Duffey (voc, keys), Dan Sumner (g, b, voc, perc), Adam Ryland (dr, perc), Ben Ford (b) plus Betsy Shirley & Naomi Holder (voc), The Sweet-N-Lo-Sistas (voc), Matt Morgan (mand), Mason Howard (acc), Bob Dowell (tb), Bert Windham (tp), Coby Heath (tp), Nate Johnson (sax), Wes Rougeou (sous)

(CD,  DL, www.dougduffeyandbadd.com)  

The Anthony Paule Soul Orchestra feat. Willy Jordan - What Can We Do?

Wenn Bandleader Anthony Paule aus der Bay Area etwas anpackt, hat es Stil und Klasse. Er und seine routinierte Truppe, das Soul Orchestra, verstehen es auf faszinierende Weise, auf «What Can We Do?» die Essenz einer vergangenen Epoche zu verinnerlichen und zeitgemäss frisch und knackig aufleben zu lassen. Soul Music ist das Zauberwort hier: Der Sound, der sich in den 1950er Jahren langsam aus dem Rhythm’n’Blues herausgeschält hat, um in den beiden nachfolgenden Jahrzehnten ihren Höhepunkt zu erreichen.

Christine Vitale, Larry Batiste und Anthony Paule, da und dort unter der Mithilfe von Willy Jordan, ist es gelungen, Stimmung, Groove, Charme, Biss und Romantik von Stax, Hi!, Motown oder Muscle Shoals zu büscheln und in einem Dutzend an prägnanten Eigenkompositionen auszudrücken. Hochinteressant zu erleben, wieviel Interessantes in einem Genre, welches seinen Höhepunkt vor einigen Jahrzehnten hatte, heute noch steckt, resp. möglich ist. Willy Jordan mit seiner emotionsgetränkten Stimme lässt Erinnerungen an manch einen der legendären Soul-Sängern der 60er und 70er Jahre aufblitzen. Das12-köpfige Ensemble swingt wie ein Uhrwerk durch die attraktiv mit Horns und Backing Vocals aufgesetzten Arrangements. Und Bandleader Anthony Paule hält gekonnt, aber unauffällig die Fäden in der Hand. Seine Soli sind kurz, geschmackvoll und songdienlich. Seine grosse Stunde an den sechs Saiten schliesslich schlägt im Instrumental «Bigger Guitar».

Anthony Paule (g), WillyJordan (voc, perc), Larry Batiste (voc), Tony Lufrano (keys), Timm Walker (b), Endre Tarczy (b), Bowen Brown (dr), Kevin Hayes (dr), Derek James (tb), Ethan Pires (tp), Charles McNeal (sax), Johnnie Bamont (sax), Rob Sudduth (sax), Jon Otis (perc), The Sons Of The Soul Revivers (b-voc), Omega Rae & Nona Brown (b-voc)

(CD, Vinyl, DL, www.nolabluerecords.com)

Blues To Bop Festival Lugano 17./18.07.2026

Drei Bühnen mitten in der Luganeser Altstadt mit einem grossen Aufgebot an spannenden Künstlern, der freie Eintritt und das hervorragende Sommerwetter machten das Blues To Bop Festival zu einem der Höhepunkte dieser Saison.

Nach einigen Experimenten in den letzten Jahren in Sachen Locations und Struktur hat sich die Stadt Lugano, welche für den Event verantwortlich zeichnet, heuer auf das Bewährte konzentriert. Und dies hiess: Talentierte, musikalisch hungrige Talente aller Roots-Schattierungen wieder hautnah für das Publikum auf den Plätzen der Stadt zu inszenieren. Während anderswo der Blues immer Rock-lastiger präsentiert wird, gibt sich Blues To Bop differenzierter. Die Hauptacts Thornetta Davis und Guy King tendierten mit ihren Bands in Richtung Soul, resp. Jazz. Jack Broadbent und Ghalia Volt führten viel Inspiration aus Mississippi im Gepäck, bei The Fat Six war es Rock’n’Roll, bei Jack In The Box Traditional Jazz, und die ghanaische Sängerin Wiyaala zeigte auf, wo die afrikanischen Wurzeln des Blues liegen.

Der Swiss Blues Award-Träger Walter Baumgartner überzeugte am Freitagabend sowohl mit seiner Blues Box, wie auch tags darauf im Duo mit Hannes Kasehs mit Deep Blues. The Delta Magpie, seines Zeichens mit dem Newcomer Award der Swiss Blues Society ausgezeichnet, nahm seine Zuhörer mit auf einen Trip durch Ragtime, Folk Blues und Old Timey Music. Die Gewinnerin der European Blues Challenge dieses Frühjahr, Alice Armstrong, hielt mit ihrem Quartett das Fähnlein des kraftvollen British Blues hoch, während der neue Shooting Star der New England-Szene, Delanie Pickering (obiges Bild) ihr Publikum mit differenziertem Chicago Blues begeisterte, und die erdig abrockenden Piper & The Hard Times aus Nashville ihrem Ruf als Gewinner der International Blues Challenge 2024 vollauf gerecht wurden.

www.longlake.ch

 

Chris O’Leary - Blue Collar

Chris O’Leary mag es bodenständig. Nicht von ungefähr steht «Blue Collar» als Titel für sein neues Album. Der Ex-Marine erzählt Geschichten und Vorkommnisse aus dem täglichen Leben und unterlegt diese mit ehrlicher, handgemachter Musik. Diese widerspiegelt, was O’Leary um die Jahrtausendwende als Frontman der Barnburners – der stilistisch breit aufgestellten Formation des ex-Drummers von The Band Levon Helm – alles aufgesogen hat und nun eigenständig umsetzt: Texas Roadhouse Blues («Bad Decisions», «Daddy Was A Wolfman»), Southern Soul («Am I The Only Fool?»), handfester Rock’n’Roll («One More Cup Of Coffee», «Live Baby Gators»), Chicago Blues à la Muddy  Waters («Nothing But A Memory»), swingender Jump Blues («Justice Must Be Blind»), Swamp Blues («After 2 AM»), New Orleans Second Line-Rhythmen («One Way Street») und cooler After Hours-Blues («How I’d Ever Get Along»).

Zur Vielfalt tragen zwar pointiert eingesetzte Horns und Backing Vocals sowie eine illustre Schar von Gästen bei – allen voran Gitarren-Maestro Bob Margolin, Label-Kollege Lil’ Ed Williams und Cajun-Legende Wayne Toups mit seinem Akkordeon – doch Herr im Hause ist und bleibt Chris O’Leary mit seiner ausdrucksstarken Stimme und seiner satten, von James Cotton inspirierten Amplified Harmonica. Definitiv eine runde Sache!

Chris  O’Leary (voc, harm), Pat O’Shea (g), Shiela Klinefelter (b, voc), Chuck Cotton (dr, voc) plus Wayne Toups (acc), Andy  Huenerberg, Mike Law, Rodrigo Mantovani (b), Mike Bram (dr), Dan Vitarello (dr, voc), Greg Gumpel, Bob Margolin, Lil’ Ed Williams (g), Chris Vitarello (g, voc), Bronson Hoover (keys), Jesse O’Brien (p), Shane Kirsch, Chris DiFrancesco, Andy Stahl, Ron Knittle (sax), Luke Kirley (tu, tb), Libby Cabello (voc)

(CD, Vinyl, DL, www.alligator.com)  

Harrell Davenport - Young Rell

Und hier ist es: Das Debutalbum eines 19-Jährigen, der seit seinem Auftauchen die Blueswelt in helle Aufregung versetzen konnte. Und Harrell „Young Rell“ Davenport aus Vicksburg, Mississippi, liefert! Der so sympathische wie begnadete Youngster bestätigt bravourös die hohen, in ihn gesetzten Erwartungen. Mit einer für sein Alter unglaublichen Reife und Tiefe punkto Songwriting, Gesang, Harmonica und Gitarrenspiel setzt Harrell Davenport ein sattes Ausrufezeichen.

Das Debut des Youngsters gibt sich erfreulich traditionell und wurzelt stark im Chicago-Blues eines Otis Rush, Magic Sam oder Junior Wells, ohne jedoch im Geringsten altbacken zu wirken oder gar nach Copy/Paste zu riechen. Harrell weiss genau, was er macht. Zudem: sein Talent und Feeling for the Blues wird gekonnt in die richtigen Bahnen gelenkt von seinem Mentor Billy Branch, von seinem Manager und Produzenten Matthew Skoller, und vom Gitarristen und Co-Produzenten Kid Andersen, in dessen Greaseland Studios das Album aufgenommen wurde. Dass dazu die Künstler-bezogene Philosophie von Jim Pugh’s Little Village Label die ideale Plattform für Young Rell bietet, versteht sich von selbst.

Von den 12 Songs, die alle ein veritables Live-Feeling versprühen, stammen deren 10 aus der Feder von Davenport. Herausragend etwa das autobiografische „Fatherless Child“, die beiden mit augenzwinkerndem Humor unterlegten „Tomorrow“, respektive „I’ll Keep It Hot For You“ sowie die beiden Instrumentals: „Richland Swing“ swingt – nomen est omen – ganz gehörig à la 1950er Jahre und in „Nite Creepin‘“ lässt Young Rell mit seinen Harmonica-Ausflügen Erinnerungen an den unvergessenen James Cotton aufkommen. Abwechslung in die Sache bringt ausserdem die feine Southern Soul-Nummer „Spinning“. Während der Youngster bei Fenton Robinson’s Klassiker „I Hear Some Blues Downstairs“ weitgehend dem Original treu bleibt, interpretiert er Bob Dylan’s Protestsong „Masters Of War“ als krispen Chicago Shuffle.

Das renommierte Living Blues Magazin hat schon vor einiger Zeit unumwunden verkündet: «This Kid is the REAL DEAL»! Nach dem Genuss dieses Albums schliessen wir uns dem ohne Zögern an. The Blues is alive and kickin’!

Harrell Davenport (voc, g, harm), Jim Pugh (org, p), Kid Andersen (g), Daquantae Johnson (b), Endre Tarczy (b), June Core (dr), Aaron Lington (sax), Niel Levonius (tp), Larry Batiste (b-voc, horns arr)

(CD, DL, Vinyl, www.littlevillagefoundation.com)

Ryan «Bluwrath» Newman - Wrath Of Blues

Eine neue, kesse Generation besinnt sich der Rolling Stones, B.B. King, Bob Dylan, Albert King, Mose Allison, Earl King, Aretha Franklin, Jimi  Hendrix, Jeff Beck, Stevie Ray Vaughan und Konsorten und bemächtigt sich unmissverständlich und unkompliziert derer Vorgaben. Zu diesen jungen, selbst deklarierten «Zornigen» zählt Ryan «Bluwrath» Newman aus Connecticut. Der flinkfingrige Gitarrist nähert sich seinen Idolen mit einer wohltuenden Unbeschwertheit, die Spass macht. Seine Interpretationen von Blues-, Rock- und gar Reggae-Evergreens klingen erfrischend, obwohl er meist nahe am Original bleibt.  

Eine zügige Version des Robert Johnson/Elmore James-Klassikers «Dust My Broom» startet den Reigen. Auch einem «Texas Flood», «The Thrill Is Gone», «Oh,  Pretty Woman», «Get Up Stand Up», «Miss You» oder «Highway 61 Revisited» vermag der Gitarrist durchaus etwas abzugewinnen. Arrangement-Tricks wie Horns, Strings, Gastsänger/innen und Chöre halten die Spannung hoch, während Newman’s Stärke unzweifelhaft in seiner stupenden Spieltechnik liegt, die er in reichem Masse auszuleben weiss. Sein Debut «Wrath Of Blues» ist ein Statement mit dem Charakter einer veritablen Juke Box. Was Ryan Newman noch fehlt, ist seine eigene musikalische Identität, die er mit persönlichem Songwriting finden muss. Die Voraussetzungen jedenfalls sind gegeben, denn sein selbst verfertigter Slow Blues «Leaving This World Tonight» zeigt genau, wo’s lang geht!

Ryan Newman (g, voc), Vic Washington (keys, voc), Mario  E. Sprouse (keys), Scott Spray (b), Bobby Torello (dr), Tim Leffingwell (b), Tony Lewis (dr), Mitchell Igneri (dr), John Isley (sax), Charlie Lagond  (sax), Artie Bressler (sax), Don Harris (tp, flh), Dave Cafro (tp), Rob Funk  (tb), Patrick Casey (tp), Keith Lafond (sax), John Smayda (sax),  John Grossbard (perc), Ken Florendo (perc), Russell Landis (b, g), Dave Robbins (harm), Arlene Wow (voc), Joan DuQuette (voc), Tenishia Toussaint (voc), Anita Antoinette (voc)

(CD, DL, www.ryanbluwrathnewman.com)

Baums Bluesbenders - Road Back Home

«Die CD ist eine Zeitreise mit verschiedenen Bluesstilen, die uns in unserem Leben begleitet und begeistert haben» schreibt Bandleader Norfried Baum im Begleittext zum neuen Album seiner Blues Benders.

Seit mehr als 30 Jahren sind der Multi-Instrumentalist/Sänger und seine Bandkumpels on the road. Und so sehr sie dies offensichtlich auch genossen haben und immer noch geniessen – davon zeugen der Opener «Online» mit seiner Message «endlich stehen wir nach langer Anreise auf der Bühne und dürfen los legen» und der swingende Party-Song «Till The Night Is Done» – so gross ist jeweils auch die Sehnsucht, wieder nach Hause zu gehen, hier angesprochen im Titelstück «Road Back Home». Ausser diesen Begleiterscheinungen der Landstrasse (dazu können wir ebenfalls den Track «Bluesclub» zählen, der sich mit der Corona-Zeit befasst, als Konzertbesuche nicht mehr möglich waren) besingt Norfried Baum in seinen 11 auf eigener Scholle gewachsenen Songs zudem die verschiedenartigen Freuden und Tücken von Beziehungskisten.

Wie Baum in seinem Zitat erwähnt, geben sich die Blues Benders ein weites stilistisches Korsett. Dazu gehören neben gradlinigem Rock’n’Roll und elektrischem Blues auch Anleihen bei Soul und Cajun Music. Den Louisiana-Flair von Letzterer erreichen die Blues Benders auf clevere Weise, indem sie im Song «Loving You» mit mehreren übereinander gelagerten Harmonicas einen täuschend ähnlichen Akkordeon-Sound erzeugen können. Eine beachtliche Howlin’ Wolf-Stimmung dagegen erzeugt die Band mit dem One-Chord-Vamp «Traffic Jam».

Norfried Baum (voc, g, mand, b, org, harm), Uwe Placke (harm), Jan Laacks (b, p, org, perc, b-voc, sound effects), Francis Holzapfel (dr) plus Simone Altheide (b-voc), Doc Fred Prünte (org), Jimmy Maxwell (upright b), Didi Dietrich (congas)

(CD, www.bluesbenders.de)

 

Groove Now Blues Weeks Basel mit Tribute to Creedence Clearwater Revival

Am 12. Juni 2026 ehrte das zweitletzte Konzert der Blues Weeks Basel eine der ganz grossen Bands der späten 60er- und frühen 70er-Jahre: Creedence Clearwater Revival. Die Band war nur von 1967 bis 1972 aktiv, brachte aber einige grosse Hits hervor, die längst zum festen Kanon des Blues-Rock gehören. Mit dem Song «Suzie Q», einem Song von Dale Hawkins, hatte die Band ihren ersten grossen Hit.

Ihren unverkennbaren Stil nannte man bald ‹Bayou Rock› oder auch ‹Swamp-Rock›. Deshalb, und auch wegen der Texte, verortete man die Band in den Südstaaten der USA, obwohl alle Musiker aus der Bay Area Kaliforniens stammten.

Das zu hören, was in der Jugend den Musikgeschmack mit geprägt hatte, dürfte für einen grossen Teil der Besucher ein Grund für den Besuch des Konzertes gewesen sein. Dieser Gedanke drängte sich beim Blick auf das Durchschnittsalter des Publikums im ausverkauften Antikenmuseum auf. Auch Patrick Kaiser sprach bei seiner Einführung in das Konzert seine entsprechenden Jugenderinnerungen an.

Natürlich war nicht zu erwarten, dass dieses hochkarätige Allstar Projekt versuchen würde, das Original klanglich zu klonen. Es gab ja auch kein Saxophon im Original Lineup. Die Musiker brachten ihre eigene Identität, ihren eigenen Stil in das Projekt ein. Es ging nicht darum, CCR zu kopieren, sondern die Songs der Band durch die eigene musikalische Brille zu interpretieren. Die Vorfreude im Saal war spürbar – und sie wurde nicht enttäuscht..

Mike Zito (g, voc), Albert Castiglia (g, voc), Jimmy Carpenter (sax, voc), Willy Barber (b) und Jimi Bott (dr) betraten ebenfalls gut gelaunt die Bühne. Schon beim ersten Song, «Born on the Bayou», brach im Saal eine Begeisterung los, wie man sie von einem Schweizer Publikum selten erlebt. Während des Konzerts wurde getanzt. Die Setlist hätte problemlos als Best-of-Programm durchgehen können.. Ich erinnere mich an «Down On The Corner»,  «Bad Moon Rising», «Suzie Q», «Green River», «I Heard It Through The Grapevine», «Who’ll Stop The Rain», «Proud Mary», einen zehn Minuten langen «Midnight Special», «Keep On Chooglin’» mit einem knackigen Solo von Jimmi Bot und als Zugabe «Before You Accuse Me».

Die Band spielte, als gehörten die CCR Songs zu ihrem Standardrepetoire. In alle Songs, die man als drei, vier minütige Stücke kennt, wühlten sich die beiden Gitarristen und Jimmy Carpenter tief hinein und füllten sie mit beeindruckenden Soli, sodass sie oft doppelt solang wurden. Mehr als einmal blieb nur ein Wort: grossartig. Mike Zitos Gesang erwies sich als ideale Besetzung für dieses Material, seine Stimme ähnelte der von John Fogerty. Leider ging seine Stimme im Gesamtmix stellenweise etwas unter.

 

 

Sierre Blues Festival 18. – 20.06.2026

Cinelli Brothers

«C’était un festival un peu bizarre cette année!» tönte es aus dem Kreis des Festival-OK. Nicht wegen dem Gebotenen auf der Bühne – dieses war durchwegs stark. Nein, der Grund lag im Stress, den zwei Absagen von gebuchten Künstlern ausgelöst hatten.

Kurz vor Festivalbeginn kam die Nachricht, dass Rag’n’Bone Man seine ganze Frühlingstour abgeblasen hatte. Dem umtriebigen Festival-Präsidenten Silvio Caldelari gelang es jedoch kurzfristig, mit dem dreifachen Grammy-Gewinner Fantastic Negrito einen mehr als valablen Ersatz zu engagieren. Und Negrito hat dann auch geliefert! Schwieriger wurde es mit dem Hauptact von Samstagnacht: D.K. Harrell, einer der angesagtesten Senkrechtstarter im Blues Biz, blieb ungewollt in Louisiana stecken. Während drei Tagen versuchte der Gitarrist auszufliegen, doch wurden seine Flüge wegen Hurrikan-Warnungen ein jedes Mal gecancelt. Glücklicherweise zeigte sich spontan die norwegische Formation «A Spoonful Of Blues», welche schon am Freitag aufgetreten war, bereit, mit einem abgeänderten Set plus anschliessender Jam Session die Lücke zu füllen.

Aus dem abwechslungsreichen Programm stachen einmal mehr die Cinelli Brothers heraus. Blues, Soul und bodenständiger Rootsrock vereinigen sich aufs Allerbeste in der Musik des Quartetts. Nicht nur Originalität, Gefühl und Spielfreude legt die Band in die Waagschale, auch mit einer gehörigen Portion Pfeffer würzen sie jeweils ihren Auftritt. Ebenfalls einen positiven Eindruck erhielt das Walliser Publikum von der spanischen Formation Koko-Jean & The Tonics, welche einen lebendigen Mix aus Retro-Soul und Rock’n’Roll auf die Bühne zauberten und zudem den Harmonica-Virtuosen Victor Puertas als Gast mitbrachten. Neben dem Lokalmatadoren Paul Mac Bonvin, der mit einer veritablen Big Band auffuhr und fast drei Stunden spielte, gefielen zudem die kürzlich zur Siegerin der European Blues Challenge gekürte britische Sängerin Alice Armstrong und die Swiss Blues Challenge Siegerin von 2025, Eve Gallagher, mit ihren jeweiligen Bands.

www.sierreblues.ch

 

Em Bebbi sy Jazz – Freitag, 14.08.2026

Bebby Jazz 2026 Logo

Zum 42. Mal jährt sich eines der weltweitgrössten Gratis-Musikfestivals. Zwischen 70'000 und 100'000 Begeisterte drängen sich jeweils am Freitag nach den Sommerferien in der Basler Altstadt um Jazz, Blues, Soul, Funk, etc. vorwiegend nationaler, aber auch internationaler Provenienz zu erleben.

Auf Plätzen, in Hinterhöfen, in Restaurants, Bars und Kellern präsentieren sich rund 700 Musiker und Musikerinnen in mehr als 90 Formationen auf über 30 Bühnen. Das Focus-Thema dieses Jahr heisst «Big Orchestra» und bringt einige bekannte Schwergewichte in Sachen Big Bands und Big Names. Auch ein gutes Dutzend Street Bands wird mit ihrem Sound die Strassen bevölkern.

Wir wollen aber an dieser Stelle unser Augenmerk auf Blues und Artverwandtes legen. Im Rosshof-Areal werden mit Eve Gallagher und Pascal Geiser zwei ehemalige Swiss Blues Challenge Sieger mit ihren Bands zu geniessen sein. Am gleichen Ort spielen auch die Lokalmatadoren Little Chevy. Im Unternehmen Mitte tritt das Petra Börnerova Trio, beim Leonhardsberg treten Snooks, Groovepack und Sophia & The Tight Groove auf. In der Gerbergasse spielen Frethike, auf dem Peterskirchplatz die Alpine Blues Birds, im Garten des Restaurants Löwenzorn Breiti & The Big Easy Gators, in der Rüdengasse die Gruppe Flagstaff, am Heuberg Bead Clean, am Noodlebärg der Singer/Songwriter Pink Pedrazzi.

Das Gesamtprogramm mit Spielzeiten, einem Übersichtsplan der Spielorte und vielen anderen Details findet sich unter www.embebbisyjazz.ch.  

24. Vallemaggia Magic Blues TI, 10.07. – 06.08.2026

 

 

24. Vallemaggia Magic Blues TI 10.07. 06.08.2026Das Programm des Magic Blues Festivals ist bekannt. 9 Konzertnächte mit 19 Acts in 4 verschiedenen Locations laden zwischen dem 10.07. und 06.08. zum Besuch. Eric Sardinas, Colosseum, Thorbjörn Risager, Miller Anderson und Paul Jones sind ein paar der herausstechenden Künstler dieses Jahr.

Traditionsgemäss fällt der Startschuss weit oben am Eingang des Val Lavizzara. Das Dorf Brontallo beherbergt die ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammende Sängerin Ty Le Blanc, welche ihren Gospel-Hintergrund in einen Pop-Soul-Mix einfliessen lässt. Den Abend für Le Blanc eröffnen wird die Tessiner Rock & Blues-Coverband The Green Led.

Der Name Eric Sardinas wird Gitarrenfreaks aufhorchen lassen. Der begnadete Stilist hat die Resonator-Gitarre in neue Dimensionen geführt. Am 15.07. wird Sardinas in Cevio auftreten. Opening Act: Das italienische Bad Blues Quartett, welches ihr letztes Album von keinem Geringeren als Mike Zito  produzieren liess.

Ein fester Bestandteil des Vallemaggia Magic Blues ist jeweils die European Blues Night. Dieses Jahr führt die musikalische Reise nach Frankreich (die Gruppe Charb-On), nach Italien (Sacromud) und in den Raum Zürich: Die Eve Gallagher Band, Siegerformation der Swiss Blues Challenge 2025 und Finalistin bei der European Blues Challenge 2026, präsentiert ihr spannendes Blues/Soul/Funk-Elixir.

Ein Veteran der britischen Bluesrock-Bewegung gibt sich in Maggia Ronchini die Ehre: Miller Anderson war einst Mitglied der Keef Hartley Band, mit der er 1969 am legendären Woodstock Festival auftrat. Des Weiteren spielte der schottische Gitarrist mit u.a. Kim Simmonds, Stan Webb, Donovan, Spencer Davis, Roger Chapman, Jon Lord und Maggie Bell. Seinen Abend anheizen wird Paolo Bonfanti aus Italien.

Und gleich eine nächste UK-Legende folgt tags darauf: Colosseum um Chris Farlowe, Clem Clempson und Mark Clark wollen versuchen, ihren beeindruckenden Auftritt von 2023 noch zu toppen. Special Guests dieses Mal: die Schweizer Basement Saints.

Auch Thorbjörn Risager & The Black Tornado waren 2023 unterwegs, einen spektakulären Gig abzuliefern. Der Wettergott jedoch liess es wie aus Kübeln schütten – das Konzert musste abgebrochen werden. Neues Spiel, neues Glück – das brillante dänische Oktett ist zurück für hoffentlich einen ganzen Set. Opener: The Gamblers aus Italien.

Und weiter geht es mit britischen Legenden: Paul Jones und John Etheridge geben sich die Ehre. Paul Jones – Sänger, Mundharmonika-Meister, Schauspieler sowie Radio- und Fernsehpräsentator – wurde bekannt als der Mann, der Brian Jones und Keith Richards einen Korb gab, als diese ihn als Sänger für jene Band wollten, welche schliesslich zu den Rolling Stones wurde. Dies wurmte Jones nie, da er mit Manfred Mann, The Blues Band, als gefragter Guest Star quer durch alle Stile sowie auf der Leinwand eine faszinierende Karriere durchleben durfte. John Etheridge bewies seine Saitenkünste von Jazz und Blues über klassische bis zur zeitgenössischen Musik. Bekannt wurde er mit den Bands Warhorse, Wolf und Soft Machine sowie mit Stéphane Grapelli und Nigel Kennedy. Die Tessiner Delta Groove Band eröffnet jenen Abend.

Eine veritable Swiss Night steht am 05.08. auf dem Programm. Larissa Baumann, stolze Trägerin eines Swiss Blues Awards, und ihre hochklassige Band um den Keyboarder Angelo Signore wird für eine Soul-triefende Stimmung sorgen. Die Nordwestschweizer Truppe Take The 55 mit ihrem klassischen Rhythm’n’Blues passt da ideal dazu.

Das Vallemaggia Magic Blues Festival endet mit Eric Steckel aus den vereinigten Staaten und der Lausanner Gruppe Sideburn, welche tief in die Trickkiste des krachenden Rock greifen werden.

www.magicblues.ch

 

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So 16 Aug, 2026
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20Aug
Do 20 Aug, 2026
00:00h
Das 10. Dreyland-Bluesfestival

21Aug
Fr 21 Aug, 2026
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Das 10. Dreyland-Bluesfestival

22Aug
Sa 22 Aug, 2026
00:00h
Das 10. Dreyland-Bluesfestival

28Aug
Fr 28 Aug, 2026
21:00h
Manu Hartmann

29Aug
Sa 29 Aug, 2026
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Freddie & The Cannonballs

30Aug
So 30 Aug, 2026
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Purple Lights

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Do 03 Sep, 2026
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