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Various Artists - Antone 50th Presents Chicago Bound

ur Feier des 50. Geburtstags des legendären Music Clubs Antone’s in Austin erschien letztes Jahr ein grandioses, mehrteiliges Box Set, zu dem Alles, was zwischen Texas und Chicago Rang und Namen im Blues besitzt, beigetragen hat. Im Fahrwasser dieses Juwels dürfen wir nun «Chicago Bound» begrüssen – eine Sammlung von Songs, die aus den Box Set-Sessions stammen und damals keinen Platz auf dem Endprodukt fanden.

Doch halt! Dies sind beileibe keine Ausschussware oder keine zweitklassige Leftovers. Im Gegenteil, da hat’s enorm Spannendes darunter – locker und mit viel Spielfreude intoniert. Wir hören z.B. Kim Wilson & The Fabulous Thunderbirds mit Bläsern («I’m Not Ashamed») oder Jimmie Vaughan an der – nein nicht der Gitarre – sondern zur Abwechslung mal an der Harmonica: dies zusammen mit u.a. Ivan Neville, Keith Richards und Ronnie Wood im Clifton Chenier-Louisiana-Shuffle «One Step At A Time». John Primer und Steve Bell liefern im Duo eine zu Herzen gehende und in die Beine fahrende Version von Jimmie Rogers’ Klassiker «Chicago Bound». Doyle Bramhall II schliesslich frönt Hound Dog Taylor’s erdigem «Give Me Back My Wig», während Anson Funderburgh sein Vorbild Albert Collins mit dessen «Backstroke» hoch leben lässt. Eine Entdeckung zudem ist die stimmgewaltige texanische Sängerin Kam Franklin, hier mit Bobby Bland’s Sohn Rodd Bland an den Drums und dem Song «I Wouldn’t Treat A Dog (The Way You Treated Me)» unterwegs.

Ausserdem lassen auf diesem kurzweiligen Album ihre Instrumente erklingen resp. ihre Stimmbänder vibrieren: Billy F. Gibbons, CC Adcock, Steve Riley, Derek O’Brien, Jay Moeller, Sarah Brown, Nick Connolly, Marcia Ball, Billy Flynn, Lavelle White, Kaz Kazanoff, Chris Layton, Joe Sublett, Lil’ Ed Williams, Kenny «Beedy Eyes» Smith, Rodrigo Mantovani, Robert St. Julien, Brad Stivers, Scott Bomar, Mike Flanigin u.v.m.

(CD, Vinyl, DL, Blues Till 2 Recording Company/Select-O-Hits)

Kim Simmonds - Street Corner Talking

The Autobiography of Kim Simmonds – The Life and Music of the Founder of Savoy Brown

Beeinflusst von Freddie King, B.B. King, Elmore James, Earl Hooker, Muddy Waters und Howlin‘ Wolf reihte sich Kim Simmonds nahtlos in die Schar der grossen britischen Blues-Stilisten wie Eric Clapton, Peter, Green, Mick Taylor oder Stan Webb ein. Als Gitarrist wie als Songwriter wusste der Waliser die Tradition des Genres aufzunehmen und auf persönliche Art zu verarbeiten. Alben wie „Blue Matter“, „A Step Further“, „Streetcorner Talking“ und „Hellbound Train“ zeigten die Stärken von Simmonds und seiner Band und festigten ihren Ruf auch in den Vereinigten Staaten, wohin der Gitarrist anno 1980 auch mit Sack und Pack übersiedelte.

Leider hat Kim Simmonds die Veröffentlichung seiner Autobiografie nicht mehr miterleben dürfen. Kurz nach seinem 75. Geburtstag verschied der Gitarrist im Dezember 2022 nach schwerer Krankheit. Mit seinem Buch lässt Simmonds nicht nur den Leser 60 Jahre Music Biz aus der Warte eines Insiders miterleben, er setzt auch einer speziellen Epoche, seiner Band Savoy Brown, und nicht zuletzt sich und all den Musikern, die über die Jahre seinen Weg gekreuzt haben, ein feines Denkmal. 

Am 5. Dezember 1947 in Wales geboren, begeisterte sich der junge Kim anhand der Plattensammlung seines sieben Jahre älteren Bruders Harry – der später sein Manager werden sollte – für Rock’n’Roll und Blues. Bald schon griff er zur Gitarre und gründete nach seinem Umzug nach London, erst 18-jährig, mit ein paar Gleichgesinnten die Savoy Brown Blues Band – eine Formation, die in den verschiedensten Besetzungen mehr als fünf Jahrzehnte überdauern, rund 45 Alben veröffentlichen und in dieser Zeit mehrere Generationen von Fans in ihren Bann ziehen sollte.

Mit ehrlichen Worten und in kurzen, prägnanten und daher sehr unterhaltsamen Kapiteln schildert uns Simmonds sein Leben, seine Band, seine musikalische Entwicklung, seine Gedanken zum Music Business, seine Begegnungen, seine Erfolge, aber auch die Tiefpunkte seiner Karriere. Wichtig war ihm immer die Musik an und für sich, nicht der Kommerz, nicht die Show. Kim Simmonds ist es stets gelungen, Gelassenheit und Bescheidenheit mit Zähigkeit und Beharrlichkeit unter einen Hut zu bringen – nicht die schlechtesten Voraussetzungen für einen Bandleader. Kurz vor seinem Tod schaffte es Kim Simmonds, sein Buch fertigzustellen. Es endet mit den Worten: „After all is said and done, there’s one thing I do know…music makes all our lives a little sweeter.“

(2026, Shiffer Publishing, Atglen PA, english, 208 Seiten, 45 Farb- und S/W-Fotos, ISBN 978-0-7643-7101-1, ePub 978-1-5073-0646-8)

www.savoybrown.com

 

Cedar County Cobras - Sinners & Saints

Keine Bange, die Cedar County Cobras versprühen kein Gift! Im Gegenteil, das Duo Tom Spielbauer und April Dirks pflegt einen herzerwärmenden, mehrheitlich akustisch aufgesetzten Sound, der Country Blues, Folk und Gospel auf hervorragende Weise zu verknüpfen weiss. Gnadenlos Old Style – dies jedoch radikal und erfrischend. Nichts wirkt aufgesetzt, alles wirkt authentisch und wie  aus einem Guss. Die Cedar County Cobras schöpfen sowohl aus dem reichhaltigen Fundus der Americana Music, andererseits aus der Erfahrung ihres jahrelangen Tingelns durch Clubs, Bars und Roadhouses im mittleren Westen der USA.

Nach ihrem Aufsehen erregenden Erstling «Homesick Blues» melden die beiden Talente aus Iowa mit dem ebenso unterhaltsamen, wie textlich spannenden «Sinners & Saints» zurück. Sozialkritische Aussagen mischen sich mit augenzwinkernden Stories, mit Weisheit, mit Gefühlen. Hier sind zwei gewiefte Songwriter am Werk! 

Tom Spielbauer gefällt mit seinem beeindruckenden Fingerpicking an den verschiedensten Saiteninstrumenten, April Dirks glänzt am Stehbass und an der Mandoline. Zudem verstehen es Aufnahmeleiter Bryan Vanderpool plus fünf weitere Gäste, mit ihren sensiblen Beiträgen an Sax, Harmonica, Keyboards, etc. den Songs gezielt Würze zu verleihen. Eine von A – Z runde Sache!

Tom Spielbauer (voc, g, lap steel, baritone g, bjo, foot dr), April Dirks (upright b, mand, voc, hand dr) plus Bryan Vanderpool (dr, perc, upright b), Dave Moore (harm), Heath Alan (sax, b-voc), Tanner Taylor (b-3, p), Monica Faye (b-voc), Krista Guillaume (b-voc)

(CD, DL, www.overtonmusic.com)

Mitch Woods - A Night In New Orleans

Das Snug Harbor Jazz Bistro an der Frenchmen Street in New Orleans ist eine der heissesten Adressen für gute Musik im Big Easy. Vom Sound dieser Stadt fühlt sich der ursprünglich aus New York stammende Pianist Mitch Woods schon seit jeher magisch angezogen. Nun hat der 75-Jährige sein neues Album ohne grossen Federlesens live und solo im Snug Harbor aufgenommen.

Mitch Woods beweist sich als lockerer und gewiefter Entertainer: One Man, One Piano, One Voice – und eine feine Auswahl von Originals, Boogie Woogies, Jump Blues und Louisiana-Perlen. Zu Letzteren gehören etwa Champion Jack Dupree’s «Nasty Boogie», Huey Piano Smith’s «Rockin’ Pneumonia And The Boogie Woogie Flu», Dave Bartholomew’s «Blue Monday» und Hank Williams’ Cajun-Hymne «Jambalaya». Die Zeit des Übergangs vom R’n’B zum Rock’n’Roll lässt Woods gekonnt mit Jackie Brenston’s «Rockett 88» und dem Big Joe Turner-Hit «Shake, Rattle & Roll» aufleben. Gewiss nicht verstecken daneben müssen sich Mitch Woods’ eigene Kompositionen: «Rock That Boogie» spricht für sich selbst, «Mojo Mambo» und «Amber Lee» sind beides Verneigungen vor Professor Longhair und dessen Piano-Stil, während das elegante «Crying For My Baby» eher die Musik von Allen Toussaint in Erinnerung ruft.

Mitch Woods umschreibt sein Album schlicht mit: «Just like the Streets of the Big Easy, it’s got its Potholes, Cracks and Boozy Funk….it is a raw Telling of a Night on the Town!» Und genau dies macht den Charme, die Lebendigkeit und den Unterhaltungswert seines «A Night In New Orleans – Live & Solo at Snug Harbor» aus!

Mitch Woods (voc, p)

(CD, DL, www.momojorecords.com)

 

31. Lucerne Blues Festival 07. – 15.11.2026

Roomful Of Blues, Janiva Magness, Harrell «Young Rell» Davenport, Eugene «Hideaway» Bridges, Johnny Sansone, The Silent Partners, Justina Lee Brown, Johnny Moeller – ein musikalischer Leckerbissen nach dem anderen wird dieses Jahr die Bühne des Lucerne Blues Festivals entern.

Das bewährte Konzept mit drei Konzertabenden und drei Blues Brunchs kommt auch 2026 wieder zum Tragen. Und nicht zu vergessen: Mit freiem Eintritt locken der Eröffnungsabend am Samstag, 07.11. im Schweizerhof mit The Silent Partners und die Late Night Show am Mittwoch, 11.11. im Casineum mit Janiva Magness.  

Besagte Janiva Magness war 2009 die zweite Frau nach Koko Taylor, die von der Blues Foundation den begehrten Entertainer Of The Year Award in Empfang nehmen durfte. Mittlerweile sind weitere 6 Blues Awards dazugekommen. 17 Alben zieren das Palmarès der ausdrucksstarken Sängerin/Songwriterin. Zudem veröffentlichte Janiva Magness anno 2019 ihre spannende Autobiografie «Weeds Like Us».

Eugene «Hideaway» Bridges’ Vater trat als Gitarrist unter dem Namen «Hideaway Slim» auf, seine Mutter war die Cousine von Annie Mae Bullock alias Tina Turner. Der junge Eugene startete mit Gospel seine Karriere, war sogar einst Mitglied bei den Mighty Clouds Of Joy, bevor er in Grossbritannien dank einem Plattenvertrag mit seinem Texas-Blues reüssieren konnte.

Mehr Erfahrung geht kaum: Tony Coleman schlug die Felle für Otis Clay, Bobby Bland, Koko Taylor, Albert King und über 25 Jahre für B.B. King. Zusammen mit dem Bassisten Russell Jackson, ebenfalls mit Otis Clay- und B.B. King-Vergangenheit sowie dem Gitarristen Jonathan Ellison, einst Bandleader bei Denise LaSalle, begeistert das Trio unter dem Namen The Silent Partners regelmässig sein Publikum auf den Blues Cruises und an Festivals.

Über mangelnden Zuspruch an seinen Shows kann sich auch der Wahl-New Orleanser Johnny Sansone nicht beklagen. Einst von Jimmy Reed und Howlin’ Wolf inspiriert, pflegt der Multi-Instrumentalist heute ein Louisiana-Repertoire, welches Einflüsse aus Cajun, Zydeco und Soul beinhaltet.

Eine Rückkehr nach Luzern wird es für Harrell Davenport geben. Vor zwei Jahren als 17-Jähriger verblüffte «Young Rell» die versammelte Schweizer Bluesgemeinde mit einem für sein Alter äusserst reifen Auftritt. Dieser Tage ist nun auf dem Little Village Label sein Debutalbum erschienen, welches den Vorschlusslorbeeren mehr als gerecht wurde.

Nicht fehlen in Luzern darf jeweils eine deftige Portion Texas Blues. Angesagt sind heuer Paul Size und Johnny Moeller mit «The Return of the Return of the Funky Worm», bei welchem sie ihr Projekt von 1996 wieder aufleben lassen. Zudem wird Mike Barfield – The Tyrant of Texas Funk – zusammen mit diversen  Friends (darunter ebenfalls Johnny Moeller und Paul Size) einen der Programm-Slots belegen.

Sonny Green aus Los Angeles (Jahrgang 1941) ist ein Soulster nach altem Schrot und Korn. Seine Singles von Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre sind heute gesuchte Collector’s Items, sein 2020 bei Kid Andersen in dessen Greaseland Studio aufgenommenes Album «Found! One Soul Singer» erntete durchwegs begeisterte Kritiken. Ein «e» mehr im Namen, dafür viele Jahre weniger auf dem Buckel hat Les Greene. Der Youngster zählt zur Generation, die den Blues im 21. Jahrhundert neu und aufregend gestalten.

Roomful Of Blues sind ein Phänomen. Vor etwa 60 Jahren in Rhode Island auf die Beine gestellt, haben bis anhin rund 60 Musiker die Band durchlaufen. Darunter so klangvolle Namen wie die beiden Gründer Duke Robillard und Al Copley, ferner Ronnie Earl, Curtis Salgado, Lou Ann Barton, Ron Levy, Sugar Ray Norcia oder Phil Pemberton. Seit 1970 mit einem permanenten Bläsersatz gesegnet – von dem der Saxophonist Rich Lataille immer noch an Bord ist – wird die Truppe heute vom Gitarristen Chris Vachon geleitet und verfügt mit D.D. Bastos zum ersten Mal in ihrer Bandgeschichte über eine weibliche Stimme am Mikrofon. Was immer Bestand hatte durch die Jahre, ist die hohe musikalische Qualität, die Roomful Of Blues mit ihrem swingenden Jump Blues an den Tag zu legen verstehen.

Gleich zwei afrikanische Sängerinnen, die in Europa ihr musikalisches Glück gesucht und gefunden haben, werden im Casineum auftreten. Adama Janlo aus Gambia, heute in Norwegen zu Hause, gewann mit ihrer Band diesen Frühling die European Blues Challenge EBC. Hierzulande kaum mehr vorzustellen braucht man die in Nigeria geborene Justina Lee Brown. Die Swiss Blues Challenge-Siegerin von 2019 belegte an der EBC 2022 den zweiten Rang, erreichte an der International Blues Challenge 2020 das Halbfinale und erhielt zwei Swiss Blues Awards verliehen.

Den genauen Spielplan und andere wichtige Faktoren zum Event entnehmen wir der Website www.bluesfestival.ch

Ten Years After - Cricklewood Green – Deluxe Edition

Was für ein Timing: Im April 1970, präzis zum Zeitpunkt, als der abendfüllende Film über das Woodstock Festival mit seiner knapp 10-minütigen Bluesrock-Tour de Force «I’m Going Home» der Gruppe Ten Years After in den Kinos Premiere feierte, tauchte das neue Studioalbum der britischen Band in den Verkaufsregalen der Plattenläden auf. «Cricklewood Green» zeigte damals eine spannende Weiterentwicklung im Sound des Quartetts und spannte den Bogen vom abrockenden «Working On The Road» über den von Bluegrass angehauchten «Year 3000 Blues» und das jazzig swingende «Me And My Baby» bis zum experimentellen «50'000 Miles Beneath My Brain». Zudem konnten Ten Years After mit der ausgekoppelten und gekürzten Version des Songs «Love Like A Man» auch ihren grössten Single-Hit verbuchen.

Gut 56 Jahre später dürfen wir uns über die Veröffentlichung einer neu gemasterten Deluxe Edition jenes Meilensteins auf 2 CDs, resp. 2 LPs freuen. CD 1/LP 1 enthält neben den 8 Originalsongs die gekürzte Singleversion von «Love Like A Man», die beiden Nummern «Warm Sun» und «To No One», welche es nicht auf die Originalausgabe geschafft haben, plus das neu entdeckte Instrumental-Demo «Cricklewood Jam». Interessant wird es bei der CD 2/LP2: Diese bringt den zweiten Set jenes Konzerts, den die Band am 27. Februar 1970 im Fillmore East in New York auf die Bühne gelegt hat. Neben Live-Versionen dreier «Cricklewood Green»-Songs spielte die Band an jenem Abend zudem die langjährigen Ten Years After-Abräumer «Good Morning Little Schoolgirl» und «I Can’t Keep From Crying Sometimes», natürlich auch das unverwüstliche «I’m Going Home» sowie das von Chuck Berry geschriebene «Sweet Little Sixteen». Die Deluxe Edition begleitet ein schmuckes Booklet, welches sowohl ein Essay des britischen Musik-Journalisten Nigel Williamson zur Entstehung des Albums, als auch viele unveröffentlichte Fotos und Memorabilien aus dem Band-Archiv beinhaltet.

Alvin Lee (voc, g), Leo Lyons (b), Chick Churchill (keys), Ric Lee (dr)

(2 CD, 2 LP, DL, Chrysalis/Proper/Bertus)

 

Steve Cropper & The Midnight Hour - Watching The Tide

Posthum erschien damals Otis Redding’s unvergessenes «Sitting On The Dock Of The Bay», welches die Zeile enthält: «….Watching The Tide Roll Away….». Der Co-Autor, Gitarrist und Produzent jenes Songs, Steve Cropper, hat am 3. Dezember letzten Jahres ebenfalls seinen letzten Weg angetreten: Ein charmantes Detail, dass nun auch Steve Cropper’s letzte Aufnahmen posthum unter dem Titel «Watching The Tide» veröffentlicht werden.

Mehrere Freunde, welche ihn im Laufe der Jahre immer wieder als ihr Idol bezeichnet haben, unterstützten «The Colonel», wie Steve bewundernd genannt wurde, bei diesen Sessions. Eric Clapton, Billy F. Gibbons, Brian May und Ronnie Wood gaben sich die Ehre, den Stax- und Blues Brothers-Gitarristen im Studio zu begleiten. Massgebend am Gelingen des Albums beteiligt war zudem Cropper’s langjähriger Freund und musikalischer Partner Jon Tiven als Produzent, Co-Writer und an den verschiedensten Instrumenten.

Entstanden ist ein waschechtes Gitarrenalbum, welches melodiös den jeweiligen Song an sich, und nicht irgendwelche atemberaubende Fingerfertigkeiten auf dem Griffbrett in den Vordergrund stellt. Faszinierend zu hören, wie sich die verschiedenen Gitarrenstimmen und -Parts zu einem organischen, druckvollen Ganzen verweben. Die Grooves rollen durchwegs locker und mitreissend wie zu den Zeiten, als Cropper noch Teil von Booker T. & The MG’s war – frei nach dem Motto: «You can take Steve Cropper out of Memphis, but you can’t take Memphis out of Steve Cropper!» Memphis Soul, Blues, R’n’B und Gospel waren zeitlebens tief eingebettet in der DNA dieses so einzigartigen wie bescheidenen Künstlers. 

«Watching The Tide» gefällt als ein wunderschönes Erinnerungsstück an einen der ganz Grossen des Business, dem es auch auf diesem Album noch einmal gelungen ist, seiner Musik sowie den Fähigkeiten seiner Kollegen das Beste abzugewinnen.

Steve Cropper (g), Jon Tiven (g, b, prod), Roger C. Reale (voc), Ana Grosh (voc), Nioshi Jackson (dr), Eddie Gore (keys, perc) plus guests Eric Clapton, Billy F. Gibbons, Brian May, Ronnie Wood

(CD, Vinyl, DL, Provogue/Artone)

Survivor – The Benny Turner Story By Benny Turner & Bill Dahl

Die Jus’ Blues Music Foundation, welche ihre alljährlichen Awards an verdiente Künstler, Exponenten und Förderer der Blues-Szene vergibt, hat in diesem Jahr eine neue Kategorie eingeführt, die in Zukunft nach ihrem ersten Preisträger «The Benny Turner Sideman Award» benannt wird. Seine faszinierende Lebensgeschichte hat der heute 86-jährige Benny Turner 2017 unter dem Titel «Survivor – The Benny Turner Story» zu Papier gebracht. Die Verleihung des oben erwähnten Awards, sowie die Tatsache, dass sich am 28. Dezember dieses Jahres der Todestag von Benny’s älterem Bruder, der Blues-Ikone Freddie King, zum 50. Mal jährt, verdienen es, einen Blick auf diese Autobiografie zu werfen. Denn Freddie King spielte eine der Hauptrollen in Benny’s Leben, nicht nur als Bruder, sondern auch als Inspiration, Vorbild und Kumpel.

Unterstützt vom brillanten Musikjournalisten Bill Dahl lässt Benny in «Survivor» sein Leben anhand von Geschichten, Anekdoten und Erinnerungen Revue passieren – seine Kinderjahre in Texas, sein Aufwachsen in Chicago, seine Zeit in New Orleans, seine Familie, die Musik. Mit Gospel und R’n’B in Chicago gross geworden, agierte Turner schliesslich als Bassist und Bandleader in Freddie King’s Truppe. Nach Freddie’s viel zu frühem Tod 1976 übte Benny die gleiche Funktion anschliessend auch in den Bands von Mighty Joe Young und von Marva Wright aus, bevor er 2010 seine erfolgreiche Solokarriere startete.  

«Survivor» offenbart ein nicht immer einfaches afroamerikanisches Leben, welches durch Segregation und Jim Crow, aber auch durch Talent und Hingabe geprägt wurde. Zudem wirft das Buch einen interessanten Blick auf die Entwicklung sowie hinter die Kulissen der Black Music der letzten 70 Jahre. Benny Turner erzählt seine Story grundehrlich und ohne Verbitterung, dafür mit feinem Humor über all die Ups and Downs, welche ihn zu jenem «Elder Statesman Of The Blues» geformt haben, als der er heute in der Szene geschätzt wird.

(2017, Nola Blue, Inc., 238 Seiten, englisch, 178 S/W-Fotos und Abbildungen, ISBN 978-1-54390-128-3 Print, ISBN 978-1-54390-129-0 eBook)

Dustin Arbuckle & The Damnations - Fight Like The Devil Or Run Like Hell

Dustin Arbuckle aus Wichita, Kansas, machte erstmals so richtig auf sich aufmerksam als Teil des Electric Blues/Rootsrock-Duos Moreland & Arbuckle. 2005 im Finale der International Blues Challenge, später bei Telarc und Alligator Records unter Vertrag, haben sich die beiden Musiker 2017 getrennt.

Sänger und Bluesharper Arbuckle bleibt mit seiner neuen Band The Damnations seinem einst eingeschlagenen musikalischen Sound treu, ja fügt diesem gar weitere stilistische Nuancen bei. «Fight Like The Devil» ist das zweite Studioalbum der Truppe, die ausserdem diverse Live-CDs, -EPs und -Vinylscheiben veröffentlicht hat.

Die Kraft und den Druck seiner Live-Auftritte vermag das Quartett auch im Studio an den Tag zu legen, sei es in einem Shuffle à la Jimmy Reed, einem Hill Country Blues à la R.L. Burnside, einem Western Swing à la Asleep At The Wheel oder einem Boogie  à la John Lee Hooker. Arbuckle’s expressive Stimme und sein variationsreiches Harmonicaspiel stehen im Mittelpunkt und werden getragen von der bestens harmonierenden Rhythmusgruppe Caleb Drummond/Colby Aiken. Ein besonderes Kränzchen gilt es Brandon Hudspeth zu winden. Der so sensible wie ideenreiche Gitarrist versteht es auf hervorragende Art, die Kontrapunkte zu Arbuckle’s Vorgehensweise zu setzen und die Songs spannend zu halten.

Die Gesamtstimmung der Album-Lyrics basiert auf dem Leben «On The Road»: Beharrlichkeit, einsame Motelnächte, lange Autofahrten, Strapazen, Träume, aber auch Optimismus, Liebe und Selbstvertrauen. Die sieben im Bandrahmen geschriebenen Tracks werden abgerundet durch zwei Nummern von Ryan Taylor (The Rounders) sowie dem Bob Dylan-Klassiker «Tombstone Blues» und Gillian Welch’s «Didn’t I».

Dustin Arbuckle (voc, harm), Brandon Hudspeth (g), Caleb Drummond (b, b-voc), Colby Aiken (dr) plus Kendall Newby (b-voc)

(CD, DL, www.dustinarbuckledamnations.com)

Vully Blues Festival 06./07.11.2026, Praz

Blues, Wine & Dine heisst es wieder Anfang November in Praz am Murtensee. Das Vully Blues Festival bietet in sieben gemütlichen Weinkellern, einem Schiff und auf einer Freiluftbühne nebst spannenden nationalen und internationalen Blues-Künstlern feine lokale Tropfen sowie Währschaftes für den kleinen und grossen Hunger an.

Die florierende kanadische Szene wird vertreten durch Steve Marriner. Der Multi-Instrumentalist, Sänger und Produzent zählt zu den führenden Roots-Musikern in seinem Heimatland und wurde schon – nebst einem Juno Award (den kanadischen Grammys) – mit mehreren Maple Blues Awards ausgezeichnet. Den Stellenwert, den Marriner in Kanada hat, besitzt Carlos Eliott in Kolumbien. Der clevere Mix aus Mississippi Blues und Latin Sound, den Eliott zusammen mit dem US-Gitarristen Bobby Gentilo und dem Drummer Eduardo Oviedo auf die Bühne bringt, hat das Trio an Festivals rund um die Welt hinausgetragen.

Jon Shain aus North Carolina, Acoustic Blueser und Gitarrenlehrer, gewann 2019 in Memphis die International Blues Challenge in der Solo/Duo-Kategorie. In Vully wird Shain im Duo mit dem Gitarristen und Bassisten Mike Bischof zu geniessen sein. Tief in die Musik der 1920er und 30er Jahre tauchen Max & Veronica ein: Country Blues, Ragtime, früher Jazz und Hillbilly-Perlen präsentiert das Duo aus Italien mit Pep, Stil und Klasse.

Die Schweizer Fraktion wird angeführt vom jungen Luzerner Gitarristen Ronny Rast, der mit seinem Trio diesen Mai in Baden die Swiss Blues Challenge gewann, und von Roland Pierrehumbert, der mit seinem Projekt «Rawland» anno 2024 in Sierre das Finale dieses Wettbewerbs bestreiten konnte. Des Weiteren treten in den Caves von Vully auf: Howlin’ aus Genf, Sacha Love aus Fribourg, die One Rusty Band aus Frankreich, das Sylvie Bourban Blues Trio (Suisse Romande), Tori Sparks (USA/Spanien), No Brain aus Neuchâtel, und die Deutschschweizer Hamp Goes Wild.

Alle Details zum Vully Blues Festival gibt es unter www.vullybluesfestival.ch 

Blues Caravan 2026 Elise Frank, Laura Chavez, Matthew Curry

Live aufgezeichnet hat das umtriebige Plattenlabel Ruf Records die Jubiläumsausgabe (20 Jahre – wir gratulieren herzlich!) ihres Blues Caravan in der Blues Garage im deutschen Isernhagen Anfang dieses Jahres. Mit von der Partie sind heuer Laura Chavez, Elise Frank und Matthew Curry. Das Trio wird unterstützt durch die talentierte Keyboarderin Léa Worms und die bestens eingespielte Rhythmusgruppe Tomek Germann (b) und Denis Palatin (dr).

Das Rezept ist so einfach wie durchschlagend: nach einem gemeinsamen Aufgalopp – hier mit dem «Lazy Poker Blues» von Fleetwood Mac’s Peter Green – präsentiert sich jeder der drei Künstler mit einem eigenen Set, bevor es gemeinsam in ein grosses Finale mündet. Ausgiebig zum Zug kommen Chavez, Frank und Curry auf der DVD mit insgesamt 29 Songs. Aus Platzgründen nur 17 Tracks finden sich auf der CD.

Eine gute Balance ergibt sich bei der Songauswahl. Feine Eigenkompositionen (vor allem in den Solo-Sets) wechseln mit clever interpretierten Klassikern, etwa von Creedence Clearwater Revival («Born On The Bayou», «Green River»), den Stones («Under My Thumb»), Lynyrd Skynyrd («Whiskey Rock-a-Roller»), ZZ Top («Blue Jean Blues»), William Harris («Bullfrog Blues») oder Richard Berry («Have Love Will Travel»).

Obwohl zum Zeitpunkt der Aufnahme erst am Anfang ihrer ausgedehnten Tournee stehend, hat der Caravan schon bestens Fahrt aufgenommen und zeigt, dass die Chemie unter den drei Protagonisten stimmt. Elise Frank gefällt mit dynamischem, ehrlichem Bluesrock und starker Stimme. Matthew Curry besticht als cleverer Songwriter und innovativer Gitarrist mit spannenden Americana-Einflüssen. Laura Chavez schliesslich braucht kein Mikrofon – ihre Stimme ist ihre Gitarre. Mit ihren inspirierten Instrumentalnummern lässt die Westcoasterin erkennen, warum sie 2023 den Blues Music Award als «Best Instrumentalist – Guitar» verliehen bekam.

Mit dieser offiziell am 18.09. erscheinenden Live-Scheibe beweist sich der Jubiläums-Caravan als Spitzen-Jahrgang. Laura Chavez, Elise Frank, Matthew Curry & Band werden im Rahmen des Fricktaler Bluesfestivals am Mittwoch 30.09.2026 auf der Bühne des Fricks Monti zu geniessen sein.

Laura Chavez (g), Elise Frank (voc, g), Matthew Curry (voc, g), Tomek Germann (b), Léa Worms (keys), Denis Palatin (dr)

(CD & DVD, www.rufrecords.de)

33. Fricktaler Bluesfestival, Fricks Monti, 30.09./14.10./15.10.2026

Drei heisse Nächte Blues, Bluesrock, Funk und Soul verspricht das Fricktaler Bluesfestival, welches diesen Herbst in seine 33. Runde geht!

Mit dabei wieder der Blues Caravan von Ruf Records mit einer hochklassigen Besetzung: Laura Chavez, Elise Frank und Matthew Curry werden in bekannter Caravan-Manier – will heissen: solo und gemeinsam – Fricks Monti zum Kochen bringen. Die West-Coasterin Chavez hat mit dem unvergessenen Rory Gallagher nicht nur eine abgeschabte Fender Stratocaster-Gitarre gemeinsam – auch ihre Fingerfertigkeit an den sechs Saiten ist erste Sahne. Dies hat Laura anno 2023 den Blues Music Award als «Best Instrumentalist Guitar» eingebracht – notabene als erste und einzige Frau in dieser von Männern dominierten Kategorie! Nach vielen Sidewoman-Projekten live und im Studio hat Laura Chavez dieses Jahr ihr erstes Solowerk, das brillante Instrumentalalbum «My Voice» veröffentlicht. Ihr zur Seite stehen in Frick das junge französische Talent Elise Frank und der US-Amerikaner Matthew Curry – beide tief in Blues, Rock und Americana verwurzelt.

Ein Stück Schweizer Bluesgeschichte geschrieben haben die Bluesaholics aus der Region Zofingen. Seit Anfang der 1990er Jahre in praktisch unveränderter Besetzung aktiv, hat die Band seither unzählige Bühnen in unserem Land mit ihrem für die verschiedensten Einflüsse offenen Approach an den Blues bespielt. Auch die expressive Sängerin Eve Gallagher – obwohl aus Grossbritannien stammend – hat die hiesige Historie geprägt, gewann sie doch mit ihrer Band die Swiss Blues Challenge 2025 und stiess bei der European Blues Challenge in Polen bis ins Finale vor.

Inspiriert von Jimi Hendrix und Stevie Ray Vaughan griff der junge Brasilianer Guto Konrad zur Gitarre. Mit seinem Debutalbum «Looking For Change» ist es Konrad gelungen, ein erstes beachtenswertes Statement zu setzen. Auch für Ben Poole war Jimi Hendrix Grund genug, eine musikalische Karriere einzuschlagen. Dazu gesellten sich als weitere Einflüsse mit Jeff Beck oder Gary Moore die Saitenzauberer seiner britischen Heimat. Auch Ben Poole glänzt mit einem neuen Album: auf «Post-Midnight Behaviour» geht der Gitarrist neue Wege und integriert gekonnt melodiöse Pop-Klänge in seinen Bluesrock.

Infos und Details zum Fricktaler Bluesfestival: www.fricks-monti.ch

26. Jus’ Blues Music Awards 2026, Biloxi, Mississippi

Das IP Casino Resort Spa in Biloxi, Mississippi, war vom 30. Juli bis 1. August dieses Jahres Schauplatz der 26. Jus’ Blues Music Awards & Conference.

Im Gegensatz zu vielen anderen Blues Award-Verleihungen weltweit ist es der Non-Profit Organisation Jus’ Blues Foundation ein Anliegen, mit ihren Auszeichnungen speziell die Afro-amerikanischen Schöpfer im Blues & Roots Music-Bereich zu würdigen. Umrahmt von Dinners, Live-Auftritten, Ausstellungen und Konferenzen rund um den Blues wurden dieses Jahr an der von Host Tyrone Davis geleiteten Awardshow14 Persönlichkeiten geehrt.

Zum ersten Mal wurde heuer ein Sideman Award verliehen, um für einmal jene Musiker ins Rampenlicht zu stellen, die hart daran arbeiten, den jeweiligen Star gut aussehen zu lassen. Diese Auszeichnung wird nun in Zukunft nach seinem ersten Träger «Benny Turner Award» benannt. Benny (Jahrgang 1939) war lange Jahre Bassist und musikalischer Leiter bei seinem viel zu früh verstorbenen Halbbruder, dem legendären Freddie King. Später übte Benny diese Funktion bei Mighty Joe Young und bei Marva Wright aus, bevor er schliesslich seine Solo-Karriere startete. Benny Turner’s faszinierendes Leben lässt sich übrigens hautnah nachverfolgen anhand seiner 2017 erschienen Autobiografie «Survivor: The Benny Turner Story».

Unter den weiteren Preisträgern finden sich die Sängerin Queen Iretta Sanders, der Gitarrist, Harmonicaspieler und Sänger Harrell Davenport, die Sängerin J’Cenae Williams, der Sänger Jaye Hammer, die Sängerin Mzz Reese, der Gitarrist und Arrangeur Rico McFarland, die Radiomacherin Tracy Bethea, der Musiker, Komponist, Arrangeur und Produzent Mose Stovall, der Multi-Instrumentalist Singa B, der Direktor und Geschäftsführer des B.B. King Museums Robert Terrell, der Gitarrist und Sänger Memphis Gold, der Keyboarder Roosevelt Purifoy und der Gitarrist und Sänger Jamiah Rogers.

www.jusblues.org

GA-20 with Charlie Musselwhite - Blues Now

Chicago Blues Never Dies! Das Trio GA-20 – dieses junge, erdige Kraftpaket aus Boston, Massachusetts, welches sich mit Haut und Haar dem Windy City Sound der 50er und 60er Jahre verschrieben hat – trifft hier auf einen Künstler, der sich genau zu jener Zeit seine Sporen in der Blues-Szene am Ufer des Lake Michigan abzuverdienen begann. Charlie Musselwhite aus Mississippi hatte damals via Memphis nach Chicago gefunden, wo er seine Bluesharp-Fähigkeiten stählte und 1968 im Alter von 24 Jahren «Stand Back!» einspielte. In der Art jenes aufsehenerregenden Debutalbums – aber fern jeglicher Nostalgie – gehen Charlie, Mat Stubbs, Cody Nilsen und Josh Kiggans auf «Blues Now» vor. Die Chemie stimmt vom ersten Ton an, hier haben vier gewiefte Autoritäten des Deep Blues enorm Spass an der Sache.

Vom Sound her genial eingefangen hat Produzent Matt Stubbs diesen ausserordentlichen Blues Summit im Rare Signals Studio in Cambridge, USA. Die neun Klassiker von Willie Dixon, Junior Wells, Jimmy Reed, Eddie «Playboy» Taylor, Elmore James, J.T. Brown und Konsorten plus Charlie Musselwhite’s absolutes Paradestück – das unverwüstliche «Christo Redemptor», hier mit einer gefühlvollen Lap Steel von Cody Nilsen unterlegt – strotzen vor Energie, Emotion und Authentizität. Viel zu schnell sind die gut 36 Minuten Spielzeit – immerhin LP-Länge – vorbei. Chicago Blues Is Alive & Kickin’!

Matthew Stubbs (g), Cody Nilsen (voc, g, lap steel), Josh Kiggans (dr) plus Charlie Musselwhite (voc, harm)

(CD, Vinyl, DL, New West Records)

Mike Wheeler Band - Chicago Blues

Mike Wheeler ist pure Chicago! Geboren anno 1961 und aufgewachsen in der Windy City, orientierte sich der junge Mike an der R’n’B-, Soul- und Blues-Plattensammlung seiner Mutter, bevor er schon bald selbst zur Gitarre griff. In die Lehre ging er beim Pianisten Lovie Lee, über die Jahre war Mike’s Gitarrenspiel gefragt bei Nellie Tiger Travis, Peaches Staten, Koko Taylor, Willie Kent, Buddy Guy, Jimmy Johnson u.v.m. 2001 schliesslich war die Zeit reif für die Gründung der Mike Wheeler Band.

«Chicago Blues» nun ist eine auf Vinyl und Download erscheinende Compilation. Das Material dazu stammt von seinen beiden Alben für Delmark Records: 3 Songs von der CD «Self Made Man» (2012) und 4 Nummern von «Turn Up!» (2016). Dazu gesellt sich mit Percy Mayfield’s «Serves Me Right To Suffer» eine 2024 nur digital veröffentlichte Live-Aufnahmen von einem Konzert im Musik-Club SPACE in Evanston.

Mike Wheeler zählt zur Nachfolge-Generation der Gitarristen um Otis Rush, Buddy Guy und Magic Sam, welche damals den noch stark auf seine Mississippi-Herkunft basierenden Sound der Chicago Blues-Grossmeister um Muddy Waters und Howlin’ Wolf aufgriffen und urban modernisierten. Wheeler & Co gingen noch einen Schritt weiter und hatten ein offenes Ohr für neueste Soul, Funk und Jazz-Strömungen, die sich in der Art des Gesangs und des Gitarrenspiels deutlich niederschlugen. Die Kompositionen «Turn Up!» und «Yeah!» von Mike Wheeler oder «Here I Am» von Drummer Cleo Cole sind Paradebeispiele für den Chicago Blues des 21. Jahrhunderts, wie er noch jede Nacht in den Clubs der Stadt zu hören ist: immer noch stark der Tradition verhaftet, jedoch die Intensität und die Themen des Grossstadt-Lebens direkt widerspiegelnd.

Mike Wheeler (voc, g), Larry Williams (voc, b), Brian James (keys), Cleo Cole (dr) plus Dave Specter (g), Roosevelt Purifoy (keys), Omar Coleman (harm)

(Vinyl, DL, www.delmark.com)

Brad «Guitar» Wilson - Boundless

«Boundless» – Grenzenlos nennt Brad «Guitar» Wilson das Nachfolge-Album seiner 2025er Erfolgsscheibe «The Californian». Und das trifft den Nagel auf den Kopf – die Bandbreite ist grenzenlos. Stolze 16 Songs birgt das zum Teil in Brüssel, zum Teil in Hollywood eingespielte Werk. Diese umfassen sowohl Blues-Evergreens und Pop-Gassenhauer, als auch interessante Eigenkompositionen verschiedenster stilistischer Couleur. Damit verströmt «Boundless» eine charmante Jukebox-Stimmung. Was die Sache zusammenhält, sind Wilson’s melodiöse, stets songdienliche Gitarre und sein gefühlvoller Gesang.

Zur Blues-Ecke zählt z.B. der Opener, B.B. King’s Crossover-Hit von 1969 «The Thrill Is Gone», welcher hier einen besonderen Touch bekommt, da Brad auf einer originalen B.B.-Lucille-Gitarre spielt. Die Pop-Ebene betritt Wilson mit dem Tears For Fears-Chartstürmer «Everybody Wants To Rule The World» – hier soulig/bluesig angehaucht interpretiert – der öfters Eingang in sein Live-Programm findet.

«Gonna Stay Or Go» und «Living Underground» aus Wilson’s eigener Feder besitzen klangmässig einen fast schon britischen 60er Jahre-Flair, wobei die besinnlichen Lyrics des Letzteren laut dem Gitarristen unter dem Eindruck des Ukraine-Krieges entstanden sein soll. Sein «Let’s Dance Tonight» kommt aus dem Rockabilly-Winkel, «Wild And Free With Rooster» mahnt an die guten, alten Lynyrd Skynyrd-Zeiten, «Home» mit seiner akustischen Gitarre tendiert in Richtung Folkrock, «Time Was» ist Easy Listening, «San Francisco Nights» hat einen soulig-jazzigen Unterton und «Sky Full Of Rain» gehört in die Kategorie der Herzschmerz-Balladen.   

Brad Wilson (voc, g), Toto Poznantek, Chris Ross, Adam Gust (dr), Chris Rhyne, Luca Catalfamo, Frankie Vriens (keys), Hal Cragin, Brian Beal, Fabrizo Erba (b), Francis Buckley (synth-b, perc, prod), Paulina Campos, Valerie Chanelle (b-voc)

(CD, DL, www.bradwilsonlive.com)

Albert Castiglia - Grits & Glory

Albert Castiglia, Gitarrist mit italienischen und kubanischen Wurzeln und aufgewachsen in Florida, hat sein Handwerk u.a. in der Band von Junior Wells gelernt. Doch seine Liebe zur Gitarre begann schon viel früher: Castiglia begeisterte sich in jungen Jahren für die Beatles sowie die britischen Gitarren-Meister Beck, Page, Clapton und Iommi.  Nun schliesst sich ein Kreis für ihn, denn für Grits & Glory hat sich Albert zusammen mit seiner durch unzählige Gigs gestählten Road Band für die Aufnahmen in das altehrwürdigen Abbey Road Studios in London begeben.

Castiglia’s Musik fusst stilmässig auf differenziertem Bluesrock, welcher getragen wird von seiner quirligen Gitarrenarbeit, von feinem eigenen Songwriting sowie vom bewundernswerten Flair, sorgfältig ausgewählten Fremdkompositionen Neues abgewinnen zu können. Letzteres gelingt ihm hier auf hervorragende Weise mit Mongo Santamaria’s «Afro Blue», dem Albert King-Schmankerl «Don’t Burn Down The Bridge» und mit dem Lennon-McCartney-Kracher «Yer Blues».

Das eigene Material setzt sich mehrheitlich mit gewissen bedenkenswerten Situationen und Tendenzen in seinem Heimatland USA auseinander. Deutlich macht Castiglia seine Gedanken in den prägnant formulierten Lyrics von Songs wie «In My America», «The Milk Is Still Good» oder «Slumlord Billionaire». Grits & Glory schafft den Spagat, kraftvolle, auf den Punkt gespielte Musik mit einer Message zu verknüpfen und gleichzeitig beste Unterhaltung zu gewährleisten.

Albert Castiglia (g, voc), Cliff Moore (b), Ray Hangen (dr), Lewis Stephens (keys), Dave Gross (g, keys, perc, b-voc), Bruce Bears (keys), Deborah Michaels (b-voc)

(CD, Vinly, DL, www.gulfcoastrecords.net)

Bywater Call - Broken Souvenirs

Der amerikanische Süden reicht offensichtlich hinauf bis nach Toronto. Das kanadische Septett Bywater Call, welches nach Georgia Southern Rock, nach Memphis Soul, nach New Orleans Rhythm’n’Funk, nach Texas Roadhouse Blues, gar nach Tennessee Whiskey klingt und sich zu einem der aufregendsten Live-Acts der Szene gemausert hat, liefert mit «Broken Souvenirs» ein schlicht brillantes Studioalbum ab.

Die stilistische Vielfalt und Offenheit von Bywater Call ähnelt jener der Tedeschi Trucks Band, auch die Bandstruktur geht in die gleiche Richtung: Im Zentrum stehen sich mit Meghan Parnell und Dave Barnes ein Vokal-Kraftpaket und ein Gitarrist gegenüber, welche die Truppe musikalisch und optisch anführen, ihren Mitmusikern jedoch Raum zur Entfaltung gewähren – so auch ihrem fix integrierten Bläsersatz, der an die grossen Zeiten der Bands Chicago oder Blood, Sweat & Tears erinnert.   

Die Kompositionen des Duos Parnell/Barnes bewegen sich in der Tradition gewiefter Songwriter wie etwa Leon Russell, Robbie Robertson oder Lowell George. Die Arrangements sind griffig, nie überladen oder ausufernd – ja, der eine oder andere Song dürfte durchaus auch länger sein – die Grooves rollen süffig, die Soli sind geschmackvoll, und die Chorgesänge besitzen Gospel-Qualität.

2025 wurden Bywater Call für einen UK Blues Award als Best International Artist Of The Year vorgeschlagen, auch im Rockpalast des WDR sind sie schon aufgetreten. Und nimmt man dieses Album zum Massstab, dürfte die Reise nach ganz oben rasant weitergehen. Von Bywater Call wird man mit Sicherheit noch einiges hören!

Meghan Parnell (voc), Dave Barnes (g), Stephen Dyte (tp, tb), Bruce McCarthy (dr, perc), Mike Meusel (b), Julian Nalli (sax), Andrew Moljgun (keys), John Kervin (keys, bjo) plus Jeff Heisholt (keys) plus backing voc, horns & strings

(CD, Vinyl, DL, www.bywatercall.com) 

Bellinzona Blues Festival 24./25.07.2026

Wie ein Damoklesschwert hingen zum Schluss drohende Gewitterzellen über der Stadt Bellinzona. Doch Petrus hatte ein Einsehen mit der Blues Community und öffnete die Schleusen erst buchstäblich mit dem letzten Ton der letzten Zugabe einer durchs Band weg überzeugenden Veranstaltung – dafür goss es dann aber richtig!

Der Nachfolge-Event des legendären Piazza Blues Festivals hat seine Feuertaufe – nach dem letztjährigen Re-Launch – nun mit Bravour bestanden. Hand in Hand mit der hervorragenden Organisation ging die brillante Arbeit der Soundcrew, welches den acht Acts ermöglichte, musikalisch aus dem Vollen zu schöpfen und damit dem zahlreich aufmarschierten Publikum bestes Ohrenfutter zu bieten. Zwei Tage lang stand die Piazza Governo im Zeichen hochklassiger internationaler Blues’n’Roots Music.

Für den Start sorgten zwei italienische Formationen, die verschiedener kaum sein konnten. Während Lovesick um Paolo Roberto Pianezza (voc, g, lap steel) und Francesca Alinovi (voc, upright-b) mit einem clever aufgesetzten, eigenständigen Approach von Western Swing, Rockabilly, Country, Folk und Rock’n’Roll glänzten, gab sich Stephanie «Ocean» Ghizzoni dem tiefen amerikanischen Süden hin und interpretierte Louisiana-Perlen von den Meters bis Dr. John. Auch durfte ein atmosphärisches «The House Of The Rising Sun» in ihrer Darbietung nicht fehlen.

Den Vorschusslorbeeren gerecht wurde Carolyn Wonderland. Ausdrucksstark an Stimme, Slidegitarre und Gitarre offenbarte die Alligator Records Artistin mit ihrem dynamischen Set die ganze Bandbreite des Texas Roadhouse Blues. Und es sollte noch mehr kommen: Den Energie-Level zu übernehmen und weiterzutragen – dies verstand mit den Cinelli Brothers eine der führenden europäischen Live-Truppen der Gegenwart. Rock, Soul und Blues vereinigten sich in der Musik von Marco und Alessandro Cinelli sowie ihren Mitstreitern Tom Julian-Jones und Jorma Gasperi zu einem organischen und mitreissenden Ganzen. Eindrücklich ihr mehrstimmiger Gesang, faszinierend ihr Beherrschen verschiedenster Instrumente. Als Sahnehäubchen baten die Cinellis die Lokalmatadoren Federico Albertoni und Mad Mantello von der Tessiner Band Freddie & The Cannonballs auf die Bühne, um das gemeinsam geschriebene und aufgenommene «Dancing Shoes» zu intonieren.

Mit lokalen Grössen startete auch der Samstag. Unter der Leitung des Bassisten Daniel Mancullo beeindruckte eine veritable Tessiner «Supergroup» namens Joe Dallas & The Monks. Mit vier Bläsern und zwei Chorsängerinnen zusätzlich zur Core-Band intonierte die Monks einen brillant arrangierten funky Soul-Sound, der sich an Vorbildern wie etwa der Average White Band oder Tower Of Power anlehnte. Erwähnenswert dabei die variable Stimme und die erfrischende Bühnenpräsenz von Sänger Greg Fontana.

Gleich zwei Ladies mit unter die Haut gehenden Stimmen gaben sich anschliessend die (Bühnen)-Klinke in die Hand. Kyla Brox und Justina Lee Brown wissen beide ihre Emotionen auf bestechende Art gesanglich auszuleben. Während sich Kyla in ihrer Musik stark auf ihre Wurzeln im britischen Blues stützte – sie wuchs in der Band ihres Vaters, der Brit-Blues-Legende Victor Brox auf – mischte Justina ihrem Funk und Soul eine gehörige Portion an Rhythmen und Melodien ihrer Heimat Nigeria bei und schlug mit ihrer emotionalen Bühnenshow die voll besetzte Piazza Governo in ihren Bann.

Dem Bluesrock-Gitarrist Henrik Freischlader aus Deutschland war es schliesslich vergönnt, den würdigen Schlusspunkt unter die Festival-Ausgabe 2026 zu setzen. Freischlader’s stupende Behandlung der sechs Saiten, welche sich an jene von Roy Buchanan und Gary Moore anlehnt, schaffte es offensichtlich, die eingangs erwähnten Gewitterwolken lange genug zurückzuhalten!

www.bellinzonablues.com

 

Peter Parcek - Most Of The Time

Vergleiche sind jeweils spannend. Besonders wenn sie von einem Meister des Fachs kommen. So soll jedenfalls kein Geringerer als Buddy Guy zu Peter Parcek gesagt haben: «You’re as bad as Eric Clapton – and I know Eric Clapton!» Nun, Peter Parcek weiss tatsächlich mit einer Gitarre umzugehen. Und den Blues hat er von Grund auf kennen gelernt. Hubert Sumlin und Pinetop Pekins waren seine Mentoren, und auch bei Muddy Waters, Albert Collins und den Briten Peter Green und Jeff Beck hat der Mann aus Boston, Massachusetts, genau hingehört.

Sein letztes Album «Mississippi Suitcase» erhielt 2021 von der Blues Foundation eine Nomination als Best Blues Rock Album Of The Year. Und bei den Independent Blues Awards in jenem Jahr tauchte Parcek’s Name gleich drei Mal auf. Sein neues Werk «Most Of The Time» ist jetzt nur die weitere logische Entwicklung in der Erfolgsgeschichte eines interessanten Künstlers.

Parcek kombiniert hier sieben griffige Eigenkompositionen mit acht clever ausgewählten Covers von Mose Allison, Bob Dylan, John Hiatt, Elmore James, Fred McDowell, Bill Withers, Jessie Mae Hemphill und Freddie King. Und diese weiss er durchwegs hervorragend auf seine Bedürfnisse zuzuschneiden. Allen Songs charakteristisch ist die Freiheit, die er seinen Solo-Ausflügen gewährt – von der Länge her, von der Dynamik her, von der Experimentierlust her, von der stilistischen Herangehensweise her. Peter Parcek nennt die Art seines Spiels «Soul Guitar». Darin findet sich neben traditionellen Down Home Blues-Ansätzen viel Raum für jazzige Ausflüge, rockige Riffs und sphärische Klänge. Kurz: Sein «Most Of The Time» reiht sich locker unter die bemerkenswertesten Gitarren-Alben des laufenden Jahres ein – und gefällt ausserdem mit seiner Spieldauer von gut 78 Minuten!

Peter Parcek (g, voc), Tim Carman (dr, perc), Duke Robillard (g), Kevin Barry (lap steel, ac-g), Luther Dickinson (g), Mickey Raphael (harm), Marco Giovino (dr, perc), Dominic John Davis (e-b, ac-b), Mark Hickox (e-b), Tom West (b-3, rhodes), Mark Earley (horns, horns arr), Danielle Miraglia (voc), Marcos Anthero Silva (harm), Steve Scully (dr, loops), Daniel Kellar (v)

(CD, DL, www.peterparcekband.com)

 

Doug Duffey - Souvenirs

Viel mehr als nur irgendwelche «Souvenirs» blitzen bei Doug Duffey’s neuem Album auf. Denn in den neun von Duffey solo oder zusammen mit Gitarrist Dan Sumner geschriebenen Songs stecken auch die Erfahrung, das Wissen und die Seele verschiedenartigster, amerikanischer Musik drin.

Ausgehend von den Louisiana-Wurzeln der Band mäandert besagte Musik durch Funk-, Memphis Soul-, Delta Blues- und Folk-Territorien. Und natürlich findet sich auch ein Plätzchen für eine gefühlvolle Piano-Ballade wie «Delta Melody». Doug Duffey & Badd sind eine Truppe gestandener Routiniers, die es versteht, ihren Songs allgemein – ohne ständig auf die Tube drücken zu müssen – Energie, Druck und eine knisternde Atmosphäre zu verleihen. Die Band swingt und groovt mit der Ruhe und Präzision eines Pendels, die Soli besitzen Stil und Klasse, die Arrangements sind rund und kompakt gehalten, und Duffey bringt seine überdurchschnittlichen Lyrics mit viel Charme rüber. Die Beiträge einer Reihe von musikalischen Gäste (Bläser, Mandoline, Akkordeon, Chorgesang) setzen diesem feinen, abwechslungsreichen Album zudem ein passendes Sahnehäubchen auf. Anspieltipps: Der subtile Soulblues «Broken Heart And Empty Hand» und das einen Hauch John Lee Hooker-Stimmung verbreitende «Axe Jes Rite».

Doug Duffey (voc, keys), Dan Sumner (g, b, voc, perc), Adam Ryland (dr, perc), Ben Ford (b) plus Betsy Shirley & Naomi Holder (voc), The Sweet-N-Lo-Sistas (voc), Matt Morgan (mand), Mason Howard (acc), Bob Dowell (tb), Bert Windham (tp), Coby Heath (tp), Nate Johnson (sax), Wes Rougeou (sous)

(CD,  DL, www.dougduffeyandbadd.com)  

The Anthony Paule Soul Orchestra feat. Willy Jordan - What Can We Do?

Wenn Bandleader Anthony Paule aus der Bay Area etwas anpackt, hat es Stil und Klasse. Er und seine routinierte Truppe, das Soul Orchestra, verstehen es auf faszinierende Weise, auf «What Can We Do?» die Essenz einer vergangenen Epoche zu verinnerlichen und zeitgemäss frisch und knackig aufleben zu lassen. Soul Music ist das Zauberwort hier: Der Sound, der sich in den 1950er Jahren langsam aus dem Rhythm’n’Blues herausgeschält hat, um in den beiden nachfolgenden Jahrzehnten ihren Höhepunkt zu erreichen.

Christine Vitale, Larry Batiste und Anthony Paule, da und dort unter der Mithilfe von Willy Jordan, ist es gelungen, Stimmung, Groove, Charme, Biss und Romantik von Stax, Hi!, Motown oder Muscle Shoals zu büscheln und in einem Dutzend an prägnanten Eigenkompositionen auszudrücken. Hochinteressant zu erleben, wieviel Interessantes in einem Genre, welches seinen Höhepunkt vor einigen Jahrzehnten hatte, heute noch steckt, resp. möglich ist. Willy Jordan mit seiner emotionsgetränkten Stimme lässt Erinnerungen an manch einen der legendären Soul-Sängern der 60er und 70er Jahre aufblitzen. Das12-köpfige Ensemble swingt wie ein Uhrwerk durch die attraktiv mit Horns und Backing Vocals aufgesetzten Arrangements. Und Bandleader Anthony Paule hält gekonnt, aber unauffällig die Fäden in der Hand. Seine Soli sind kurz, geschmackvoll und songdienlich. Seine grosse Stunde an den sechs Saiten schliesslich schlägt im Instrumental «Bigger Guitar».

Anthony Paule (g), WillyJordan (voc, perc), Larry Batiste (voc), Tony Lufrano (keys), Timm Walker (b), Endre Tarczy (b), Bowen Brown (dr), Kevin Hayes (dr), Derek James (tb), Ethan Pires (tp), Charles McNeal (sax), Johnnie Bamont (sax), Rob Sudduth (sax), Jon Otis (perc), The Sons Of The Soul Revivers (b-voc), Omega Rae & Nona Brown (b-voc)

(CD, Vinyl, DL, www.nolabluerecords.com)

Blues To Bop Festival Lugano 17./18.07.2026

Drei Bühnen mitten in der Luganeser Altstadt mit einem grossen Aufgebot an spannenden Künstlern, der freie Eintritt und das hervorragende Sommerwetter machten das Blues To Bop Festival zu einem der Höhepunkte dieser Saison.

Nach einigen Experimenten in den letzten Jahren in Sachen Locations und Struktur hat sich die Stadt Lugano, welche für den Event verantwortlich zeichnet, heuer auf das Bewährte konzentriert. Und dies hiess: Talentierte, musikalisch hungrige Talente aller Roots-Schattierungen wieder hautnah für das Publikum auf den Plätzen der Stadt zu inszenieren. Während anderswo der Blues immer Rock-lastiger präsentiert wird, gibt sich Blues To Bop differenzierter. Die Hauptacts Thornetta Davis und Guy King tendierten mit ihren Bands in Richtung Soul, resp. Jazz. Jack Broadbent und Ghalia Volt führten viel Inspiration aus Mississippi im Gepäck, bei The Fat Six war es Rock’n’Roll, bei Jack In The Box Traditional Jazz, und die ghanaische Sängerin Wiyaala zeigte auf, wo die afrikanischen Wurzeln des Blues liegen.

Der Swiss Blues Award-Träger Walter Baumgartner überzeugte am Freitagabend sowohl mit seiner Blues Box, wie auch tags darauf im Duo mit Hannes Kasehs mit Deep Blues. The Delta Magpie, seines Zeichens mit dem Newcomer Award der Swiss Blues Society ausgezeichnet, nahm seine Zuhörer mit auf einen Trip durch Ragtime, Folk Blues und Old Timey Music. Die Gewinnerin der European Blues Challenge dieses Frühjahr, Alice Armstrong, hielt mit ihrem Quartett das Fähnlein des kraftvollen British Blues hoch, während der neue Shooting Star der New England-Szene, Delanie Pickering (obiges Bild) ihr Publikum mit differenziertem Chicago Blues begeisterte, und die erdig abrockenden Piper & The Hard Times aus Nashville ihrem Ruf als Gewinner der International Blues Challenge 2024 vollauf gerecht wurden.

www.longlake.ch

 

Chris O’Leary - Blue Collar

Chris O’Leary mag es bodenständig. Nicht von ungefähr steht «Blue Collar» als Titel für sein neues Album. Der Ex-Marine erzählt Geschichten und Vorkommnisse aus dem täglichen Leben und unterlegt diese mit ehrlicher, handgemachter Musik. Diese widerspiegelt, was O’Leary um die Jahrtausendwende als Frontman der Barnburners – der stilistisch breit aufgestellten Formation des ex-Drummers von The Band Levon Helm – alles aufgesogen hat und nun eigenständig umsetzt: Texas Roadhouse Blues («Bad Decisions», «Daddy Was A Wolfman»), Southern Soul («Am I The Only Fool?»), handfester Rock’n’Roll («One More Cup Of Coffee», «Live Baby Gators»), Chicago Blues à la Muddy  Waters («Nothing But A Memory»), swingender Jump Blues («Justice Must Be Blind»), Swamp Blues («After 2 AM»), New Orleans Second Line-Rhythmen («One Way Street») und cooler After Hours-Blues («How I’d Ever Get Along»).

Zur Vielfalt tragen zwar pointiert eingesetzte Horns und Backing Vocals sowie eine illustre Schar von Gästen bei – allen voran Gitarren-Maestro Bob Margolin, Label-Kollege Lil’ Ed Williams und Cajun-Legende Wayne Toups mit seinem Akkordeon – doch Herr im Hause ist und bleibt Chris O’Leary mit seiner ausdrucksstarken Stimme und seiner satten, von James Cotton inspirierten Amplified Harmonica. Definitiv eine runde Sache!

Chris  O’Leary (voc, harm), Pat O’Shea (g), Shiela Klinefelter (b, voc), Chuck Cotton (dr, voc) plus Wayne Toups (acc), Andy  Huenerberg, Mike Law, Rodrigo Mantovani (b), Mike Bram (dr), Dan Vitarello (dr, voc), Greg Gumpel, Bob Margolin, Lil’ Ed Williams (g), Chris Vitarello (g, voc), Bronson Hoover (keys), Jesse O’Brien (p), Shane Kirsch, Chris DiFrancesco, Andy Stahl, Ron Knittle (sax), Luke Kirley (tu, tb), Libby Cabello (voc)

(CD, Vinyl, DL, www.alligator.com)  

Harrell Davenport - Young Rell

Und hier ist es: Das Debutalbum eines 19-Jährigen, der seit seinem Auftauchen die Blueswelt in helle Aufregung versetzen konnte. Und Harrell „Young Rell“ Davenport aus Vicksburg, Mississippi, liefert! Der so sympathische wie begnadete Youngster bestätigt bravourös die hohen, in ihn gesetzten Erwartungen. Mit einer für sein Alter unglaublichen Reife und Tiefe punkto Songwriting, Gesang, Harmonica und Gitarrenspiel setzt Harrell Davenport ein sattes Ausrufezeichen.

Das Debut des Youngsters gibt sich erfreulich traditionell und wurzelt stark im Chicago-Blues eines Otis Rush, Magic Sam oder Junior Wells, ohne jedoch im Geringsten altbacken zu wirken oder gar nach Copy/Paste zu riechen. Harrell weiss genau, was er macht. Zudem: sein Talent und Feeling for the Blues wird gekonnt in die richtigen Bahnen gelenkt von seinem Mentor Billy Branch, von seinem Manager und Produzenten Matthew Skoller, und vom Gitarristen und Co-Produzenten Kid Andersen, in dessen Greaseland Studios das Album aufgenommen wurde. Dass dazu die Künstler-bezogene Philosophie von Jim Pugh’s Little Village Label die ideale Plattform für Young Rell bietet, versteht sich von selbst.

Von den 12 Songs, die alle ein veritables Live-Feeling versprühen, stammen deren 10 aus der Feder von Davenport. Herausragend etwa das autobiografische „Fatherless Child“, die beiden mit augenzwinkerndem Humor unterlegten „Tomorrow“, respektive „I’ll Keep It Hot For You“ sowie die beiden Instrumentals: „Richland Swing“ swingt – nomen est omen – ganz gehörig à la 1950er Jahre und in „Nite Creepin‘“ lässt Young Rell mit seinen Harmonica-Ausflügen Erinnerungen an den unvergessenen James Cotton aufkommen. Abwechslung in die Sache bringt ausserdem die feine Southern Soul-Nummer „Spinning“. Während der Youngster bei Fenton Robinson’s Klassiker „I Hear Some Blues Downstairs“ weitgehend dem Original treu bleibt, interpretiert er Bob Dylan’s Protestsong „Masters Of War“ als krispen Chicago Shuffle.

Das renommierte Living Blues Magazin hat schon vor einiger Zeit unumwunden verkündet: «This Kid is the REAL DEAL»! Nach dem Genuss dieses Albums schliessen wir uns dem ohne Zögern an. The Blues is alive and kickin’!

Harrell Davenport (voc, g, harm), Jim Pugh (org, p), Kid Andersen (g), Daquantae Johnson (b), Endre Tarczy (b), June Core (dr), Aaron Lington (sax), Niel Levonius (tp), Larry Batiste (b-voc, horns arr)

(CD, DL, Vinyl, www.littlevillagefoundation.com)

Ryan «Bluwrath» Newman - Wrath Of Blues

Eine neue, kesse Generation besinnt sich der Rolling Stones, B.B. King, Bob Dylan, Albert King, Mose Allison, Earl King, Aretha Franklin, Jimi  Hendrix, Jeff Beck, Stevie Ray Vaughan und Konsorten und bemächtigt sich unmissverständlich und unkompliziert derer Vorgaben. Zu diesen jungen, selbst deklarierten «Zornigen» zählt Ryan «Bluwrath» Newman aus Connecticut. Der flinkfingrige Gitarrist nähert sich seinen Idolen mit einer wohltuenden Unbeschwertheit, die Spass macht. Seine Interpretationen von Blues-, Rock- und gar Reggae-Evergreens klingen erfrischend, obwohl er meist nahe am Original bleibt.  

Eine zügige Version des Robert Johnson/Elmore James-Klassikers «Dust My Broom» startet den Reigen. Auch einem «Texas Flood», «The Thrill Is Gone», «Oh,  Pretty Woman», «Get Up Stand Up», «Miss You» oder «Highway 61 Revisited» vermag der Gitarrist durchaus etwas abzugewinnen. Arrangement-Tricks wie Horns, Strings, Gastsänger/innen und Chöre halten die Spannung hoch, während Newman’s Stärke unzweifelhaft in seiner stupenden Spieltechnik liegt, die er in reichem Masse auszuleben weiss. Sein Debut «Wrath Of Blues» ist ein Statement mit dem Charakter einer veritablen Juke Box. Was Ryan Newman noch fehlt, ist seine eigene musikalische Identität, die er mit persönlichem Songwriting finden muss. Die Voraussetzungen jedenfalls sind gegeben, denn sein selbst verfertigter Slow Blues «Leaving This World Tonight» zeigt genau, wo’s lang geht!

Ryan Newman (g, voc), Vic Washington (keys, voc), Mario  E. Sprouse (keys), Scott Spray (b), Bobby Torello (dr), Tim Leffingwell (b), Tony Lewis (dr), Mitchell Igneri (dr), John Isley (sax), Charlie Lagond  (sax), Artie Bressler (sax), Don Harris (tp, flh), Dave Cafro (tp), Rob Funk  (tb), Patrick Casey (tp), Keith Lafond (sax), John Smayda (sax),  John Grossbard (perc), Ken Florendo (perc), Russell Landis (b, g), Dave Robbins (harm), Arlene Wow (voc), Joan DuQuette (voc), Tenishia Toussaint (voc), Anita Antoinette (voc)

(CD, DL, www.ryanbluwrathnewman.com)

Baums Bluesbenders - Road Back Home

«Die CD ist eine Zeitreise mit verschiedenen Bluesstilen, die uns in unserem Leben begleitet und begeistert haben» schreibt Bandleader Norfried Baum im Begleittext zum neuen Album seiner Blues Benders.

Seit mehr als 30 Jahren sind der Multi-Instrumentalist/Sänger und seine Bandkumpels on the road. Und so sehr sie dies offensichtlich auch genossen haben und immer noch geniessen – davon zeugen der Opener «Online» mit seiner Message «endlich stehen wir nach langer Anreise auf der Bühne und dürfen los legen» und der swingende Party-Song «Till The Night Is Done» – so gross ist jeweils auch die Sehnsucht, wieder nach Hause zu gehen, hier angesprochen im Titelstück «Road Back Home». Ausser diesen Begleiterscheinungen der Landstrasse (dazu können wir ebenfalls den Track «Bluesclub» zählen, der sich mit der Corona-Zeit befasst, als Konzertbesuche nicht mehr möglich waren) besingt Norfried Baum in seinen 11 auf eigener Scholle gewachsenen Songs zudem die verschiedenartigen Freuden und Tücken von Beziehungskisten.

Wie Baum in seinem Zitat erwähnt, geben sich die Blues Benders ein weites stilistisches Korsett. Dazu gehören neben gradlinigem Rock’n’Roll und elektrischem Blues auch Anleihen bei Soul und Cajun Music. Den Louisiana-Flair von Letzterer erreichen die Blues Benders auf clevere Weise, indem sie im Song «Loving You» mit mehreren übereinander gelagerten Harmonicas einen täuschend ähnlichen Akkordeon-Sound erzeugen können. Eine beachtliche Howlin’ Wolf-Stimmung dagegen erzeugt die Band mit dem One-Chord-Vamp «Traffic Jam».

Norfried Baum (voc, g, mand, b, org, harm), Uwe Placke (harm), Jan Laacks (b, p, org, perc, b-voc, sound effects), Francis Holzapfel (dr) plus Simone Altheide (b-voc), Doc Fred Prünte (org), Jimmy Maxwell (upright b), Didi Dietrich (congas)

(CD, www.bluesbenders.de)

 

Groove Now Blues Weeks Basel mit Tribute to Creedence Clearwater Revival

Am 12. Juni 2026 ehrte das zweitletzte Konzert der Blues Weeks Basel eine der ganz grossen Bands der späten 60er- und frühen 70er-Jahre: Creedence Clearwater Revival. Die Band war nur von 1967 bis 1972 aktiv, brachte aber einige grosse Hits hervor, die längst zum festen Kanon des Blues-Rock gehören. Mit dem Song «Suzie Q», einem Song von Dale Hawkins, hatte die Band ihren ersten grossen Hit.

Ihren unverkennbaren Stil nannte man bald ‹Bayou Rock› oder auch ‹Swamp-Rock›. Deshalb, und auch wegen der Texte, verortete man die Band in den Südstaaten der USA, obwohl alle Musiker aus der Bay Area Kaliforniens stammten.

Das zu hören, was in der Jugend den Musikgeschmack mit geprägt hatte, dürfte für einen grossen Teil der Besucher ein Grund für den Besuch des Konzertes gewesen sein. Dieser Gedanke drängte sich beim Blick auf das Durchschnittsalter des Publikums im ausverkauften Antikenmuseum auf. Auch Patrick Kaiser sprach bei seiner Einführung in das Konzert seine entsprechenden Jugenderinnerungen an.

Natürlich war nicht zu erwarten, dass dieses hochkarätige Allstar Projekt versuchen würde, das Original klanglich zu klonen. Es gab ja auch kein Saxophon im Original Lineup. Die Musiker brachten ihre eigene Identität, ihren eigenen Stil in das Projekt ein. Es ging nicht darum, CCR zu kopieren, sondern die Songs der Band durch die eigene musikalische Brille zu interpretieren. Die Vorfreude im Saal war spürbar – und sie wurde nicht enttäuscht..

Mike Zito (g, voc), Albert Castiglia (g, voc), Jimmy Carpenter (sax, voc), Willy Barber (b) und Jimi Bott (dr) betraten ebenfalls gut gelaunt die Bühne. Schon beim ersten Song, «Born on the Bayou», brach im Saal eine Begeisterung los, wie man sie von einem Schweizer Publikum selten erlebt. Während des Konzerts wurde getanzt. Die Setlist hätte problemlos als Best-of-Programm durchgehen können.. Ich erinnere mich an «Down On The Corner»,  «Bad Moon Rising», «Suzie Q», «Green River», «I Heard It Through The Grapevine», «Who’ll Stop The Rain», «Proud Mary», einen zehn Minuten langen «Midnight Special», «Keep On Chooglin’» mit einem knackigen Solo von Jimmi Bot und als Zugabe «Before You Accuse Me».

Die Band spielte, als gehörten die CCR Songs zu ihrem Standardrepetoire. In alle Songs, die man als drei, vier minütige Stücke kennt, wühlten sich die beiden Gitarristen und Jimmy Carpenter tief hinein und füllten sie mit beeindruckenden Soli, sodass sie oft doppelt solang wurden. Mehr als einmal blieb nur ein Wort: grossartig. Mike Zitos Gesang erwies sich als ideale Besetzung für dieses Material, seine Stimme ähnelte der von John Fogerty. Leider ging seine Stimme im Gesamtmix stellenweise etwas unter.

 

 

Sierre Blues Festival 18. – 20.06.2026

Cinelli Brothers

«C’était un festival un peu bizarre cette année!» tönte es aus dem Kreis des Festival-OK. Nicht wegen dem Gebotenen auf der Bühne – dieses war durchwegs stark. Nein, der Grund lag im Stress, den zwei Absagen von gebuchten Künstlern ausgelöst hatten.

Kurz vor Festivalbeginn kam die Nachricht, dass Rag’n’Bone Man seine ganze Frühlingstour abgeblasen hatte. Dem umtriebigen Festival-Präsidenten Silvio Caldelari gelang es jedoch kurzfristig, mit dem dreifachen Grammy-Gewinner Fantastic Negrito einen mehr als valablen Ersatz zu engagieren. Und Negrito hat dann auch geliefert! Schwieriger wurde es mit dem Hauptact von Samstagnacht: D.K. Harrell, einer der angesagtesten Senkrechtstarter im Blues Biz, blieb ungewollt in Louisiana stecken. Während drei Tagen versuchte der Gitarrist auszufliegen, doch wurden seine Flüge wegen Hurrikan-Warnungen ein jedes Mal gecancelt. Glücklicherweise zeigte sich spontan die norwegische Formation «A Spoonful Of Blues», welche schon am Freitag aufgetreten war, bereit, mit einem abgeänderten Set plus anschliessender Jam Session die Lücke zu füllen.

Aus dem abwechslungsreichen Programm stachen einmal mehr die Cinelli Brothers heraus. Blues, Soul und bodenständiger Rootsrock vereinigen sich aufs Allerbeste in der Musik des Quartetts. Nicht nur Originalität, Gefühl und Spielfreude legt die Band in die Waagschale, auch mit einer gehörigen Portion Pfeffer würzen sie jeweils ihren Auftritt. Ebenfalls einen positiven Eindruck erhielt das Walliser Publikum von der spanischen Formation Koko-Jean & The Tonics, welche einen lebendigen Mix aus Retro-Soul und Rock’n’Roll auf die Bühne zauberten und zudem den Harmonica-Virtuosen Victor Puertas als Gast mitbrachten. Neben dem Lokalmatadoren Paul Mac Bonvin, der mit einer veritablen Big Band auffuhr und fast drei Stunden spielte, gefielen zudem die kürzlich zur Siegerin der European Blues Challenge gekürte britische Sängerin Alice Armstrong und die Swiss Blues Challenge Siegerin von 2025, Eve Gallagher, mit ihren jeweiligen Bands.

www.sierreblues.ch

 

Em Bebbi sy Jazz – Freitag, 14.08.2026

Bebby Jazz 2026 Logo

Zum 42. Mal jährt sich eines der weltweitgrössten Gratis-Musikfestivals. Zwischen 70'000 und 100'000 Begeisterte drängen sich jeweils am Freitag nach den Sommerferien in der Basler Altstadt um Jazz, Blues, Soul, Funk, etc. vorwiegend nationaler, aber auch internationaler Provenienz zu erleben.

Auf Plätzen, in Hinterhöfen, in Restaurants, Bars und Kellern präsentieren sich rund 700 Musiker und Musikerinnen in mehr als 90 Formationen auf über 30 Bühnen. Das Focus-Thema dieses Jahr heisst «Big Orchestra» und bringt einige bekannte Schwergewichte in Sachen Big Bands und Big Names. Auch ein gutes Dutzend Street Bands wird mit ihrem Sound die Strassen bevölkern.

Wir wollen aber an dieser Stelle unser Augenmerk auf Blues und Artverwandtes legen. Im Rosshof-Areal werden mit Eve Gallagher und Pascal Geiser zwei ehemalige Swiss Blues Challenge Sieger mit ihren Bands zu geniessen sein. Am gleichen Ort spielen auch die Lokalmatadoren Little Chevy. Im Unternehmen Mitte tritt das Petra Börnerova Trio, beim Leonhardsberg treten Snooks, Groovepack und Sophia & The Tight Groove auf. In der Gerbergasse spielen Frethike, auf dem Peterskirchplatz die Alpine Blues Birds, im Garten des Restaurants Löwenzorn Breiti & The Big Easy Gators, in der Rüdengasse die Gruppe Flagstaff, am Heuberg Bead Clean, am Noodlebärg der Singer/Songwriter Pink Pedrazzi.

Das Gesamtprogramm mit Spielzeiten, einem Übersichtsplan der Spielorte und vielen anderen Details findet sich unter www.embebbisyjazz.ch.  

24. Vallemaggia Magic Blues TI, 10.07. – 06.08.2026

 

 

24. Vallemaggia Magic Blues TI 10.07. 06.08.2026Das Programm des Magic Blues Festivals ist bekannt. 9 Konzertnächte mit 19 Acts in 4 verschiedenen Locations laden zwischen dem 10.07. und 06.08. zum Besuch. Eric Sardinas, Colosseum, Thorbjörn Risager, Miller Anderson und Paul Jones sind ein paar der herausstechenden Künstler dieses Jahr.

Traditionsgemäss fällt der Startschuss weit oben am Eingang des Val Lavizzara. Das Dorf Brontallo beherbergt die ursprünglich aus den Vereinigten Staaten stammende Sängerin Ty Le Blanc, welche ihren Gospel-Hintergrund in einen Pop-Soul-Mix einfliessen lässt. Den Abend für Le Blanc eröffnen wird die Tessiner Rock & Blues-Coverband The Green Led.

Der Name Eric Sardinas wird Gitarrenfreaks aufhorchen lassen. Der begnadete Stilist hat die Resonator-Gitarre in neue Dimensionen geführt. Am 15.07. wird Sardinas in Cevio auftreten. Opening Act: Das italienische Bad Blues Quartett, welches ihr letztes Album von keinem Geringeren als Mike Zito  produzieren liess.

Ein fester Bestandteil des Vallemaggia Magic Blues ist jeweils die European Blues Night. Dieses Jahr führt die musikalische Reise nach Frankreich (die Gruppe Charb-On), nach Italien (Sacromud) und in den Raum Zürich: Die Eve Gallagher Band, Siegerformation der Swiss Blues Challenge 2025 und Finalistin bei der European Blues Challenge 2026, präsentiert ihr spannendes Blues/Soul/Funk-Elixir.

Ein Veteran der britischen Bluesrock-Bewegung gibt sich in Maggia Ronchini die Ehre: Miller Anderson war einst Mitglied der Keef Hartley Band, mit der er 1969 am legendären Woodstock Festival auftrat. Des Weiteren spielte der schottische Gitarrist mit u.a. Kim Simmonds, Stan Webb, Donovan, Spencer Davis, Roger Chapman, Jon Lord und Maggie Bell. Seinen Abend anheizen wird Paolo Bonfanti aus Italien.

Und gleich eine nächste UK-Legende folgt tags darauf: Colosseum um Chris Farlowe, Clem Clempson und Mark Clark wollen versuchen, ihren beeindruckenden Auftritt von 2023 noch zu toppen. Special Guests dieses Mal: die Schweizer Basement Saints.

Auch Thorbjörn Risager & The Black Tornado waren 2023 unterwegs, einen spektakulären Gig abzuliefern. Der Wettergott jedoch liess es wie aus Kübeln schütten – das Konzert musste abgebrochen werden. Neues Spiel, neues Glück – das brillante dänische Oktett ist zurück für hoffentlich einen ganzen Set. Opener: The Gamblers aus Italien.

Und weiter geht es mit britischen Legenden: Paul Jones und John Etheridge geben sich die Ehre. Paul Jones – Sänger, Mundharmonika-Meister, Schauspieler sowie Radio- und Fernsehpräsentator – wurde bekannt als der Mann, der Brian Jones und Keith Richards einen Korb gab, als diese ihn als Sänger für jene Band wollten, welche schliesslich zu den Rolling Stones wurde. Dies wurmte Jones nie, da er mit Manfred Mann, The Blues Band, als gefragter Guest Star quer durch alle Stile sowie auf der Leinwand eine faszinierende Karriere durchleben durfte. John Etheridge bewies seine Saitenkünste von Jazz und Blues über klassische bis zur zeitgenössischen Musik. Bekannt wurde er mit den Bands Warhorse, Wolf und Soft Machine sowie mit Stéphane Grapelli und Nigel Kennedy. Die Tessiner Delta Groove Band eröffnet jenen Abend.

Eine veritable Swiss Night steht am 05.08. auf dem Programm. Larissa Baumann, stolze Trägerin eines Swiss Blues Awards, und ihre hochklassige Band um den Keyboarder Angelo Signore wird für eine Soul-triefende Stimmung sorgen. Die Nordwestschweizer Truppe Take The 55 mit ihrem klassischen Rhythm’n’Blues passt da ideal dazu.

Das Vallemaggia Magic Blues Festival endet mit Eric Steckel aus den vereinigten Staaten und der Lausanner Gruppe Sideburn, welche tief in die Trickkiste des krachenden Rock greifen werden.

www.magicblues.ch

 

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16Sep
Mi 16 Sep, 2026
19:30h
Vanessa Harbeck

17Sep
Do 17 Sep, 2026
19:30h
The Delta Magpie

18Sep
Fr 18 Sep, 2026
19:30h
Purple Lights

18Sep
Fr 18 Sep, 2026
20:00h
Vanessa Harbek Band

19Sep
25Sep
Fr 25 Sep, 2026
21:00h
Dom Martin

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